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CPU-Temperatur anzeigen und senken - mit diesen Tools und Tipps geht's

14.06.2021 | 10:44 Uhr | Sebastian Schenzinger

Wenn Sie die Temperatur ihres Prozessors auslesen wollen, geht das leider nicht einfach mit den Bordmitteln von Windows. Wir zeigen Ihnen die besten Tools und erklären, ab welcher Temperatur Handlungsbedarf besteht und was Sie tun können.

Wenn der PC bei anspruchsvollen Programmen immer langsamer wird, die Lüfter immer weiter aufdrehen oder der PC sogar abstürzt, kann das darauf hindeuten, dass Ihre CPU überhitzt. Leider bietet Windows von Haus aus keine Möglichkeit an, die Temperatur des Prozessors anzuzeigen. Zwar können Sie diesen Wert im BIOS auslesen, dieser Weg ist aber erstens recht umständlich und zweitens liegt währenddessen auch keine Last auf der CPU an, weshalb die Temperaturen ein gutes Stück niedriger ausfallen dürften. Zum Glück gibt es aber diverse Tools, welche bei diesem Problem Abhilfe schaffen. Wir verraten Ihnen außerdem, wie Sie bei zu hohen Temperaturen vorgehen sollten.

Mit diesen Tools können Sie die Temperatur der CPU auslesen

Das wohl simpelste Tool, um die Temperatur des Prozessors auszulesen, ist das passend benannte Core Temp . Das Programm gibt nicht nur Informationen zur verbauten CPU, sondern auch zur aktuellen Auslastung, der Leistungsaufnahme und eben den gesuchten Temperaturen. Temperaturen in der Mehrzahl, weil sich bei aktuellen Intel-Core-i-Prozessoren die Gradzahl jedes einzelnen Rechenkerns und bei AMD-Ryzen-Prozessoren die Temperatur jedes Core-Komplexes (CCX) auslesen lässt. Bei der Installation des Programms sollten Sie Vorsicht walten lassen, ansonsten kann es sein, dass zusätzliche Bloatware installiert wird. Nach der Installation zeigt das Tool direkt alle gewünschten Informationen an. Wenn Sie das Programm minimieren, lassen sich die Temperaturen noch über die Taskleiste auslesen.

Core Temp ist ein simples Tool , um die Temperatur der CPU anzuzeigen.
Vergrößern Core Temp ist ein simples Tool , um die Temperatur der CPU anzuzeigen.

Neben Core Temp gibt es noch eine breite Auswahl an anderen Programmen, wie zum Beispiel HWiNFO . Dieses Tool ist um einiges mächtiger und zeigt Ihnen Taktraten, Verbrauchswerte und Temperaturen von der gesamten Computerhardware an. Wenn Sie also nicht nur die CPU, sondern auch die Grafikkarte, den Arbeitsspeicher und sogar Mainboard sowie SSDs überwachen wollen, dann ist HWiNFO "the way to go". Das Programm müssen Sie  nicht zwangsweise installieren, sondern können auch die portable Version verwenden. Wählen Sie nach dem Start des Programms die Sensordarstellung ( "Show Sensors only ") aus und schon erhalten Sie alle Informationen als Baumdiagramm. Wenn Sie nach unten scrollen, kommen Sie zu den Informationen zur CPU. Ein vergleichbares Tool, das Sie ebenfalls verwenden können, ist der HWMonitor

HWiNFO liefer umfassende Informationen zur verbauten Hardware und Sensorik.
Vergrößern HWiNFO liefer umfassende Informationen zur verbauten Hardware und Sensorik.

Wenn Sie die Temperatur nicht nur auf dem Desktop, sondern zum Beispiel während dem Zocken auslesen wollen, dann empfehlen wir FrameView . Auch wenn das Tool von Nvidia kommt, funktioniert es problemlos mit Hardware von anderen Herstellern. Führen Sie nach der Installation das Programm aus und starten Sie ein Spiel nach Wahl. Jetzt sollten im linken oberen Eck Informationen zur CPU, der GPU und dem Arbeitsspeicher als auch die aktuellen FPS-Werte angezeigt werden. In dem Tool selber, können Sie nach Belieben einstellen, in welchem Eck Sie das Overlay eingeblendet haben wollen. Alternativ können Sie auch den MSI Afterburner inklusive RivaTuner verwenden, was jedoch etwas aufwendiger zum Einrichten ist. 

FrameView zeigt Ihnen Informationen zu CPU, GPU und RAM im Spiel an.
Vergrößern FrameView zeigt Ihnen Informationen zu CPU, GPU und RAM im Spiel an.

Wenn Sie in Ihrem PC eine All-in-One-Wasserkühlung verbaut haben, dann lässt sich die CPU-Temperatur oftmals auch über die zugehörige Software auslesen. Beispiele hierfür sind NZXTs Cam Software oder Corsairs iCue . Voraussetzung zur Verwendung dieser Programme ist jedoch, dass Sie kompatible Hardware verbaut haben. In diesem Fall lassen sich über die Software nicht nur Daten auslesen, sondern die Kühler auch steuern. So können Sie zum Beispiel manuelle Lüfter- und Pumpenkurven anlegen oder  die RGB-Belechtung verändern.

Via NZXT Cam, dem Tool des Herstellers für seine AiO-Wasserkühlung lassen sich Informationen zur CPU auslesen.
Vergrößern Via NZXT Cam, dem Tool des Herstellers für seine AiO-Wasserkühlung lassen sich Informationen zur CPU auslesen.

Welche CPU-Temperatur ist normal?

Welche Temperaturen Ihre CPU erreicht, hängt von vielen Faktoren ab, wie dem konkreten Modell, dem CPU-Kühler und in welchem Gehäuse die Hardware verbaut ist. Auch die Umgebungstemperatur spielt dabei eine wichtige Rolle. Die maximale Temperatur, mit welcher ihr Prozessor spezifiziert ist, können Sie mittels dem oben bereits vorgestellten Core Temp unter dem Punkt Tj Max auslesen. Bereits bevor diesem Punkt fängt die CPU zum Selbstschutz an die Spannung zu verringern und sich herunterzutakten, womit Sie Leistung verlieren. Aber welche Temperaturen sind jetzt eigentlich normal und ab wann sollten Sie sich Sorgen machen?

Wie bereits angesprochen, hängt die Temperatur von vielen Faktoren ab, gerade in Notebooks können die Prozessoren schnell Temperaturen von 80°C bis 90°C erreichen, was von den Herstellern auch so vorgesehen ist. In diesem Fall haben Sie sowieso nur eingeschränkte Möglichkeiten das Kühlpotential zu verbessern. Bei einem Desktop-PC entscheidet in erster Linie der CPU-Kühler sowie die allgemeine Durchlüftung des Gehäuses über die Temperaturen. Für eine grobe Einordnung, listen wir Ihnen mal alle von uns maximal gemessen Temperaturen auf, welche wir für unseren CPU-Vergleich ermittelt haben: 

Max. Temperatur

AMD Ryzen 7 3700X

63°C

AMD Ryzen 9 3900X

71°C

AMD Ryzen 5 5600X

67°C

AMD Ryzen 7 5800X

83°C

AMD Ryzen 9 5900X

74°C

AMD Ryzen 9 5950X

71°C

Intel Core i3-10100

49°C

Intel Core i5-10400F

55°C

Intel Core i5-10600K

60°C

Intel Core i7-10700K

66°C

Intel Core i9-10850K

69°C

Intel Core i9-10900K

67°C

Intel Core i5-11400F

54°C

Intel Core i5-11600K

63°C

Intel Core i9-11900K

83°C

Hinweis:  Diese Temperaturen wurden im Worst-Case-Szenario - Vollauslastung über 30 Minuten - mit einer 360mm-AIO-Wasserkühlung ermittelt und dienen daher nur als Referenz. In einem anderen Gehäuse mit einem anderen Kühler können Sie ganz andere Werte erhalten.

Vollkommen egal jedoch, welche Hardware bei Ihnen zum Einsatz kommt, lässt sich sagen, dass eine Temperatur von 70 Grad Celsius bei der CPU absolut normal und unbedenklich ist. Das gilt jedoch für den Fall, dass die CPU ausgelastet ist und nicht für den Idle-Betrieb, also wenn Sie nur Windows gestartet haben und keine Programme ausführen! Selbst Temperaturen bis 80 Grad Celsius sind gerade im Sommer bei warmen Raumtemperaturen oder eben in Notebooks noch im Rahmen und kein Grund zur Sorge. Wirklicher Handlungsbedarf besteht hier nur, wenn Ihnen der PC zu laut wird. Wenn die Temperaturen über 80 Grad Celsius steigen und Sie die CPU nicht übertaktet haben, dann sollten Sie sich auf die Suche nach der Ursache begeben. Bei Gaming-Notebooks sind Temperaturen bis etwa 85 Grad Celsius noch im Rahmen. Mehr als 90 Grad Celsius sollte Ihre CPU im Dauerbetrieb aus unserer Sicht definitiv nicht erreichen, auch wenn Sie sich damit offiziell noch im Rahmen der Spezifikationen bewegen. 

CPU Temperatur zu hoch, was tun?

Wenn die Temperaturen Ihrer CPU dauerhaft zu hoch sind oder die Lüfter zu laut werden, dann lässt das auf ein Kühlungsproblem schließen. Oftmals sind hierfür mit Staub verdreckte Kühler verantwortlich. Um das zu überprüfen, trennen Sie Ihren PC vom Stromnetz, erden Sie sich (zum Beispiel an einem Heizkörper) und öffnen Sie das Seitenteil. Bei einem Notebook müssen Sie hierfür das Unterteil entfernen. Je nach Modell lässt sich entweder das gesamte Unterteil demontieren oder es sind entsprechende Wartungsklappen vorhanden. Falls möglich, entfernen Sie die den Akku, bevor Sie das Gerät öffnen. 

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie Ihr Notebook im Laufe der Garantiezeit eigenmächtig öffnen, erlischt dadurch im Regelfall Ihr Garantieanspruch. 

Verstaubte Lüfter sollten Sie regelmäßig mit Druckluft reinigen. Wir empfehlen die Kühlkörper dafür auszubauen.
Vergrößern Verstaubte Lüfter sollten Sie regelmäßig mit Druckluft reinigen. Wir empfehlen die Kühlkörper dafür auszubauen.

Wenn Sie Ihr Gerät geöffnet haben, lokalisieren Sie den CPU-Kühler und eventuell zusätzliche Gehäuselüfter. Reinigen Sie diese vorsichtig mit Druckluft oder einem Staubsauger. Am besten bauen Sie den Kühler dafür aus, um nichts beschädigen zu können und den Staub nicht weiter im Gehäuse zu verteilen. Wenn Sie sich für die Demontage entscheiden, empfehlen wir auch gleich noch die Wärmeleitpaste zu erneuern. Um die Wärme von der CPU über den Kühler abzuführen, kommt nämlich ein Flussmittel zum Einsatz, das mit der Zeit eintrocknen kann: die Wärmeleitpaste . Wenn diese eingetrocknet ist, kann die Wärme nicht mehr effektiv abgegeben werden. 

Eine eingetrocknete Wärmeleitpaste kann für hohe Temperaturen verantwortlich sein.
Vergrößern Eine eingetrocknete Wärmeleitpaste kann für hohe Temperaturen verantwortlich sein.

Wenn das Reinigen und das Austauschen der Wärmeleitpaste nicht geholfen haben, dann entsteht in Ihrem Gehäuse eventuell ein Luftstau. Wir empfehlen bei einem Standard-PC, dass in der Front ein mindestens 120 Millimeter großer Lüfter verbaut ist, der frische Luft in das Gehäuse befördert und auf der Rückseite einen weiteren 120 Millimeter Lüfter, welcher die Abwärme aus dem Gehäuse befördert. Die korrekte Ausrichtung der Lüfter ist hierbei essentiell. Ein empfehlenswertes und preiswertes Modell wäre der Arctic F12 .

Überprüfen Sie aber auf jeden Fall im Voraus, ob die gewünschten Lüfter überhaupt in Ihr Gehäuse passen. Alternativ können Sie sich auch einen leistungsstärkeren CPU-Kühler zulegen.  Auch hierbei müssen Sie unbedingt darauf achten, dass der Kühler mit Ihrem Mainboard kompatibel ist und genügend Platz in Ihrem Gehäuse vorhanden ist, ein empfehlenswertes Modell wäre der Arctic Freezer 34 eSports .

Für High-End-CPUs können Sie auch eine AiO-Wasserkühlung einsetzen. Bei Notebooks ist Ihr Handlungsspielraum leider sehr eingeschränkt. Wenn Sie das Gerät bereits gesäubert sowie die Wärmeleitpaste erneuert haben und die Temperaturen immer noch zu hoch liegen, können Sie nur noch auf einen externen Notebook-Kühler setzen. 

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