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Cameyo: Beliebige Anwendungen portabel machen

26.06.2017 | 10:21 Uhr |

Wenn es von Ihrem Lieblings-Programm keine portable Version gibt, hilft Cameyo weiter. Das Gratis-Tool kann aus einem normalen Programm eine portable Anwendung machen.

Libre Office , Firefox , Gimp , Irfan View , Thunderbird , VLC , Foxit PDF Reader und 7-Zip – immer mehr kostenlose Programmen sind in einer portablen Version zum Sofortstart von einem USB-Stick oder einer USB-Festplatte erhältlich. So können Sie Ihre Lieblingsprogramme überall nutzen, haben Lesezeichen, Dokumente und Einstellungen immer dabei und jeder PC fühlt sich fast wie Ihr eigener an. Trotz der vielen Vorzüge laufen längst nicht alle Programme auf mobilen Datenträgern. Falls ausgerechnet Ihre Lieblingsprogramme nicht in einer portablen Version zu haben sind, bieten das für Privatnutzer kostenlose Cameyo sowie Portable Virtualbox zwei unterschiedliche Wege, eine eigene Stick-Version zu erzeugen. Das Gratis-Tool Cameyo macht Programme portabel, indem im Rahmen einer Software-Installation durchgeführte Änderungen protokolliert und widerrufen werden. Sie können die resultierenden Programm-Pakete sogar so einschränken, dass sie keinerlei Schreibzugriff auf das Betriebssystem haben. Gut: Über 500 Programme lassen sich direkt aus dem Programm heraus portabel herunterladen, darunter etwa eine portable Dropbox-Version sowie verschiedene Bildbetrachter, Mediaplayer und vieles mehr. Wer will, der kann sein Lieblings-Tool in die Bibliothek aufnehmen lassen und es anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Das lässt sich am einfachsten über die Funktion „Online Packager“ bewerkstelligen. Für den Zugriff auf die Verwaltung über die Weboberfläche und die Client-Software ist eine kostenlose Registrierung erforderlich.

Portable Virtualbox erzeugt eine vom Stick direkt startbare Windows-Laufzeitumgebung auf Basis von Virtualbox, in der Sie Programme innerhalb einer virtuellen Maschine ausführen können. Bei Cameyo starten Sie die Programme unmittelbar auf dem Gast-PC, bei Portable Virtualbox starten Sie am Gast-PC eine Spezialversion von Virtualbox und laden dann einen vorbereiteten virtuellen Windows-PC mit den gewünschten Programmen.

Siehe auch: Die besten USB-Tipps und -Tools

Stick-Version erzeugen

Mit Cameyo lassen sich Sofortstart-Versionen herkömmlicher Programme einfach und schnell herstellen. Cameyo selbst läuft ohne vorherige Installation, die Software, von der Sie eine portable Version erzeugen möchten, darf noch nicht auf Ihrem PC installiert sein. Falls nötig, deinstallieren Sie die betreffende Software, bevor Sie Cameyo einsetzen. Gute Ergebnisse lassen sich bei der Software-Umwandlung mit Cameyo innerhalb einer virtuellen Maschine erzielen, da hier eventuelle Wechselwirkungen mit den bereits auf dem Haupt-Rechner installierten Programmen ausgeschlossen sind.

Starten Sie Cameyo. Im Begrüßungsfenster entscheiden Sie sich für den Menüpunkt „Capture an installation“ und bestätigen Ihre Wahl mit „OK“. Ein kleines Infofenster unten rechts signalisiert, dass Cameyo im Hintergrund über das System wacht und alle Änderungen registriert. Dazu erzeugt die Software eine Art Schnappschuss der Registry, der wichtigsten Konfigurationsdateien von Windows und eine Liste aller Dateien auf dem Systemlaufwerk. Nach kurzer Wartezeit erscheint dazu die englischsprachige Anweisung „Install the software you wish to package“. Nun können Sie das gewünschte Programm wie gewohnt installieren. Falls die von Ihnen gewählte Software am Ende des Installationsprocederes einen Windows-Neustart verlangt, führen Sie diesen durch. Cameyo registriert den Bootvorgang und startet wieder zusammen mit Windows. Starten Sie nun das frisch installierte Programm über das Startmenü oder das entsprechende Symbol auf dem Desktop. Der Start der neuen Software ist wichtig, denn viele Programme speichern beim ersten Start nach dem initialen Setup Einstellungen in der Registry oder in Konfigurationsdateien.

Vorher-Nachher-Vergleich

Nach dem Start fordert Sie das für Privatnutzer kostenlose Cameyo auf, das gewünschte Programm wie gewohnt unter Windows einzurichten. Dabei werden alle Änderungen am System protokolliert.
Vergrößern Nach dem Start fordert Sie das für Privatnutzer kostenlose Cameyo auf, das gewünschte Programm wie gewohnt unter Windows einzurichten. Dabei werden alle Änderungen am System protokolliert.

Haben Sie das neue Programm mindestens einmal gestartet, klicken Sie im Fenster von Cameyo auf „Install done“. Um herauszufinden, welche Änderungen am System nach dem ersten Schnappschuss durchgeführt wurden, legt Cameyo einen zweiten Schnappschuss an und vergleicht die beiden Systemzustände miteinander. Aus den Daten erzeugt das Tool ein Profil aller Daten, die zur Verwendung der Software temporär erforderlich sind, im Falle einer portablen Programmnutzung aber nach dem Schließen der Software vom Rechner entfernt werden sollen. Daraus und aus den eigentlichen Programmdateien erstellt Cameyo im Windows-Ordner „Dokumente\Cameyo apps“ ein per Doppelklick ausführbares, portables Programm. Kopieren Sie den Inhalt dieses Ordners auf den USB-Stick.

Theoretisch funktioniert die beschriebene Profilerstellung mit jedem beliebigen Programm, doch in der Praxis beißt sich Cameyo an manchen Programmen die Zähne aus – die betreffenden Programme funktionieren dann an einem anderen PC nicht richtig.

Tipp: So laufen Ihre USB-Geräte endlich schneller!

Portable-Version starten

Zum Start der von Cameyo erzeugten Portable-Version verbinden Sie den Stick mit dem PC, wechseln in den Ordner „Cameyo apps“ und klicken doppelt auf die EXE-Programmdatei. Innerhalb von Cameyo lassen sich einmal umgewandelte Programme nachträglich anpassen, um festzulegen, welche Daten das portable Programm auf dem Gast-PC ablegen darf. Dazu starten Sie Cameyo, klicken doppelt auf „Edit a package“ und wählen „Open existing virtual app“. Öffnen Sie dann die portable Programmdatei von Ihrem USB-Stick. Im nächsten Dialog können Sie unter „Isolation mode“ die Vorgaben für Schreibzugriffe auf den Gast-PC nach Ihren Wünschen anpassen.

Standardmäßig eingestellt ist „Data mode“. Er erlaubt Schreibzugriffe nur auf den Ordner „Dokumente“ beziehungsweise „Eigene Dateien“ bei älteren Windows-Versionen. Das Schreiben in andere Ordner oder auf andere Laufwerke wird dagegen unterbunden. Mit der Option „Full access“ sind Schreibzugriffe auf alle Ordner und Laufwerke zulässig. Diese Einstellung ist ratsam, um Programme uneingeschränkt zu nutzen. Die Option „Isolated“ sperrt sämtliche Schreibzugriffe und führt in den meisten Fällen dazu, dass die betreffende Software auf dem Gast-Computer nicht voll umfänglich läuft.

Virtualbox: Portable Software durch die Hintertür

Die Portable-Version erlaubt das Starten virtueller PC auf Rechnern ohne fest installiertes Virtualbox.
Vergrößern Die Portable-Version erlaubt das Starten virtueller PC auf Rechnern ohne fest installiertes Virtualbox.

Deutlich aufwendiger ist die Portabilisierung von Programmen mit Virtualbox Portable , bei der die gewünschte Software in einer virtuellen Maschine vom USB-Stick gestartet wird. Das Verfahren bietet sich für Programme an, bei denen eine Umwandung mit Cameyo fehlschlägt. Dazu benötigen Sie Portable Virtualbox und die Installations-DVD oder ISO-Abbilddatei einer beliebigen Windows-Version, die Sie in Virtualbox wie gewohnt als virtuelle Maschine einrichten. Sie entpacken Portable Virtualbox auf den USB-Stick und starten das Tool. Klicken Sie auf „Search“, doppelt auf „german.ini“ und auf „OK“. Dann wählen Sie „Installationsdateien von Virtualbox herunterladen“. Nach Abschluss des Downloads geben Sie unten im Fenster an, ob Sie Virtualbox für den USB-Stick in der 32- oder 64-Bit-Version wünschen – sinnvoll ist die 32-Bit-Variante, die auf mehr Systemen läuft. Nach einem Klick auf „OK“ ist das portable Virtualbox für den USB-Stick startklar. Richten Sie nun das virtuelle System ein und installieren darin alle Programme, die Sie portabel auf verschiedenen Rechnern nutzen möchten.

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