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Sind alte CRT-Monitore wirklich besser fürs Gaming?

06.07.2020 | 08:31 Uhr |

Sie werden es zwar kaum glauben, aber selbst heute wird die Technik der alten Kathodenstrahlröhrenbildschirme (Cathode Ray Tube, kurz CRT) noch lobend erwähnt.

Und auch wenn es absurd klingt, aber die veraltete Technik reicht wirklich an moderne LC-Flachbildschirme heran. Teils übertrifft sie den modernen Nachfolger sogar in einigen Bereichen, besondere wenn es ums Gaming geht. Gerade Video-Enthusiasten prangern LCD lautstark an und bezeichnen die Abkehr von CRT als schlechten Kompromiss. 

Warum ist das so? Starten wir mit einem Beispiel aus der realen Welt. Vor nicht allzu langer Zeit war das amerikanische Verteidigungsministerium gezwungen, die LCD-Bildschirme in den 400.000-US-Dollar-teuren Head-Mounted-Displays (HMD) der F-35-Kampfflugzeugpiloten durch Oled-Panels zu ersetzen. Die LC-Bildschirme, die wichtige Daten der Bordelektronik und des Zielerfassungs- und Feuerkontrollsystems direkt an den Helm des Piloten weiterleiten, wurden durch ein störendes, grünes Leuchten beeinträchtigt. Das Problem war so ausgeprägt, dass die US-Marine die nächtlichen Landungen auf Flugzeugträgern einschränkte. 

Dieses Phänomen lässt auf die lichtdurchlässige Natur von LCDs zurückführen. Denn die einzelnen Pixel geben kein Licht ab. LCDs erzeugen ein Bild, indem die Flüssigkristalle in den einzelnen Pixeln so beeinflusst werden, dass sie das ständige Hintergrundlicht entweder durchlassen oder blockieren. Ein Teil der Hintergrundbeleuchtung neigt allerdings dazu, durchzuscheinen. Emissive Displays wie CRTs und Oleds hingegen können die einzelnen Pixel einfach ein- oder ausschalten. Schlussendlich hat das Durchsickern der Hintergrundbeleuchtung dazu geführt, dass das Pentagon die LCDs im Inneren der HMDs durch Oled-Panels ersetzte.

Nun zur Funktionsweise der CRTs: Kathodenstrahlröhren reproduzieren Farben, indem Elektronen gezündet werden, um die roten, grünen und blauen Phosphorelemente zu beleuchten, die auf ein Glassubstrat aufgebracht sind. Diese natürliche Präzision ermöglicht es CRTs, ein Niveau der Farbwiedergabe zu erreichen, das nur durch die damals vorhandene Videoverarbeitungs-Hardware begrenzt war. LCD-Hersteller geben oft an, wie viel Prozent des Standard-Farbraums die Displays wiedergeben können. Für CRTs hingegen war die vollständige Farbdeckung des Farbraums nie ein Problem. 

Hinzu kommt, dass LED-Beleuchtung von Natur aus unrein und nicht in der Lage ist, präzises weißes Licht zu reproduzieren. Deshalb verwenden professionelle Fotografen für die farbgenaue LED-Beleuchtung blaue LEDs, die mit rotem und grünem Phosphor beschichtet sind, um reinweißes Licht zu erzeugen. Phosphor ist für eine genaue Farbwiedergabe also ziemlich wichtig. Die Bildröhre in einem CRT-Bildschirm ist genau damit beschichtet und für die Wiedergabe des angezeigten Bildes von entscheidender Bedeutung. Es überrascht nicht, dass Oled-Displays auch eine auf Phosphor basierende emittierende Beleuchtung einsetzen, um eine naturgetreue Farbwiedergabe zu erzielen. 

LCDs nutzen viele Filter und Lagen für die Bildwiedergabe, die bei Oleds nicht nötig sind. Dennoch haben alte CRTs den beiden Techniken noch etwas voraus.
Vergrößern LCDs nutzen viele Filter und Lagen für die Bildwiedergabe, die bei Oleds nicht nötig sind. Dennoch haben alte CRTs den beiden Techniken noch etwas voraus.

Die teureren Quantum-Dots-LCDs erreichen auf ähnliche Weise einen größeren Farbraum und eine verbesserte Farbgenauigkeit. Die blauen LEDs leuchten auf eine Kunststofffolie mit Nanopartikeln, die daraufhin rot und grün leuchten. So erreichen sie eine weiße Hintergrundbeleuchtung, die zwar gut ist, aber immer noch nicht annähernd ausreichend. 

Selbst Quantum-Dot-LCDs müssen Farben mit der gleichen alten LCD-Technik wiedergeben, die diese eigentlich nicht originalgetreu darstellen kann. Dazu kommt, dass das Brechen des Lichts durch die Flüssigkristall- Anzeige und unzählige Anordnungen von Farb- und Polarisationsfiltern LCDs anfällig für sogenannte Parallaxenprobleme macht. Sie führen zu Farbverschiebungen und schlechten Betrachtungswinkeln. Darüber hinaus ist die Hintergrundbeleuchtung in einem herkömmlichen LCD nicht rein weiß und wird durch rosa, orange und gelbe Farbtöne beeinträchtigt. Diese Faktoren verstärken die inhärente Farbgenauigkeit von LCDs noch weiter. 

Doch auch Oled-Displays sind mittlerweile bekannt dafür, sattes Schwarz und schöne Farben darzustellen. Aber warum schwören vor allem Gamer dann weiterhin auf CRT-Monitore? Die Antwort liegt in der Bewegung. Selbst der billigste CRT-Bildschirm kann problemlos eine Bildwiederholrate von 85 Hz bewältigen. Die meisten Monitore arbeiten sogar mit 100 Hz. High-End-CRTs könnten problemlos 160 Hz bei einer Bildschirmauflösung von 1.920 × 1.200 Pixeln erreichen. Eine hohe Bildwiederholfrequenz ist für ein flüssigeres, angenehmeres Spielerlebnis unverzichtbar. CRTs müssen zusätzlich auch keine Kompromisse bei der Bildqualität eingehen, um hohe Bildwiederholraten zu erreichen. LCDs hingegen sind für das Verarbeiten von sich schnell bewegenden Inhalten eigentlich eher ungeeignet. Die Flüssigkristalle in einem LCD reagieren relativ langsam, was zu langen Pixel-Reaktionszeiten führt. Die Folge: Sichtbare Bewegungsunschärfen, die das Spielen in hohen Bildwiederholraten zu einer kniffligen Angelegenheit machen. 

Hochwertigere LCDs mit IPS-Panels können keine schnelleren Reaktionszeiten erreichen, ohne dass der Farbumfang und die Farbtreue beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund werden für Gaming-Monitore häufig TN-LCD-Panels verwendet, die in der Regel jedoch schlechtere Betrachtungswinkel, verwaschene Farben und niedrige Kontrastverhältnisse aufweisen. Kompetitive Gamer können also keine LCDs verwenden, ohne Kompromisse bei der Bildqualität einzugehen. 

Tatsächlich gibt es noch weitere Vorteile, die CRTs an den Tag legen, wie zum Beispiel die Rasterabtastung, die bei einer Kathodenstrahlröhre gut mit dem menschlichen Sehvermögen harmoniert und damit auf natürliche Weise Bewegungsunschärfe eliminiert. Oder dass die veralteten Bildschirme nicht auf native Auflösungen beschränkt sind, sondern sich zwischen ihnen bewegen können, ohne dass Bildklarheit oder -schärfe verlorengehen – ganz im Gegensatz zu modernen Flachbildschirmen. 

Auf der anderen Seite wäre es jedoch naiv, die Vorzüge der LCD-Technik zu verschweigen. Aufzuführen sind hier Eigenschaften wie bessere Helligkeit, höhere Auflösungen, steigende Pixeldichte und höhere Schärfe sowie eine längere Lebensdauer. Als Nachfolgetechnik für CRT sind sowohl LCD als auch Oled ein Kompromiss. Hoffnung gibt die aufkommende Micro-LED-Technik. Sie könnte die die besten Aspekte von LCDs und OLEDs vereinen und als Nachfolger für CRT in Frage kommen.

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