256793

Zweischneidiges Blade

IBM preist seine Blade-Server nicht nur wegen der kompakten Bauweise, sondern auch wegen des optimierten Stromverbrauchs. Wenn der Energieverbrauch bei maximaler Auslastung als Vergleichsbasis herangezogen wird, liegen die Einsparungen gegenüber traditionellen Architekturen bei bis zu 18 Prozent für Blade-Server mit AMD-Opteron und bis zu 13 Prozent bei den auf Intel-Xeon basierenden Systemen. Wichtige Neuerungen in der Blade-Architektur sind die gemeinsam genutzte Stromversorgung mit energieeffizienten Netzteilen, um Spitzenleistung auch unter Niedrigstrombedingungen zu erzielen.

Vor allem in größeren Rechenzentren gewinnen Blade-Server aber keine Freunde: Zu hoch ist die punktuell entstehende Abwärme, die sich nur mit erhöhtem Aufwand bei der Klimatisierung abführen lässt. Der größte deutsche Webhoster 1&1 setzt schon seit mehreren Jahren ausschließlich kostensparende AMD-Prozessoren und besonders effiziente 80+-Netzteile ein.

Die Shared-Hosting-Plattform hat der Karlsruher Internet-Dienstleister in Eigenregie entwickelt. "Wir haben ein Debian Linux so modifiziert, dass wir auf einem Server im Extremfall über 10.000 Kunden unterbringen können", erklärt Achim Weiss, Vorstand Technik und Entwicklung bei 1&1: "Das schafft kein herkömmliches Betriebssystem, und das spart natürlich immens Strom." Auch normale Schwankungen des Energiebedarfs der Server von rund fünf Prozent im Tagesverlauf nutzt 1&1. So werden Systemprozesse wie Backups verstärkt in den lastschwachen Nachtstunden betrieben.

Ausreichend Strom vorhanden?
Selbst relativ junge Rechenzentren stoßen heute mit ihrer Stromversorgung an Grenzen. Host Europe etwa hat vor dem Jahr 2000 seine Rechenzentren mit einem Verbrauch von 600 bis 1000 Watt je Quadratmeter Stellfläche gebaut. Für das in diesem Jahr in Köln in Betrieb genommene Rechenzentrum wurde dieser Wert auf rund 1700 Watt erhöht. Wer nachrüsten will oder muss, für den kann es teuer werden: Die Elektrizitätswerke lassen sich den Ausbau der Hauseinspeisung mit rund 100 Euro je Kilowatt bezahlen, vorausgesetzt, die zusätzliche Versorgung ist durch das bestehende Netz überhaupt möglich.

Auch die Stromversorgung selbst kann versteckte Stromfresser durchfüttern. Da sind zum einen billige oder veraltete Netzteile mit Wirkungsgraden von 70 bis 75 Prozent, die schleunigst durch neue Netzteile mit Wirkungsgraden von 80 bis 85 Prozent zu ersetzen sind.

Die moderne Deltawandler-Technik verliert rund 60 Prozent weniger Energie als die ältere Doppelwandler-Technik. Auch ein Blick auf die Dimensionierung der USV-Anlagen kann sich lohnen: Je geringer die Auslastung, um so niedriger auch die Effizienz. Insbesondere veraltete Klimatechnik bietet ein enormes Sparpotenzial, da die meisten Rechenzentren weiterhin nach dem Prinzip der Gesamtkühlung arbeiten. "Man kühlt besser die Wände, nicht nur die Rechner", meint 1&1-Manager Weiss.

Die Klimatisierungstechnik selbst bietet durch eine Reihe neuer Verfahren erhebliche Potenziale zur Effizienzsteigerung. Bereits die richtige Position der Klimaschränke im Rechenzentrum kann beachtliche Effekte haben. Überaus wirkungsvoll, wenn auch baulich aufwendiger, ist die Trennung von kalten und warmen Luftströmen.

Fazit und Ausblick
Die Erweiterung eines Rechenzentrums lohnt sich immer, wenn genügend Platz – innen und außen – bereitsteht. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, die den Rechenzentrumsbetrieb optimieren. Virtualisierung und neue Hardware beheben nicht nur mögliche Engpässe in der Stromversorgung, sondern rechnen sich meist auch schon in wenigen Jahren in Form von niedrigeren Betriebskosten.

PC-WELT Marktplatz

256793