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So verkürzen Starter, Hard- und Softlinks die Klickwege

21.08.2008 | 12:45 Uhr |

Im analogen Leben gibt’s keine Abkürzung: Wenn der Hammer im Keller liegt, müssen Sie in den Keller gehen. Am PC haben Sie’s besser: Hier bilden Sie, was Sie ständig brauchen, einfach nochmal ab – am Desktop oder unter „/home“.

Ein Softlink ist nur ein praktischer Zeiger auf ein anderes Dateiobjekt. Typischerweise dient er auf der grafischen Oberfläche als Abkürzung an zentraler Stelle – etwa am Desktop – zu einem abgelegen Ort:

ln -s /media/sepp/Virtualbox/ISO/~/Schreibtisch/ISO

Dazu muss man aber nicht das Terminal bemühen. Die Dateimanager unter Ubuntu, Mint & Co. bieten zwar zumeist keine Menüoption (mehr), beherrschen aber die Linkerstellung mit der Tastenkombination Strg-Umschalt.

Sie markieren also das Dateiobjekt, drücken Strg-Umschalt und ziehen es mit der Maus an den gewünschten Ort. Das geht auch über die Dateisystemgrenzen und über Festplatten hinweg. Falls Sie einen Ordner von einer Samba-Freigabe verlinken wollen, brauchen Sie allerdings ln im Terminal sowie den lokalen Mountordner – etwa folgendermaßen:

ln -s /var/run/user/1000/gvfs/smbshare:server=192.168.0.8,share=data/Transfer ~/Schreibtisch/Transfer

Dies lohnt sich aber nur für einen gezielten Unterordner, andernfalls fahren Sie einfacher und besser, sich „Eingehängte Datenträger“ über die allgemeinen Einstellungen am Schreibtisch anzeigen zu lassen.

Egal ob verlinkter Ordner oder Datei: Grafische Oberflächen kennzeichnen Softlinks durch einen Verknüpfungspfeil. Der Befehl ls -al zeigt außerdem das Linkziel an. Wenn Sie Softlinks löschen, betrifft das nicht das Ziel und dessen Dateien, sondern nur die Linkdatei.

Hardlinks können nur im Terminal erstellt werden und repräsentieren eine identische Datei an zweiter oder mehrfacher Stelle im Dateisystem. Dabei kann der Hardlink denselben Namen oder einen neuen erhalten:

ln steuer.xls /home/sepp/Dokumente/
ln steuer.xls /home/sepp/Dokumente/steuer2.xls

Welche der Dateien Sie öffnen oder bearbeiten, spielt keine Rolle. Und wenn Sie die Originaldatei oder den Hardlink löschen, bleibt sie durch die zweite Repräsentation vollständig erhalten.

Unter der Haube spielen Hardlinks eine wichtige Rolle bei Backups, im Benutzeralltag gibt es zwei Motive:

1. Eine Datei ist so wichtig, dass bei versehentlichem Löschen eine zweite, dritte Instanz vorliegen soll. Außerdem sollen Änderungen für alle Instanzen gelten.

2. Eine Konfigurationsdatei, Systembibliothek oder ein Script wird in mehreren Verzeichnissen benötigt und überall mit identischem Inhalt. Flexibel sind Hardlinks nicht: Sie funktionieren nur im selben Dateisystem – schon die Partitionsgrenze einer Festplatte ist unüberwindlich, erst recht getrennte Festplatten oder Netzlaufwerke. Außerdem können Hardlinks nur Dateien, keine Verzeichnisse abbilden. Wenn von einer Datei mehrere Hardlinks existieren, zeigt der Befehl ls -al eine Zahl größer „1“ in der Spalte nach den Dateirechten.

Gut so: Der mit „mount --bind“ verlinkte Ordner „Daten“ darf nicht gelöscht werden.
Vergrößern Gut so: Der mit „mount --bind“ verlinkte Ordner „Daten“ darf nicht gelöscht werden.

Linkalternative mit „mount --bind“

Eine weitere Verlinkungsoption für beliebige lokale Ordner (aber keine Samba-Freigaben) bietet der Mount-Befehl mit „--bind“:

sudo mount --bind /media/sepp/Daten ~/Schreibtisch/Daten

Das Mount-Verzeichnis muss existieren. Der Ordner erhält in diesem Fall keinen Verknüpfungspfeil und alle rekursiven Befehle wirken sich auf den Zielordner aus. Der auf diese Weise auf den Desktop gemountete Ordner wird also bei allen rekursiven Kommandos im Home-Verzeichnis einbezogen (find, ls, rm, rsync …) einschließlich aller Löschaufträge. Fatales Löschen des Mountordners selbst (wie bei einem Softlink) ist jedoch nicht möglich.

Wer nur eine schnelle Klickabkürzung sucht, ist mit einem einfachen Softlink besser beraten. Wenn ein externer Ordner aber eng ins Home-Verzeichnis eingebunden werden soll, ist diese Mount-Option allerdings ideal.

Lesetipp Linux-Grundlagen: Tipps zur besten Konfiguration

Starterdateien anlegen und nutzen

Starterlinks für Programme sind unter Linux Textdateien mit der Endung „.desktop“ und einem Standardsatz von Direktiven wie „Name=…“, „Exec=[Programmaufruf]“ oder „Icon=[Icondatei]“. Solche Starter, die unter „/usr/share/applications“ versammelt sind, sind ein ergiebiges Feld für Desktopbastler. Wenn Sie eine Datei aus dem genannten Ordner mit gedrückter Strg-Taste zum Desktop kopieren, ist sie auch dort startfähig. Bei anderen Zielordnern funktioniert nur Kopieren und nachfolgendes Einfügen. Eventuell müssen Sie den Starter nach Doppelklick erst „Als vertrauenswürdig markieren“ (Mint) oder „Vertrauen und starten“ (Ubuntu). In manchen Fällen ist es sogar nötig, unter „Eigenschaften –› Zugriffsrechte“ das Execute-Bit zu setzen.

Linux Mint kann nach Rechtsklick am Desktop mit „Neuen Starter hier erstellen“ einen Programmstarter anlegen. Die Funktion bleibt aber etwas unfertig, da dieser Dialog nur Name und Befehl vorsieht. Das Icon müssen Sie manuell einrichten, indem Sie den Starter nach Rechtsklick und „Öffnen mit“ in die Textbearbeitung laden und die Zeile „Icon=“ selbst eintragen. Bei vielen Programmen können Sie den Namen des Exec-Befehls – etwa „firefox“ – auch für das Icon übernehmen.

Mit etwas Bastelarbeit holen Sie noch mehr aus den Startern, wie die Abbildung auf dieser Seite zeigt: Das Format der Desktopdateien erlaubt eine beliebige Anzahl von Programmstarts, die das Startericon nach Rechtsklick im Kontextmenü anbietet – allerdings nur, wenn es in eine Starterleiste eingebaut ist. Ideal ist das Plank-Dock (Paketname „plank“), aber auch das Standard-Dock von Ubuntu 18.04 ist möglich. Der Einbau des Icons in das Plank-Dock ist einfach: Es genügt, die Desktopdatei ins Home-Verzeichnis, etwa nach „/home/[user]/.local/share/applications“ zu kopieren, dort über den Dateimanager und „Eigenschaften“ ausführbar zu schalten und anschließend mit der Maus in das Dock zu ziehen. Zum Einbau in den Starter von Ubuntu 18.04 muss das Script unbedingt nach „/home/[user]/.local/share/applications“ und dort ausführbar geschaltet werden.

Das Terminalicon im Ubuntu-Dock zeigt und startet nach Rechtsklick alle wichtigen Systemtools.
Vergrößern Das Terminalicon im Ubuntu-Dock zeigt und startet nach Rechtsklick alle wichtigen Systemtools.

Nur an dieser Stelle berücksichtigt es die Gnome-Programmübersicht (das Symbol mit neun Punkten) und kann von dort per Rechtsklick und „Zu Favoriten hinzufügen“ in das Dock übernommen werden. Beachten Sie, dass im Ubuntu-Dock Änderungen am Script immer erst nach einer Neuanmeldung aktiv werden (!), während das Plank-Dock Änderungen im laufenden Betrieb einliest.

Unsere drei Beispiele liefern Ihnen Vorlagen, um die einfache, aber doch lästige Tipparbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Die Dateien „System.desktop“, „Orte.desktop“ und „Favoriten. desktop“ bieten drei Sammlungen, die Sie übernehmen oder ausbauen können. Die Vorlagen finden Sie auf https://paste.ubuntu.com/p/2Tkrp8tH8b/ . Die Script-Datei in der Abbildung zeigt das Prinzip: Unter „[Desktop Entry]“ ist die Hauptaktion für den Linksklick definiert.

Der Eintrag „Actions=“ in der Hauptsektion meldet die nachfolgenden Zusatzaktionen an, die dann in den Untersektionen als „[Desktop Action <Name>]“ nur noch eine Bezeichnung und den Exec-Programmaufruf benötigen. Der Einfachheit halber nummerieren Sie dabei die „Actions“ einfach durch, im Prinzip funktioniert statt „1“, „2“, „3“ aber auch jede eindeutige Textbezeichnung.

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