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Wenn Desktop und X-Server streiken

09.10.2017 | 10:00 Uhr |

Probleme mit der grafischen Oberfläche sind bei Linux selten geworden. Sollte der Desktop dennoch fehlerhaft arbeiten, ist meist eine zerstörte Konfiguration dafür verantwortlich.

Die Basiskonfiguration der grafischen Oberfläche (X-Server) erfolgt bei Linux automatisch. Wenn Grafikchip und Monitor richtig erkannt werden, ist die Darstellung auf dem Bildschirm optimal. Wenn sich der Desktop nicht mehr zeigt oder ständig abstürzt, obwohl direkt nach der Linux-Installation alles funktioniert hat, ist in der Regel eine fehlerhafte Konfiguration oder ein unbrauchbarer Treiber schuld. Wir beziehen uns in diesem Artikel auf Ubuntu 16.04 LTS. Bei anderen Distributionen läuft die Reparatur ähnlich ab, die einzelnen Schritte können sich jedoch deutlich unterscheiden.

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1. Desktopprobleme untersuchen

Gibt es Grafikprobleme schon bei der Installation, finden Sie weitere Informationen auf Seite 36. Wir gehen in diesem Artikel davon aus, dass nach der Installation des Linux-Systems der Desktop bereits zu sehen und zu benutzen war. Beim Linux-Desktop sind zwei Problemfelder zu unterscheiden:

A. Fehlerhafte oder auch fehlende Treiber sorgen dafür, dass der Desktop überhaupt nicht erscheint beziehungsweise der für die Darstellung erforderliche X-Server nicht startet (siehe Punkt 2). Es kann zwar Startversuche geben, aber der Bildschirm bleibt schwarz. Oder die Bildschirmauflösung ist extrem niedrig und der Desktop fast unbenutzbar.

B. Sollte der Anmeldebildschirm erscheinen und Probleme etwa mit Anwendungen oder der Steuerung des Desktops treten erst nach der Anmeldung auf, ist wahrscheinlich nur die Konfiguration des Desktops oder von Anwendungen beschädigt.

Problem B lässt sich relativ leicht ausschließen und beheben. Wechseln Sie mit der Tastenkombination Strg-Alt- F1 auf eine Textkonsole und melden Sie sich an. Beenden Sie den Window-Manager mit dieser Befehlszeile:

sudo service lightdm stop  

Benennen Sie Ihr Home-Verzeichnis um, erstellen Sie ein neues Home-Verzeichnis und setzen Sie folgendermaßen die Zugriffsrechte:

sudo mv /home/sepp /home/sepp.bak  sudo mkdir /home/sepp  sudo chown sepp:sepp /home/sepp  

Den Namen unseres Beispielnutzers „sepp“ ersetzen Sie durch die Bezeichnung Ihres Benutzerkontos. Danach starten Sie mit diesem Befehl wieder den Window-Manager:

sudo service lightdm start  

Melden Sie sich an und testen Sie das System. Wenn keine Probleme mehr auftauchen, muss der Fehler in den Konfigurationsdateien aus Ihrem Home-Verzeichnis liegen. Damit beginnt dann der mühsamere Teil der Problemanalyse. Sie können einzelne Ordner oder Unterordner nach und nach aus der Sicherungskopie („[Benutzername]. bak“) in das Home-Verzeichnis kopieren. Die Konfigurationsverzeichnisse beginnen mit einem Punkt und werden erst sichtbar, wenn Sie im Dateimanager „Ansicht -> Verborgene Dateien anzeigen“ wählen. Sinnvoll ist das vor allem für Verzeichnisse wie „.mozilla“ und „.thunderbird“, in denen Firefox beziehungsweise Thunderbird nicht nur die Konfiguration, sondern auch gespeicherte Formulardaten und Passwörter ablegen. Bei den meisten anderen Programmen und den Desktopeinstellungen geht eine Neukonfiguration oft schneller als die Suche nach der vorherigen Konfigurationsdatei.

Hinweis: Sollte der Wechsel auf eine Textkonsole mit Strg-Alt-F1 nicht klappen, benennen Sie das Home-Verzeichnis über das Ubuntu-Recovery-System (siehe -> Punkt 2) oder die LinuxWelt-Rettungs-DVD um.

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2. Treiberprobleme beheben

Mit den erweiterten Boot-Optionen – hier für Ubuntu – können Sie sich in den allermeisten Fällen Zutritt zum System verschaffen.
Vergrößern Mit den erweiterten Boot-Optionen – hier für Ubuntu – können Sie sich in den allermeisten Fällen Zutritt zum System verschaffen.

Bei Problemen mit dem Grafiktreiber hilft es in der Regel, die Standardeinstellungen wiederherzustellen. Dazu starten Sie Ubuntu im Recovery-Modus. Sollte bei Ihrer Installation das Grub-Bootmenü nicht automatisch erscheinen, halten Sie beim Start des PCs die Shift-Taste gedrückt. Im Bootmenü gehen Sie auf „Erweiterte Optionen für Ubuntu“ und wählen dann den ersten Eintrag „(recovery mode)“. Sie sehen das „Wiederherstellungsmenü“ mit einigen Optionen.

Der Menüpunkt „failsafeX“ ist für den Start im abgesicherten Grafikmodus gedacht. Darüber lassen sich auch Probleme beim Start des X-Servers ermitteln. Sie können beispielsweise Fehlermeldungen einsehen. Es gibt auch die Menüpunkte „Try running with default graphical mode“ und „Reconfigure graphics“. Die haben jedoch auf keinem unserer Testgeräte zum Erfolg geführt. Die Neukonfiguration des XServers ist ohnehin nicht vorgesehen, weil es standardmäßig keine Konfigurationsdatei mehr gibt. Die Konfiguration erfolgt vollautomatisch anhand der erkannten Hardware.

Treiber entfernen oder installieren: Gehen Sie im Menü auf „network“ und dann auf „root“. Bestätigen Sie mit der Eingabetaste. Über die Kommandozeile haben Sie jetzt schreibgeschützten Zugriff auf das Dateisystem. Um das zu ändern,verwenden Sie folgende Befehlszeile:

mount -o remount,rw /  

Prüfen Sie, ob eine möglicherweise fehlerhafte und unnötige Konfigurationsdatei vorhanden ist:

cat /etc/X11/xorg.conf  

Wird ein Inhalt ausgegeben, benennen Sie die Datei um:

mv /etc/X11/xorg.conf /etc/X11/xorg.conf.bak  

Da wahrscheinlich ein falscher oder fehlerhafter Treiber den Start des XServers verhindert, entfernen Sie nachträglich installierte Treiber. Bei einem Nvidia-Chipsatz verwenden Sie

sudo apt-get purge nvidia*  

und bei einem AMD/ATI-Chipsatz

sudo apt-get purge fglrx*  

Ohne proprietäre Treiber verwendet Linux wieder den Standardtreiber. Mit reboot verlassen Sie das Rettungssystem und starten Linux neu. Die grafische Oberfläche sollte jetzt wieder starten.

Gehen Sie in den Systemeinstellungen auf „Anwendungen & Aktualisierungen“ und die Registerkarte „Zusätzliche Treiber“. Hier sehen Sie, ob für den Grafikchip proprietäre Herstellertreiber verfügbar sind. Die Treiber leisten mehr als die Linux-Standardtreiber. Wählen Sie den Eintrag mit dem Zusatz „Proprietär, getestet“. Sollte dieser erneut Probleme bereiten, wiederholen Sie die oben beschriebenen Schritte im Rescuesystem. In diesem Fall bleiben Sie beim Standardtreiber, bis das Problem durch ein Treiberupdate behoben ist.

3. Notebooks mit zwei Grafikchips

Root-Shell im Recovery-Modus: Hier kopieren Sie Konfigurationsdateien und lesen und bearbeiten diese mit dem Editor Nano. So reparieren Sie einen defekten X-Server.
Vergrößern Root-Shell im Recovery-Modus: Hier kopieren Sie Konfigurationsdateien und lesen und bearbeiten diese mit dem Editor Nano. So reparieren Sie einen defekten X-Server.

Wenn sich beim Linux-Notebook der Akku zu schnell leert, kann der verwendete Grafiktreiber daran schuld sein. Notebooks sind häufig mit Hybridgrafik ausgestattet. Standardmäßig sollte hier der Grafikadapter des Intel-Prozessors aktiv sein. Dadurch sinkt die Leistungsaufnahme und der Akku hält länger durch. Ist mehr Leistung für HD-Videos und Spiele erforderlich, kommt der Nvidia-Chip zum Einsatz. Die Umschaltung funktioniert nur, wen Sie den Nvidia-Treiber über „Zusätzliche Treiber“ installiert haben (siehe -> Punkt 2). Suchen Sie bei Ubuntu über das Dash nach „Nvidia“ und starten Sie „Nvidia X Server Settings“. Gehen Sie auf „PRIME Profiles“. Aktivieren Sie die Option „Intel (Power Saving Mode)“ und bestätigen Sie mit dem root-Passwort. Danach melden Sie sich bei Ubuntu ab und wieder an. Für höhere Geschwindigkeit schalten Sie auf dem gleichen Weg wieder auf den Nvidia-Adapter um, indem Sie die Option „NVIDIA (Performance Mode)“ aktivieren.

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