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Manjaro Linux: Wir stellen Ihnen diese echte Alternative vor

13.09.2018 | 15:05 Uhr |

Auch Linux-Distributionen sind Moden unterworfen. So wurde dem einst in Deutschland herrschenden Suse Linux von Ubuntu der Rang abgelaufen. Neuerdings avanciert laut Distrowatch Manjaro Linux zur beliebtesten Distribution.

Viele Entscheidungen der Ubuntu-Entwickler haben die Anwender etwas ratlos zurückgelassen. War die Unity-Oberfläche noch eher kosmetischer Natur, hat der Wechsel zu einem eigenen Init-System Administratoren vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Das führte in der Konsequenz dazu, dass die Nutzer sich nach Alternativen umsehen – und immer häufiger bei Manjaro Linux landen. Einer der wesentlichen Vorteile von Arch Linux und damit auch von Manjaro liegt darin, dass es sich um ein Rolling Release handelt. Andere Distributionen machen vor der Veröffentlichung einen harten Schnitt bei den mitgelieferten Paketen.

Das birgt die Gefahr, dass dann die Programme bei der Veröffentlichung der Distribution bereits veraltet sind. Bei einem Rolling Release ist das nicht der Fall. Die Software ist sozusagen ganz nebenbei immer auf dem aktuellsten Stand.

Manjaro basiert auf Arch, das auf dem Linux-Desktop eine untergeordnete Rolle spielt. Arch ist schlank und nicht nur bei der Installation schnell, stellt aber Einsteiger vor erhebliche Hürden, da sich viele Einstellungen nur auf der Befehlszeile erledigen lassen. Und mit dem Terminal stehen Anfänger in aller Regel auf dem Kriegsfuß. Manjaro erleichtert den Arch-Einstieg durch einen grafischen Installer à la Ubuntu.

Erste Schritte nach der Installation: Ratsam ist die sofortige Nachrüstung der weiteren Sprachpakete.
Vergrößern Erste Schritte nach der Installation: Ratsam ist die sofortige Nachrüstung der weiteren Sprachpakete.

Eine nahezu perfekte Installation

Auf der Webseite des Projekts ( https://manjaro.org/ ) finden Sie unter „Download“ die Distribution in mehreren Varianten. Die offiziellen Manjaro-Editionen bieten die Desktopumgebungen XFCE, KDE und Gnome. Community-Editionen erweitern das Angebot um Cinnamon, Mate, Budgie, LXDE, um nur die wichtigsten zu nennen. Von der auf DVD oder USB kopierten ISO-Datei starten Sie dann Ihren Computer.

Der Dialog des Bootmanagers erfordert etwas Umsicht. Achten Sie darauf, dass Sie mit den Pfeiltasten sowohl die deutsche Tastenbelegung als auch die deutsche Sprache für die Oberfläche auswählen. Mit einem Druck auf die Eingabetaste startet das System dann durch. Dies war dann auch schon der komplizierteste Schritt während des Einrichtungsprozesses. Direkt über den Begrüßungsdialog erreichen Sie den grafischen Installer des Systems.

Das Prozedere unterscheidet sich kaum von einer Ubuntu-Installation. Nach der Auswahl von Sprache und Zeitzone muss die Tastaturbelegung definiert werden. Dann folgt die Partitionierung. In diesem Dialog können Sie auch die (Luks-)Verschlüsselung der gesamten Festplatte aktivieren. Eine letzte Besonderheit gibt es bei der Anlage des Benutzers. Denn dort tragen Sie nicht nur den Benutzernamen und das Passwort ein, sondern haben die Wahl, ein abweichendes Kennwort für den Zugriff auf Admin-Rechte einzutragen. Es folgt die Zusammenfassung der gewählten Optionen und die Einrichtung des Systems beginnt. Unmittelbar nach dem Start wird Sie das System über neue Updates informieren. In der Übersicht der Aktualisierungen markieren Sie entweder alle Einträge oder wählen gezielt einzelne Pakete aus, um diese auf den neuesten Stand zu bringen. Ist dieser Schritt abgeschlossen, ist es außerdem zu empfehlen, noch fehlende Sprachpakete zu installieren. Klicken Sie dazu auf die Menüschaltfläche mit dem Manjaro-Symbol und wechseln Sie anschließend in den Bereich „Einstellungen“. Dort finden Sie das Programm „Einstellungen“ und hier wiederum die „Manjaro-Einstellungen“. Im nachfolgenden Fenster markieren Sie unter „Sprachpakete“ den Eintrag „Deutsch“. Das hat den Vorteil, dass auch andere Anwendungen, zum Beispiel Firefox oder Thunderbird mit deutschsprachiger Oberfläche starten.

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Pralles Softwareangebot

Zur Beliebtheit von Manjaro trägt das Archtypische, umfangreiche Softwareangebot bei. Dessen Besonderheit besteht darin, dass es für Entwickler besonders einfach ist, die Anwendungen zu aktualisieren. Daher ist die Software in den Paketquellen von Manjaro respektive Arch Linux in der Regel aktueller als bei anderen Distributionen. Während Sie bei Ubuntu unter Umständen noch eine Betaversion über eine externe Paketquelle einbinden müssen, steht in Arch vielleicht schon die finale Version zur Verfügung. Unmittelbar nach der Installation enthält Manjaro alles, was zum Arbeiten und zur Internetnutzung notwendig ist. Gearbeitet wird mit Libre Office, als Browser ist Firefox an Bord, für Mails Thunderbird und auch Gimp für die Fotobearbeitung ist bereits installiert. Das ist nicht ungewöhnlich, aber es gibt auch Überraschungen: In der Rubrik „Büro“ sind auch die Onlineausgabe von MS Office sowie Skype vorhanden. Spieler werden sich darüber freuen, dass es auch einen Eintrag für „Steam“ gibt.

Manjaro verwendet weder das von Debian und Ubuntu bekannte Deb-Format noch das RPM-Format für seine Pakete. Über „Software hinzufügen / entfernen“ greifen Sie auf einen grafischen Paketmanager zu. Die Pakete sind in thematische Kategorien unterteilt. Über die Suchfunktion finden Sie rasch, was Sie brauchen.

Paketquellen „Arch User Repositories“ sollten nur Anwender aktivieren, die sich mit Linux auskennen.
Vergrößern Paketquellen „Arch User Repositories“ sollten nur Anwender aktivieren, die sich mit Linux auskennen.

Manjaro ist eine überzeugende Distribution. Als Empfehlung darf die schlanke Variante mit dem XFCE-Desktop gelten. Alles greift ineinander und der Umstieg von anderen Linux-Varianten fällt leicht.

Das ergibt in der Summe ein stimmiges und wirklich flottes System, das auch der Hardware aus der Vorsaison eine zweite Chance gibt. Dank des Rolling-Release-Modells bleibt das System stets auf dem neuen Stand. Die von anderen Distributionen bekannte „Upgrade“-Prozedur auf die nächste Version und damit auf neuere Programme entfällt.

Eine für fortgeschrittene Nutzer interessante Funktion verbirgt sich im Paketmanager. Mit einem Klick auf die Menüschaltfläche können die „Einstellungen“ geöffnet werden. Dort gibt es ein Register mit der Bezeichnung „AUR“ - die „Arch User Repositories“. Diese erweitern die Zahl der Programme noch einmal und bieten auch Zugriff auf brandaktuelle Versionen. Hinter einem solchen Repository stecken aber keine fertigen Pakete. Im Kern handelt es sich um Bauanleitungen, aus denen der Paketmanager entnehmen kann, welche Komponenten er benötigt, um die Anwendung aus dem Quellcode zu kompilieren. Wie jeder Ikea-Kunde indes weiß, kann jede noch so gute Anleitung etwas tückisch sein. Deswegen sollten diese Quellen wirklich nur Anwender freischalten, die so tief in die Linuxwelt eingetaucht sind, dass sie mit Rückmeldungen des Systems auch etwas anfangen können.

Die AUR-Repositories sind eigentlich für Arch gedacht. Die Pakete sind zwar brandaktuell, können aber mit anderen Bibliotheken unerwünschte Nebenwirkungen auslösen. Manjaro erleichtert den Einstieg, vermittelt aber wenig Wissen über die inneren Zusammenhänge des Systems. Die Manjaro-Community ist freundlich und hilfsbereit, aber bei Bauproblemen oder der Einrichtung wenig verbreiteter Anwendungen muss der Nutzer die Bereitschaft und das Wissen mitbringen, sich selbst zu helfen.

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