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Nvidia LHR erklärt: Was ist eine "Lite Hash Rate"-GPU?

30.08.2021 | 12:15 Uhr | Sebastian Schenzinger,

Grafikkkarten sind nach wie vor ein knappes Gut und ziemlich teuer. Um mehr GPUs in die Hände von Gamern zu bekommen, hat Nvidia sogenannte LHR-Modelle eingeführt, welche die Ethereum-Hashrate einschränken. Wir erklären alles, was Sie dazu wissen müssen.

Es herrschen harte Zeiten für PC-Gamer. Grafikkarten sind seit fast einem Jahr ein knappes Gut und für die wenigen Modelle, die verfügbar sind, verlangen die Händler einen exorbitant hohen Preisaufschlag. Einer der Gründe hierfür ist der große Boom rund um Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum. Unzählige Miner kaufen jede GPU auf, die sie in die Finger bekommen können, um mit diesen Kryptowährungen zu schürfen. Sogenannte Mining-Farmen mit hunderten oder gar tausenden Grafikkarten sind dabei keine Seltenheit. 

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Um jetzt mehr Grafikkarten in die Hände von Gamern zu bekommen, hat Nvidia die Lite-Hash-Rate-Grafikkarten ins Leben gerufen. Diese Technologie schränkt die Mining-Performance von ausgewählten Grafikchips ein, um die GPUs für Miner uninteressanter zu machen. Wir verraten Ihnen, was LHR überhaupt macht, woran Sie eine LHR-Grafikkarte erkennen können und ob es Auswirkungen auf die Gaming-Performance gibt.

Was macht die Lite-Hash-Rate-Technologie überhaupt?

Klären wir die wichtigste Frage gleich als Erstes: Was ist LHR überhaupt? Nvidia Grafikkarten mit der LHR-Funktion erkennen automatisch, wenn sie für das Mining der Kryptowährung Ethereum (ETH) verwendet werden und beschränken daraufhin die Hash-Rate auf die Hälfte. Ohne weiter auf die Details einzugehen, hat das zur Folge, dass die GPUs für Miner deutlich uninteressanter sind. Denn entweder können sie bei gleicher Leistungsaufnahme nur noch halb so viele Kryptowährung schürfen oder aber es ist eine deutlich höhere Leistungsaufnahme für die gleiche Mining-Rate nötig. Der Grundgedanke dahinter ist, dass jede GPU, die nicht von Miner gekauft wird, in die Hände eines Gamers gelangen kann.

Die LHR-Technologie wurde zum ersten Mal mit der GeForce RTX 3060 eingeführt, aber schnell wieder eingestellt, um später ein zweiten Versuch zu starten.
Vergrößern Die LHR-Technologie wurde zum ersten Mal mit der GeForce RTX 3060 eingeführt, aber schnell wieder eingestellt, um später ein zweiten Versuch zu starten.

Mit dem Release der RTX 3060 (zu unserem Testbericht)  führte Nvidia die erste Grafikkarte mit einem Lite Hash Rate Limiter ein. Der Hersteller schaffte es jedoch, sich selbst ein Bein zu stellen, indem noch in derselben Woche, in welcher die RXT 3060 releast wurde, ein offizieller Beta-Treiber erhältlich war, der die volle Mining-Leistung der Grafikkarte freischaltete. Nvidia ließ sich dadurch jedoch nicht davon abhalten, spätere Produkte wie die RTX 3070 Ti (zu unserem Testbericht) oder die RTX 3080 Ti (zu unserem Testbericht)  mit einer überarbeiteten Version von LHR auszuliefern. Bei der zweiten Welle an LHR-GPUs soll die Integration der Funktion in die Firmware und die Software deutlich besser verknüpft sein.

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Wie effektiv Nvidias Mining-Schutz tatsächlich ist und ob er nicht vollständig umgangen werden kann, bleibt fraglich. Mittlerweile sind Hinweise aufgetaucht, dass sich mit NBMiner die Mining-Leistung von 50 Prozent mit Lite-Hash-Rate-Limiter auf immerhin 70 Prozent anheben lässt. Wir sind uns sicher, dass viele Miner daran arbeiten, Nvidias Schutzmechanismen vollständig auszuhebeln, um höhere Gewinne zu erzielen. Ob oder wann sie damit Erfolg haben werden, steht in den Sternen.

Welche GPUs setzen auf LHR?

Auflistung der Grafikkarten mit LHR:

Nvidia hat Mitte Mai 2021 die Produktion der meisten RTX-3000-GPUs auf LHR umgestellt. Wenn Sie bereits zuvor eine Nvidia Grafikkarte der Ampere-Generation erworben haben, dann ist diese davon nicht betroffen und liefert die volle Mining-Leistung. Das ist auch der Grund dafür, warum die Founders Edition der RTX 3060 Ti, RTX 3070 und RTX 3080 nicht mit LHR ausgeliefert werden. Hier hat Nvidia die Produktion nämlich bereits vor dem Mai dieses Jahres eingestellt. Alle GPUs wiederum, die nach der Umstellung produziert worden sind, dazu zählen alle Custom-Designs als auch die FE der RTX 3070 Ti und der RTX 3080 Ti kommen mit dem Lite-Hash-Rate-Limiter. Einzige Ausnahme ist Nvidias BFGPU, die GeForce RTX 3090 , hier hat Nvidia keine Einschränkungen vorgenommen.

Die RTX 3090 ist die einzige Ampere-Grafikkarte, die vom LHR-Limiter verschont geblieben ist.
Vergrößern Die RTX 3090 ist die einzige Ampere-Grafikkarte, die vom LHR-Limiter verschont geblieben ist.
© Nvidia

Hinweis: Vereinzelt können noch Produkte auf dem Markt sein, deren Grafikchips vor dem Mai produziert worden sind und dementsprechend noch nicht LHR-Limiter ausgestattet sind. Neue Modelle tragen den Zusatz "LHR" im Produktnamen. Zudem muss die Verpackung der GPU mit "LHR" oder "Lite Hash Rate" gekennzeichnet sein, damit das genaue Produkt bereits von außen ersichtlich ist. Aufseiten von AMD gibt es aktuell keine vergleichbare Einschränkung.

Hat LHR einen Einfluss auf die Gaming-Leistung?

Wenn Sie mit Ihrer neuen GeForce Grafikkarte zocken wollen, dann müssen Sie sich keinerlei Gedanken wegen LHR machen. Nach allem, was wir wissen, schränkt die Funktion lediglich die Hash-Rate von Ethereum ein und hat damit keine Auswirkungen auf die Gaming-Performance.

Was bedeutet LHR für den Wiederverkaufswert einer GPU?

Die Antwort auf diese Frage hängt letztendlich vom Käufer ab. Gamer werden eine LHR-Grafikkarte bevorzugen, da sie relativ sicher sein können, dass die entsprechende GPU nicht zum Wochen- oder Monatelangem Mining verwendet worden ist, was sich negativ auf die Lebensdauer auswirken kann. Miner wiederum werden solche GPUs eben aufgrund der Einschränkungen nicht so wertschätzen. Wenn Sie ein Miner sind, sollten Sie also eher einen Bogen um die LHR-Grafikkarten machen, es sei denn, Sie wissen, wie Sie die Limitierung aufheben können, oder der Ethereum-Kurs steigt so stark, dass sich selbst die halbierte Hash-Rate noch auszahlt. 

H inweis: Dieser Artikel erschien zunächst bei unserer US-Schwesterpublikation PC-WORLD.

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