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Zentralisierung: Zurück in die vergangene Zukunft

11.08.2008 | 10:01 Uhr |

Nicht nur nach Ansicht von Techconsult-Analyst Mrksa ist Konsolidierung respektive Zentralisierung im Server-Umfeld ebenfalls ein großes Thema. "Je größer das Unternehmen ist, desto dringender ist die Forderung nach Zentralisierung."

Überraschend ist an diesem Trend allerdings, dass die IT-Welt nach den großen Zeiten der Mainframes erst einmal alles "dezentralisieren und beispielsweise von Terminal-Services auf Fat Clients wechseln wollte". Heute schlagen IT-Verantwortliche wieder den entgegengesetzten Weg ein. Wieder kommt hier Virtualisierung ins Spiel, nämlich beim Server-Computing. Zudem seien Thin-Client-Architekturen (ehedem Terminals) heute für spezielle Szenarien nützlicher und auch ökonomischer. Wie es der IT-Verantwortliche einer großen deutschen Bank formuliert: "Mit unserer Terminal-Server-Lösung sind wir eigentlich wieder da angelangt, wo wir vor 20 Jahren schon einmal waren." Allerdings sind die heutigen Zentralisierungstechniken wesentlich eleganter, anwenderfreundlicher und mobiler.

Mrksa gibt zu bedenken, dass Zentralisierung häufig und gerade in großen Unternehmen weniger ein technisches als ein politisches Problem darstellt. "Wenn Großkonzerne beispielsweise von 100 Data Centers auf zehn konsolidieren - siehe die Beispiele von HP und IBM -, so hat das Auswirkungen auf die Organisationsstruktur", kommentiert der Techconsult-Analyst das Thema Entlassungen. Diese würden sämtliche Mitarbeiterebenen treffen.

SIS-Mann Vogl sieht den Trend zur Zentralisierung ebenfalls in engem Zusammenhang mit den Entwicklungen in der Virtualisierung und Automatisierung. "Zentralisierte Server können flexibel, transparent und kosteneffizient betrieben werden. Nur so lassen sich alle Vorteile der Virtualisierung und Automatisierung überhaupt erst optimal nutzen." Vor allem im Hinblick auf die Unterstützung der Geschäftsprozesse sei dies wichtig.

Einen weiteren Erklärungsansatz für den Trend zur Zentralisierung von IT-Topologien hat Schwab von Experton: "Das Thema ist auch aus der Not geboren." Dezentrale Strukturen seien nur schwer zu verwalten. Dazu brauche es viele Administratoren, "und die sind am Markt nicht so ohne weiteres verfügbar". Sogar im Windows- und Unix-Umfeld sei es mittlerweile schwierig, Administratoren zu finden. Schwab zu dem Dilemma, in dem sich Konzerne befinden: "Wenn ein Unternehmen heute einen Administrator einstellen will, dann hat es die Wahl: Entweder, es nimmt einen jungen und unerfahrenen Kandidaten. Das wollen die wenigsten Firmen. Oder das Unternehmen muss richtig Geld ausgeben. Das wollen auch die wenigsten." Also suchen sie ihr Heil in der Zentralisierung, "weil man keine Leute einstellen will und kann".

Für IT-Verantwortliche gibt es angesichts dieser Technikkonzepte, die viel versprechen, aber oft noch nicht richtig ausgegoren sind, einen Trost, den Gartner-Analyst Andrew Butler spendet: "Bei all den Diskussionen und Unwägbarkeiten über die Trends in der IT-Welt im Allgemeinen und im Serverumfeld im Besonderen kann man eins mit Sicherheit sagen: Wie die Data Center, in denen Server ihren Dienst tun, in zehn Jahren aussehen, das wissen wir nicht." (jm)

COMPUTERWOCHE

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