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Silizium-Lotterie: So sichern Sie sich die besten CPUs

04.06.2020 | 10:09 Uhr |

Erfahrene PC-Bastler wissen es: Prozessoren sind nicht hundertprozentig baugleich, auch wenn es sich um die gleiche CPU-Variante handelt. Bei jedem CPU-Modell gibt es leichte Abweichungen im Herstellungsprozess, die dazu führen, dass sich die Qualität der Chips minimal unterscheidet – obwohl sie alle in etwa die gleiche Leistung erbringen.

Kaufen Sie einen entsperrten und damit übertaktbaren Prozessor, fällt oftmals der Begriff „Silizium-Lotterie“. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass es quasi ein Glücksspiel ist, ob Sie eines der besseren Modelle des CPU-Typs erhalten. Denn diese leicht überlegenen Varianten könnten mit wesentlich mehr Spielraum übertaktet werden. 

Lesetipp: CPU-Benchmark 2020: Prozessoren im Vergleich-Test

Aber Sie müssen sich nicht auf blindes Glück verlassen, um einen derart guten Prozessor zu bekommen. Denn es gibt Unternehmen, die viele Prozessoren eines Typs kaufen und sie verschiedenen Tests unterziehen. Beispielsweise werden sie auf den Grad der höchstmöglichen Belastung, die maximalen Taktfrequenzen und Temperaturen geprüft. Daraufhin erfolgt eine entsprechende Kennzeichnung der Prozessoren. An erster Stelle steht die Angabe, bis zu welcher Gigahertz-Grenze sich der jeweilige Chip übertakten lässt. In der Regel werden diese Frequenzen dabei sogar garantiert. Schlussendlich erfolgt der Weiterverkauf an den Endkunden. Dieser erspart sich so das Testen (auch „Cherry Picking“ oder „Binning“ genannt) und den damit einhergehenden Aufwand. 

Unternehmen wie die Silicon Lottery testen jede Menge CPUs, um die besten zu finden und mit einer Garantie für höhere Taktraten zu verkaufen.
Vergrößern Unternehmen wie die Silicon Lottery testen jede Menge CPUs, um die besten zu finden und mit einer Garantie für höhere Taktraten zu verkaufen.

Silicon Lottery aus Texas gehört zu den Unternehmen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Diese Firma machte beispielsweise nach der Veröffentlichung der AMD-CPUs der Serie Ryzen 3000 einmal mehr auf sich aufmerksam. Denn bereits kurz nach dem Marktstart gelang es Silicon Lottery, viele von diesen CPU-Modellen großzügig zu übertakten und damit ein spürbares Leistungsplus zu erreichen. Auch der deutsche Einzelhändler Caseking aus Berlin vertreibt vorgetestete Prozessoren, die garantiert flotter als herkömmliche Modelle laufen.

Einige Einschränkungen wollen wir an dieser Stelle allerdings erwähnen. Natürlich verlangen die Unternehmen einen wesentlich höheren Verkaufspreis für die aufwendig getesteten CPUs. Aus diesem Grund sind zahlreiche Benutzer der Überzeugung, dass sie dieses zusätzliche Geld besser in die Aufrüstung von  weiteren Komponenten investieren sollten, um hierdurch die Leistung des Gaming-Systems zu steigern. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt von der genauen Bauart sowie von dem Prozessor ab, den Sie gerade im Auge haben. In einigen Fällen kann der Aufrüstungsaufwand der anderen Komponenten allerdings so hoch sein, dass sich eine schnellere CPU doch lohnt. Vorausgesetzt, Sie haben sich nicht bereits für das absolute Flaggschiff entschieden. Denken Sie auch daran, dass es mit dem übertakteten Prozessor allein oft nicht getan ist. Meistens müssen Sie auch die Hauptplatine auswechseln, weil sie den passenden Chipsatz mitbringen muss. Denn der entscheidet, ob sich die CPU tatsächlich übertakten lässt, selbst wenn es sich um einen entsperrten Prozessor handelt. Des Weiteren sollte die Kühlung recht leistungsfähig ausfallen – im optimalen Fall haben Sie bereits eine Wasserkühlung in den PC eingebaut. Und zu guter Letzt sollten Sie auch an ein Markennetzteil mit hoher Watt-Kapazität denken. Erst dann können die vorselektierten Chips auch mit der beworbenen Geschwindigkeit betrieben werden.

Auch durch CPU-Köpfen lässt sich das Maximum aus den Chips herausholen. Hier werden Heatspreader und Wärmeleitpaste durch Hochleistungsvarianten ersetzt.
Vergrößern Auch durch CPU-Köpfen lässt sich das Maximum aus den Chips herausholen. Hier werden Heatspreader und Wärmeleitpaste durch Hochleistungsvarianten ersetzt.

Alles in allem bieten die vorgetesteten CPUs sicherlich eine interessante Option für diejenigen Benutzer, die sich nicht scheuen, mehr Geld für die absolut beste Zusammenstellung ihres neuen Gaming-PCs auszugeben. 

Das letzte Quäntchen Leistung erhalten Sie, wenn Sie die CPU köpfen lassen: Dabei erfolgt die Entfernung des alten Aluminium-Heatspreaders und der ab Werk eingesetzten Wärmeleitpaste. Die Unternehmen setzen hier stattdessen auf Flüssigmetall oder Hochleistungswärmeleitpaste und manchmal sogar auf Heatspreader aus besser leitendem Kupfer oder Silber. Das sorgt dafür, dass diese CPUs mit wesentlich geringeren Temperaturen arbeiten. Dies ist ein Segen für alle diejenigen, die ihren Prozessor wirklich bis an die Grenzen ausreizen wollen.

Tipp:   So funktioniert die Herstellung von CPUs

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