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Holen Sie das Optimum aus Ihrem Linux-Bildschirm raus

06.11.2018 | 10:23 Uhr |

Wenn der Monitor sein Bild liefert, sind die meisten Nutzer zufrieden, ohne die Optimierungsmöglichkeiten zu hinterfragen. Oft ginge mehr, so etwa, um Desktopelemente besser zu skalieren oder auf schlechte Lichtverhältnisse zu reagieren.

Die Standards in den Systemeinstellungen

Die optimale Auflösung der angeschlossenen Bildschirme erkennt jedes Desktop-Linux standardmäßig. Daher ist der Gang in die „Systemeinstellungen“ (und hier „Anzeigegeräte“ oder „Bildschirm“) nur für spezielle Ansprüche notwendig.

Multimonitor-Betrieb: Für optimalen Multimonitor-Einsatz müssen Sie dem System die Position der Monitore mitteilen. Die Monitore sind im genannten Fenster symbolisch dargestellt und lassen sich mit der Maus an die gewünschte Position ziehen. Wichtig ist, die Option „Bildschirme spiegeln“ abzuschalten, um den primären Desktop nicht zu verdoppeln, sondern zu erweitern. In Ubuntu Gnome nennt sich die Option „Bildschirme verketten“. Die Option „Skalieren“ wirkt sich ebenso wie die Schriftenskalierung unter gnome-tweaks (siehe nächsten Punkt) auf beide Bildschirme aus und kann nicht separat eingestellt werden. Für Linux Mint gilt das analog.

Unumgänglich ist der Gang in dieses Applet bei Multimonitor-Betrieb, um die Bildschirme gemäß realer Lage zu arrangieren.
Vergrößern Unumgänglich ist der Gang in dieses Applet bei Multimonitor-Betrieb, um die Bildschirme gemäß realer Lage zu arrangieren.

Nachtmodus: Die relativ junge Option in den Ubuntu-Systemeinstellungen steuert den Rot- und Blauanteil und kann zeitgesteuert für die Nachtstunden aktiviert werden. Der Schieberegler für die individuelle Optimierung der Farbtemperatur scheint aber nicht zu funktionieren. Dies können Sie behelfsweise über den Dconf-Editor oder Terminalbefehle wie

gsettings set org.gnome.settings-daemon.plugins.color night-lighttemperature 4500

steuern. Linux Mint bietet den Nachtmodus in den Systemeinstellungen nicht, nutzt aber für diese Aufgabe das externe Tool Redshift.

Skalierung: In den Systemeinstellungen gibt es nur die Skalierungsfaktoren „100 %“ oder „200 %“. 200 Prozent ist für Normalsichtige keine sinnvolle Option. Ubuntu mit Gnome hat immerhin etwas feinere Abstufungen zu bieten, sofern es mit Wayland läuft (Option am Anmeldebildschirm). Das muss aber erst im Terminal mit

gsettings set org.gnome.mutter experimental-features "['scalemonitor-framebuffer']“

aktiviert werden. Nach der nächsten Anmeldung zeigt sich unter „Geräte –› Anzeigegeräte –› Skalieren“ ein Regler mit Schritten zu 25 Prozent.

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Schriftoptimierungen unter Ubuntu/Mint

Das Gnome-Tool „Optimierungen“ (gnometweaks) zeigt unter „Schriften“ den Punkt „Skalierungsfaktor“, der alle Schriften praktisch stufenlos skaliert. Damit verändern Sie das Erscheinungsbild aller Menüs und Textfenster maßgeblich und passen es optimal an Bildschirm und Sehvermögen an.

Gnome-Tweaks mit wichtiger Anpassungsoption: Die stufenlose Schriftskalierung bringt alle Textelemente vom Menü über Iconbeschriftung bis zum Textfenster auf die gewünschte Größe.
Vergrößern Gnome-Tweaks mit wichtiger Anpassungsoption: Die stufenlose Schriftskalierung bringt alle Textelemente vom Menü über Iconbeschriftung bis zum Textfenster auf die gewünschte Größe.

Die weiteren Angebote dieses Dialogs belassen Sie besser bei den Standards. „Hinting“ ist auf modernen Monitoren in der Regel unnötig, da es die Lesbarkeit von Schriften bei geringer Auflösung verbessert. Kantenglättung sollte auf TFT/LCD unbedingt aktiv sein (Standard), andernfalls werden Schriften hässlich bis unlesbar.

Linux Mint hat ähnliche Optionen in den normalen Systemeinstellungen unter „Schriften“: Hier können Sie für einzelne Objekte die Schriftgröße detailliert anpassen. Wem das zu mühsam ist, kann an dieser Stelle einfach den „Skalierungsfaktor der Schrift“ erhöhen. Das vergrößert oder verkleinert alle Schriften auf einmal. Die wichtige Kantenglättung sollte beim Standard „RGBA“ bleiben (red green blue alpha).

Monitoranschlüsse und Kabel

Analoge VGA-Verbindung sollten Sie nur noch verwenden, wenn ein älterer PC oder Monitor nichts anderes anbietet. Bessere Qualität liefern die digitalen Anschlüsse DVI und HDMI. Wenn ein neuer Monitor seine höchste Auflösung verweigert, obwohl diese von der Grafikkarte unterstützt wird, dann liegt das Problem oft nur am DVI-Kabel. Für Auflösungen bis 1920 x 1200 Pixel genügt ein Single-Link-DVI-Kabel mit 18+1 Kontakten; für höhere Auflösung muss es ein Dual-Link-DVI-Kabel mit 24+1 Kontakten sein.

Das Kabel alter Monitore können Sie bei neuen Bildschirmen deshalb oft nicht mehr verwenden, sondern müssen das mitgelieferte Kabel verwenden oder ein Dual-Link-DVI-Kabel nachkaufen. Für Bildschirme mit Auflösungen über 2560 x 1600 Pixel (Ultra-HD, 4K, 2160 p) reicht DVI generell nicht mehr aus, hier ist die Verbindung über Displayport oder HDMI 2.0 nötig.

Nvidia/ATI: Herstellertreiber installieren

Standardmäßig richtet Linux für Nvidia und ATI/AMD-Grafikkarten einen Open-Source-Treiber ein, der für Büroaufgaben ausreicht. Für Spiele oder HD-Videos sollten Sie einen Treiber mit Hardwarebeschleunigung verwenden. Dazu gehen Sie unter Ubuntu und Mint auf „Anwendungen und Aktualisierungen –› Zusätzliche Treiber“ beziehungsweise „Systemverwaltung –› Treiberverwaltung“. Abhängig vom erkannten Grafikchip stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Bei einer Nvidia-Grafikkarte sehen Sie etwa „NVIDIA binary Xorg driver, kernel module and VDPAU library von nvidia-current werden verwendet (Proprietär, getestet)“. Dabei handelt es sich um einen Treiber von Nvidia, der als stabil angesehen wird.

Lesetipp Linux Mint: Cinnamon-Desktop optimieren

Kontrastthemen per Hotkey

Bei mobilen Notebooks muss man mit wechselnden Lichtverhältnissen auskommen, aber auch bei stationären PCs können je nach Sonnenstand sehr unterschiedliche äußere Bedingungen herrschen. Passende Desktopthemen sorgen dann nicht nur für bessere Lesbarkeit, sondern wirken bei gelegentlichem Wechsel auch augenschonend.

Auf einem Desktop-Linux mit Dconf-Zentrale wie Ubuntu und Linux Mint erreichen Sie einen schnellen Themenwechsel mit einem ganz simplen Shell-Script gemäß Aufmacherbild, dem Sie dann noch einen Hotkey zuweisen. Ein erster Befehl wie

gsettings get org.gnome.desktop.interface gtk-theme | grep "HighContrast"

fragt das derzeit aktive Theme ab und sorgt dann mit gsettings set […] für die benötigten Elementwechsel. Das im Aufmacherbild gezeigte Shell-Script „theme-changer.sh“ ist nur eine Basisanleitung ( https://paste.ubuntu.com/p/zQgMV8yDPb/ ), die sich etwa durch einen Wechsel des „icon-theme“ (etwa „Humanity“ versus „HighContrast“) leicht verfeinern ließe.

Software und Farbkontraste

Jede elaborierte Software beherrscht die Umstellung auf andere Farbeinstellungen und andere Kontraste zwischen Hintergund und Textfarbe. Dies muss aber in der Regel manuell geschehen, was ein schnelles Umschalten bei Bedarf erschwert. Trotzdem verweisen wir hier stellvertretend etwa auf die Farbthemen der Editoren Gedit und Xed unter „Bearbeiten –› Einstellungen“ oder auf Libre Office mit seinen Optionen unter „Extras –› Optionen –› LibreOffice –› Anwendungsfarben“.

Der Firefox-Browser ist einer der letzten seiner Zunft, der eine Standardoptik für Webseiten vorgeben kann. Unter „Einstellungen –› Schriftarten und Farben“ können Sie Schriftgrößen und Hintergrundfarben selbst festlegen, also etwa Weiß auf Schwarz erzwingen. Dazu muss „Systemfarbe verwenden“ abgewählt und im Dropdown-Feld darunter „Immer“ aktiviert werden. Dieses Drop-down-Feld ist zugleich der schnellste Weg, um zum Standard zurückzuschalten (Option „Nie“). Inverse Farben machen Surfen bei ungünstigem Licht angenehmer, sind aber keine generelle Empfehlung, da die meisten Seiten hellen Hintergrund erwarten und manche Klickelemente bei inverser Darstellung schlechter erreichbar sind.

Minitipp: Miserable, kontrastarme Layouts sind auf Webseiten nicht selten anzutreffen. Eine schnelle und einfache Ad-hoc- Lesehilfe im Browser ist die komplette Textmarkierung mit Strg-A.

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