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Alte Post-Telefone trotz All-IP nutzen – sogar ohne Festnetz

24.06.2020 | 09:30 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Alte Post-Telefone sind Schmuckstücke und zu schade, sie der Zeiten wegen außer Betrieb zu nehmen. Doch es gibt Abhilfe.

Bis Ende der 1980er Jahre musste man sein Telefon in der alten Bundesrepublik bei der damaligen Bundespost mieten und dies zusätzlich zum eigentlichen Anschluss bezahlen: zuletzt monatlich 2,39 Deutsche Mark für ein Wählscheibentelefon, für ein Modell mit Tastenfeld waren 3,02 Mark fällig. Und gegen weiteren Aufpreis gab es ab Anfang der 80er Jahre sogar Designgeräte, darunter das Modell Dallas oder das Mickey-Mouse-Telefon. Wer eines dieser Telefone oder gar den Klassiker W48 besitzt, muss es keineswegs außer Betrieb nehmen, nur weil die Telekommunikationsunternehmen alle Anschlüsse inzwischen auf reine Internet-Telefonie (All-IP oder VoIP) umgestellt haben. Allerdings kann man sein Telefon in aller Regel nicht mehr wie früher einfach in die Anschlussdose in der Wand einstecken, sondern muss es an einen Router anschließen. 

Dort aber tritt ein neues Problem auf, denn viele der aktuellen Router mit Telefoniefunktion unterstützen nur das inzwischen gängige Tonwahlverfahren, nicht aber die früher bei den Postapparaten übliche Impulswahl. Wenn sich Ihr altes Telefon nicht auf Tonwahl umschalten lässt, bleibt nur, es am Router auszuprobieren – kaputt gehen kann dabei nichts! In der Redaktion beispielsweise unterstützt die weitverbreitete Fritzbox 7490 mit aktueller Software Impulswahl problemlos. Reagiert der Router beim Wählen jedoch nicht, hilft ein Ton-Impulswahl-Konverter wie das Modell Reiner 120060 IWV/MFV Konverter (ca. 40 Euro). 

Gerätetechnisch stärker eingeschränkt sind Sie, wenn Sie ein Festnetztelefon ganz ohne Festnetz-und Internetanschluss betreiben möchten, beispielsweise in einer Ferienwohnung. Möglich aber ist sogar das! Dazu benötigen Sie einen der ganz wenigen Mobilfunkrouter, die über eine analoge Telefonbuchse verfügen. Mit der Fritzbox 6890 LTE stellt AVM immerhin ein aktuelles Modell zur Verfügung, das allerdings kostet über 300 Euro.

Alte Telefone aus Zeiten der Bundespost sind wieder in: Solche Apparate lassen sich weiterhin und sogar an modernen VoIP-Anschlüssen betreiben.
Vergrößern Alte Telefone aus Zeiten der Bundespost sind wieder in: Solche Apparate lassen sich weiterhin und sogar an modernen VoIP-Anschlüssen betreiben.

Die beiden älteren Fritzboxen 6840 LTE und 6842 LTE werden gebraucht bei Ebay zwischen 60 und 100 Euro verkauft. Deutlich seltener werden der WLAN-Router XSBox R6V42 von 4G Systems sowie das Modell DWR- 512 von D-Link angeboten, letzteres meist für unter 20 Euro. Beide Geräte funken nicht im 4G-Netz (LTE), sondern unterstützen nur 3G (UMTS). Wird der LTE-Vorgänger eines Tages also abgeschaltet – der Zeitpunkt steht noch nicht fest – sind diese Router praktisch nutzlos. 

Wir haben das Gerät von D-Link ausprobiert: Es funktioniert mit Tonwahl einwandfrei und bietet neben der Telefonieoption nebenbei wie üblich Internet per WLAN und Netzwerkkabel. Für alte Impulswahlapparate benötigt man einen Konverter. 

Noch ein Hinweis zum Schluss: Der Router von D-Link verfügt zum Anschließen des analogen Telefons nur über die Netzwerkähnliche RJ11-Buchse. Falls Ihr Telefon den früheren TAE-Stecker besitzt, tauschen Sie das Kabel gegen eines mit zwei RJ11-Steckern aus oder verwenden Sie einen TAE-RJ11-Adapter. Wem es vor allem um die Haptik eines Telefons mit Hörer oder um das Aussehen geht, kann auch ein Tischtelefon mit SIM-Karte für die Mobilfunkverbindung kaufen. Ein Beispiel ist das Modell FW200L von Motorola für rund 60 Euro. 

Für Telefone im Retro-Design – zum Teil sind solche Modelle sogar mit Wählscheibe erhältlich – muss man jedoch rund das Doppelte ausgeben. 

Tipp:  IP-Telefonanschluss: Das sind die Vor- und Nachteile

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