2447935

Chinesische Schüler bauen nachts Amazon-Alexa-Geräte zusammen

12.08.2019 | 13:15 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Einem Bericht zufolge, müssen in China nachts Schulkinder die Produktion von Amazon-Alexa-Geräten unterstützen.

Die Nachfrage nach Amazon-Alexa-Geräten ist so groß, dass die chinesischen Produzenten zu drastischen Maßnahmen greifen müssen, die auch gegen die in China geltenden Gesetze verstoßen. Das berichtet die britische Zeitung The Guardian in ihrer Online-Ausgabe.

Aus geleakten Dokumenten und Gesprächen mit Arbeitern habe man erfahren, dass der Amazon-Zulieferer Foxconn viele Schulkinder in der Produktion einsetze, die nachts oder mit Überstunden arbeiten müssen. Nur so könne die geforderte Anzahl an smarten Lautsprechern produziert werden.

China Labor Watch wirft in diesem Bericht Foxconn einen klaren Verstoß gegen in China geltende Rechte für Arbeitnehmer vor. So würden neue Kräfte an Schulen und Hochschulen in der Umgebung von Hengyang rekrutiert. Diese Kräfte würden als "Praktikanten" bezeichnet und die Lehrer erhalten von Foxconn Geld, wenn sie ihre Schüler zur Arbeit begleiten.

Die Rede ist von über tausenden beschäftigten Schülern, die immer dann eingesetzt wurden, wenn mehr produziert werden musste als dafür Arbeitskräfte vorhanden waren. In dem Bericht wird außerdem betont, dass es gemäß der in China geltenden Gesetze zwar legal sei, ab 16jährige Schüler zu beschäftigen, allerdings sei es diesen Schülern nicht erlaubt, in der Nacht zu arbeiten oder Überstunden zu leisten.

10 Stunden/Tag an 6 Tagen/Woche

In den betroffenen Fällen hätten Schüler aber geäußert, dass sie zu Überstunden gezwungen worden seien. So erklärte eine 17 Jahre alte chinesische Schülerin, sie habe einen Schutzfilm an 3.000 Echo Dots pro Tag anbringen müssen. Ursprünglich habe ihr Lehrer erklärt, sie müsse an fünf Tagen die Woche je acht Stunden arbeiten. Letztendlich habe sie inklusive Überstunden an sechs Tagen pro Woche je 10 Stunden gearbeitet.

Als sie ihrem Lehrer erklärte, dass sie keine Überstunden mehr machen wolle, habe er ihr damit gedroht, dass sie bei Foxconn keinen Praktikumsplatz erhalten würde. Dies hätte aber ihre weitere Schullaufbahn negativ beeinflusst.

Den Dokumenten ist auch zu entnehmen, wie die Schüler entlohnt werden: Sie erhalten 16,53 chinesische Yuan pro Stunde, wenn sie Überstunden leisten. Das entspricht einem Stundenlohn von 2,09 Euro. Reguläre Mitarbeiter verdienen umgerechnet einen Stundenlohn von 2,55 Euro. Die Schulen erhalten 500 Yuan (63,26 Euro) pro Schüler.

Foxconn und Amazon reagieren

Foxconn hat auf die Recherchen reagiert und gelobt Besserung. Das Unternehmen habe bestätigt, dass die Schüler nicht legal beschäftigt worden seien und wolle entsprechende Maßnahmen ergreifen, um das Problem abzustellen. Dazu sei die Überwachung der Produktionsstätten und der Praktikumsprogramme verschärft worden. Generell wolle man auch Schüler ab 16 Jahren weiterhin beschäftigen, weil diese dadurch einen Einblick  in das Arbeitsleben erhalten. Allerdings sollen diese Schüler weder nachts noch für Überstunden eingesetzt werden. Außerdem will Foxconn die Anzahl der regulären Mitarbeiter in den betroffenen Betrieben erhöhen.

Amazon erklärte, dass das Unternehmen sofort Maßnahmen ergreife, wenn solche Praktiken bekannt werden. Man fordere dann eine sofortige Korrektur und untersuche auch diese Fälle. Dazu seien Experten vor Ort nach China geschickt worden.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2447935