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Bios & Uefi: Firmware des Mainboards aktualisieren

05.06.2020 | 10:08 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Die Gründe für das Updaten von Bios beziehungsweise Uefi sind die gleichen wie bei Betriebssystem und Software: Sicherheitslücken schließen, Probleme beseitigen, neue Funktionen hinzufügen. Keine Sorge, das Updaten ist ganz einfach!

Die Bedeutung regelmäßiger Aktualisierungen zeigt sich schon darin, dass viele Updates mittlerweile automatisch im Hintergrund eingespielt werden. Das gilt für das Betriebssystem selbst, aber auch für viele Programme inklusive Webbrowser, Hardwaretreiber und natürlich Virenschutz. Eine Softwarekategorie aber bleibt dabei häufig außen vor, auch weil Windows 10 sie aus dem Überwachungssystem seiner Sicherheits-App ausblendet. Sind in dieser App alle Einträge mit grünem OK-Symbol markiert, scheint alles in Ordnung – das muss jedoch nicht stimmen.

Denn ausgeblendet bei alledem ist die Software der Hauptplatine, häufig auch als Firmware, Bios (Basic Input/ Output System) oder Uefi (Unified Extensible Firmware Interface) bezeichnet. Wer sich also nicht selbst um die Aktualisierung kümmert oder dazu spezielle Tools installiert, sorgt gegebenenfalls für grundlegende Sicherheitslücken oder Probleme, die weder Windows noch weitere Software später wieder beheben können. Schließlich sorgt das Bios/Uefi ganz entscheidend dafür, dass das Betriebssystem und die installierten Programme überhaupt auf Hardwarekomponenten wie Prozessor, Arbeitsspeicher, Schnittstellen und mehr zugreifen können.

Vorab noch ein kurzer Hinweis zur Ausdrucksweise: Zwar verfügen alle Rechner schon seit vielen Jahren über moderne Uefi-Systeme, dennoch ist die frühere Bezeichnung Bios weiter gebräuchlich. Wir verwenden im Folgenden deshalb stets den Doppelausdruck Bios/Uefi.

Lesetipp:  Von Bios zu Uefi: So klappt der Umstieg problemlos

Es gibt viele Gründe für das Bios-/Uefi-Update 

Selbst wenn Windows wie hier meldet, dass „alles sicher“ ist, muss das nicht unbedingt stimmen. Denn manche Lücke resultiert bereits daraus, dass die Mainboard-Firmware veraltet ist.
Vergrößern Selbst wenn Windows wie hier meldet, dass „alles sicher“ ist, muss das nicht unbedingt stimmen. Denn manche Lücke resultiert bereits daraus, dass die Mainboard-Firmware veraltet ist.

Spätestens das Bekanntwerden der CPU-Schwachstellen Meltdown und Spectre machte Anfang 2018 auf ziemlich drastische Weise das existierende Sicherheitsrisiko deutlich, obwohl Windows und installierte Software auf dem aktuellen Stand waren. Die Integrität von System und Daten war – und ist es teilweise noch immer – bereits beim Booten des Computers bedroht, also noch bevor überhaupt das Betriebssystem startet. Schutz dagegen bot und bietet vor allem die Aktualisierung des Mainboards mit neuer, sicherer Firmware.

Doch auch in weniger drastischen Fällen ist das auch Flashen genannte Updaten von Bios/Uefi sinnvoll: Mal beheben die Hersteller von Hauptplatine oder Rechner nachträglich erkannte Probleme. Mal passen sie ihre Systeme an neue Prozessoren, Windows-Versionen oder Ähnliches an und steigern dadurch die Leistung. Und manchmal geht es auch schlicht um Komfort, wenn sie beispielsweise die Lüftersteuerung verbessern und dadurch das Betriebsgeräusch reduzieren.

Die Hardware identifizieren und das Update vorbereiten 

Identifizierung von Rechner und Mainboard: links die Angaben der Systeminformationen von Windows, rechts unten in der Ecke der Ausschnitt mit den (identischen) Informationen im Tool CPU-Z.
Vergrößern Identifizierung von Rechner und Mainboard: links die Angaben der Systeminformationen von Windows, rechts unten in der Ecke der Ausschnitt mit den (identischen) Informationen im Tool CPU-Z.

Während Sie bei Windows und anderer Software in aller Regel nur die Update-Funktion zu starten brauchen, müssen Sie für das Firmware-Update zunächst Ihre Hardware genau identifizieren, also die exakte Bezeichnung des PCs beziehungsweise Mainboards. In manchen Fällen reicht dazu schon das Aufrufen der Systeminformationen von Windows 10, die Sie durch Eintippen von msinfo in das Such- und Ausführen-Feld unten links in der Taskleiste öffnen. Entscheidend sind darin die Angaben hinter „Bios-Version/-Datum“, „BaseBoard-Hersteller“, „BaseBoard-Produkt“ sowie gegebenenfalls zusätzlich „Systemhersteller“. Fehlen die Einträge an diesen Stellen, helfen die Analyse-Tools CPU-Z , Hwinfo und Speccy weiter. Sie bieten mehr Details zu den einzelnen Komponenten als die Systeminformation von Microsoft. Alternativ können Sie auch auf der Computerrechnung, dem PC-Gehäuse oder der Unterseite des Notebooks nach der Modellbezeichnung sehen.

Mit der genauen Bezeichnung der Hauptplatine und der Versionsnummer der installierten Firmware können Sie im Internet nachsehen, ob für das Modell eine aktuelle Version zur Verfügung steht. Wer ein Komplettsystem oder ein Notebook besitzt, ruft dazu auf der Webseite des Herstellers den Support- oder Service-Bereich auf und spezifiziert dort sein Rechnermodell. Einige Hersteller bieten sogar die Möglichkeit, den eigenen Computer mithilfe eines Tools zu identifizieren.

Wie bei diesem HP-Rechner stehen häufig mehrere „passende“ Board-Updates zur Verfügung. Welche die richtige ist, vergleichen Sie über die etwas kryptischen ID-Nummern mit denen der Hardwareanalyse.
Vergrößern Wie bei diesem HP-Rechner stehen häufig mehrere „passende“ Board-Updates zur Verfügung. Welche die richtige ist, vergleichen Sie über die etwas kryptischen ID-Nummern mit denen der Hardwareanalyse.

Danach öffnen Sie auf der Support-Seite für Ihren Rechner die Software- oder Treiber-Rubrik und suchen darin nach den Begriffen Bios, Uefi oder Firmware. Stehen dort mehrere Versionen zur Auswahl, wählen Sie diejenige aus, die exakt mit der Ihres Boards übereinstimmt: In unserem Beispiel trifft das auf die Variante „82F2“ zu.

Tipp: So setzen Sie das Bios oder UEFI richtig zurück

Drei Flash-Methoden haben sich in der Praxis etabliert 

Wie genau es nach dem Download der Update-Datei weitergeht, hängt vom Hersteller, vom Rechnermodell und dem eingesetzten Bios/Uefi ab. Die bequemste und mittlerweile auch am meisten verbreitete Methode startet man aus dem laufenden Windows heraus, indem man zunächst die Flash-Datei entpackt, den weiteren Anweisungen folgt und am Schluss die eigentliche Aktualisierung anstößt. Dabei fährt der Computer zunächst herunter, bootet anschließend neu und aktualisiert danach das Bios/Uefi, bevor abschließend wieder der normale Windows-Betrieb startet. In aller Regel dauert der gesamte Vorgang weniger als fünf Minuten. 

In diesem Beispiel hat der Benutzer die Wahl, die Firmware-Aktualisierung der Hauptplatine aus Windows heraus zu starten (oben) oder einen USB-Stick für das Update zu konfigurieren. Die erste Methode ist die bequemere.
Vergrößern In diesem Beispiel hat der Benutzer die Wahl, die Firmware-Aktualisierung der Hauptplatine aus Windows heraus zu starten (oben) oder einen USB-Stick für das Update zu konfigurieren. Die erste Methode ist die bequemere.

Etwas komplizierter stellt sich die Firmware-Aktualisierung über das Bios/Uefi selbst dar. In diesem Fall entpacken Sie das heruntergeladene Update auf einen USB-Stick, den Sie zuvor im FAT32-Dateisystem formatiert haben. Während Sie zum Flashen den Rechner neu booten und über die beim Startvorgang kurz angezeigte Taste das Bios-/Uefi-Menü aufrufen, lassen Sie den Stick weiter im Rechner eingesteckt.

Bei neuen PCs mit echtem Uefi gelangen Sie ebenfalls ins Uefi-Menü, indem Sie in Windows 10 die Umschalt-Taste drücken und auf „Neu starten“ klicken und dann den Schaltflächen „Problembehandlung –› Erweiterte Optionen –› Uefi-Firmwareeinstellung –› Neu starten“ folgen.

Wo genau im Bios/Uefi-Menü die Update-Option zu finden ist, unterschiedet sich von PC zu PC: Die Funktion ist mit „Bios-Update“, „M-Flash“ oder ähnlich bezeichnet, mitunter erscheint sie erst in den erweiterten Einstellungen („Advanced Modus“). Weiter geht es dann, indem Sie das Stick-Laufwerk mit der Flash-Datei wählen, den Anweisungen folgen und auch hier zum Schluss den PC neu starten.

Ebenfalls über einen USB-Stick, aber leicht abgewandelt funktioniert Methode Nummer 3. Dabei bootet man den Computer über einen speziell und mit eigenem Betriebssystem konfigurierten Stick und vollzieht dann das Update der Firmware. Also weder über Windows noch über die Bios-/ Uefi-Oberfläche.

Welche Art zu flashen bei Ihnen zum Einsatz kommt, bestimmt der PC- beziehungsweise Mainboard-Hersteller. Die Methode wird meist in den Installationshinweise zum Firmware-Update erläutert, bei der einfachen Windows-Variante kann das jedoch entfallen.

Bios/Uefi manuell oder automatisch aktualisieren?

Stellen Sie sich bitte einen Moment vor, Sie müssten die Updates für Windows, den Browser, die Sicherheitssoftware und Ähnliches immer selbst zusammensuchen. Das wäre ziemlich aufwendig. Und so scheint es zunächst durchaus sinnvoll, auch die Firmware der Hauptplatine automatisch auf neue Updates überprüfen zu lassen. Dazu stellen viele PC-Hersteller spezielle Programme zur Verfügung oder installieren diese auf ihren Rechner sogar vor.

Die Tools der PC-Hersteller zum automatischen Updaten ihrer Hardwarekomponenten sind bequem, allerdings wiesen manche in der Vergangenheit Sicherheitslücken auf.
Vergrößern Die Tools der PC-Hersteller zum automatischen Updaten ihrer Hardwarekomponenten sind bequem, allerdings wiesen manche in der Vergangenheit Sicherheitslücken auf.

Allerdings zeigt die Praxis immer wieder, dass manche dieser Checktools selbst Sicherheitslücken aufweisen. Wenn Sie diese Tools deshalb nicht verwenden möchten, schauen Sie in regelmäßigen Abständen selbst nach einem Firmware-Update. Neue Bios-/Uefi-Versionen erscheinen meist nur alle paar Monate. Mehr zu den Sicherheitslücken der Herstellertools lesen Sie in diesem Ratgeber .

So führen Sie das Mainboard-Update auf Ihrem PC durch

Bevor Sie nun das Update durchführen, dürfen ein paar Hinweise nicht fehlen. Weil der Aktualisierungsprozess in keinem Fall unterbrochen werden darf, stellen Sie vor dem Ausführen sicher, dass beim Desktop- PC das Netzkabel fest eingesteckt und beim Notebook der Akku voll aufgeladen und das Netzteil angeschlossen ist. 

Auch wenn wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie das Mainboard-Update auf eigene Verantwortung durchführen, funktioniert das Flashen in der Praxis ganz überwiegend problemlos. Dass ein Firmware-Update misslang und der Rechner deshalb nicht mehr lief, hat der Autor dieses Ratgebers bisher nie erlebt! 

Normalerweise übernimmt das Bios/Uefi beim Updaten auch die bisherigen Einstellungen. Falls Sie ganz sichergehen möchten, fotografieren Sie sämtliche Register und Menüs im Bios/Uefi vor dem Flashen mit dem Smartphone ab. Dann können Sie alles gegebenenfalls wieder manuell so einstellen wie zuvor. Alternativ bleibt immer, das Bios/Uefi über die Option „Load default settings“ auf die Standardeinstellungen zurückzusetzen. Die Daten auf der Festplatte sind bei dem Updateprozess übrigens nicht sonderlich gefährdet, ein regelmäßiges Backup zum Beispiel mit Aomei Backupper  ist aber immer sinnvoll.

Die Updates für die sogenannte Intel Management Engine laufen unabhängig vom Flashen des Bios/Uefi. Die Aktualisierungsdateien werden aber vom Hersteller meist zusammen mit der Mainboard-Firmware bereitgestellt.
Vergrößern Die Updates für die sogenannte Intel Management Engine laufen unabhängig vom Flashen des Bios/Uefi. Die Aktualisierungsdateien werden aber vom Hersteller meist zusammen mit der Mainboard-Firmware bereitgestellt.

Und da Sie gerade schon beim Update sind, aktualisieren Sie gleichzeitig die sogenannte Intel Management Engine, sofern in Ihrem Rechner ein Intel-Prozessor steckt. Die Intel ME ist ein Mikrocontroller, der unabhängig von der Haupt-CPU und vom Bios/ Uefi arbeitet. Sie läuft mit einem eigenen Betriebssystem und muss deshalb auch separat upgedatet werden. Die passenden „Intel ME“-Aktualisierungsdateien finden Sie beim PC- beziehungsweise Board-Hersteller meist zusammen mit denen für das Bios/Uefi. Zum Updaten führen Sie die Software aus und folgen dabei dem Aktualisierungsassistenten.

Microcode-Updates für Intel-CPUs

Die Abgrenzung zwischen der Firmware auf dem nicht-flüchtigen Speicherchip der Hauptplatine und dem Betriebssystem, das bei jedem Einschalten des Gerätes neu startet, ist keineswegs starr. Eine Mischform am PC stellt der sogenannte Microcode dar, der beim Booten in den flüchtigen Speicher des Prozessors geladen wird und der ebenfalls regelmäßig aktualisiert werden sollte – entweder mithilfe der neuen Board-Firmware oder separat. Dazu stellt Microsoft für viele Prozessoren von Intel solche Microcode-Updates zur Verfügung. Diese werden jedoch nicht über das Windows Update verteilt, sie müssen vielmehr manuell auf dem Rechner installiert werden.

Für viele Computer mit Intel-Prozessoren stellt Microsoft sogenannte Microcode-Updates zur Verfügung. Diese müssen allerdings manuell installiert werden, das Windows Update führt sie nicht auf.
Vergrößern Für viele Computer mit Intel-Prozessoren stellt Microsoft sogenannte Microcode-Updates zur Verfügung. Diese müssen allerdings manuell installiert werden, das Windows Update führt sie nicht auf.

Wichtig: Bevor Sie dazu aus dem Update-Katalog  den für Ihre Version von Windows 10 passenden Microcode auswählen, stellen Sie über die Infoseite von Microsof  sicher, dass in der Liste der Prozessoren die CPU Ihres Computer dabei ist. Nur wenn dies der Fall ist, laden Sie das Microsoft-Update herunter und installieren es. Welcher Prozessor in Ihrem PC steckt, finden Sie über die Windows-Systeminformationen (msinfo) heraus. Ihre Windows-Version ermitteln Sie mit dem Befehl winver ebenfalls im Such- und Ausführen-Feld unten in der Taskleiste.

Die Themen in Tech-up Weekly #191 (Links zu den Artikeln weiter unten):

► Werbung: Windows 10 Pro (Retail) für 40 Euro: www.pcwelt.de/news/Windows-10-Pro-Retail-fuer-40-Euro-ein-Hammer-Preis-10812490.html

► Leak: 10 Big-Navi-Grafikchips und Refresh-Modelle: www.pcwelt.de/news/Leak-10-Big-Navi-Grafikchips-und-Refresh-Modelle-10816660.html

► Netflix kündigt Abos mit unglaublicher Begründung: www.pcwelt.de/news/Netflix-kuendigt-Abonnements-mit-unglaublicher-Begruendung-10814815.html

Quick-News

► O2 schenkt Kunden mehr Datenvolumen: www.pcwelt.de/news/O2-schenkt-Kunden-mehr-Datenvolumen-10817433.html

► Jetzt verfügbar: Windows 10 Mai 2020 Update schneller erhalten: www.pcwelt.de/news/Jetzt-verfuegbar-Windows-10-Mai-2020-Update-schneller-erhalten-10818631.html
► Bekannte Probleme unter Windows 10 Mai 2020 Update: www.pcwelt.de/news/Bekannte-Probleme-unter-Windows-10-Mai-2020-Update-10818770.html

► Call of Duty: WW2 gratis für Playstation-Plus-Abonnenten: www.pcwelt.de/news/Call-of-Duty-WW2-gratis-fuer-Playstation-Plus-Abonnenten-10817339.html

► Valorant: Release des Taktik-Shooters steht kurz bevor: www.pcwelt.de/news/Valorant-Release-des-Taktik-Shooters-steht-kurz-bevor-10816413.html

► 60 Euro gespart: Zwei Borderlands-Teile gratis im Epic Store: www.pcwelt.de/news/60-Euro-gespart-Borderlands-Spiele-gratis-im-Epic-Store-10819774.html

► Minecraft Dungeons startet - Hier unser Preview-Bericht: www.pcwelt.de/produkte/Minecraft-Dungeons-angespielt-Ein-richtig-guter-Dungeon-Crawler-10817119.html

► 44,2 Tbit/s: Neuer Internet-Weltrekord aufgestellt: www.pcwelt.de/news/44-2-Tbit-s-Neuer-Internet-Weltrekord-aufgestellt-10815267.html

► Kommentar der Woche: www.youtube.com/watch?v=AzwskiEkdOE&lc=Ugzgm8AcEDatCA9_K9d4AaABAg

Fail der Woche

► Twitter erklärt Trump-Tweet für Falschaussage: www.pcwelt.de/news/Twitter-erklaert-Trump-Tweet-fuer-Falschaussage-10817872.html

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