2545077

WLAN & Heimnetz: So schnell ist es wirklich

23.11.2021 | 13:30 Uhr |

Was Ihnen Hersteller von WLAN- und Netzwerkgeräten über Tempo erzählen, sollten Sie mit Skepsis betrachten – das wissen Sie. Aber wie stellen Sie mit wenig Aufwand zuverlässig fest, wie schnell Ihr Heimnetz tatsächlich Daten überträgt? Das zeigt dieser Ratgeber.

Wenn im Heimnetz alle Verbindungen ohne Aussetzer in Videostreams oder Homeoffice-Konferenzen funktionieren und selbst Hintergrundaufgaben wie automatische Backups auf die NAS ohne Probleme ablaufen, gibt es keinen Anlass, die Übertragungsrate zu prüfen.

Doch in der Praxis ist das nicht immer so. Und auch wer häufig mit Freigabeordnern auf der NAS arbeitet und größere Dateien wie Videos oder VM-Images im Heimnetz verschiebt, weiß gerne genauer, wie schnell die Daten tatsächlich von A nach B fließen. Mit unseren Tipps können Sie zudem schon vor dem Kauf realistisch einschätzen, welches Tempo Sie von Router, Repeater oder Netzwerkkarte erwarten dürfen. Und im Netzwerkalltag wissen Sie genau, wo Sie zuverlässige Angaben zur Geschwindigkeit einer Verbindung finden.

WLAN-Technik 1x1: Das bedeuten die Fachbegriffe

Netzwerktempo in der Theorie

Grundsätzlich zeigt die Übertragungsgeschwindigkeit im Netzwerk, wie viele Informationseinheiten oder Daten pro Zeiteinheit zwischen zwei Netzwerkgeräten übertragen werden – meist in Bit (bit), Kilobit (kBit), Megabit (MBit) oder Gigabit (GBit) pro Sekunde. Sie wird auch als Übertragungsrate oder Transferrate bezeichnet. Da die Daten zwischen Netzwerkadaptern in zwei Richtungen fließen können, gibt es eine Upstream- und eine Downstream-Übertragung. Vom Gerät A aus gesehen, ist die Geschwindigkeit, mit der die Daten von Gerät A zu Gerät B fließen, die Upstream-Rate, während die Downstream-Rate die Geschwindigkeit der Daten von Gerät B zu Gerät A beschreibt. Diese können, müssen aber nicht identisch sein.

Das sagt die Linkrate einer Verbindung aus

In den Eigenschaften der WLAN-Verbindung zeigt Windows 10 die aktuelle Linkrate einer WLAN-Verbindung an.
Vergrößern In den Eigenschaften der WLAN-Verbindung zeigt Windows 10 die aktuelle Linkrate einer WLAN-Verbindung an.

Eine Netzwerkverbindung überträgt nicht nur die eigentlichen Nutzdaten wie Fotos, Dokumente oder Bilder eines Videostreams. Damit sie stabil ablaufen kann, benötigt sie je nach Verbindungsart – also abhängig davon, ob der Transfer über LAN-Kabel, WLAN oder Powerline erfolgt – auch einen unterschiedlich hohen Anteil an Protokoll- und Verbindungsinformationen. Diese geben zum Beispiel an, von und zu welchem Gerät die Daten unterwegs sind, und enthalten Prüfsummen, mit denen die Verbindungspartner eine korrekte Übertragung feststellen oder Transferfehler korrigieren können.

Bei Übertragungen über Netzwerkkabel macht dieser Anteil an Protokollinformationen – oft als „Overhead“ bezeichnet – etwa fünf Prozent der gesamten Datenmenge aus, während der Overhead bei WLAN- oder Powerline-Übertragungen durchaus 30 bis 50 Prozent erreichen kann. Als Tempoangabe für ihre Netzwerkprodukte geben Hersteller grundsätzlich die so genannte „Linkrate“ oder Bruttoübertragungsrate an. Sie fällt höher als die Nettodatenrate aus, weil sie neben den übertragenen Nutzdaten auch die Protokolldaten mitzählt. In der Praxis ist die Linkrate jedoch nicht besonders aussagekräftig. Schließlich möchten Sie wissen, wie schnell die reinen Nutzinhalte von A nach B fließen. Dazu müssen Sie den Anteil der Nettodaten bei den verschiedenen Übertragungsarten im Heimnetz kennen.

Nettoübertragungsraten bei Ethernet, WLAN und Powerline

Bei einer Ethernet-Verbindung über das gut abgeschirmte Netzwerkkabel liegt der Nutzdatenanteil mit rund 95 Prozent sehr hoch – der Unterschied zwischen Linkrate und Nettoübertragungsrate ist bei dieser Übertragungsart minimal. Bei einer Gigabit-LAN-Verbindung dürfen Sie also mit einer Praxisgeschwindigkeit von etwa 950 MBit/s rechnen, was etwa 118 MB/s entspricht.

Bei einer WLAN-Verbindung liegt der Nutzdatenanteil mit etwa 50 bis 70 Prozent deutlich niedriger. Über eine 2×2-Wi-Fi- 5-WLAN-Verbindung mit einer Linkrate von bis zu 867 MBit/s erreichen Sie auch unter sehr guten Bedingungen lediglich Nettoverbindungsraten von etwa 400 bis 600 MBit/s, was umgerechnet etwa 50 bis 75 MB/s entspricht. Denn bei WLAN müssen sich die beteiligten Geräte aufwendig darüber verständigen, wer wann den vereinbarten Funkkanal nutzen darf. Vor allem beeinflussen äußere Umstände wie Hindernisse in der Funkstrecke und Signalstörungen die Übertragung viel mehr als bei einer Kabelverbindung: Kommt ein Datenpaket deshalb nicht oder nicht rechtzeitig an, muss es der Sender erneut schicken, braucht also deutlich länger für die Übertragung derselben Nutzdaten.

Im Fritzbox-Webmenü werden in den Eigenschaften der Netzwerkverbindungen eines Home-Plug-AV(2)-fähigen Powerline-Adapters ebenfalls die aktuellen Linkraten der Powerline-Verbindung angezeigt.
Vergrößern Im Fritzbox-Webmenü werden in den Eigenschaften der Netzwerkverbindungen eines Home-Plug-AV(2)-fähigen Powerline-Adapters ebenfalls die aktuellen Linkraten der Powerline-Verbindung angezeigt.

Große Unterschiede zwischen Linkrate und Nettoübertragungsrate gibt es auch bei Powerline-Verbindungen. Denn im Gegensatz zu den paarweise verdrillten Netzwerkkabeln ist die heimische Stromverkabelung deutlich schlechter für höhere Übertragungsfrequenzen abgeschirmt, sodass der Nettodatenanteil hier sogar deutlich unter 50 Prozent absinken kann. Bei Powerline kommt noch hinzu, dass die Linkrate zweier im Stromnetz eingesteckter Powerline-Adapter selbst unter sehr guten Verbindungsbedingungen nur selten den auf der Verpackung angegebenen Maximalwert erzielt, während zwei WLAN-Geräte über eine kurze Distanz und mit Sichtkontakt meist eine Verbindung mit der maximal möglichen Linkrate herstellen können.

Infos zur Netzwerkgeschwindigkeit in Windows

Wenn Sie die aktuelle Linkrate einer Verbindung kennen und den für die entsprechende Verbindungsart zu erwartenden Nettoanteil, können Sie auf die erwartbare Nettoübertragungsrate schließen. Deshalb prüfen Sie am besten immer zunächst die aktuelle Linkrate einer Verbindung, bevor Sie mit Hilfe eines Tools aufwendig die tatsächliche Nettoübertragungsrate ermitteln. Unter Windows finden Sie die Linkrate eines integrierten Netzwerkadapters, indem Sie über die Tastenkombination Windows- Taste-I zunächst das Fenster „Einstellungen“ öffnen und dort in die Rubrik „Netzwerk und Internet“ wechseln. Je nach Verbindungstyp wählen Sie nun die Option „Ethernet“ oder „WLAN“ aus. Im nächsten Fenster klicken Sie auf die aktuelle EtherInnet- oder WLAN-Verbindung. Nun scrollen Sie im folgenden Fenster bis zu „Verbindungsgeschwindigkeit“: Dort steht die Linkrate der ausgewählten Verbindung. Der erste Wert („Empfang“ oder Downlink) gibt die Linkrate vom Router (Access Point, Switch etc.) in Richtung zu Ihrem Windows- PC an, der zweite Wert („Übertragung“ oder Uplink) zeigt die Linkrate vom PC zum Router (Access Point, Switch etc.) an.

So finden Sie Tempoangaben in der Fritzbox

In der Spalte „Eigenschaften“ der Netzwerkverbindungen erscheinen die aktuellen Up- und Downlinkraten der einzelnen mit der Fritzbox verbundenen WLAN-Clients.
Vergrößern In der Spalte „Eigenschaften“ der Netzwerkverbindungen erscheinen die aktuellen Up- und Downlinkraten der einzelnen mit der Fritzbox verbundenen WLAN-Clients.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Heimnetz-Routern zeigen Fritzbox-Modelle von AVM die Linkrate aller verbundenen Clients an. Das ist praktisch, denn viele herkömmliche Heimnetz-Clients wie IP-Kameras, Webradios oder Smart-TVs liefern keine Infos zu ihrer aktuellen Linkrate. 

Wechseln Sie für die Tempoangaben im Browsermenü der Fritzbox in das Verzeichnis „Heimnetz –› Netzwerk –› Netzwerkverbindungen“. In der Spalte „Eigenschaften“ wird Ihnen die aktuelle Up- und Downlinkrate zu den einzelnen mit der Fritzbox verbundenen WLAN-Clients unter der Überschrift „Aktive Verbindungen“ angezeigt. Die Linkrate eines per LAN-Kabel verbundenen Clients entnehmen Sie der Spalte „Verbindung“.

Dabei gibt jede im Router angezeigte Linkrate immer nur Auskunft über die direkte Verbindung zwischen dem jeweiligen Client und der Fritzbox. Wenn Daten zwischen zwei am Router angeschlossenen Clients übertragen werden, so gibt immer die langsamere der beiden Verbindungen die maximal mögliche Übertragungsgeschwindigkeit vor. Auch wenn Ihre NAS über 1-GBit/s per LAN-Kabel am Router angeschlossen ist, bremst bei Datentransfers vom Notebook auf die NAS die langsamere WLAN-Verbindung des Notebooks die maximal mögliche Linkrate und damit die zu erwartende Nettoübertragungsdatenrate. Nur wenn Sie das Notebook ebenfalls per LAN-Kabel mit dem Router verbinden, können Sie Ihre Daten durchgängig mit 1 GBit/s (brutto) übertragen.

Lesetipp: So optimieren Sie Ihr WLAN-Tempo

Nettoübertragungsraten in Windows ablesen

Die einfachste Möglichkeit, mit der Sie die aktuelle Nettoübertragungsrate an Ihrem Windows-PC ablesen können, bietet der Windows-Explorer. Wenn Sie beispielsweise eine größere Datei vom PC auf einen Freigabeordner Ihrer NAS übertragen, zeigt Ihnen der Windows-Explorer die aktuelle Nettoübertragungsrate in einem separaten Übertagungsfenster an.

Achtung: Der Explorer zeigt die Nettodatenrate nicht in Bit/s (kBit/s, MBit/s) an, sondern bereits Byte-bezogen in B/s (KB/s, MB/s), so dass Sie hier nicht mehr wie bei den bit-bezogenen Linkraten durch acht teilen müssen. Beachten Sie außerdem, dass der Explorer zwischen Byte (B), Kilobyte (KB) und Megabyte (MB) nicht über den dezimalen Faktor 1000 (103), sondern über den binären Faktor 1024 (210) umrechnet. Ein im Windows-Explorer angezeigtes Megabyte besteht somit nicht aus 1000, sondern aus 1024 Kilobyte (beziehungsweise 1.048.567 Byte). Für Geschwindigkeitsmessungen im Heimnetz können Sie dieses Detail allerdings vernachlässigen. Verwenden Sie einfach immer den Faktor 1000.

Eine weitere Option zur Anzeige der aktuellen Nettodatenrate in Windows bietet der Ressourcenmonitor. Sie öffnen ihn, indem Sie links unten in der Taskleiste auf die Start-Taste klicken, den Suchbefehl 

resmon

eintippen und mit der Return-Taste bestätigen.

Im Register „Netzwerk“ sind alle Prozesse mit aktiven Netzwerkverbindungen gelistet. Eine gerade aktive Übertragung vom PC auf Ihre NAS oder von der NAS auf Ihren PC sehen Sie unter dem Balken „Netzwerkaktivität“.

Per Klick auf die Spaltenüberschrift „Senden (B/s)“ oder „Empfangen (B/s)“ holen Sie sich den Prozess mit der jeweils höchsten Übertragungsrate in die erste Zeile. Beachten Sie, dass die (Netto-)Übertragungsraten im Ressourcenmonitor in der Einheit Bytes pro Sekunde (B/s) angezeigt werden – und zwar als Mittelwert über die letzten 60 Sekunden. Sinnvolle Werte erhalten Sie also erst mit größeren Datentransfers, deren Übertragung länger als eine Minute Zeit beansprucht. 

PC-WELT Marktplatz

2545077