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eSports-Stadien der Zukunft: Die Kathedralen des Gaming

09.12.2019 | 08:03 Uhr |

Das Wachstum im eSports ist enorm: Drei Milliarden soll er bis 2022 verdienen und 276 Millionen Zuschauer gewinnen. Dafür braucht es neue Hightech-Tempel. Bereits 2021 soll die Fusion Arena in Philadelphia eröffnet werden, in 10 Jahren dann zur Gaming-Village reifen, die komplette Stadtkerne bevölkert.

Es sind wilde, spannende, großartige Zeiten für den eSports: Louis Vuitton sponserte gerade erst die League of Legends World Championships und 100 Millionen Fans sahen zu. Bis 2022 sollen sich Zuschauerzahlen und Umsatz verdreifachen, daran glaubt nicht nur Goldman Sachs, sondern auch Intel: 276 Millionen Menschen werden 2022 eSports schauen und drei Milliarden in die globalen Kassen spülen. Und wenn es nach Brian Mirakian geht, dann ist das erst der Auftakt für viel größere Projekte: Der Architekt und Brand Director der Design-Agency Populous baut gerade ein $50 Millionen teures eSports-Stadion in Philadelphia. Vorerst nur mit 10.000 Quadratmetern, also schon eine Nummer kleiner als etwa die Allianz Arena. Doch Mirakian hat größere Pläne – eine komplette eSports-City innerhalb von Metropolen soll binnen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre entstehen – in New York, Los Angeles, Paris, London, Singapur, Seoul und Berlin.

Der Status Quo: Es entstehen neue Tempel des eSports

Markenzeichen der Fusion Arena: Ein LED-Tunnel, durch den Zuschauer und Spieler schreiten sowie ausfahrbare Displays aus Decke und Wänden, womit sich die Arena für beliebig viele Sitzplätze skalieren lässt.
Vergrößern Markenzeichen der Fusion Arena: Ein LED-Tunnel, durch den Zuschauer und Spieler schreiten sowie ausfahrbare Displays aus Decke und Wänden, womit sich die Arena für beliebig viele Sitzplätze skalieren lässt.
© Populous

Jeder Sport hat seine Kathedrale “, erklärt Brian Mirakian, der mit seiner Firma gerade erst die O2 Arena in London gebaut hat sowie das neue Tottenham Hotspur Stadion und aktuell an weiteren Mega-Projekten arbeitet. „ Das fehlt uns aktuell noch im eSports – die Turniere finden ohne Frage in faszinierenden Arenen statt, allerdings sind das meist Stätten, die für den Fußball oder die NBA gebaut wurden. “ Doch wie sieht eigentlich so eine eSports-Arena aus? Zunächst mal ist da die Skalierbarkeit der Menge an Displays. In der neuen Fusion Arena, die gerade Mirakians Teams für Comcast NBC Universal baut, lassen sich Displays aus dem Boden ausfahren, damit die ersten Reihen der Balkonplätze etwa als Premium-Seating-Experience direkt via Touchscreen bestimmte Parameter von Spielern und Teams abrufen können.

Die Fusion Arena soll sich vom Eingang an nach eSports anfühlen: Mit einer LED-Röhre, die ähnlich wie man das von Technologie-Shows, wie der CES, kennt führt und die größten Momente jener Teams zeigt, die heute spielen. Überall sind Leinwände, überall Statistiken, alles ist interaktiv. Zudem durchziehen die ganze Arena LED-Schläuche, und sie lässt sich in bestimmte Themes tauchen: Licht-Ingenieure können etwa für Overwatch alles in Blau-Gelb verwandeln, für Dota 2 in Schwarz-Rot. In erster Linie soll das Stadion für die Overwatch League dienen, aber auch andere Spiele hosten können.“ 

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Eine Mega-Arena für das Overwatch-Team der Philadelphia Fusion 

Das eigentlich Besondere an diesem Projekt ist die Vermischung von Event-Space, Retail-Verkauf, LAN-Partys und integriertem Teamhaus. Die Fusion Arena hat ein komplettes Stockwerk für die Philadelphia Fusion, ein berühmtes US-Overwatch-Team.

Wir nehmen hier alle Learnings mit, die wir aus unseren Erfahrungen mit Fußball und NBA gemacht haben und bringen sie auf ein komplett neues Level. Es gibt die Standards, wie mehrere Köche, die für die Athleten zugeschnittene Ernährungspläne einhalten. Ein Ärzteteam, welches die Werte der Spieler überwacht. Wir haben allerdings auch Gaming-Stühle entwickelt, die mit Hilfe von Sensorik dafür sorgen, dass die Muskulatur bei langen Trainingssessions entspannt wird, automatisch Massage-Funktionen aktiviert werden und es gibt die Möglichkeit die Sessel weit nach hinten zu kippen, um mit Hilfe eines modularen Display-Setups im Liegen zu spielen.“

Eine neue Retail-Erfahrung: Shoppen mit den Stars

Immer mehr große Marken wollen in den eSports: Louis Vuitton hat für die League of Legends Worlds 2019 eigens einen Trophäenschrank designt und plant gerade eine Kollektion für League of Legends.
Vergrößern Immer mehr große Marken wollen in den eSports: Louis Vuitton hat für die League of Legends Worlds 2019 eigens einen Trophäenschrank designt und plant gerade eine Kollektion für League of Legends.
© Benjamin Kratsch

Vor allem sollen die eSports-Arenen der sehr nahen Zukunft – schließlich ist die Eröffnung bereits für 2020 geplant – eine neue Einkaufserfahrung bieten. Aktuelle Multi-Media-Märkte hätten nicht den Platz, um etwa Gaming-Stühle ausführlich zu testen. Deswegen will man andere Wege gehen: Die gleichen Produkte, die es im Store gibt, lassen sich auch in der LAN-Area austesten – also die neuesten Mäuse, Tastaturen, Headsets von Razer, Logitech, Roccat & Co. Zudem möchte der Architekt und Manager Spieler und Fans zusammenbringen. 

Für eSports-Teams ist es wichtig, ihre Ruhe zu haben, der Trainingsbereich ist also abgeschirmt von der Öffentlichkeit, es gibt auch separate Eingänge. Aber für Produkt-Launches, etwa der eigenen neuen Fashion-Linie und der Vorstellung neuer Trikots kommen die Spieler in den Store, unterhalten sich mit ihren Fans, machen Selfies und sorgen so für eine schöne VIP-Experience.

Mehr VIP-Experience dank Hightech-Lounge

Spezielle Sitze sollen sich auf das eigene Bedürfnis anpassen lassen, zudem werden auf den persönlichen Monitor spezielle Streams und Kameraperspektiven gelegt, die nur für VIP-Gäste reserviert sind.
Vergrößern Spezielle Sitze sollen sich auf das eigene Bedürfnis anpassen lassen, zudem werden auf den persönlichen Monitor spezielle Streams und Kameraperspektiven gelegt, die nur für VIP-Gäste reserviert sind.
© Populous

Drei Milliarden US-Dollar sollen mit eSports global in den nächsten Jahren verdient werden, davon gehen Goldman Sachs, Intel und andere aus. Mirakian hält vor allem eine Kategorie für stark untermonetarisiert: VIP-Lounges. 

Wenn wir uns den Fußball anschauen oder die NBA, dann wird dort Luxus pur geboten. Wir können im eSports noch einen Schritt weiter gehen, weil alles digital ist: Beim Booking geben Sie an, was Ihr Lieblings-Team ist, Ihre Lieblings-Spieler, ein spezielles VIP-Broadcasting-Team spielt Ihnen dann die entsprechenden Feeds direkt von den Spielern zu. Natürlich lassen sich auch Bottle-Service bestellen, für ein Glas Champagner zwischendurch, und wir planen mit einer neuen Generation von Gaming-Chairs, die mit spezieller Sensorik für maximalen Komfort ausgelegt ist. “ 

Generell denkt Mirakian an unterschiedliche VIP-Boxen: Manche werden mit Couches ausgestattet, wo auf LED-Tischen mit Touchscreen sich alle Informationen und Live-Feeds einbinden lassen. Andere setzen auf spezielle Stühle – ganz ähnlich wie in der neuen S-Klasse Maybach messen diese biometrische Daten und erkennen, welche Sitzposition am bequemsten für die jeweilige Person ist – manche mögen eher härtere Gaming-Chairs, die an Recaro-Sportsitze im Auto erinnern. Andere bevorzugen bequemere Sitzgelegenheiten, die mehr zum Entspannen einladen, vergleichbar mit Kino-Sesseln. 

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Die Zukunft in 20 Jahren: Willkommen in der Gaming Village

Einige Städte sollen eine komplette Plaza erhalten, veredelt durch Holo-Projektionen...
Vergrößern Einige Städte sollen eine komplette Plaza erhalten, veredelt durch Holo-Projektionen...
© Populous

So wie heute Casinos Las Vegas dominieren, glaubt Mirakian, wird Gaming komplette Stadtteile einnehmen: Hotels, Bars, LAN-Areas, Entwicklungsstudios, riesige LED-Weinwände für Turnierübertragungen in der Größe des Times Square – er zeigt Konzepte einer eSports City innerhalb einer Stadt, in der ein kompletter Stadtteil sich dem Gaming widmet. Das ist geplant für die USA, wo Platz kein Problem ist – Las Vegas etwa steht in der Wüste, das Paradies des Glücksspiels lässt sich beliebig vergrößern. Doch auch für Städte wie London, wo heute schon Platz knapp ist, hat Mirakians Design-Firma Populous Ideen: 

Gaming-Wolkenkratzer sollen ein eSports-Stadion unten, Entwicklungs-Büros für Spielestudios in der Mitte sowie eine komplette Hotelanlage für Gaming-Fans kombinieren. Umspielt wird das Areal von Projektionen, die in der Darstellung von 3D-Content wohl schon bald klassische Displays ablösen werden laut dem Architekten. Und ja, keine Sorge – wir werden das alle noch erleben, da ist Mirakian sicher: 

Wir reden hier von zehn Jahren im besten, zwanzig im schlechtesten Fall. “ 

Die Lust auf Wolkenkratzer ist in London jedenfalls ungebremst – erst vor ein paar Jahren wurde mit The Shard ein neuer Luxus-Wolkenkratzer mit wundervoller Aussichtsplattform und 300 Metern Höhe eröffnet. Ein eSports-Turnier mit Blick über die Londoner Skyline wäre ja schon nice.

...andere Gaming-Wolkenkratzer, die eSports-Stadien mit Entwicklungsstudios und Hotels kombinieren.
Vergrößern ...andere Gaming-Wolkenkratzer, die eSports-Stadien mit Entwicklungsstudios und Hotels kombinieren.
© Populous

Den Ryzen 9 3950X haben wir ja schon im letzten Video in die HMX 2 eingebaut - jetzt wollen wir mal sehen, wie hoch wir die CPU treiben können. Wie viel GHz schaffen wir auf allen 16 Kernen und wie viel Mehr-Leistung bringt uns der 3950X im Vergleich zur bisherigen CPU, dem 3900X.

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