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Xbox Live: "Hello Japan we are from Germany"

17.10.2002 | 00:00 Uhr | Markus Pilzweger, Panagiotis Kolokythas

Ab November sollen erste Exemplare des Xbox-Live-Starter-Kits online bestellbar sein, ab März 2003 sollen die Pakete auch im Handel erhältlich sein. Für 59,99 Euro erhält der Käufer dann ein Headset, zwei Spiele sowie ein Jahresabonnement des Online-Dienstes. Dem Starter-Kit werden das Party-Spiel "Whacked" und das Motorrad-Spiel "Moto GP" beiliegen.

Wie sich die Preise nach Ablauf des ersten Jahres gestalten, also ab März 2004, steht noch nicht fest. Übrigens: Wer gleich im November 2002 zuschlägt und bei Microsoft das Starter-Kit per Online-Bestellung ordert, darf ein halbes Jahr länger - also bis März 2004 - kostenlos online zocken.

Die Handhabung des Dienstes ist so einfach wie nur möglich gestaltet: DSL-Kabel einstöpseln - Xbox starten - drin. Wer über T-Online DSL nutzt, muss seinen ellenlangen Zugangscode (ähnlich wie unter Windows XP) einmal im Options-Menü von "Xbox Live" eintragen. Extra für Deutschland musste Microsoft übrigens nochmals Hand am Programmcode von "Xbox Live" anlegen. Ursprünglich hatten die Redmonder für die maximale Länge des Benutzernamens 32 Zeichen vorgesehen: Zu wenig für Besitzer eines DSL-Anschlusses der Deutschen Telekom. Microsoft erweiterte daher die maximale Länge auf 64 Zeichen.

Auf Wunsch kann die Xbox auch über eine zweite Netzwerkkarte von einem PC angeschlossen werden. Die Einwahl ins DSL übernimmt dann der Rechner und die Daten für die Xbox werden über die zweite Netzwerk-Karte an die Spielekonsole weitergeleitet. Praktisch für Eltern: Der Besitzer darf ein Kennwort festlegen, dass aus eine Tastenkombination des Xbox-Controllers besteht. Dadurch können die Kinder daran gehindert werden, unbeaufsichtigt zu spielen.

Über das Headset, das am Controller angeschlossen wird, können die Spieler miteinander in Echtzeit kommunizieren. Und es funktioniert tatsächlich: Bei einem Testrennspiel loggten sich zwei japanische Xbox-Spieler ein und quasselten munter drauf los. Des Japanischen sind wir nicht gerade mächtig, aber alles war klar und deutlich zu verstehen und machte einen Heidenspaß - wir wurden Zweiter.

Die Spiele-Daten werden auf den Microsoft-Servern in London gesammelt und dann gleichzeitig an die Spieleteilnehmer verschickt. Laut Microsoft spielt bei der Xbox, anders als bei Online-Spielen für den PC, der Ping keine allzugroße Rolle. Dadurch das alle Online-Spiele auf ein und der selben Konfiguration laufen müssen, sei die Programmierung und Optimierung des Netzcodes um einiges einfacher. Lediglich bei schnellen Action-Spielen, wie beispielsweise "Unreal Tournament 2003", ist ein niedriger Ping wichtig. Hierfür bietet "Xbox Live" aber die Möglichkeit an, nur gegen Spieler anzutreten, die beispielsweise in Deutschland wohnen.

Die Spiel-Daten selbst werden übrigens getrennt von den Audio-Daten übertragen. Das hat einen einfachen Grund: Die Spiel-Daten werden verschlüsselt. Microsoft hätte die Audio-Daten zwar auch gerne verschlüsselt, aber die US-Regierung hätte das nicht witzig gefunden. Wären die Audio-Daten nämlich auch verschlüsselt, dann hätten alle Xbox-Besitzer ein verschlüsseltes "Telefon" daheim.

Wer die Sprachfunktion von "Xbox Live" nutzen möchte, hat per Software die Möglichkeit seine Stimme verfremden zu lassen. Welche Verfremdungsmöglichkeiten sich dem Spieler bieten, hängt vom jeweiligen Spiel ab. Wer aber Lust hat, darf während eines Action-Spiels mit einer rauchigen Roboter-Stimme oder einer quietschenden Comic-Stimme seine Kontrahenten triezen.

Über eine Buddylist können Spieler schnell erkennen, ob Freunde gerade online sind und was sie gegebenenfalls spielen. Ein Klick und beim potenziellen Gegner blinkt ein Icon mit einer Anfrage, ob er nicht Spiel XY spielen möchte. Wenn er einwilligt, muss er nur noch das passende Spiel einlegen und schon kann man gegeneinander antreten.

Darüber hinaus sind so genannte Optimatches möglich. Bei dieser Variante werden anhand des eigenen Könnens passende Gegner gesucht. Auf diese Weise ist die Chancengleichheit zumindest einigermaßen gewahrt - gerade für Anfänger interessant. Ebenfalls möglich sind komplette Weltranglisten für bestimmte Spiele. Die Spielehersteller haben zudem die Möglichkeit, eine Download-Option in ihre Spiele einzubauen. Dadurch wird es beispielsweise möglich sein, neue Spiel-Levels herunterzuladen und automatisch in das Spiel zu integrieren. Der Hersteller hat dabei allerdings die Wahl, ob er den Spielern derartige Service-Leistungen kostenlos oder nur gegen Bezahlung gewährt. Dieses Feature werden beispielsweise "Splinter Cell" und "Unreal Tournament 2003" unterstützen.

Alles in allem machte Xbox Live einen gelungenen Eindruck. Sollte der Dienst auch beim Ansturm hunderttausender Spieler nicht in die Knie gehen, ist dies ein echtes Kaufargument für die Xbox.

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