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Defektes Display am Notebook selbst austauschen

27.11.2018 | 08:06 Uhr |

Was tun, wenn beim Notebook der Bildschirm kaputt ist? Am besten selbst reparieren, denn ein neues Display ist schon ab 50 Euro erhältlich und mithilfe eines einzigen Standardwerkzeugs in etwa einer halben Stunde ausgewechselt.

Deutlich weniger als eine halbe Sekunde dauert es, bis ein Gegenstand aus Tischhöhe auf den Boden aufschlägt. Da bleibt kaum eine Chance, den freien Fall noch rechtzeitig zu verhindern. Fällt ein Notebook herunter, nimmt ganz häufig das Display Schaden. Während man über Dellen oder Sprünge im Gehäuse bei einem älteren Gerät noch hinwegsehen kann, macht ein Rechner ohne einen funktionierenden Bildschirm jedoch kaum Sinn. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob und wie sich das Display reparieren lässt oder ob es nicht besser ist, gleich ein neues Gerät zu kaufen. Die Antwort hängt wie so oft vom jeweiligen Einzelfall ab: Ist der Rechner bereits etwas betagt, bietet sich ein neuer eher an als bei einem weniger alten Gerät. Nicht zu vernachlässigen ist allerdings auch die installierte Software. Denn in der Praxis dauert es meistens mehrere Stunden, bis der neue Computer inklusive aller Programme, persönlichen Einstellungen und dem Überspielen der bisherigen Daten wieder so eingerichtet ist wie der bisherige. Wenn der Bildschirm jedoch schnell wieder einsatzbereit sein muss, spricht vieles fürs Reparieren.

Und genau das ist oftmals der Fall, denn ein Standarddisplay ist selbst von Techniklaien zumeist in einer halben Stunde gewechselt. Alles, was man dazu benötigt, ist ein kleiner Kreuzschraubendreher, um damit fünf bis maximal zehn Schrauben zu lösen, sowie gegebenenfalls ein Messer aus der Küche. Auch kostenmäßig spricht viel für den Do-it-yourself-Eingriff: Denn neue Display-Panels in der Standardgröße 15 Zoll kosten je nach Modell und Auflösung erfahrungsgemäß zwischen 50 und 80 Euro.

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Prüfen Sie zuerst, ob wirklich nur das Notebook-Display kaputt ist

Zum Bestellen des LCD-Moduls benötigen Sie die genaue Typbezeichnung Ihres Notebooks.
Vergrößern Zum Bestellen des LCD-Moduls benötigen Sie die genaue Typbezeichnung Ihres Notebooks.

Bevor Sie sich an die Reparatur machen und gleich Ersatzteile bestellen, überprüfen Sie bitte genau, dass wirklich nur der Bildschirm Schaden genommen hat und das „übrige Notebook“ läuft. Dazu schließen Sie den mobilen Rechner per VGA-, DVI- oder HDMI-Kabel an den Fernseher oder einen PC-Monitor an und schalten ihn ein. Wenn hier der Windows-Start ganz normal sichtbar ist, liegt es nur am defekten internen LCD-Modul. Unter Umständen müssen Sie noch die „Display“-Funktionstaste oben auf der Notebook-Tastatur drücken, um die externe Signalausgabe auf dem TV-Gerät oder Monitor zu aktivieren.

Ist sichergestellt, dass das Notebook an sich läuft, müssen Sie für die Bestellung des neuen Displays die genaue Rechner- oder Panel-Bezeichnung wissen. In der Regel finden Sie dazu auf der Notebook-Unterseite einen Aufkleber oder Aufdruck mit dem exakten Modell- und Gerätetyp. Falls nicht, dann versteckt sich die Angabe vermutlich innen im Akkufach. Fehlen die Informationen hier ganz, so hilft Ihnen das Analysetool CW-Sysinfo weiter. Mit der genauen Notebook-Bezeichnung, dem Hersteller und den Begriffen „Panel“ oder „Display“ gelangen Sie im Internet fast immer schnell zum passenden Ersatzteil.

Wie bei dem für diesen Workshop verwendeten Pavilion-Notebook p620ng von HP kann es allerdings vorkommen, dass in vermeintlich gleichen Rechnern Displays unterschiedlicher Größe und Auflösung sowie mit und ohne Touchunterstützung verbaut wurden. Um ganz sicher zu gehen, suchen Sie einfach auf den Support-Seiten Ihres Notebook-Herstellers nach dem passenden „Maintenance“- oder „Service“-Handbuch. Diese sind häufig nur in englischer Sprache verfügbar. Darin finden Sie meist nicht nur eine Explosionszeichnung mit dem schematischen Aufbau für den Displaytausch, sondern auch die Teilenummer des Bildschirm-Panels – bei unterschiedlichen Panel-Typen eben mehrere. Wenn auch das nicht weiterhilft, bauen Sie das kaputte Display noch vor der Bestellung des Ersatzteils aus. Auf der Rückseite finden Sie immer die Typbezeichnung auf einem Aufkleber.

Mit der Panel-Nummer oder -Bezeichnung recherchieren Sie Händler und Preise im Internet inklusive Ebay. Dort bieten diverse englische Display-Shops ihre Produkte kostengünstig an. In unserem Fall kostete das Ersatzteil inklusive Versand 72 Euro. Da das 14-tägige Widerrufsrecht bei Onlineeinkäufen überall in der EU gilt, gehen Sie beim Kauf im EU-Ausland überdies kein höheres Risiko ein. Nur die Lieferung dauert dann ein paar Tage länger. Häufig haben Sie bei den Displays darüber hinaus die Wahl zwischen einem matten und einem glänzenden („glare“): Bei der Wahl sind Sie völlig frei, auch wenn ursprünglich die gegenteilige Oberfläche eingebaut war.

Den richtigen Reparaturbetrieb finden

Bei Gerätedefekten jenseits der Händlergewährleistung und Herstellergarantie stellt sich die Frage, wo und wie man sie reparieren lässt: direkt zum Hersteller einschicken, über autorisierte Händler oder bei einer unabhängigen Werkstatt vor Ort? Bedauerlicherweise gibt es hier keine klare Empfehlung.

Manche Hersteller bieten – entweder kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr – einen verbindlichen Kostenvoranschlag für die Reparatur. Abhängig vom Schaden überschreitet der dabei aufgerufene Betrag mitunter sogar den Rechnerneupreis, genau diesen Fall hatten wir kürzlich in der Redaktion. Unabhängige Werkstattbetriebe kalkulieren meist deutlich günstiger und bieten ebenfalls einen Kostenvoranschlag an. Bei wirklich schwerwiegenden Defekten gewähren manche Betriebe allerdings keinen Anspruch auf eine erfolgreiche Reparatur: Schlägt diese fehl, zahlt man als Kunde höchstens den Kostenvoranschlag.

Die wichtigsten Vorbereitungen vor dem Displayaustausch

Über die Notebook-Bezeichnung allein lässt sich das Display im Einzelfall nicht sicher identifizieren.
Vergrößern Über die Notebook-Bezeichnung allein lässt sich das Display im Einzelfall nicht sicher identifizieren.

Wer bislang keine Bildschirmeinheit getauscht und deshalb etwas Respekt vor der Reparatur hat, sei beruhigt: Die ist wahrlich kein Hexenwerk und mit etwas Vorsicht von jedermann/jederfrau zu bewerkstelligen. Bevor Sie nun gleich loslegen, suchen Sie im Internet mit den Begriffen „Display“ (oder „Screen“), „Replacement“ (oder „Austausch“, „Reparatur“ et cetera) sowie Ihrem Display- oder Notebook-Typ nach Anleitungen, Hinweisen oder Tipps – und besonders auch nach Videos auf Youtube. Werden Sie konkret zu Ihrem Modell fündig, so ist das perfekt. Falls nicht, ist das aber auch kein Beinbruch, weil sich die Vorgehensweise häufig nur geringfügig unterscheidet. Exemplarisch haben wir einmal eine Onlinevideoanleitung für ein Acer-Notebook ausgewählt .

Neben dem schon genannten Schraubendreher raten wir zu einem freien Tisch und einer kleinen Schale, in die Sie die kleinen Schräubchen legen, damit sie nicht verloren gehen. Schalten Sie den Rechner aus, ziehen Sie alle Kabel ab und nehmen Sie den Akku heraus. Dazu müssen Sie auf der Geräteunterseite ein oder zwei Sicherungsriegel zur Seite schieben und lösen.

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Schritt für Schritt: So wechseln Sie das Notebook-Display aus

Die aufgeklebten Gummiabdeckungen lassen sich mit einem Küchenmesser aber leicht abheben.
Vergrößern Die aufgeklebten Gummiabdeckungen lassen sich mit einem Küchenmesser aber leicht abheben.

Nach diesen Vorbereitungen kann es schon losgehen. Haben Sie eine (Video-)Anleitung genau zu Ihrem Gerät, folgen Sie bitte deren Anweisungen. Ansonsten sehen Sie sich die Ecken des zur Klappseite nach innen gerichteten Bildschirmrahmens genau an, meistens sind dort – häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar – über den Halteschrauben zwei oder vier runde Gummiabdeckungen aufgeklebt oder eingeklemmt. Diese hebeln Sie vorsichtig mit dem Messer ab, lösen nun die darunterliegenden Schrauben und legen sie zur Aufbewahrung in das Schälchen.

Oft lässt sich die Rahmenabdeckung durch leichtes Anheben mit den Fingerspitzen herauslösen.
Vergrößern Oft lässt sich die Rahmenabdeckung durch leichtes Anheben mit den Fingerspitzen herauslösen.

Jetzt folgt der zweite „Blick“, um die in aller Regel nur eingeclipste und nicht verklebte Displayeinfassung zu entfernen: Gibt es irgendwo Schlitze oder Einkerbungen, über die Sie mit einem stumpfen Messer die Abdeckung heraushebeln können? Falls nicht, so fassen Sie mit den Fingern beider Hände mittig an einer Seite von innen an die Abdeckung und heben diese danach vorsichtig an. Im folgenden Schritt greifen Sie etwas beherzter zu und ziehen den Rahmen gut einen Zentimeter zu sich hin, bis sich die erste Seite teilweise aus der Einfassung herauslöst. Dann führen Sie die Finger weiter über eine Ecke zwischen Display und Abdeckung entlang, bis schließlich alle vier Seiten des Innenrahmens gelöst sind.

Insgesamt vier Schrauben halten das eigentliche LCD-Panel bei unserem Notebook im Rahmen fest.
Vergrößern Insgesamt vier Schrauben halten das eigentliche LCD-Panel bei unserem Notebook im Rahmen fest.

Schon wieder ist Ihr Blick gefragt, diesmal geht es um die Schrauben, die die Anzeigeeinheit im Metallrahmen halten. Diese sind entweder an den schmalen Seiten eingeschraubt, manchmal auch links und rechts in unterschiedlicher Anzahl oder so wie bei unserem Modell gut sichtbar von vorne. Bevor Sie die letzte Schraube vollständig lösen, halten Sie das Display fest, damit es nicht wegklappt und hinfällt. Das könnte die filigrane Verbindung des Videokabels beschädigen, eine zweite Person kann hier sehr hilfreich sein.

Die größte Vorsicht ist beim Lösen des filigranen Steckers für das Videokabel geboten.
Vergrößern Die größte Vorsicht ist beim Lösen des filigranen Steckers für das Videokabel geboten.

Im letzten Demontageschritt lösen Sie den Kabelstecker des gerade genannten Flachbandkabels. Dieser ist gegen versehentliches Herausziehen oftmals mit flächig aufgeklebtem Klebeband gesichert. Dieses lösen Sie bitte vorsichtig ab. Machen Sie nun sicherheitshalber mit dem Smartphone ein Foto der Steckverbindung und vergrößern Sie die Aufnahme danach auf dem Handybildschirm, damit Sie eventuell vorhandene Halteclips an den Seiten des Flachsteckers erkennen. Diese lösen Sie gegebenenfalls vor dem Abziehen des Kabels beziehungsweise Steckers. Nach dem Abziehen ist das Panel dann vollständig vom Notebook getrennt. Ob zusätzlich auch das Webcam-Kabel am oberen Bildschirmrand zu lösen ist, hängt wiederum vom Rechnermodell ab. Das war schon alles!

Beim Einbau der neuen Displayeinheit gehen Sie – natürlich wieder mit der notwendigen Vorsicht – in umgekehrter Reihenfolge vor: also zunächst das Videokabel am Panel parallel, vollständig und nicht verkantet einstecken, dann Kabel und Bildschirmrückseite mit Klebeband fixieren und anschließend das Display im Halterahmen festschrauben. Dabei setzen Sie vor dem endgültigen Festziehen (bitte nicht zu fest!) zunächst sämtliche Schrauben ein, um mechanische Spannungen zu vermeiden. Bevor Sie mit dem Zusammenbau fortfahren, machen Sie den Funktionstest: Dazu setzen Sie den Akku ein, starten den Rechner und … sehen (hoffentlich) den Windows-Startbildschirm – perfekt. Nachdem Sie das Notebook wieder heruntergefahren und den Akku entnommen haben, clipsen Sie den inneren Bildschirmrahmen so ein, dass dieser überall bündig über dem Bildschirm liegt. Schrauben Sie die verbliebenen Schrauben zum Fixieren des Bildschirmrahmens ein und setzen Sie die Gummiverblendungen wieder auf.

189 Euro kostet der Displaytausch inklusive der neuen Bildschirmeinheit hier.
Vergrößern 189 Euro kostet der Displaytausch inklusive der neuen Bildschirmeinheit hier.

Fazit: Viel Geld und zudem noch etwas Zeit gespart

Gerade einmal 72 Euro hat uns die Reparatur des Displays gekostet, und abgesehen vom Warten auf das Paket mit dem Ersatzteil haben wir insgesamt höchstens zwei Stunden Zeit investiert. Der bei Weitem größte Anteil entfällt dabei auf Recherche, Bestellung sowie die Suche nach einer passenden Anleitung. Die eigentliche Reparatur ist dann in etwa einer halben Stunde erledigt. Alles in allem benötigt das wesentlich weniger Zeit, als wenn wir das gut drei Jahre alte HP-Notebook zum damaligen Preis von gut 500 Euro abgeschrieben und ein neues mitsamt Programmen und persönlichen Daten neu eingerichtet hätten. Wer sich die Reparatur in Eigenregie nicht selbst zutraut, kann natürlich auch einen professionellen Service damit beauftragen. Für unser Notebook-Modell haben wir im Internet ein Komplettangebot für den Einbau und einen neuen Bildschirm zum Preis von 189 Euro gefunden. Alternativ kann man vor Ort nachfragen.

Display am Smartphone tauschen

Das Smartphone hat man noch viel öfter in der Hand als ein Notebook. Entsprechend groß ist deshalb die Gefahr, dass es herunterfällt und das Display zerspringt.

Grundsätzlich ist der Displaytausch auch bei vielen Mobiltelefonen möglich. Wer das selbst erledigen möchte, kauft dazu am besten ein komplettes „Repairkit“ mit Ersatzdisplay und allen für sein Telefonmodell erforderlichen Werkzeugen und Hilfsmitteln. Etwas teurer ist die Reparatur in einer „Phone-Klinik“, noch deutlich mehr wird es beim Hersteller, also bei Apple, Samsung & Co. Positiv: Wegen der vielen defekten Handydisplays existieren für die gängigen Marken und Modelle im Internet unzählige Anleitungen und Youtube-Videos.

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