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Alles über PC-Netzteile: Wie Sie die Stromkabel an der Hardware korrekt anschließen

30.04.2022 | 15:00 Uhr |

Wir zeigen nicht nur, wie Sie die Netzteilkabel mit der Hauptplatine und Grafikkarte verbinden, sondern erklären auch, welche Anschlüsse es gibt, wie viel Watt sie liefern und was die Effizienzklassen des 80-Plus-Gütesiegels bedeuten.

Nach dem eher einfachen Einbau des Netzteils ins PC-Gehäuse besteht der nächste und absolut elementare Schritt darin, die Netzteilkabel mit den richtigen Anschlüssen auf dem Mainboard und der Grafikkarte zu verbinden. Außerdem klären wir, wie viel Watt über die Buchsen tatsächlich fließt.

Netzteilanschlüsse am Mainboard

Einer der wichtigsten Netzteil-Anschlüsse auf der Hauplatine ist der 24-polige ATX-Steckverbinder - leicht daran zu erkennen, dass er der breiteste Stecker ist, der vom Netzteil kommt. Der sorgt dafür, dass das Mainboard und Netzteil überhaupt erst ihren Betrieb aufnehmen. Über die einzelnen Pins fließen verschiedene Spannungen (angegeben in Volt), um Komponenten wie Spannungswandler, Grafikkarten, Laufwerke, USB-Anschlüsse, Lüfter und weitere Dinge mit den korrekten Werten zu versorgen.

Einer der wichtigsten Netzteil-Anschlüsse auf der Hauplatine ist der 24-polige ATX-Steckverbinder (roter Kreis) – leicht daran zu erkennen, dass er der breiteste Stecker ist, der vom Netzteil kommt.
Vergrößern Einer der wichtigsten Netzteil-Anschlüsse auf der Hauplatine ist der 24-polige ATX-Steckverbinder (roter Kreis) – leicht daran zu erkennen, dass er der breiteste Stecker ist, der vom Netzteil kommt.
© Asus

Früher war der ATX-Netzteilanschluss nur 20-polig, doch der gestiegene Strombedarf erforderte weitere Pins. Allerdings ist ein 24-poliger ATX-Steckverbinder vollständig abwärtskompatibel zu 20-poligen Hautplatinen-Anschlüssen. Da der Steckverbinder entsprechend gepolt ist, lässt er sich nur in einer Richtung einstöpseln.

Ein 24-poliger ATX-Steckverbinder ist vollständig abwärtskompatibel zu 20-poligen Hautplatinen-Anschlüssen. Da der Steckverbinder entsprechend gepolt ist, lässt er sich nur in einer Richtung einstöpseln.
Vergrößern Ein 24-poliger ATX-Steckverbinder ist vollständig abwärtskompatibel zu 20-poligen Hautplatinen-Anschlüssen. Da der Steckverbinder entsprechend gepolt ist, lässt er sich nur in einer Richtung einstöpseln.
© Corsair

CPU-Stromversorgung

Nicht weniger wichtig sind die ATX-Steckverbinder, die ausschließlich für die Stromversorgung des Prozessors zuständig sind. Die gibt’s in verschiedenen Ausführungen: 4-polige ATX12V-, 8-polige EPS12V- und/oder 4+4-polige-Steckverbinder, die sowohl in die ATX12V-, als auch EPS-Anschlüsse (Entry-Level Power Supply Specification) am Mainboard passen. Wie der Name schon sagt, liefern die Leitungen nur 12-Volt-Spannungen für die CPU. Über einen 4-poligen Stecker fließen maximal 192 Watt, über acht Pins maximal 336 Watt.

Nicht weniger wichtig sind die ATX-Steckverbinder (roter Kreis), die ausschließlich für die Stromversorgung des Prozessors zuständig sind.
Vergrößern Nicht weniger wichtig sind die ATX-Steckverbinder (roter Kreis), die ausschließlich für die Stromversorgung des Prozessors zuständig sind.
© Asus

Je nach Aktualität der Hauptplatine ist es nötig, alle acht Pins zu verbinden, bei manchen oder älteren Modellen ist auch nur der 4-polige Stecker ausreichend. Die einfache Faustregel: Schließen Sie alle ATX-Steckverbinder an, die das Mainboard für die Stromversorgung der CPU bereitstellt, da Ihnen hierdurch kein Nachteil entsteht. Da die Kabel aber sehr große Ähnlichkeit mit den PCI-Express-Steckern haben, beschriften die meisten Netzteil-Hersteller die Prozessor-Steckverbinder mit dem Schriftzug „CPU“, „EPS“ oder „P4“.

Da die Kabel aber sehr große Ähnlichkeit mit den PCI-Express-Steckern haben, beschriften die meisten Netzteil-Hersteller die Prozessor-Steckverbinder mit dem Schriftzug „CPU“, „EPS“ oder „P4“.
Vergrößern Da die Kabel aber sehr große Ähnlichkeit mit den PCI-Express-Steckern haben, beschriften die meisten Netzteil-Hersteller die Prozessor-Steckverbinder mit dem Schriftzug „CPU“, „EPS“ oder „P4“.
© Corsair

Grafikkarte mit dem Netzteil verbinden

Aktuelle Grafikkarten brauchen häufig eine zusätzliche Stromversorgung über das Netzteil, denn der PCI-Express-Steckplatz auf der Hauptplatine liefert nur 75 Watt - und das genügt meist nur für Grafikkarten der Einsteigerklasse. Deshalb besitzen die Pixelbeschleuniger je nach 3D-Leistung einen oder mehrere Anschlussbuchsen, um daran entsprechende ATX-Steckverbinder des Netzteils anzuschließen und mehr 12-Volt-Spannung zu liefern. Gelegentlich nennen die Netzteil-Hersteller diese PCI-Express-Kabel auch PEG-Kabel (PCI Express Graphics).

Ein 8-poliger Steckverbinder, der maximal 150 Watt für die Grafikkarte bereitstellt, womit wir bei einer kombinierten Leistungsaufnahme von 225 Watt wären.
Vergrößern Ein 8-poliger Steckverbinder, der maximal 150 Watt für die Grafikkarte bereitstellt, womit wir bei einer kombinierten Leistungsaufnahme von 225 Watt wären.
© Corsair

Der erste Steckverbinder war die Version mit sechs Pins, der bis zu 75 Watt liefert - zusammen mit dem PCI-Express-Slot ergibt so also eine maximale Leistung von 150 Watt. Es folgte ein 8-poliger Steckverbinder, der maximal 150 Watt bereitstellt, womit wir bei einer kombinierten Leistungsaufnahme von 225 Watt wären. Je nach Modell verfügen moderne Grafikkarten über mindestens eine der eben genannten Anschlussbuchsen. Normal sind auch beispielsweise zwei Buchsen desselben Typs oder eine Mischung aus 6- und 8-poligen Buchsen.

Bei Grafikkarten ist es zwingend notwendig, alle vorhandenen Stromanschlussbuchsen korrekt mit dem Netzteil zu verbinden.
Vergrößern Bei Grafikkarten ist es zwingend notwendig, alle vorhandenen Stromanschlussbuchsen korrekt mit dem Netzteil zu verbinden.
© EVGA

Mit der Nvidia Geforce RTX 3090 (zum Test) wurde ein 12-poliger Steckverbinder eingeführt, der zwei 8-polige Stecker ersetzt und bis zu 450 Watt liefert, was einer Maximalbereitstellung von 525 Watt entspricht. Für besonders leistungsstarke Grafikkarten, die über den kommenden PCI-Express-5.0-Standard angebunden werden, wird es auch einen Steckverbinder mit 16 Pins geben, der bis zu 600 Watt liefern soll, um insgesamt einen Bedarf von 675 Watt zu decken. Das werden dann aber nur zukünftige ATX-3.0-Netzteile beherrschen Bei Grafikkarten ist es zwingend notwendig, alle vorhandenen Stromanschlussbuchsen korrekt mit dem Netzteil zu verbinden - sonst bootet der Rechner nicht ins Betriebssystem.

Mit der Nvidia Geforce RTX 3090 wurde ein 12-poliger Steckverbinder eingeführt, der zwei 8-polige Stecker ersetzt und bis zu 450 Watt liefert, was einer Maximalbereitstellung von 525 Watt entspricht.
Vergrößern Mit der Nvidia Geforce RTX 3090 wurde ein 12-poliger Steckverbinder eingeführt, der zwei 8-polige Stecker ersetzt und bis zu 450 Watt liefert, was einer Maximalbereitstellung von 525 Watt entspricht.
© Corsair

Je nachdem, wie leistungsfähig die Komponenten Ihres PCs sind, muss das Netzteil auch eine gewisse Mindest-Wattzahl leisten. Wenn Sie sich unsicher sind, wie viel Watt Ihr Netzteil haben sollte, dann lesen Sie unseren Artikel „Netzteil berechnen: Wie viel Watt braucht mein PC?“.

Tipp: Wir empfehlen den Griff zu bekannten Markennetzteilen, da sie einen gewissen Standard sowie wichtige Schutzfunktionen bieten, wie zum Beispiel bei einem Kurzschluss die sofortige Notabschaltung. Klar sind solche Modelle etwas teurer, aber die deutlich günstigeren No-Name-Varianten mit hohen Wattzahlen können im schlimmsten Fall sogar zu einem Sicherheitsrisiko werden und in Brand geraten. Oder sie schalten bei hohen respektive plötzlichen Lastspitzen einfach ab, da die integrierte Elektronik damit nicht zurechtkommt und der PC stürzt ab. Deshalb hier einige Netzteil-Baureihen, die wir wärmstens empfehlen können, da sie hocheffizient, leise, kühl und zuverlässig arbeiten:

80 Plus: Zertifizierungen erklärt

Das wohl größte Merkmal, mit dem Netzteil-Anbieter werben, ist die erreichte 80-Plus-Zertifizierung, die durch die US-Initiative des Unternehmens EPRI-Solutions vergeben wird.
Vergrößern Das wohl größte Merkmal, mit dem Netzteil-Anbieter werben, ist die erreichte 80-Plus-Zertifizierung, die durch die US-Initiative des Unternehmens EPRI-Solutions vergeben wird.

Das wohl wichtigste Merkmal neben der Nennleistung, mit dem Netzteil-Anbieter werben, ist die 80-Plus-Zertifizierung, die durch die US-Initiative Clearsult vergeben wird. Hierbei prüft die Firma durch vorgeschriebene Testverfahren den Wirkungsgrad von Netzteilen bei Auslastungen von 20, 50 und 100 Prozent. Der Wirkungsgrad besagt, wie effizient das Netzteil unter den eben genannten Auslastungen den eingehenden Strom umwandeln und dem PC bereitstellen kann.

80 Plus Titanium stellt das aktuelle Maximum dar: Hier beläuft sich die Effizienz bei 20-prozentiger Auslastung auf 92, bei 50-prozentiger auf 94 und bei 100-prozentiger auf 90 Prozent Effizienz.
Vergrößern 80 Plus Titanium stellt das aktuelle Maximum dar: Hier beläuft sich die Effizienz bei 20-prozentiger Auslastung auf 92, bei 50-prozentiger auf 94 und bei 100-prozentiger auf 90 Prozent Effizienz.
© Bequiet

Um die Effizienz zu definieren, bedient sich die Initiative Edelmetallen – je wertvoller es ist, desto effizienter arbeitet das Netzteil. 80 Plus Titanium stellt das aktuelle Maximum dar: Hier beläuft sich die Effizienz bei 20-prozentiger Auslastung auf 92, bei 50-prozentiger auf 94 und bei 100-prozentiger auf 90 Prozent Effizienz. Folgende Tabelle gibt Aufschluss über die einzelnen Stufen:

Zertifizierung

Effizienz bei einer Eingangsspannung von 115 Volt*

Auslastung zu

20 Prozent

50 Prozent

100 Prozent

80 Plus

80 Prozent

80 Prozent

80 Prozent

80 Plus Bronze

82 Prozent

85 Prozent

82 Prozent

80 Plus Silber

85 Prozent

88 Prozent

85 Prozent

80 Plus Gold

87 Prozent

90 Prozent

87 Prozent

80 Plus Platinum / Platin

90 Prozent

92 Prozent

89 Prozent

80 Plus Titanium / Titan

92 Prozent

94 Prozent

90 Prozent

*Die Tests erfolgen im amerikanischen Stromnetz, das niedrigere Spannungen als das deutsche aufweist. Deshalb lassen sich die Effizienzen nicht vollständig auf das hiesige Netz übertragen.

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