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Linux Mint mit XFCE: So nutzen Sie den Desktop optimal

08.10.2018 | 15:05 Uhr |

Linux Mint mit XFCE präsentiert sich im Standardlook relativ schmucklos. Zu viel bescheidene Zurückhaltung: XFCE („X-Face“) ist ein ausgereifter und gut organisierter Desktopklassiker mit viel Potenzial für individuelle Anpassungen.

Die XFCE-Oberfläche – und damit auch die Mint-XFCE-Edition – hat ihren unbestrittenen Platz auf älterer Hardware sowie bei Nutzern, die einen pragmatischen Desktop suchen. XFCE stellt keine Ansprüche an CPU und Grafik und verbraucht auf einem Mint-Unterbau mit 64 Bit etwa 330 MB RAM ab Anmeldung, bei 32-Bit-System unter 300 MB. Theoretisch genügt Mint XFCE schon ein GB RAM. XFCE 4.12, das sich seit Jahren nur noch in großen Zeitabständen und nur in Details weiterentwickelt, ist konservativ, aber funktional und hervorragend konfigurierbar. Dabei ist der Desktop so intuitiv organisiert, dass Sie die meisten Anpassungen direkt am Objekt mit dem Kontextmenü der rechten Maustaste auslösen können.

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Die Arbeitsfläche von XFCE

XFCE ist klassisch. Standardmäßig am unteren Rand, aber positionell variabel, ist die Systemleiste angebracht. Diese bietet frei wählbare Applets und ist nach der Installation mit dem Startmenü (Applet Whisker-Menü), einigen Starterverknüpfungen (Applet Starter), der Taskliste (Applet Fensterknöpfe) sowie einigen Informationsapplets ausgestattet (Nachrichtenanzeige, Benachrichtigungsfläche). Zum lohnenden Ausbau der Leiste verweisen wir auf den späteren Punkt „Symbolleisten anpassen und anlegen“.

Der XFCE-Settings-Manager („Einstellungen“) bietet alles, was anspruchsvolle Nutzer zur optischen Anpassung erwarten. In der Rubrik „Persönlich“ finden Sie alle Optionen, um Themen, Schriftgröße und Fensteroptik einzustellen. Für optimale Darstellung sollten Sie unter „Feineinstellungen des Fensterverhalten“ auf der Registerkarte „Komposit“ sicherstellen, dass der Effektkompositor und dessen Transparenz- und Schatteneffekte aktiviert sind.

Das „Erscheinungsbild“: Über das Register „Oberfläche“ bestimmen Sie die Farbgebung von Menüs und Fensterelementen. Es empfiehlt sich, parallel ein Programm wie etwa den Dateimanager zu beobachten, um die Optik des Themas vor Augen zu haben. Das Farbthema sollten Sie sorgfältig auswählen und danach möglichst nicht mehr wechseln, da es sich auf alle Desktop- und Leistenelemente und deren Schrift- und Farbkontraste auswirkt.

Das Register „Symbole“ bietet Mint-Themen mit wesentlich modernerer, frischerer Anmutung aller Icons in Menü, Starter und Dateimanager. Noch entscheidender ist das Register „Schriften“, weil es die Skalierung des kompletten Desktops über den DPI-Wert vorsieht: Standard ist der Wert „96“. Durch Ändern des Werts und Bestätigung mit Eingabetaste sehen Sie sofort die Wirkung und optimieren die Darstellung je nach Sehvermögen kleiner oder größer.

Die „Fensterverwaltung“: Dieser Punkt beeinflusst das Aussehen und das Verhalten von Programmfenstern. Eine aus unserer Sicht wichtige Umstellung ist die Abwahl des Standards „Mint-X“ unter „Stil“, da hier die wichtige Titelleiste der Fenster sehr kontrastarm ausfällt. „Default“ oder „Mint-Y-Dark“ bringen die Titelleisten besser zur Geltung.

Für sehr große Bildschirme mit hohen Auflösungen (HiDPI) gibt es die speziell entworfene Themes „Default-hdpi“ und „Default-xhdpi“.

Die weiteren Optionen unter „Tastatur“, „Fokus“ und „“Erweitert“ sind speziell bis kleingliedrig und betreffen unter anderem das oft unbeliebte Einrastverhalten von Fenstern am Bildschirmrand („Erweitert“). Unter „Fokus“ stellen Sie ein, ob ein Fenster durch Mausklick aktiv und eingabebereit wird (Standard) oder bereits durch ein Mouseover („Fokus folgt Mauszeiger“).

Der Desktop („Schreibtisch“): Im XFCE-Settings-Manager, aber auch nach Rechtsklick auf den Desktop erreichen Sie die „Schreibtischeinstellungen“, wo Sie im Register „Hintergrund“ das Bild oder die Farbe des Desktops einstellen. XFCE kann dies für jede Arbeitsfläche individuell anbieten, wobei Sie den Dialog einfach auf der gewünschten Arbeitsfläche starten oder dorthin verschieben.

Im Register „Symbole“ desselben Dialogs legen Sie fest, welche Standardicons der Schreibtisch zeigen soll. Generell ist der XFCE-Desktop eine klassische Dateiablage, der neben diesen Standardicons auch Programmstarter, Ordner und Dateien aufnimmt.

Das dritte Register „Menüs“ ist eventuell von Interesse, wenn Sie ein zusätzliches schlichtes Anwendungsmenü durch Rechtsklick am Desktop auslösen wollen. Diese Option finden Sie unter „Schreibtischmenü“. Ist die Option aktiv, zeigt das Kontextmenü am Desktop den zusätzlichen Eintrag „Anwendungen“ mit allen Programmen.

Register „Schriften“ unter „Erscheinungsbild“: DPI-Wert den Bildschirm stufenlos skalieren.
Vergrößern Register „Schriften“ unter „Erscheinungsbild“: DPI-Wert den Bildschirm stufenlos skalieren.

Opulentes Whisker-Menü als XFCE-Standard

Das Hauptmenü erscheint nach Druck auf die Windows-Taste, zusätzlich gibt es den XFCE4-Appfinder nach Alt-F3 – quasi ein Hauptmenü in Fensterform. XFCE 4.12 nutzt als Menü, das es natürlich auch in der Systemleiste anzeigt, das Applet Whisker-Menü mit Kategoriengliederung und einem Instant-Search-Eingabefeld, das sowohl nach tatsächlichen Programmnamen wie nach deutschen Beschreibungen zu filtern weiß. Nach Rechtsklick auf das Hauptmenü gibt es die Option „Eigenschaften“, um das Whisker-Menü optimal einzurichten. Unter anderem können Sie Name und Symbol des Menüs, Größe der Menü und Kategorieneinträge sowie Transparenz („Hintergrunddeckkraft“) individuell festlegen. Was Whisker in der Kategorie „Favoriten“ anzeigt, bestimmen Sie dadurch, dass Sie ein Programm im Menü rechts anklicken und dann die Option „Zu Favoriten hinzufügen“ wählen. An gleicher Stelle ist es möglich, ein Programm als Desktopverknüpfung oder als Starter in der Systemleiste abzulegen.

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Nach Rechtsklick auf das Menüsymbol gibt es neben den „Eigenschaften“ den weiteren Eintrag „Menü bearbeiten“. Dahinter steht ein komplexer Bearbeitungseditor (menulibre), um unnötige Einträge zu entfernen oder in andere Kategorien einzuordnen. Menulibre zeigt in der Spalte links sämtliche Verknüpfungen nach Kategorien geordnet. Rechts davon öffnet sich nach einem Klick auf eine Verknüpfung ein Editor. Mit dem Schalter „Im Menü verstecken“ lassen sich unnötige Programmstarter ebenso wie unnötige Kategorien ausblenden. Alle anderen Optionen des Menüeditors sind nur erfahrenen Nutzern zu empfehlen.

Ebenfalls eher für Linux-Bastler eignen sich einige Spezialitäten im Suchfeld des Whisker-Menüs, das via Signalkürzel mehr kann als Programme zu filtern: So ist ein vorangestelltes Doppelkreuz („#“) das Signal, die Hilfeseite des Programms (manpage) zu öffnen:

#dd

Ein Ausrufezeichen vor dem Programmnamen sorgt hingegen dafür, dass die Anwendung im Terminal ausgeführt wird, und mit dem Kürzel „?“ recherchieren Sie die nachfolgende Eingabe im Web („?linux mint“). Das Prinzip ist über die „Eigenschaften“ des Menüs im Register „Suchbefehle“ sogar ausbaufähig. So lohnt es sich etwa, an dieser Stelle die englischsprachige Wikipedia („en“) durch die deutsche („de“) zu korrigieren oder die Suchmaschine Duckduckgo durch Google zu ersetzen.

Das Standardmenü von XFCE kann jedes Detail bei Programmangebot, Aussehen und Größe auf Wunsch anpassen.
Vergrößern Das Standardmenü von XFCE kann jedes Detail bei Programmangebot, Aussehen und Größe auf Wunsch anpassen.

Symbolleisten anpassen und neu anlegen

Die modularen Symbolleisten sind immer eine lohnende Spielwiese: Es gibt diverse vorgegebene Elemente wie das beschriebene Whisker-Menü, die Taskübersicht „Fensterknöpfe“, ferner Arbeitsflächenumschalter, Sitzungsmenü („Aktionsknöpfe“), Zeitanzeige oder eine Mini-Kommandozeile. Als „Starter“ lässt sich zudem jedes beliebige Programm einzeln oder in ein kaskadierendes Menü ablegen. Die Optionen der Systemleiste(n) erreichen Sie im XFCE-Settings-Manager über den Punkt „Leiste“ oder direkter durch Rechtsklick auf eine Leiste. XFCE kann Leisten vertikal, horizontal oder als frei schwebendes Desktopelement darstellen. Die Bestückung mit Applets und Programmstartern (Applet Starter) erfolgt ähnlich wie in Mate oder Cinnamon. Über die enthaltenen Applets entscheidet die Registerkarte „Objekte“.

Als konkretes Beispiel legen wir eine zweite Leiste mit der Funktion eines Starterdocks an. Natürlich können Sie diese Aufgabe auch an ein externes Tool wie das Plank-Dock übergeben, aber XFCE erfüllt dies optisch und funktional absolut überzeugend:

1. Klicken Sie rechts auf die bestehende Leiste und auf „Leiste –› Leisteneinstellungen“. Mit dem Plus-Symbol rechts oben erstellen Sie eine weitere Leiste und bestimmen dann zunächst mit „Modus“ die Position und die Größe. Ihre Einstellungen werden in einem leeren Leistenobjekt unmittelbar am Desktop angezeigt.

2. Für ein Starterdock erreichen Sie die attraktivste Optik, wenn Sie unter „Erscheinungsbild“ den Alphawert auf „0“ setzen, womit die Leiste voll transparent wird und nur noch die Starterverknüpfungen anzeigt.

3. Die Bestückung der Leiste kann nun über das Register „Objekte“ durch „Starter“-Applets erfolgen, deren Dummy-Symbol Sie dann über „Eigenschaften“ das gewünschte Programm zuweisen.

In diesem konkreten Fall geht die Bestückung aber viel einfacher über das Startmenü: Ein dort rechts angeklicktes Programm zeigt unter anderem die Option „Zur Leiste hinzufügen“. Falls mehrere Leisten angelegt sind, fragt XFCE nach, welche Leiste das Ziel sein soll.

Leiste 1 (unten) als eigentliche Systemleiste. Leiste 2 (rechts) arbeitet als Starterdock.
Vergrößern Leiste 1 (unten) als eigentliche Systemleiste. Leiste 2 (rechts) arbeitet als Starterdock.

Zu empfehlenswerten Applets für die Hauptleiste gehört in jedem Fall der Arbeitsflächenumschalter. Neben dem Arbeitsflächenwechsel per Mausklick, der sich auch durch den Hotkey Strg-Alt-Rechts/Links realisieren lässt, können Sie in dem kleinen Applet nämlich auch Programmfenster zwischen den Flächen verschieben. Voraussetzung dafür ist die Appleteinstellung „Miniaturansicht“. Weitere interessante Applets sind Aktionsknöpfe mit Beenden- und Abmeldefunktionen, das kleine Tool Orte für den schnellen Zugriff auf Laufwerke oder die Verve-Kommandozeile für Befehlseingaben oder Textausschnitte.

Beachten Sie, dass fast jedes eingerichtete Applet nach Rechtsklick und „Eigenschaften“ seine eigenen Detailoptionen anbietet. Auch das Verschieben an einen anderen Ort ist jederzeit nach Rechtsklick und „Verschieben“ möglich – auch von einer Leiste zur anderen.

Wichtige Tastenkombinationen

Eine Übersicht der voreingestellten Hotkeys finden Sie im Hauptmenü unter „Einstellungen –› Fensterverwaltung“ und unter „Einstellungen –› Tastatur –› Tastenkürzel für Anwendungen“. Hier besteht auch die Möglichkeit, eigene Tastenkombinationen zu definieren.

Standards wie Strg-C|V|X oder Strg-Alt-F1 (Konsole) erwähnt die nachfolgende Liste nicht.

Hotkeys

Alt (und Maus)

verschiebt das aktive Fenster

Alt-F3

startet den Appfinder

Alt-F9

minimiert das Fenster in die Taskleiste

Alt-Leertaste

öffnet das Menü für das Fenstermanagement

Alt-Tab

Taskwechsler

Strg-Alt-Cursor-rechts

wechselt zur nächsten Arbeitsfläche

Strg-Alt-Cursor-links

wechselt zur vorherigen Arbeitsfläche

Alt-Einfg

legt eine weitere Arbeitsfläche an

Alt-Entf

löscht die aktive Arbeitsfläche

Strg-F(n)

wechselt zur Arbeitsfläche mit der Nummer n

Strg-Alt-Entf

sperrt die grafische Oberfläche und zeigt Anmeldefenster

Strg-Alt-D

minimiert alle Fenster und zeigt den Desktop

Windows-Taste

öffnet das Startmenü

Druck

startet Bildschirmfoto (xfce4-screenshooter)

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