2599592

Mobiltelefon: Kostenfallen trotz EU-Roaming

13.08.2022 | 09:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Die europäische Roaming-Verordnung gilt weitere zehn Jahre, Zusatzkosten für mobiles Telefonieren und Surfen im Internet fallen im EU-Ausland also weiter nicht an. Trotzdem lauern inner- und außerhalb der EU teure Kostenfallen – wir sagen, wie Sie sie vermeiden.

Hätten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einer Verlängerung der EURoaming-Verordnung im Frühjahr nicht zugestimmt, wäre das Surfen und Telefonieren mit dem Mobiltelefon zum 1. Juli deutlich teurer geworden. So aber bleibt es bis ins Jahr 2032 dabei, dass die Benutzung des Mobiltelefons bei Aufenthalten in den übrigen EU-Staaten genauso viel kostet, wie man auch in Deutschland bezahlen würde. Wer eine Flatrate gebucht hat, kann also ohne Aufpreis telefonieren, SMS versenden und im mobilen Internet das inkludierte Datenvolumen nutzen. Ohne Pauschaltarif fallen nach dem Roam-like-at-home-Prinzip lediglich die Gebühren an, die auch hierzulande gelten.

Banal, aber wichtig: Roaming gilt nur innerhalb der EU

Nun völlig entspannt zurücklehnen sollten Sie sich vor einem Auslandsurlaub aber nicht. Denn nach wie vor lauern versteckte Kostenfallen, die es zu vermeiden gilt, wenn man nach der Rückkehr aus den Ferien keine böse Überraschung erleben möchte. 

Zum einen gilt die Roaming-Verordnung nur in den 27 Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Beliebte Urlaubsländer wie die Türkei oder die Schweiz zählen nicht dazu, allerdings haben manche Mobilfunkprovider und -anbieter die EU-Regelung auf die Schweiz ausgedehnt. Informieren Sie sich deshalb vor der Reise gegebenenfalls bei Ihrem Anbieter.

Ohne diese Übernahme der EU-Konditionen für die Schweiz müssen Sie schon beim Transit durch die Alpenrepublik mit zusätzlichen Kosten rechnen. Um die zu vermeiden, deaktivieren Sie entweder vorübergehend die Roaming-Funktion im Smartphone oder buchen ein pauschales „Urlaubspaket“. Aufzupassen gilt es auch in Grenznähe, beispielsweise beim Aufenthalt am Bodensee. Bucht sich das Telefon dort unbemerkt in das unter Umständen stärkere Schweizer Netz ein, werden Gebühren fällig. 

Großbritannien-Urlauber dagegen können aufatmen, denn trotz Brexit erhebt auch in diesem Jahr kein deutscher Provider Roaming-Gebühren.

Innerhalb der EU fallen schließlich auch dann Gebühren an, wenn diese auch von Deutschland aus berechnet würden. Ein Beispiel: Wer in Italien mit seinem deutschen Handy vor Ort Pizza bestellt oder beim Hotel anruft, zahlt extra. Immerhin sind die Kosten auf maximal 19 Cent pro Minute und sechs Cent pro SMS gedeckelt.

Extrakosten drohen auch durch Komfortfunktion WLAN-Calling

Ein Aufschlag kann zudem durch eine Einstellung anfallen, bei der man gar nicht damit rechnet: nämlich durch WLAN- beziehungsweise Wifi-Calling. 

Nicht immer ist die Mobilfunkverbindung in Gebäuden so, wie man sich das wünscht. Das gilt vor allem für Tiefgaragen, Einkaufszentren oder ähnlich große Gebäudekomplexe. Deshalb hat sich mit WLAN-Calling eine Technik etabliert, die den nahtlosen Übergang zwischen klassischer Telefonie per Mobilfunk und WLAN gewährleistet. Ist das Smartphone auch über WLAN mit dem Internet verbunden, kann es dabei automatisch zwischen beiden Techniken hin und her wechseln. Voraussetzung ist, dass das Mobilgerät am jeweiligen Standort per LTE eingebucht ist. 

WLAN-Calling wird mittlerweile von einer ganzen Reihe von Smartphones und Mobilfunktarifen unterstützt, auch wenn die Anbieter zum Teil etwas andere Bezeichnungen dafür wählen: Die deutsche Telekom nennt es etwa WLAN Call, Vodafone WiFi Call(ing) und bei o2/Telefónica heißt es WLAN-Telefonie – gemeint ist stets das Gleiche.

Wer im EU-Ausland Urlaub macht, zahlt für mobiles Telefonieren meist keine Zusatzgebühren. Gespräche per WLAN-Call erfasst die Roaming-Verordnung nicht.
Vergrößern Wer im EU-Ausland Urlaub macht, zahlt für mobiles Telefonieren meist keine Zusatzgebühren. Gespräche per WLAN-Call erfasst die Roaming-Verordnung nicht.

Neben den Vorteilen, dass man auch im Funkloch telefonieren kann und die Verbindungsqualität oftmals besser ist, profitiert man außerhalb der EU zusätzlich von einem Kostenvorteil. Ruft man aus dem Nicht-EU-Ausland nach Deutschland an, wird das Gespräch über WLAN nämlich wie ein inländisches abgerechnet. Wer also ohnehin eine Telefonflatrate gebucht hat, zahlt gar nichts extra. Ohne Flatrate wird es zumindest sehr viel günstiger, weil gewöhnliche „Welt-Gespräche“ oft über einen Euro pro Minute kosten.

Trotzdem gilt es im Ausland aufzupassen, nämlich innerhalb der Europäischen Union. Denn in der EU beziehungsweise im Europäischen Wirtschaftsraum mit Liechtenstein, Norwegen und Island gilt mittlerweile das „Roam like at home“-Prinzip. Danach können Sie das Telefon so nutzen, als seien Sie zu Hause: also ohne zusätzliche Gebühren telefonieren, SMS senden und im Internet surfen.

Da Telefonieren über WLAN-Calling im EU-Ausland extra Kosten verursachen kann, sollte man die Option im Handy ausschalten und über das Mobilfunknetz anrufen.
Vergrößern Da Telefonieren über WLAN-Calling im EU-Ausland extra Kosten verursachen kann, sollte man die Option im Handy ausschalten und über das Mobilfunknetz anrufen.

Das allerdings gilt nur für das Mobilfunknetz, nicht jedoch für WLAN-Calling. Solche Telefonate fallen nicht unter die EU-Roaming-Verordnung, sodass die Provider zusätzliche Kosten berechnen dürfen – und dies auch tun. Um diese zu vermeiden, deaktivieren Sie schon vor der Ausreise aus Deutschland die WLAN-Calling-Option entweder beim Provider oder in den Einstellungen Ihres Smartphones.

Tipp: Waze: Route am PC planen und auf das Smartphone übertragen

PC-WELT Marktplatz

2599592