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Wir stellen Ihnen Tools für die Clipboard-Optimierung vor

05.11.2018 | 15:02 Uhr | David Wolski

Der Inhalt der Zwischenablage des X-Window-Systems, das unter Linux für die Desktops sorgt, ist vergänglich: Wird das Quellprogramm geschlossen, so sind auch dessen kopierte Inhalte in der Zwischenablage weg. Clipboard-Manager helfen aus.

Einige Desktopumgebungen behandeln die Zwischenablage stiefmütterlich und überlassen deren Verwaltung dem X-Window-System. Diese arbeitet mit einer empfindlichen Einschränkung: Kopiert man Inhalte aus einem Programm in das Clipboard und schließt die Anwendung danach, so verschwinden dessen Inhalte aus der Ablage. Die Desktopumgebungen KDE Plasma 5, Cinnamon und Mate nutzen deshalb ihre eigenen nachhaltigeren Ablagen, während Gnome, XFCE und LXDE weiterhin vergesslich sind. Bei den letztgenannten lohnt sich ein zusätzlicher Clipboard-Manager, um Inhalte der Zwischenablage dauerhaft zu behalten.

Übrigens: Das X-Window-System kennt mehr als eine Zwischenablage: Eine Ablage ist bequem per Maus zugänglich und nimmt automatisch jeden spontan markierten Text auf, der dann mit einem Klick auf die mittlere Maustaste an der aktuellen Stelle einfügt, solange nichts anderes markiert ist. Die zweite reguläre Zwischenablage reagiert auf die bekannten Tastenkombinationen Strg-C und Strg-V.

Gpaste: Ideal für Gnome

Eine Zwischenablage mit lückenlosem Kurzzeitgedächtnis und einem permanenten Erinnerungsvermögen, das sogar einen Neustart übersteht, liefert das Gnome-Programm Gpaste. Es nimmt mehrere Bilder und Textausschnitte auf, die sich über das Symbol im Gnome-Panel auswählen lassen. Gpaste ist englischsprachig, aber recht einfach gehalten. Es ist das richtige Programm für Gnome-Anwender, die eine unkomplizierte Lösung suchen. Einige Optionen wie definierbare Tastenkombinationen stehen über Gnome-Tweak und über das einblendbare Programmfenster bereit. Gpaste ist in den Paketquellen der verbreiteten Linux-Distributionen mit Gnome-Desktop enthalten und in Ubuntu mittels

sudo apt-get install gpaste gnomeshell-extension-gpaste gnometweaks

schnell installiert. Danach ist ein Neustart des Desktops nötig. Das Tool „Gnome-Tweaks“ ist wichtig, um die Gnome-Shell-Erweiterung nach der Installation zu aktivieren, denn sonst funktioniert Gpaste nicht. Gpaste zeigt sich mit einem Notizblock-Symbol in der Leiste und ein Klick darauf zeigt alle kopierten Inhalte zur Auswahl an. Die Kombination Strg-Alt-G blendet das Programmfenster ein.
Besonderheiten: fügt sich als Shell-Erweiterung gut in den Gnome-Desktop ein
Geeignete Desktops: Gnome (mit Gnome-Shell-Erweiterung).

Gpaste für den Gnome-Desktop.
Vergrößern Gpaste für den Gnome-Desktop.

Copy Q: Nicht nur für Linux

Für Linux, Windows und Mac-OS gibt es das Programm Copy Q. Es ist eine gute Lösung für Anwender, die das gleiche Programm auf verschiedenen Plattformen verwenden wollen. Copy Q sieht mit einer Qt-Oberfläche auf allen Systemen recht ähnlich aus und bietet dieselben Einstellungsmöglichkeiten. Es nimmt Bilder, Text und HTML-formatierten Text auf und kann diese auf Wunsch auch ohne Formatierungen einfügen. Die zwischengespeicherten Einträge lassen sich in einem Editor direkt bearbeiten und überstehen einen Systemneustart. In Ubuntu (ab Version 18.04) und in Fedora ist Copy Q in den Standardpaketquellen als „copyq“ enthalten. Nach der Installation ruft man das Hintergrundprogramm ebenfalls mit copyq auf und kann dann das Symbol in der Taskleiste verwenden und die Einstellungen anpassen. Dort findet sich auch die Autostart-Option.
Besonderheiten: plattformübergreifend, deutschsprachig und mit vielen Optionen
Geeignete Desktops: alle

Clipit: Schlanke Zwischenablage

Das Programm Clipit ist aus dem älteren Tool Parcellite entstanden und eine gute Ergänzung für die genügsameren Desktops XFCE, Mate und LXDE. Ein Klick auf das eingeblendete Symbol in der Taskleiste öffnet den Verlauf der Zwischenablage und das Menü, zu dem es auch in die Einstellungen geht. Clipit ist in den Paketquellen der meisten Linux-Distributionen vertreten und in Ubuntu mittels

sudo apt-get install clipit

installiert. Anschließend muss Clipit noch manuell als Autostart-Programm festgelegt werden (unter „Startprogramme“).
Besonderheiten: Clipit kann statische Einträge quasi als Textbausteine aufnehmen, die stets erhalten bleiben.
Geeignete Desktops: Alle Desktops mit eigener Autostart-Verwaltung. Gnome ist deshalb weniger geeignet.

Das Programm hat den größten Funktionsumfang und zeigt in seinem Verlauf auch Bilder an.
Vergrößern Das Programm hat den größten Funktionsumfang und zeigt in seinem Verlauf auch Bilder an.

Clipman: Clipboard für XFCE

Die genannten Kandidaten Clipit und Copy Q funktionieren auch unter XFCE, für diesen Desktop gibt es aber mit Clipman auch eine maßgeschneiderte Lösung. Clipman läuft ausschließlich unter XFCE und lässt sich mit einem Eintrag in die Systemleiste einbauen. Clipman besteht aus dem eigentlichen Programm und dem Plug-in für XFCE. In Xubuntu und Debian mit XFCE installiert der Befehl

sudo apt-get install xfce4-clipman xfce4-clipman xfce4-clipmanplugin

die nötigen Pakete. Danach muss das neue Applet „Zwischenablage“ in die XFCE-Leiste integriert werden. Dies erledigen Sie nach einem Rechtsklick auf die Leiste über „Leiste –› Neue Elemente hinzufügen“.
Besonderheiten: Clipman kann automatisch QR-Codes aus den Einträgen der Zwischenablage erzeugen.
Geeigneter Desktop: nur XFCE

Clipit verfügt über nützliche Zusatzfunktionen wie die Definition statischer Einträge.
Vergrößern Clipit verfügt über nützliche Zusatzfunktionen wie die Definition statischer Einträge.

Shell: Zugriff auf die Zwischenablage

Die Nutzung der Zwischenablage ist kein Privileg der grafischen Oberfläche: Auch in einem Terminal kann man mit dem Tool xclip Textinhalte in der Zwischenablage ablegen oder von dort auslesen.

Nützlich ist das weniger für Standardaktionen, denn das Terminalfenster reagiert auf Tastenkombinationen Strg-Umschalt-C sowie Strg-Umschalt-V, um markierte Ausschnitte zu kopieren oder aus der Zwischenablage einzufügen.

Sinnvoll ist das Tool xclip aber, um direkt Inhalte aus Dateien und Befehlsausgaben in die Zwischenablage zu kopieren oder selbige auszugeben.

Das Paket „xclip“ ist bei allen verbreiteten Linux-Distributionen in den Standard-Paketquellen vorhanden und in Ubuntu/Debian mit

sudo apt-get install xclip

schnell installiert. Um die erste Zwischenablage der mittleren Maustaste zu füllen, beispielsweise mit einer Dateiliste, reicht der Aufruf von xclip in einer angehängten Befehls-Pipe:

ls -1 | xclip

Soll dieser Inhalt stattdessen in der regulären Zwischenablage landen, so ist deren Angabe als Ziel nötig:

ls -1 | xclip -selection clipboard

Auf die gleiche Weise können auch ganze Textdateien ohne Umweg über einen Texteditor in die Zwischenablage befördert werden, hier etwa eine Datei namens „beispiel.txt“:

xclip -selection clipboard beispiel.txt

Der umgekehrte Weg, Text aus den Zwischenablagen mittels xclip auszulesen, funktioniert über

xclip -selection clipboard -o

mit dem Parameter „-o“.

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