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Windows 10: Coole, aber unbekannte Funktionen

07.02.2021 | 08:30 Uhr |

Mit jeder weiteren Windows-Version gibt es zahlreiche neue Funktionen. Manche kommen bei vielen Nutzern sofort und dauerhaft zum Einsatz. Andere sind wenig spektakulär oder gehen in der Flut der Anwendungen und Neuerungen unter. Wir stellen hier die wichtigsten der weniger bekannten Funktionen vor.

Erinnern Sie sich noch an die erste Ausgabe von Windows 10? Der Nachfolger von Windows 8.1 wurde im Sommer 2015 veröffentlicht. Danach folgten neben unzähligen Insider-Builds insgesamt zehn neue Versionen – zuletzt das Oktober-2020-Update (Version 20H2). Wenn Sie heute die erste Windows-Version 1507 installieren würden, müssten Sie auf einige Funktionen verzichten: Dazu zählen etwa die Timeline, die erweiterte Zwischenablage, das Windows-Subsystem für Linux (WSL), die Windows Sandbox, die Handy-Synchronisierung und vieles vieles mehr. Im Folgenden blicken wir zurück und stellen die wichtigsten Anwendungen noch einmal vor.

Virtuelle Desktops: Mehrere Arbeitsumgebungen sichtbar trennen

Ein virtueller Desktop verhält sich wie ein normaler: Wenn Sie also feststellen müssen, dass der Platz auf der Monitoroberfläche eng wird, erstellen Sie einfach einen neuen Desktop.
Vergrößern Ein virtueller Desktop verhält sich wie ein normaler: Wenn Sie also feststellen müssen, dass der Platz auf der Monitoroberfläche eng wird, erstellen Sie einfach einen neuen Desktop.

Gerade in Homeoffice-Zeiten erleben virtuelle Desktops eine Renaissance. Privates Vergnügen und Büroarbeiten lassen sich damit auf separate Arbeitsbereiche verteilen. So kann man auch mit nur einem Monitor strukturiert arbeiten und Multitasking in Windows 10 besser einsetzen. Trotz Trennung der Fenster auf den virtuellen Desktops blättern Sie wie gewohnt mit den Tastenkombinationen Alt-Tab und Windows-Tab durch alle geöffneten Anwendungen. Die Funktion heißt Taskansicht und lässt sich über ein zusätzliches Symbol in der Taskleiste steuern.

Standardmäßig zeigt Windows 10 nur einen Desktop an. Zum Hinzufügen weiterer Desktops klicken Sie auf den Button „Aktive Anwendungen“ in der Taskleiste rechts neben der Suchleiste. Klicken Sie oben auf „+ Neuer Desktop“: Windows 10 öffnet daraufhin einen zweiten Desktop, auf dem Sie unabhängig vom ersten Desktop Fenster öffnen und anordnen können. Sie können etwa eine Ansicht für Office-Anwendungen wie Word, Excel oder Libre Office nutzen, auf einem zweiten Desktop Ihr Mailprogramm und den Browser anordnen und auf einem dritten Ihre Bildbearbeitung starten. Auf jedem virtuellen Desktop sehen Sie stets nur die Fenster, die die jeweilige Aufgabenstellung gerade erfordern. Nicht benötigte Fenster sind währenddessen ausgeblendet. Zum Hin- und Herschalten der Desktops klicken Sie wiederum auf den Button „Aktive Anwendungen“ in der Taskleiste und dann auf die gewünschte Desktopkachel.

Tipp: Einen neuen virtuellen Desktop erstellen Sie mit der Tastenkombination Windows-Strg-D. Schließen lässt sich ein virtueller Desktop durch Drücken der Tastenkombination Windows-Strg-F4.

Windows 10: Diese Features kommen im Jahr 2021

Microsoft Paint 3D: Zeichnen und Malen in der dritten Dimension

Das normale Malen, Zeichnen oder Kritzeln funktioniert weiterhin auch mit Paint 3D. Allerdings stehen Ihnen wesentlich mehr Werkzeuge zur Verfügung als in den früheren Versionen von Microsoft Paint.
Vergrößern Das normale Malen, Zeichnen oder Kritzeln funktioniert weiterhin auch mit Paint 3D. Allerdings stehen Ihnen wesentlich mehr Werkzeuge zur Verfügung als in den früheren Versionen von Microsoft Paint.

Seit über 30 Jahren ist das Programm Paint untrennbar mit Windows verbunden. Doch erst mit dem Windows 10 Creators Update (Version 1703) hat die Bildbearbeitungs-Software eine längt überfällige Generalüberholung erfahren. Paint unterstützt seitdem auch die dritte Dimension.

Der Einstieg in Paint 3D ist einfach: Auf der Bedienoberfläche fangen Sie bei Null an oder wählen eine Vorlage zum Ändern. Rechts zeigt Paint 3D Funktionen, Werkzeuge und Optionen. Das sind etwa Mal- und Zeichenwerkzeuge wie „Kalligrafiestift“, „Wasserfarbe“ und „Spraydose“. Die Strichstärke lässt sich stufenlos einstellen, von einem Pixel bis hin zu 100 Pixeln. Die als „Deckkraft“ bezeichnete Transparenz kann ebenfalls verändert werden. Im Bereich „3D-Objekte“ stehen diejenigen Elemente zur Auswahl, mit deren Hilfe Sie dreidimensionale Kunstwerke erschaffen. Entweder Sie wählen eines der angebotenen 3D-Modelle aus und passen es an Ihre Wünsche an. Oder Sie gestalten eigene Formen, indem Sie die sechs „3D-Objekte“, darunter „Würfel“, „Zylinder“ und „Ring“ miteinander kombinieren. Die dritte Möglichkeit nennt sich „3D-Skizze“. Entscheiden Sie sich dafür, verleiht Paint 3D der von Ihnen gezeichneten Form einen Pseudo-3D-Effekt. Haben Sie Ihre Kreation fertiggestellt, können Sie das Projekt als offene Datei speichern, um es zu einem späteren Zeitpunkt weiterzubearbeiten. Neben den populären Dateiformaten JPG, PNG und TIF unterstützt Paint 3D auch die Formate 3MF für die Ausgabe auf 3D-Druckern und FBX. Letzteres findet unter anderem auch in professioneller 3D-Software wie Cinema 4D, Lightwave 3D und 3D Studio Max Verwendung.

Ihr Smartphone-App: Windows 10 und das Mobiltelefon verknüpfen

Die Windows-App „Ihr Smartphone“ ermöglicht, SMS bequem über die Tastatur am Notebook oder Desktop- PC zu verschicken und direkt auf die Fotos auf dem Mobiltelefon zuzugreifen.
Vergrößern Die Windows-App „Ihr Smartphone“ ermöglicht, SMS bequem über die Tastatur am Notebook oder Desktop- PC zu verschicken und direkt auf die Fotos auf dem Mobiltelefon zuzugreifen.

Mit dem Windows 10 Creators Update (Version 1703) hat Microsoft die Funktion „Continue on PC“ eingeführt. Aus ihr wurde später die App „Ihr Smartphone“ mit ständig erweiterten Funktionen. Sie verbindet Android-Handys und iPhones mit dem Windows-Rechner.

Der Vorteil dabei: In Verbindung mit einem Android-Gerät können Sie mithilfe der App vom PC aus Anrufe tätigen und empfangen, Nachrichten schreiben, Benachrichtigungen überprüfen und schneller auf die Fotos und Apps des Smartphones zugreifen.
Nach dem Aufrufen der App „Ihr Smartphone“ am PC beginnen Sie mit der Einrichtung. Installieren Sie die App dann auf dem Android-Gerät und verbinden Sie die beiden Geräte. Hierzu erteilen Sie entsprechende Freigaben. Danach schreiben Sie etwa auf dem Computer neue Nachrichten als SMS und verschicken sie via Smartphone. Neue Nachrichten empfangen Sie ebenfalls am PC. Sind PC und Smartphone via Bluetooth verbunden, lassen sich auch Telefonate mit der Windows-App einleiten.

Zuletzt hat Microsoft seiner App einige weitere Funktionen hinzugefügt: So lassen sich Android-Apps direkt auf Ihrem PC anzeigen und mit ihnen interagieren. Das funktioniert beispielsweise mit Google Maps, um eine Karte oder Navigationsroute am Computer anzuzeigen. Im heimischen WLAN-Netzwerk können Sie per Drag and Drop Dateien zwischen dem Windows-PC und Ihrem Smartphone austauschen. Hinweis: Auf einem iPhone stehen mit der „Ihr Smartphone“-App nur eingeschränkte Funktionen bereit. Wenn Sie etwa eine Webseite im Safari-Browser auf dem iPhone öffnen und auf das „Teilen“-Symbol (das mittlere in der unteren Leiste) tippen, erscheint ein Fenster mit einem Icon zur Weitergabe an den PC. Im Anschluss erscheint ein kleines Fenster, das eine Zusammenfassung der Seite einblendet und darunter zwei Links zeigt: „Jetzt fortfahren“ und „Später fortfahren“. Beim ersten Befehl wird die Webseite direkt auf dem Windows-Rechner in Edge geöffnet. Bei der zweiten Auswahl erhalten Sie im Info-Center einen Hinweis und können den Link zu einem späteren Zeitpunkt selbst aufrufen.

Timeline: Aktivitätenprotokoll mit Schnellzugriff auf Ihre Daten

Die Timeline von Windows 10 zeigt chronologisch die Dokumente, Webseiten und Anwendungen, die Sie zum Beispiel am Vortag oder auch nur am selben Vormittag geöffnet oder bearbeitet haben.
Vergrößern Die Timeline von Windows 10 zeigt chronologisch die Dokumente, Webseiten und Anwendungen, die Sie zum Beispiel am Vortag oder auch nur am selben Vormittag geöffnet oder bearbeitet haben.

Seit dem Spring Creators Update (Version 1803) gibt die Timeline-Funktion von Windows 10 einen Überblick über Ihre letzten Aktivitäten. Sie zeigt etwa zuletzt geöffnete Dokumente in chronologischer Reihenfolge an. So sehen Sie sofort, woran Sie zu diesem Zeitpunkt gearbeitet haben. Zur besseren Übersicht hat Microsoft Timeline direkt in die Windows-Taskansicht integriert, die Sie über das Icon rechts vom Suchfeld in der Taskleiste oder über die Tastenkombination Windows-Tab aufrufen.

Vereinfacht ausgedrückt stellt die Timeline eine Art erweiterte Taskansicht dar, die sich einen Großteil der während der letzten 30 Tage am Rechner durchgeführten Aktivitäten merkt und sie in Form eines Zeitstrahls präsentiert. Im oberen Bereich der Timeline sind alle aktuell geöffneten Anwendungen und Apps zu sehen. Darunter sind die jeweiligen Aktivitäten zusammen mit dem Datum aufgeführt. Um einen Blick auf alle Einträge eines Tages zu werfen, klicken Sie auf den Befehl „Alle Aktivitäten von X anzeigen“, wobei „X“ für die Gesamtzahl der Aktivitäten steht. In dieser Detailansicht sind die Inhalte dann nach Stunden unterteilt. Mithilfe des an der rechten Seite platzierten Schiebereglers blättern Sie vertikal durch die einzelnen Stunden und Tage. Über das oben rechts untergebrachte Lupensymbol rufen Sie die integrierte Suchfunktion auf.

Via Cloud: Mehr Funktionen für die Windows-Zwischenablage

Die erweiterte Zwischenablage kann mit der Tastenkombination Win-V jederzeit eingeblendet werden, um beispielsweise Elemente auszuwählen und anzupinnen.
Vergrößern Die erweiterte Zwischenablage kann mit der Tastenkombination Win-V jederzeit eingeblendet werden, um beispielsweise Elemente auszuwählen und anzupinnen.

Die Zwischenablage ist eines der am häufigsten gebrauchten Werkzeuge von Windows. Die Tastenkombinationen Strg-C, Strg-X und Strg-V zum Kopieren, Ausschneiden und Einfügen sind jedem Anwender vertraut. In der Zwischenablage landet übrigens auch jeder Screenshot, den Sie mit der Taste Druck erstellen und von dort weiterverarbeiten können.

Die mit Windows 10 Version 1809 eingeführte neue Zwischenablage beseitigt das mit Abstand größte Funktionsdefizit: Endlich können bis zu 25 Einträge gesichert werden. Den „Zwischenablageverlauf“ schalten Sie in der „Einstellungen“-App unter „System –› Zwischenablage“ ein. Zusätzlich lässt sich hier auch die geräteübergreifende Synchronisierung einschalten. Mit der Tastenkombination Windows-V zeigt ein Fenster dann etwa Texte und Bilder in einer Liste an, die neuesten Inhalte stehen am Beginn.

Mit einem Mausklick auf einen Eintrag wird die Auswahl wieder aktiv und beispielsweise automatisch an die aktuelle Cursor-Position in Word in ein Dokument eingefügt. Mit einem Klick auf das „X“ rechts bei einem Eintrag wird das Element aus der Zwischenablage entfernt.

Die erweiterte Zwischenablage von Windows steht via Cloud auch auf anderen Geräten zur Verfügung, die per Onedrive und dem gleichen Nutzerkonto verbunden sind. So lassen sich dann Inhalte zwischen Desktoprechner, Notebook und Surface austauschen.

Windows-Subsystem für Linux: Ubuntu-Bash nutzen

Linux für die Kommandozeile lässt sich direkt aus dem Windows Store installieren. Möglich macht dies das Windows-Subsystem für Linux (WSL) 2.0, das nur zuvor aktiviert werden muss.
Vergrößern Linux für die Kommandozeile lässt sich direkt aus dem Windows Store installieren. Möglich macht dies das Windows-Subsystem für Linux (WSL) 2.0, das nur zuvor aktiviert werden muss.

Sie arbeiten gerne mit der Linux-Bash und vermissen ein solches Werkzeug unter Windows? Dann dürfte es Sie freuen, dass es die Linux-Eingabeaufforderung auch unter Windows 10 gibt, allerdings versteckt. Das grundlegend überarbeitete Windows-Subsystem für Linux (WSL) 2 ist auf Windows 10 ab Version 1903 verfügbar. Allerdings muss das Windows-Subsystem für Linux noch von Hand eingeschaltet werden. Dazu rufen Sie über das Suchfeld der Taskleiste „Windows-Features aktivieren oder deaktivieren“ auf, scrollen nach unten und aktivieren „Windows-Subsystem für Linux“.

Starten Sie den PC anschließend neu, und aktualisieren Sie das WSL in der „Einstellungen“-App unter „Update und Sicherheit“. Nach einem weiteren Neustart installieren Sie ein Linux-System. Öffnen Sie den Windows-Store und suchen Sie nach „Linux“. In der Trefferliste erscheinen unter anderem Ubuntu, Kali Linux, Suse Linux und Debian. Installieren Sie das System Ihrer Wahl. In der Praxis bedeutet diese Integration, dass Entwickler alle für die Konsole konzipierten Linux-Pakete direkt unter Windows 10 verwenden können.

Windows-Sandbox: Isolierte Umgebung für mehr Sicherheit

Mit Windows 10 Version 1903 hat Microsoft in der Professional-Variante die Sandbox eingeführt, sie muss jedoch im Fenster „Windows-Features aktivieren oder deaktivieren“ zunächst eingerichtet werden. Nach einem Neustart geben Sie „Sandbox“ in das Suchfeld ein und klicken in der Liste auf den einzigen Treffer. Auf dem Desktop öffnet sich ein Windows in einem Fenster. Hier können Sie nun etwa Ihre Bankgeschäfte erledigen oder surfen. Wenn Sie die Sitzung schließen, gehen alle Änderungen verloren, sodass Sie beim nächsten Windows-Start wieder eine frische Umgebung vorfinden. Das gilt übrigens auch für alle installierten Anwendungen.

Lesetipp: Noch mehr Top-Windows-Funktionen, die Sie nicht kennen

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