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Windows ausmisten und beschleunigen: So schnell wie ein neuer PC

15.04.2021 | 08:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Statt sich gleich einen neuen Computer zu kaufen, nur weil der vorhandene etwas langsam läuft, frischen Sie Ihr System auf. Dabei kommt es darauf an, an den richtigen Stellen anzusetzen und geeignete Tools gezielt einzusetzen. Am Schluss zeigt der Benchmark, was die Tuningmaßnahmen gebracht haben.

Desktop-PCs und Notebooks mit Core-i-Prozessoren von Intel der aktuellen Generationen gibt es bereits für 500 Euro, inklusive Windows 10, SSD, schnellem WLAN, USB-C und so weiter. Ähnlich viel kosten Computer mit den immer beliebter werdenden Ryzen-CPUs von AMD. Bei solchen Preisen ist der Gedanke keineswegs abwegig, einen schon etwas betagten und entsprechend leistungsschwachen Rechner durch einen neuen zu ersetzen – anderseits darf man von solchen Sparmodellen auch keine Wunder erwarten.

Vielfach lohnt es sich deshalb, das vorhandene System einer Generalüberholung zu unterziehen. Also überflüssigen Ballast in Form von Programmen, Daten und anderem Müll zu entfernen, die installierte Software und die Hardware-Treiber auf den neuesten Stand zu bringen und gegebenenfalls zusätzlich gezielt in neue Hardware zu investieren. Zusätzliche acht GByte Hauptspeicher gibt es ebenso schon für 30 Euro wie eine schnelle SSD mit 250 GByte Speicherkapazität. Beides ist in der Regel schnell eingebaut und sofort startklar, ein neuer Rechner muss dagegen erst über viele Stunden eingerichtet werden. Im Folgenden zeigen wir, wie Sie Ihr System mithilfe guter Tools wieder beschleunigen und von all dem Ballast befreien, der sich über Monate oder gar Jahre angesammelt hat.

Wenn der PC langsam startet: Autostart ausmisten

Ganz wesentlichen Einfluss darauf, wie viel Zeit der Rechner vom Einschalten bis zur tatsächlichen Betriebsbereitschaft benötigt, haben die stets mitstartenden Programme. Es ist zwar durchaus bequem, wenn man dieses oder jenes häufig verwendete Tool nicht jedes Mal per Doppelklick aufrufen muss. Doch im Ergebnis summiert sich jeder einzelne Startprozess schnell zu zwei Minuten Gesamt-Bootzeit. Weil das Betriebssystem davon in aller Regel nur einen kleinen Teil beansprucht, wirkt sich das Ausmisten des Autostart-Ordners meist deutlich aus. Das gilt auch für den laufenden Betrieb, weil RAM, CPU und Datenträger durch weniger Prozesse im Hintergrund entsprechend weniger beansprucht werden.

So geht’s: Windows 10 selbst protokolliert bereits die Zeit zum Booten. Das Resultat sehen Sie, indem Sie durch Eingabe von „Ereignisanzeige“ in das Suchfeld unten das gleichnamige Tool starten und darin den Einträgen „Anwendungs- und Dienstprotokolle –› Microsoft –› Windows –› Diagnostics-Performance –› Betriebsbereit“ folgen. Die Ansicht wirkt zunächst unübersichtlich, doch entscheidend für den Windows-Start sind nur die Ereignisse mit der ID 100. Markieren Sie deshalb – falls vorhanden – einen der neuesten 100er-Einträge mit der Maus und wechseln Sie darunter zur Registerkarte „Details“. „BootTime“ zeigt darin die Dauer des gesamten Startprozesses in Millisekunden, „MainPathBootTime“ darunter die für das eigentliche Booten von PC und Windows. Die Differenz beider Angaben („BootPostTime“) resultiert im Wesentlichen durch die Software, die Windows selbstständig aufruft. Das sind meist einige, schließlich halten viele Hersteller ihr Programm für das „wichtigste“, und platzieren es deshalb im Autostart-Ordner. Je größer die BootPostTime im Vergleich zur MainPathBootTime, desto größer der Effekt beim Ausmisten.

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Bootracer und Task-Manager mit vertiefter Startanalyse

Bei der Analyse und Entscheidung, für welche Software Sie den Autostart deaktivieren, helfen Bootracer  und der Windows-eigene Taskmanager.

Zunächst zu Bootracer: Nach dem Setup starten Sie das Tool, klicken auf der Benutzeroberfläche auf „Autostart“ und setzen vor „Deaktiviert“ ein Häkchen. Kehren Sie zum Hauptfenster zurück und beginnen Sie mit „Volltest –› Den Test starten –›“ die Messung. Der PC fährt herunter, startet neu und nimmt dabei die Zeit.

Nach dem Verschwinden der Countdown-Anzeige klicken Sie doppelt auf das Desktop-Icon: Bootracer schlüsselt den Startprozess in vier Phasen auf. Die vierte, mit „Desktop“ bezeichnet, entspricht der „BootPostBootTime“ der Ereignisanzeige von Windows 10. Welchen Anteil jedes einzelne Programm beansprucht, zeigt Bootracer in einem weiteren Durchlauf über „Klartest –› Den Test durchführen –› Ja“ nach einem Klick auf „Ergebnisse –› Verzögerungen finden“. Wiederholen Sie die Tests für zuverlässige Werte.

Bevor Sie in dieser Liste nun die größten Zeitfresser über die rechte Maustaste und „Autostart-Manager“ im Kontextmenü löschen, machen Sie sich die Aufgabe des jeweiligen Eintrags klar. Ein Virenschutz ist fundamental wichtig, Dropbox zum Datensynchronisieren über die Cloud praktisch und wer täglich über Skype telefoniert, braucht das Microsoft-Tool eben.

Gut 53 Sekunden dauert der gesamte Startprozess hier. Der größte Teil, nämlich hier 44 Sekunden unter „Desktop“, entfällt auf Prozesse und Autostarts nach dem Erscheinen des Desktops.
Vergrößern Gut 53 Sekunden dauert der gesamte Startprozess hier. Der größte Teil, nämlich hier 44 Sekunden unter „Desktop“, entfällt auf Prozesse und Autostarts nach dem Erscheinen des Desktops.

Alternativ zu Bootracer starten Sie in Windows 10 den Task-Manager, klicken darin unten auf „Mehr Details“ und wechseln ins Register „Autostart“. Die Liste der automatisch gestarteten Tools zeigt zwar keine exakten Zeiten, sondern gibt in der Spalte „Startauswirkungen“ nur die Einstufung in „Niedrig“, „Mittel“ und „Hoch“. Für das zukünftige Ausschließen vom Autostart nutzen Sie auch hier die rechte Maustaste; das Gleiche gilt für das erneute Aktivieren.

Die Überlegung, welche Software für den Autostart wichtig ist, können Sie gleich auf die installierten Programme selbst übertragen: Was kann ganz weg, was nicht? Das Tool Should I remove it  hilft dabei, beispielsweise vorinstallierte, aber von Ihnen nicht verwendete Software hinsichtlich ihres Ressourcenverbrauchs und Nutzens zu bewerten und dann gegebenenfalls zu deinstallieren.

Die Windows-Ereignisanzeige hilft bei Bootproblemen, indem man die Bootzeiten (in Millisekunden) analysiert. Hier ist mit gut 20 Sekunden Gesamtdauer für die „BootTime“ alles in Ordnung.
Vergrößern Die Windows-Ereignisanzeige hilft bei Bootproblemen, indem man die Bootzeiten (in Millisekunden) analysiert. Hier ist mit gut 20 Sekunden Gesamtdauer für die „BootTime“ alles in Ordnung.

Systemleistung steigern und Platz auf der Festplatte schaffen

Ausgebremst wird der Computer nicht nur durch eine Vielzahl an Programmen und Prozessen, sondern auch durch fehlerhafte Einstellungen, unerwünschte Soft- und Adware sowie überflüssigen Datenmüll auf der Festplatte.

Adwcleaner  spürt unerwünschte Programme auf und entfernt sie. Starten Sie dazu in Adwcleaner die Systemanalyse mit „Jetzt scannen“, warten die Suche ab und entfernen die gefundenen Tools, indem Sie in der Ergebnisliste die Schaltfläche „In Quarantäne verschieben“ drücken.

CCleaner  optimiert den Computer generell und bietet darüber hinaus einige Zusatzfunktionen. Nach Setup und Start des Tools bestätigen Sie die Eingangsmeldung „Es ist Zeit für eine Zustandsprüfung …“ jeweils mit „Weiter“, bis die Analyse startet und nach Abschluss die Schaltfläche „Probleme beseitigen“ erscheint. Nach der Beseitigung stehen links weitere Aufgaben zur Verfügung: Wichtig sind „Registry“ für die Fehlersuche in der Windows-Registry und die „Extras“ unter anderem mit dem Aktualitäts-Check der installierten Software („Software Updater“), einer Belegungsanalyse der Datenträger („Disk Analyzer“), dem Aufspüren doppelter Dateien („Duplicate Finder“) und weiteren Tools.

Ähnlich, jedoch mit weiteren Funktionen arbeiten die Glary Utilities . Diese finden Sie oben im Register „Glary Suite“, sie reichen von der Wiederherstellung versehentlich gelöschter Daten bis zur Fehlersuche bei Festplattenproblemen. Hier aber soll die „1-Klick Wartung“ im Mittelpunkt stehen, die Windows fast vollautomatisch optimiert: Zwei Klicks auf die Schaltfläche „Problemsuche“ und anschließend auf „Probleme beheben“ reichen aus.

Die Glary Utilities machen die Systemwartung dank „1-Klick Wartung“ besonders komfortabel. Nach erfolgter Analyse genügt ein Mausklick auf die Schaltfläche „Probleme beheben“.
Vergrößern Die Glary Utilities machen die Systemwartung dank „1-Klick Wartung“ besonders komfortabel. Nach erfolgter Analyse genügt ein Mausklick auf die Schaltfläche „Probleme beheben“.

Advanced Systemcare Free , Clean Master for PC  und Bleachbit  sind weitere Systemoptimierer mit ähnlichen Funktionen. Probieren Sie bitte aus, welches Tool Sie bevorzugen.

Die Suche nach Dateidubletten steht bei Alldup  im Vordergrund, Similarimages  erkennt sogar ähnliche Bilder. Windirstat  zeigt generell die größten Speicherfresser auf dem Datenträger. Revo Uninstaller  entfernt Registry-Einträge und hartnäckige Reste zuvor entfernter Programme, das Gleiche erledigt Wise Registry Cleaner .

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Hardware-Treiber und Software auf den aktuellen Stand bringen

Windows 10 aktualisiert sich mittlerweile praktisch von selbst. Spätestens am sogenannten Patch Day – jeweils der zweite Dienstag eines Monats – installiert Microsoft ohne weitere Nachfrage wichtige Updates und Patches.

Ähnlich agieren andere Programme, die sich regelmäßig selbst aktualisieren: darunter der Virenschutz, der Browser und viele PDF-Viewer. Der Großteil der Software jedoch verfügt nicht über diese automatische Aktualisierung und bietet allenfalls einen manuellen Updatecheck. Muss man den aber bei einer Vielzahl installierter Programme starten, macht dies die Aktualisierung mühsam. Unterlässt man es andererseits, können gefährliche Sicherheitslücken entstehen.

Die Aufgabe, sämtliche installierte Software automatisch auf Aktualität zu überprüfen, übernimmt der Software Update Monitor (Sumo). Dazu vergleicht Sumo die Versionen auf dem Rechner über eine Onlinedatenbank mit den neuesten verfügbaren. Im ersten Schritt wählen Sie dazu im Programmassistenten die Option „Installierte Software automatisch erkennen“, anschließend starten Sie den Versionsvergleich mit „Auf Updates Ihrer installierten Software prüfen“. Kleinere Updates sind orangefarben gekennzeichnet, regelrecht veraltete Versionen werden mit einem roten Ausrufezeichen versehen. Aus Sumo heraus aktualisieren lassen sich die Programme in der kostenlosen Version nicht, das müssen Sie selbst erledigen.

Software Update Monitor (Sumo) identifiziert zuverlässig veraltete Versionen der installierten Software. Wenn Sie automatisches Updaten bevorzugen: Das bietet nur die Pro-Variante.
Vergrößern Software Update Monitor (Sumo) identifiziert zuverlässig veraltete Versionen der installierten Software. Wenn Sie automatisches Updaten bevorzugen: Das bietet nur die Pro-Variante.

Obwohl Microsoft seit Version 2004 von Windows 10 („Mai-Update 2020“) über die optionalen Updates wieder mehr Treiberupdates einspielt, lohnt sich dennoch ein separates Aktualisierungstool wie Driver Booster Free . Das Tool von Iobit ist ausgesprochen komfortabel, weil es die aktuellen Treiber automatisch herunterlädt, installiert und dabei die bisherigen ersetzt. Einige Treiber lassen sich jedoch nur in der kostenpflichtigen Pro-Version aktualisieren. Verwenden Sie deshalb zusätzlich Driver Update Monitor (Dumo): Die Gratisvariante bietet zwar ebenfalls keine automatische Aktualisierung, identifiziert aber sämtliche Treiberupdates mit genauen Versionsnummern. Das erleichtert die Onlinesuche und das manuelle Updaten.

Gleich 19 veraltete Treiber identifiziert Driver Booster Free von Iobit auf diesem System. Ein Mausklick auf „Jetzt aktualisieren“ bringt die Treiber automatisch auf den neuesten Stand.
Vergrößern Gleich 19 veraltete Treiber identifiziert Driver Booster Free von Iobit auf diesem System. Ein Mausklick auf „Jetzt aktualisieren“ bringt die Treiber automatisch auf den neuesten Stand.

Windows 10: System zurücksetzen, auffrischen und sichern

Manchmal hilft außer einem „echten Reset“ wirklich nichts mehr. Neben einer vollständigen Neuinstallation und der Rückkehr zu einem gegebenenfalls zuvor gesetzten Wiederherstellungspunkt bietet Windows 10 weitere Optionen zum Zurücksetzen. Dazu klicken Sie in der Einstellungen-App auf „Update und Sicherheit –› Wiederherstellung –› Diesen PC zurücksetzen: Los geht’s“. Weil die Funktion „Alles entfernen“ der Neuinstallation entspricht und wirklich alles löscht, sollten Sie sie wirklich nur dann wählen, wenn dies ausdrücklich gewünscht ist.

Sinnvoller ist meist die Option „Eigene Dateien behalten“. Dabei löscht das Windows-Reset zwar die installierte Software und die (meisten) Einstellungen, nicht aber Ihre persönlichen Dateien. Weil die individuelle Festplattenpartitionierung und die Einstellungen der Windows-Bibliotheken Auswirkungen auf das automatische Löschen haben, raten wir trotzdem dazu, zuvor nochmals alles Wichtige zum Beispiel mit Aomei Backupper  auf einem externen Datenträger zu sichern.

Ebenfalls seit dem Mai-Update 2020 erlaubt Windows 10 neben der bisherigen Systemreparatur aus der lokalen Installation den „Cloud-Download“. Dieser ist meist schneller, ersetzt zuverlässig auch defekte Systemdateien der Festplatte und ist deshalb die richtige Wahl. Welche Daten und Programme dabei entfernt und welche beibehalten werden, zeigen die weiteren Schritte des Assistenten, bevor der Reset mit „Zurücksetzen“ dann tatsächlich erfolgt.

Die neue Reset-Funktion von Windows 10 über die Cloud ist schneller und zuverlässiger als die bisherige. Sie zeigt zudem, welche Einstellungen und Programme zurückgesetzt werden.
Vergrößern Die neue Reset-Funktion von Windows 10 über die Cloud ist schneller und zuverlässiger als die bisherige. Sie zeigt zudem, welche Einstellungen und Programme zurückgesetzt werden.

PC Mark 10: Wie schnell ist mein Rechner?

Angesichts der vielen vorgestellten Maßnahmen möchten Sie nun sicher wissen, was der „Frühjahrsputz“ denn nun bewirkt hat und wie sich Ihr System schlägt. Das verrät der Benchmark PC Mark 10 , der tägliche Arbeitsprozesse am PC wie das Surfen im Internet, das Arbeiten mit Tabellen und Dokumenten, Computerspiele sowie Foto- und Videobearbeitung simuliert. Daraus errechnet die Software einen Leistungsscore, den Sie aufgrund der großen Verbreitung des Tools online mit denen vieler anderer Anwender vergleichen und einordnen können. Wenn Sie den Test vor und nach der Optimierung durchführen, messen Sie zugleich den Erfolg durch die geänderten Windows- und Software-Einstellungen sowie gegebenenfalls neue Hardware.

So geht’s: Nach dem Setup starten Sie PC Mark 10 und fahren mit „Privat –› Nicht jetzt –› Ausführen“ fort. Der Durchlauf des Benchmarks dauert in der Regel zwischen 20 und 60 Minuten, anschließend sehen Sie die Gesamtleistung in Punkten. Zur Einordnung Ihres Resultats klicken Sie oben rechts auf „Ergebnis online anzeigen“ und auf der folgenden Webseite auf „Durchsuchen“. In die Felder „Search for CPU“ und/oder „Search for GPU“ wählen Sie Ihren Prozessor beziehungsweise Ihre Grafikeinheit aus, wechseln im Feld darunter auf „PCMark 10 Benchmark“ und fahren mit „Durchsuchen“ fort. Neben dem Höchstwert („Highest score“) sehen Sie auch den Durchschnitt („Average score“) der übrigen Computer mit dem jeweiligen Prozessor und/oder der Grafikeinheit.

Ergebnis des Benchmarks PC Mark 10: Der gemessene Score von 4.280 Punkten liegt im Durchschnitt aller PCs mit einer AMD-CPU Ryzen 5 3400G, wie der Onlinevergleich zeigt.
Vergrößern Ergebnis des Benchmarks PC Mark 10: Der gemessene Score von 4.280 Punkten liegt im Durchschnitt aller PCs mit einer AMD-CPU Ryzen 5 3400G, wie der Onlinevergleich zeigt.

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