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Wir stellen Ihnen 10 nicht alltägliche Desktopspezialitäten vor

02.05.2019 | 15:00 Uhr | Hermann Apfelböck

Die zehn Desktopdistributionen in diesem Artikel hat nicht jeder Linux-Nutzer auf dem Zettel. Es handelt sich um Systeme mit inhaltlicher Fokussierung oder mit besonders attraktiver Oberfläche.

Mit den nachfolgenden Steckbriefen zu interessanten Desktopdistributionen bewegen wir uns abseits vom Desktopmainstream mit Linux Mint, Ubuntu Gnome, Kubuntu, Debian, Fedora, Open Suse, Elementary OS oder Zorin-OS.

Jedoch vermeiden wir es, dabei allzu exzentrische, exotische oder experimentelle Pfade einzuschlagen. Von den meisten der zehn Distributionen dürften Linux-Kenner zumindest schon einmal namentlich gehört haben: Es sind allesamt solide Empfehlungen für eine produktive Arbeitsstation. Die Reihenfolge ist alphabetisch und wertungsfrei.

1. Antix 17.3

Antix 17.3 stammt aus Griechenland, steht auf der Basis von Debian („Stable“ oder „Testing“ ist beim Setup wählbar) und hat sich als System für das Altrechner-Recycling spezialisiert: Theoretisch reichen dem System schon eine Pentium-II-CPU und etwa 256 bis 512 MB Speicher, da es selbst kaum mehr als 100 MB belegt. Antix mit seinen jederzeit auswechselbaren Fluxbox-Varianten ist keine Desktopschönheit, aber schnell, produktiv und einfach bedienbar mit dem simplen Rechtsklick-Hauptmenü am Desktop. Antix ist ein flottes Livesystem, aber für die ordentliche Installation auf Festplatte konzipiert. Dort wird es zum vollwertigen Desktop mit allen Anpassungsmöglichkeiten. Der Installer ist im Livesystem am Desktop und im Hauptmenü erreichbar. Die Einrichtung erfolgt mit den typischen Abfragen zu Tastatur, Zeitzone, Erstbenutzerkonto schnörkellos. Wenn, wie bei einem wiederbelebtem Altgerät die Regel, nur eine Festplatte und Partition vorliegt, kann der Installer diese mühelos samt Bootloader einrichten. Bei komplizierteren Verhältnissen ist es klüger, die Partitionierung vor dem Start des Installers mit Gparted zu erledigen. Das funktioniert im Livesystem von Antix, das Gparted mitbringt und als root-Kennwort den Standard „demo“ verwendet.

Antix muss keineswegs „antik“ aussehen, dafür sorgen die Themen unter „Fluxbox Settings –› Styles“. Eine individuelle Anpassung des Desktops etwa mit Starter und optimierter Leiste (hier „Toolbar“) fällt etwas mühsamer aus als bei modernen Desktops, ist aber sehr wohl machbar. Das Nachinstallieren von Software, Sprachpaketen oder Codecs erfolgt unter „Applications –› Systemwerkzeuge“ mit dem „Paket-Installer“ oder mitapt install im Terminal.

Antix ist ein grundsolides, schnelles Debian, das an CPU und RAM keine Ansprüche stellt.
Vergrößern Antix ist ein grundsolides, schnelles Debian, das an CPU und RAM keine Ansprüche stellt.

2. Blank On

Die vorliegende Distributionsauswahl hat von speziellen, nur regional verbreiteten Distributionen Abstand genommen. Für diese indonesische Distribution machen wir eine Ausnahme: Blank On hat ein wirklich interessantes Desktopkonzept. Die Oberfläche Manokwari ist zwar im Kern ein Gnome 3, erlaubt sich aber kluge Extras und Änderungen. Fans halten Blank On mit Manokwari für den attraktivsten Linux-Desktop überhaupt. Das System fußt auf solidem Debian und bringt eine typische Softwareausstattung mit.

Der Download von der indonesischen Site https://www.blankonlinux.or.id gestaltet sich schwierig, da man hier vermutlich Sprachprobleme hat und die Downloadschaltfläche nicht findet. Blank On gibt es aber auch auf dem Downloadportal https://linux.softpedia.com (1,8 GB). Der Installer ist eine Eigenentwicklung und sehr einfach, übersichtlich und geradezu hübsch, solange keine neue Partition oder Größenänderungen an Partitionen nötig sind. Falls doch, ist das besser vorab mit einem Livesystem und Gparted zu erledigen. Dazu kann aber auch gleich das Livesystem von Blank On selbst dienen, das Gparted an Bord hat. Der Installer ist im Menü unter „System Tools“ zu finden. Der Manokwari-Desktop schaltet die „Aktivitäten“ von Gnome 3 ab.

Stattdessen gibt es in der Systemleiste oben ein übersichtliches Menü mit aufklappenden Kategorien, wobei nach Rechtsklick auf Programme diese an das Favoritendock (unten) angeheftet werden können. Die rechte obere und untere Bildschirmecke sind „aktive Ecken“, die eine große Seitenleiste ausklappen mit den Systemeinstellungen, Audio Control, Wetter-Applet, Datum und Uhr sowie einigen Standardbookmarks.

Das System spricht ab Installation entweder Englisch oder Indonesisch. Dies lässt sich aber unter „Region“ und „Keyboard“ über die Debian-Paketquellen korrigieren. Danach wird Blank On zu 95 Prozent deutschsprachig, einige Elemente wie die angesprochene Seitenleiste bleiben aber englisch.

Blank On mit Manokwari-Desktop hat sich einige platzökonomische Details einfallen lassen.
Vergrößern Blank On mit Manokwari-Desktop hat sich einige platzökonomische Details einfallen lassen.

3. Endless OS

Das aus USA stammende Endless OS zielt auf Linux-Einsteiger. Auf Debian-Basis präsentiert die Distribution einen angepassten Gnome-3-Desktop, der an den simplen Homescreen von Smartphone und Tablets erinnert. Die Oberfläche zeigt Anwendungsstarter, Verknüpfungen zu Dateiobjekten und ein Eingabefeld für die Websuche. Die Systemleiste am unteren Bildschirmrand enthält die am Gnome-Desktop üblichen Applets mit Menü, Favoriten, Indikatoren und Sitzungsmenü.

Die Website https://endlessos.com/ bietet zwei Distributionsvarianten an. Schon die Basisvariante ist 1,7 GB groß, während bei der vollständigen Variante gigantische 15 GB übertragen werden müssen. Es gehört zum Konzept der Distribution, dem Nutzer eine umfassende Softwareausstattung mitzugeben, die auch bei überwiegendem Offlinebetrieb keine Lücken zeigt. Ganz zeitgemäß ist dies nicht, so jedenfalls in Europa, so dass wir in jedem Fall die Basisvariante empfehlen, die Sie später immer noch ausbauen können. Da Endless OS keinen direkten Download vorsieht, brauchen Sie einen Torrent-Client für den Download. Auf Linux-Systemen ist häufig Transmission vorinstalliert. Die Installation aus dem Livesystem läuft praktisch vollautomatisch ab, verzichtet dabei aber auf anspruchsvollere Einrichtungsoptionen. Im ersten, wichtigsten Schritt genügt die Auswahl des Datenträgers. Kompliziertere Partitionierungsoptionen sind nicht vorgesehen und müssten bei Bedarf vorbereitend unternommen werden. Ungeachtet seiner erklärten Offlineausrichtung bietet schon der Installer die Option, die Verbindung zu Onlinekonten wie Google oder Facebook einzurichten. Für spätere Softwareergänzungen gibt es ein Gnome-typisches, kategorisiertes Softwarecenter oder apt get install […] im Terminal. Im grafischen Softwarecenter setzt Endless OS auf das Flatpak-Containerformat von https://flathub.org .

Endless OS zeigt einen Homescreen-Desktop wie ein Andoid-x86, basiert aber auf Debian und einem angepassten Gnome 3.
Vergrößern Endless OS zeigt einen Homescreen-Desktop wie ein Andoid-x86, basiert aber auf Debian und einem angepassten Gnome 3.

4. KDE Neon User Edition

Die aus England stammende KDE Neon User Edition bietet auf Ubuntu-Basis einen immer hochaktuellen KDE-Plasma-Desktop – in diesem Fall KDE Plasma 5.14.5. Im Unterschied zum bekannteren und nicht weit entfernten Kubuntu steht hier KDE absolut im Fokus. Die Desktopkomponenten erhalten laufende Updates, während die Ubuntu-Systembasis beim erprobten Stand der 18.04-LTS-Ausgabe bleibt. Die delikate, neueste KDE-Plasma-Oberfläche ist per se eine Bedienerführung für Feinschmecker und mit ihrer Flexibilität ein Gegenentwurf zum simplifizierenden Gnome und seiner Abkömmlinge. KDE Neon User Edition spricht daher in erster Linie anspruchsvolle Nutzer an: Die Anpassungsmöglichkeiten der Kontrollleiste(n), der Desktopdesigns, der Plasma-Widgets und der exzellenten KDE-Standards wie des Dateimanager Dolphin dürften Einsteiger überfordern, Systembastler hingegen begeistern. Nichtsdestotrotz liefert diese Distribution ab Installation einen eleganten, modernen Desktop mit klassischem Menü und Dateiablage, mit dem auch ein Windows-Umsteiger klarkommt. Zudem hat das ehemals sehr anspruchsvolle KDE seinen Ressourcenhunger gezähmt und fordert heute weniger RAM als ein Gnome oder Cinnamon.

KDE Neon nutzt zur Einrichtung aus dem Livesystem den bewährten Ubuntu-Installer, wenngleich dieser optisch angepasst wurde und daher deutlich anders aussieht. Die Softwarenachrüstung erfolgt über die exzellente Programmverwaltung Discover oder mitapt get install […] im Terminal. Alle Anpassungsoptionen versammeln die „Systemeinstellungen“, während Leistenänderungen und Desktop-Widgets direkt am Objekt über Kontextmenüs erfolgen.

Logisch organisierte Systemzentralen und reiche Anpassungsdetails sprechen vor allem Poweruser an.
Vergrößern Logisch organisierte Systemzentralen und reiche Anpassungsdetails sprechen vor allem Poweruser an.

5. Manjaro Architect

Der aus Deutschland stammende Manjaro Architect ist ein Installer für Bastler, die sich ihr System selbst maßschneidern wollen. Das Prozedere ist keine ganz große Herausforderung, aber etwas Basiswissen über Partitionen, Dateisysteme, Linux-Desktops und Kernel sollte man schon mitbringen. Da bei Manjaro Architect das Endergebnis offen ist, macht es hier keinen Sinn, Desktopeigenschaften oder Softwareausstattung zu beschreiben. Vielmehr geht es um eine kurze Charakterisierung des Installers:

Nach dem Booten können Sie optional die deutsche Tastatur und Sprache einstellen. Danach wählen Sie den Eintrag „Boot: Manjaro.x86_64 architect“, melden sich auf der Konsole als „manjaro“ mit Passwort „manjaro“ an und starten mit der Eingabesetup die Einrichtung. Der Installer arbeitet mit vorgegebenen Optionen und Auswahl mit Cursor-und Tab-Taste, ist also quasi halb grafisch (Ncurses-Basis), logisch vorbildlich, aber durchaus komplex.

Nach Auswahl der Sprache „German“ geht es im Hauptdialog zum ersten Punkt „1 Installation vorbereiten“. Hier sind nicht alle Unterschritte notwendig, aber mindestens „Konsolensprache einstellen“, „Festplatte partitionieren“ und „Partitionen einhängen“. Der schwierigste Punkt „Festplatte partitionieren“ zeigt mehrere Optionen, die das jeweils gewählte Kommandozeilentool starten.

Auf unserem Testnotebook mit einer Festplatte sda wählen wir eine Bios-Installation mit dem Tool cfdisk. Dabei muss das Partitionierungsschema (etwa „dos“ oder „gpt“) und ein Dateisystem gewählt werden (etwa „ext4“). Ferner wird die Größe des Swapfiles abgefragt. Die Zielpartition muss danach mit „Partitionen einhängen“ gemountet werden.

Zurück im Hauptmenü geht es zum nächsten Hauptpunkt „2 Desktop-System installieren“ – der eigentliche Hauptspaß, denn die hier gebotene Auswahl an Desktops, Kernel-Versionen, Kernel-Modulen (Netztreiber, Dateisysteme) und Softwarepaketen baut ein System nach Maß. An Oberflächen bietet Manjaro Architect nicht weniger als 14 (!).

Vergessen Sie nach der Installation der Pakete nicht, den Grub-Bootloader zu installieren. Dies wird vom Installer als nächster Schritt angeboten und darf keinesfalls übersprungen werden. Weitere Schritte sind „Basis konfigurieren“ (root-Kennwort, weitere Konten, Hostname, fstab einrichten, Treiber etc.) und optionale „Tweaks“. Am Ende steht ein Arch-System nach Wunsch. Der Softwarebezug erfolgt am einfachsten über die grafische Zentrale „Software hinzufügen/entfernen“. Anpassungen und Optimierungen folgen den Standards des gewählten Desktops.

Die Collage zeigt ein fertig installiertes Manjaro mit Cinnamon-Desktop und rechts oben den Hauptdialog des eigentlichen Architect-Installer.
Vergrößern Die Collage zeigt ein fertig installiertes Manjaro mit Cinnamon-Desktop und rechts oben den Hauptdialog des eigentlichen Architect-Installer.

6. Maui Linux

Name und Standardhintergrundbild assoziieren ferne Südsee, jedoch stammt Maui (aktuell 17.06 „Cuba Libre“) aus Deutschland und basiert auf KDE Neon. Die Vorzüge des Plasma-Desktops inklusive der ausgezeichneten KDE-Standardprogramme wie Dolphin, Ksysguard, Infozentrum, Systemeinstellungen oder Partitionsmanager gelten daher uneingeschränkt auch für Maui Linux. Allerdings reduziert Maui gegenüber Standard-Plasma nicht nur diverse Effekte, sondern auch manche Standardsoftware. So gibt es als Paketmanager nur Synaptic oder apt get install […] im Terminal. Auf der anderen Seite wird Maui Linux dadurch insgesamt zu einem sehr schlanken KDE-System mit nur 500 MB Eigenbedarf.

Eigentliches Hauptmerkmal dieser KDE-Interpretation ist aber das Hauptmenü. Hier erscheint ein bildschirmfüllender, transparenter Start-und Suchdialog, der in Richtung Gnome-Anwendungsübersicht oder Windows-10-Startbildschirm tendiert. Die Logik dieses Starters mit Kategorien, Suchfeld, Favoriten und Beenden-Optionen ist aber übersichtlicher und überzeugender als bei den genannten Oberflächen. Lediglich die Transparenz kann je nach Menge und Farbe der darunterliegenden Programmfenster den Überblick beeinträchtigen.

Als „Maui Installationsprogramm“ arbeitet das zunehmend beliebtere Calamares, das beim wesentlichen Schritt „Partitionen“ auch kompliziertere Situationen beherrscht wie etwa das Verkleinern einer bestehenden Partition.

Die Distribution Maui Linux ersetzt das klassische KDE-Startmenü durch einen bildschirmfüllenden Starter.
Vergrößern Die Distribution Maui Linux ersetzt das klassische KDE-Startmenü durch einen bildschirmfüllenden Starter.

7. Peppermint-OS

Diese britische Distribution basiert in ihrer aktuellen Version 9 auf einem Ubuntu 18.04 LTS. Der besondere Fokus von Peppermint-OS liegt auf der Internet-und Cloudanbindung. Es bietet deutlich mehr als nur den üblichen Browser und Mailclient. Google Drive, Google Mail, Microsoft Office Online, Dropbox, Pixlr, Bittorrent sind allesamt vorbildlich integriert. Die Dienste von Microsoft und Google zeigen sich in Firefox ohne Fensterleisten und ohne die typischen Browserelemente. Die so geöffneten Webapps wirken wie lokal installierte Anwendungen. Für die Desktopintegration weiterer Webapps wie Facebook oder Instagram gibt es ein Extratool mit dem Namen „Ice“.

Ungeachtet seiner Konzeption als Livesystem und Webspezialist lässt sich Peppermint über die Ubuntu-Quellen mühelos zu einem schlanken Allzweckdesktop erweitern, sofern das System aus dem Livebetrieb mit dem Ubuntu-Installer ordentlich auf Festplatte installiert wird. Die Distribution benutzt standardmäßig einen ansehnlichen XFCE-Desktop, der zwar nicht modern ist, aber schnell, schlank und funktional.

Webzentriert: Peppermint eignet sich für Nutzer, die das Meiste online und in der Cloud erledigen.
Vergrößern Webzentriert: Peppermint eignet sich für Nutzer, die das Meiste online und in der Cloud erledigen.

8. Solus-OS

Die aus Irland stammende Distribution Solus ist ein unabhängiges Linux mit der Desktop-Eigenentwicklung Budgie. Besonderheiten sind ein flotter Systemstart und eine vorbildlich aufgeräumte, kontrastive, dabei aber dezente Benutzerführung ohne Schnickschnack.

Budgie ist ein reduzierter und dadurch auch sparsamerer Gnome-Desktop mit schlichtem Menü und ohne „Aktivitäten“. Andererseits gibt es eine zusätzliche Budgie-Seitenleiste, die sich nach Klick auf das rechte äußerste Pfeilsymbol der Systemleiste einblendet: Sie lagert Controls wie Kalender, Lautstärkeregler und Benachrichtigungen in diese Extraleiste aus. Der Wert dieser Leiste wird nach unserer Ansicht überschätzt, man sollte sich aber damit anfreunden, da hier auch die Beenden-Optionen untergebracht sind.

Auf die typischen Gnome-Komponenten wie das Gnome-Control-Center („Einstellungen“) oder den Dateimanager Nautilus greift auch Budgie zurück. Weitere Software gibt es im grafischen Softwarecenter, das allerdings sein eigenes Paketformat nutzt und noch nicht den Umfang von deb-oder rpm-Paketen anbieten kann.

Solus mit Budgie-Desktop: Die unaufgeregte, klare Bedienerführung ist ein Tipp für sachliche Pragmatiker.
Vergrößern Solus mit Budgie-Desktop: Die unaufgeregte, klare Bedienerführung ist ein Tipp für sachliche Pragmatiker.

9. True OS

Diese auf Free BSD basierende Distribution stammt aus USA und setzt ihren Fokus auf die Datensicherheit. Zu den Besonderheiten zählen das Dateisystem ZFS und vor allem die portable Home-Verschlüsselung mit „Personacrypt“. Diese Spezialfunktion fällt schon beim Setup und der Einrichtung des Erstkontos ins Auge. Sie erscheint auch im eingerichteten System im „Usermanager“ für alle Benutzerkonten. Es handelt sich um die optionale Verschlüsselung des jeweiligen Home-Verzeichnisses. Wie bei Linux kann das Home-Verzeichnis geschützt werden, indem bei „Device“ die Option „On Disk Encryption (PEFS)“ gewählt wird. True OS kann aber an dieser Stelle mehr: Bei angeschlossenem USB-Datenträger wird dieser als „Device“ angezeigt und kann dann als Ziel für die verschlüsselten Dateien definiert werden. Das unter „Personacrypt“ eingegebene Passwort ist unabhängig vom Systempasswort.

Im laufenden Betrieb reagiert True OS auf Personacrypt-Konten wie folgt: Konten mit lokaler „On-Disk-Verschlüsselung“ werden am Anmeldebildschirm immer angezeigt, selbstverständlich auch alle Konten ohne jede Verschlüsselung. Personacrypt-Konten mit externen USB-Medien erscheinen jedoch nicht, wenn der passende USB-Datenträger nicht angeschlossen ist. Die Anmeldung eines solchen Kontos ist nur möglich, wenn der Nutzer seinen Datenträger dabei hat und anschließt.

Für Personacrypt muss der Nutzer aber einige Defizite ein Kauf nehmen: Zunächst bietet True OS kein Livesystem zum Ausprobieren, sondern muss zwingend installiert werden. Der Download enthält also nur den Installer. Dieser wiederum ist vom Komfort eines Ubiquity oder Calamares ebenso weit entfernt wie der Lumina-Desktop von einem XFCE, Gnome oder KDE.

Das Öffnen von „Personacrypt“-Konten erfordert u.a. den Anschluss des passenden USB-Laufwerks.
Vergrößern Das Öffnen von „Personacrypt“-Konten erfordert u.a. den Anschluss des passenden USB-Laufwerks.

10. Ubuntu Mate 18.04.2

Das Alleinstellungsmerkmal des britischen Ubuntu Mate ist es geradezu, dass ihm ein solches fehlt. Es ist ein Allzwecksystem im allerbesten Sinne, läuft auf praktisch jeder Hardware und taugt für Einsteiger wie für Desktopbastler. Wer ein unkompliziertes und anspruchsloses Arbeitstier sucht, liegt mit Ubuntu Mate genau richtig. Die Oberfläche ist etwas altbacken, aber unkompliziert und für engagierte Nutzer enorm flexibel. Neben KDE ist Mate der wahrscheinlich anpassungsfähigste Linux-Desktops, erfordert dabei aber bei weitem nicht so viel Einarbeitungszeit. Die Leistenanpassungen und Desktopgestaltung gelingen mühelos per Kontextmenüs.

Eine Besonderheit ist das Tool „Mate Tweak“, das im Abschnitt „Leisten“ Anordnungen anbietet, die Windows nahekommen oder sich an Mac-OS orientieren. Sogar eine Favoritenleiste im Stil des verblichenen Unity-Desktops kann dieses Tool platzieren. Als grafischer Paketmanager arbeitet die „Software Boutique“ oder alternativ apt get install […] im Terminal und die Einrichtung des Systems erfolgt mit dem bewährtem Ubuntu-Installer.

Mit Ubuntu und Mate-Oberfläche kann man nichts falsch machen.
Vergrößern Mit Ubuntu und Mate-Oberfläche kann man nichts falsch machen.

Alternative und spezialisierte Desktop-Distributionen

Name

Website

Download

Beschreibung

Antix 17.3

https://antixlinux.com

1000

besonders anspruchsloses Debian für ältere Rechner

Blank On 11.0

https://www.blankonlinux.or.id

1800

originelle Interpretation des Gnome-Desktops

Endless OS 3.5.4

https://endlessos.com

1700

unkomplizierter Desktop für Anfänger

KDE Neon 2019-01-24

https://neon.kde.org

1800

schicker und aktuellster Desktop KDE Plasma

Manjaro Architect 18.0

https://manjaro.org

580

modulares Systemsetup für Bastler (Installer)

Maui Linux 17.6

https://mauilinux.org

2000

Originelle Interpretation des KDE-Plasma-Desktops

Peppermint-OS 9

https://peppermintos.com

1400

Desktopsystem mit Web- und Cloudfokus

Solus-OS Budgie 3.99

https://getsol.us

1500

schnelles System mit eigenem Budgie-Desktop

True OS 18.12

https://www.trueos.org

2300

Desktopsystem mit Datenschutzextras

Ubuntu Mate 18.04.2

https://ubuntu-mate.org

2000

klassischer und anpassungsfähiger Allzweckdesktop

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