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Antworten auf Desktophänger

09.10.2017 | 10:00 Uhr |

Der Desktop hängt – was nun? Ausschalten oder der radikale Hotkey Alt-Druck-B? Das sind ultimative Aktionen, die man möglichst vermeidet. Dieser Beitrag zeigt sanftere Alternativen, die zum Teil sofortiges Weiterarbeiten erlauben.

Linux Mint: Desktopneustart und Reparaturen

Der Mint-Desktop kann mit einfachen Handgriffen neu initialisiert werden, ohne die laufenden Anwendungen zu beenden. Die folgenden Aktionen schicken nur Killkommandos an den Dateimanager Nemo und den Cinnamon-Desktop und starten beide neu. Aus technischer Sicht sind die drei folgenden Aktionen identisch.

  1. Hotkey Strg-Alt-Esc

  2. Rechtsklick auf der Systemleiste und die Option „Fehler suchen –› Cinnamon neustarten“

  3. Tastenkombination Alt-F2 für den Ausführen-Dialog und die Eingabe von „r“ für den (R)estart von Cinnamon aus

Strg-Alt-Rücktaste: Die nächsthärtere Stufe, falls die genannten Methoden nichts mehr bewirken, ist der Hotkey Strg-Alt-Rücktaste. Dieser beendet die komplette Sitzung und führt zurück zum Anmeldebildschirm. Sofern der Desktop auf Strg-Alt-Rücktaste nicht reagiert oder der Hotkey generell deaktiviert ist, hilft

sudo service lightdm restart

in einer virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1). Da alle Mint-Varianten den Displaymanager lightdm verwenden, gilt dies für Cinnamon, Mate wie XFCE.

Zusätzliche Troubleshooting-Optionen bietet das Tool cinnamon-looking-glass, allerdings nur bei der Cinnamon-Variante. Es lässt sich durch Rechtsklick auf die Systemleiste und „Fehler suchen –› Looking Glass“ starten oder manuell über cinnamon-looking-glass. Hier gibt es unter der Schaltfläche „Actions“ (ganz rechts) die zusätzliche Möglichkeit, die Cinnamon-Konfiguration auf den Standard zurückzusetzen („Reset Cinnamon Settings“). Das funktioniert alternativ auch auf der Kommandozeile, also auch in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1), falls die Oberfläche nicht mehr arbeitet:

dconf reset -f /org/cinnamon/

Der Befehl setzt alle Cinnamon-Einstellungen auf Standardwerte zurück. Der ganz harte Eingriff

dconf reset -f /

setzt sogar alle Dconf-Werte auf Standards. Wer vorgesorgt hat, kann aber etwa die Cinnamon-Einträge auch weniger radikal auf einen angepassten, funktionierenden Zustand zurücksetzen. Die Sicherung aller Einstellungen ist jederzeit mit folgendem Terminalbefehl möglich:

dconf dump /org/cinnamon/ > cinnamon_dconf.bak

Aus dieser Sicherungsdatei können Sie später wieder alle Optionen einlesen:

dconf load /org/cinnamon/ < cinnamon_dconf.bak

Das ist sowohl nach Konfigurationsfehlern als auch bei Neuinstallationen hilfreich. Die Dconf-Zentrale versammelt unter „~/.config/dconf/user“ viele, aber nicht alle Einstellungen des Desktops und der grafischen Programme. Ihr Reset ist daher kein Allheilmittel. Notfalls müssen Sie unter „/home“ und insbesondere unter „~/.config“ manuell Daten löschen, und zwar gezielt bei Ordner- und Dateinamen von Programmen, die Probleme verursachen.

Auch interessant Linux-Grundlagen: Tipps zur besten Konfiguration

Ubuntu (Gnome): Desktopneustart und Reparaturen

Ubuntu Gnome und auch andere Ubuntu-Varianten besitzen genau wie Linux Mint eine relativ sanfte Abhilfe bei Desktopproblemen: Sie starten mit der Tastenkombination Alt-F2 den Ausführen-Dialog und geben „r“ für Restart ein. Auch unter Ubuntu erfolgt dabei nicht einmal eine Abmeldung und Sie können eventuell mit den laufenden Programmen sofort weiterarbeiten.

Strg-Alt-Rücktaste: Die nächsthärtere Maßnahme wäre wie bei Linux Mint der Hotkey Strg-Alt-Rücktaste, der die Sitzung beendet und zum Anmeldebildschirm zurückführt. Jedoch haben aktuelle Ubuntu-Varianten die Tastenkombination Strg-Alt-Rücktaste oft nicht aktiviert. Dies kann und sollte man nachholen. Eventuell gibt es sogar eine bequeme grafische Klickoption. In der Hauptedition mit Gnome starten Sie das Tool „Optimierungen“ (gnome-tweaks) und werden dort unter „Tastatur und Maus –› Zusätzliche Belegungsoptionen“ fündig. Die Option heißt „Tastenkombination zum erzwungenen Beenden des X.Servers“.

Den nützlichen Troubleshooting-Hotkey Strg-Alt-Rücktaste können Sie in Ubuntu mit den „Optimierungen“ (gnome-tweaks) oder über eine Konfigurationsdatei aktivieren.
Vergrößern Den nützlichen Troubleshooting-Hotkey Strg-Alt-Rücktaste können Sie in Ubuntu mit den „Optimierungen“ (gnome-tweaks) oder über eine Konfigurationsdatei aktivieren.

Technisch identisch aktivieren Sie Strg-Alt-Rücktaste auf jedem Ubuntu über die Datei „/etc/default/keyboard“. Zum Editieren benötigen Sie root-Recht (sudo). Die betreffende Zeile lautet „XKBOPTION=“ und sollte so erweitert werden:

XKBOPTIONS="terminate:ctrl_alt_bksp"

Der Hotkey ist dann ab dem nächsten Neustart scharf gestellt.

Der Hotkey Strg-Alt-Rücktaste kann natürlich nur funktionieren, wenn die Oberfläche im Prinzip noch arbeitet. Falls nicht, hilft ein Terminalbefehl in der virtuellen Konsole. Je nach Desktopumgebung ist dafür aber ein anderes Kommando erforderlich. Eine relativ systematische Methode ist vorheriges Ermitteln des Displaymanagers aus der Datei „/etc/X11/default-display-manager“ und der Neustart desselben:

sudo service [lightdm | sddm | gdm3] restart

Wo dies ohne nachfolgende Grafikprobleme funktioniert, ist das die empfohlene Variante. Insbesondere bei Ubuntu Mate (lightdm), Xubuntu mit XFCE (lightdm) und Lubuntu mit LXDE (lightdm) sollte der Terminalbefehl

sudo service lightdm restart

genau wie bei den Mint-Varianten problemlos funktionieren.

Bewährter Desktopkiller:Wenn Sie den ermittelten Displaymanager neu starten, lädt die Oberfläche neu mit dem Anmeldebildschirm.
Vergrößern Bewährter Desktopkiller:Wenn Sie den ermittelten Displaymanager neu starten, lädt die Oberfläche neu mit dem Anmeldebildschirm.

Nach unserer Erfahrung reagieren aber Ubuntu mit Gnome (und gdm3) sowie Kubuntu mit KDE (und sddm) darauf eventuell empfindlich und mit Bildschirmflackern. Daher nennen wir für Ubuntu Gnome und Kubuntu auch noch Alternativen – zunächst für Gnome:

gnome-shell --replace & disown

Für KDE (Kubuntu):

kquitapp plasmashell
plasmashell & disown

„disown“ ist jeweils wichtig, denn sonst können Sie das Terminal nicht mehr schließen, ohne damit zugleich die neu gestartete Oberfläche zu beenden.

Lesetipp Pannen & Lösungen für typische Linux-Probleme

Dconf zurücksetzen: Die für Mint Cinnamon genannte Methode, die Dconf-Werte auf die Standard zu setzen, funktioniert auch unter Ubuntu. Der maßgebliche Pfad lautet hier „/org/gnome/“, sodass

dconf reset -f /org/gnome/

zu den Standards zurückkehrt. Die oben genannten dump- und load-Sicherungs- und Importbefehle gelten auch hier.

Grundlegende Treiberprobleme

Fehlerhafte Treiber sind eine gänzlich andere Baustelle: Der Bildschirm bleibt schwarz oder die Bildschirmauflösung ist so niedrig, dass die Oberfläche fast unbenutzbar wird. Wenn solche Fehler unmittelbar nach einer Treiberinstallation auftreten, müssen die Herstellertreiber wieder deinstalliert werden. Das funktioniert in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1, unter Ubuntu Strg-Alt-F4) mit folgender Löschaktion

sudo apt-get purge nvidia*
sudo apt-get purge fglrx*

für Nvidia- und AMD-Treiber. Ohne proprietäre Treiber kehrt Linux automatisch wieder zum Standardtreiber zurück, der in jedem Fall funktionieren sollte.

Anders steht es, wenn der Bildschirm nach einer Neuinstallation generell schwarz bleibt. Eine erste Abhilfe ist es, den Systemstart mit Notfallparametern zu wiederholen: Sobald Sie den Bildschirm des Grub-Bootloaders sehen, markieren Sie den Eintrag des Systems, das Sie starten wollen, und drücken die Taste E. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie anschließend zur Zeile, die mit „linux“ oder „kernel“ beginnt. Tragen Sie an deren Ende folgende Parameter ein:

xforcevesa nomodeset noplymouth

Damit zwingen Sie das grafische System in einen einfacheren Modus. Nun drücken Sie Strg-X oder F10, um mit diesen Parametern das System zu starten. Die Oberfläche sollte benutzbar sein, wenn auch mit unzulänglicher Auflösung. Im laufenden System gehen Sie dann in die Treiberverwaltung und versuchen, einen Herstellertreiber zu finden und zu installieren. Gelingt dies, wird Ubuntu/Mint danach ohne Notfallparameter starten.

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