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Wine: So nutzen Sie das "Ersatz-Windows" in Linux-Form

05.04.2017 | 08:33 Uhr |

Wine ist ein Nachbau der Windows-API, der eine Vielzahl von Windows-Programmen unter Linux lauffähig macht. Wo immer dies funktioniert, ist es gegenüber einer Virtualisierungslösung der direktere Weg.

Wer auf bestimmte Windows-Programme nicht verzichten kann, der hat drei Möglichkeiten – Windows via Dualboot nutzen , Windows in einer virtuellen Maschine unter Linux installieren oder die gewünschte Software per Wine starten. Diese dritte Möglichkeit sollten Sie immer als erste Option testen: Wenn die Software mitspielt, ist dies die komfortabelste Option, zudem erübrigt es den Start eines nativen oder virtuellen Windows.

Über Wine und sein Frontend Play On Linux allgemeingültige, praxisnahe Anleitungen zu liefern, ist allerdings nicht einfach: Streng genommen kann man immer nur das erfolgreiche Einrichten genau eines Windows-Programmes erklären. Bei der nächsten Software kann sich der Vorgang schon wieder deutlich unterscheiden, und einen dritten Kandidaten überreden auch trickreiche Nachbesserungen nicht zur Zusammenarbeit. Dieser Artikel kann daher nur die Grundregeln beschreiben.

1. Zum Verhältnis von Wine zu Play On Linux

Wine („Wine Is Not an Emulator“) stellt die eigentliche Laufzeitumgebung und Windows-API (Application Programming Interface) bereit und basiert auf mühevoller Rekonstruktion des nicht offenen Windows-Quellcodes durch Experimentieren und Reverse-Engineering. Aufgrund dieser Arbeitsweise ist die von Wine angebotene Windows-API auch nach über 20 Jahren der Entwicklung immer noch lückenhaft, allerdings reicht sie mittlerweile für viele und teilweise auch komplexe Windows-Programme und -Spiele wie Photoshop oder Half-Life aus. Welche Windows-Software unter Wine zuverlässig läuft, zeigt die bereitgestellte Datenbank . Linux-Nutzer mit wenig Erfahrung sollten sich an die Kategorien „Platin“ und „Gold“ halten, da alle anderen Einstufungen manuelles Nachbessern erfordern.

Play On Linux ist im Prinzip nur ein zusätzliches Konfigurationswerkzeug für Wine. Aber es vereinfacht Installationen von Software und bietet eine komfortable Verwaltung für mehrere Wine-Versionen auf einem Rechner. Es ist nämlich keineswegs so, dass die aktuellste Wine-Version auch die beste für jede Windows-Software darstellt. Vielmehr gibt es vor allem für ältere Software ältere Wine-Versionen, die die optimalen Bedingungen garantieren.

Mit Play On Linux nimmt zwar die Wine-Komplexität weiter zu, dennoch gehen wir nachfolgend davon aus, dass Sie Wine in Kombination mit diesem grafischen Frontend nutzen. Das ursprüngliche Ziel des Frontends war es, populäre Windows-Spiele besonders komfortabel lauffähig zu machen – daher der Name des Tools. Heute hat Play On Linux aber auch Windows-Programme wie Microsoft Office oder Dreamweaver im Repertoire.

Hinter dem Frontend bleibt Winecfg (rechts) das maßgebliche Konfigurations-Tool, das festlegt, welche Laufwerke die Windows-Software „sieht“.
Vergrößern Hinter dem Frontend bleibt Winecfg (rechts) das maßgebliche Konfigurations-Tool, das festlegt, welche Laufwerke die Windows-Software „sieht“.

2. Wine-Installation über Play On Linux

Obwohl es unter den Linux-Distributionen auch einige Ausnahmen gibt: In den allermeisten Fällen sind die Pakete Wine und Play On Linux aus dem einfachen Grund nicht vorinstalliert, weil sie relativ viel Platz beanspruchen und die installierbaren Live-Systeme um circa 200 MB anwachsen lassen. Unter Debian , Ubuntu , Mint und Varianten installiert der Terminal-Befehl

sudo apt-get install playonlinux curl p7zip-full

alle notwendigen Komponenten.

Vor dem Start von Playonlinux, das sich unter der Rubrik „Spiele“ in das Mint-Startmenü einträgt, sollten Sie als Erstes Winecfg aufrufen, am einfachsten im Terminal. Beim Start dieses Konfigurationstools werden oft noch fehlende Komponenten angemahnt, des Weiteren wird die automatische Nachinstallation angeboten. Außerdem können Sie vorab festlegen, welche Laufwerke die Windows-Software nutzen darf. Erst im Anschluss daran starten Sie Playonlinux über das Startmenü oder das Dash. Nach diesen Aktionen sind schon wichtige Ordnerstrukturen sowie virtuelle Laufwerke angelegt. Sie finden im Home-Verzeichnis den versteckten Ordner „~/.Playonlinux/wineprefix“, welcher die virtuellen Laufwerke für alle späteren Installationen aufnimmt.

Neueste Wine-Version

Die Entwicklung bei Wine schreitet sehr langsam voran. Eine brandaktuelle Version ist aus diesem Grund lediglich dann erforderlich, wenn Sie genau wissen, dass die gewünschte Windows-Software die neueste Wine-Version benötigt. Wenn es daher die neueste Wine-Version sein muss, ist für Ubuntu und Mint ein alternatives PPA (Personal Package Archive) mit den jüngsten Entwicklerversionen erhältlich. Dafür nehmen Sie in der Kommandozeile das PPA auf und installieren die aktuellste verfügbare Wine-Version:

sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-wine/ppa sudo apt-get update sudo apt-get install wine1.7

Auch Play On Linux bieten die meisten Repositories nicht in der aktuellsten Version. Die jeweils aktuellste Version erhalten Sie auf Ubuntu und Linux Mint mit diesen vier Befehlen:

get -q „http://deb.playonlinux.com/public.gpg“ -O-| sudo apt-key add - sudo wget http://deb.playonlinux.com/playonlinux_trusty.list -O /etc/apt/sources.list.d/playonlinux.list sudo apt-get update sudo apt-get install playonlinux

Deutschsprachige Anleitungen zur Installation unter anderen Distributionen bietet die Webseite www.playonlinux.com/de/ .

3. Varianten der Software-Installation

Nach dem Aufruf von Play On Linux klicken Sie als Erstes auf „Datei -> Installieren“. Das damit geöffnete Installationsmenü zeigt eine Vielzahl von Windows-Programmen und Spielen an, für die es bewährte Installations-Scripts gibt. Mithilfe der Auswahl und einem Klick auf „Installieren“ einer dieser Software-Vorgaben sind Sie einigermaßen auf der sicheren Seite. Einigermaßen sicher aus dem Grund, weil sich zum Beispiel eine genau analysierte Software wie ein Microsoft Office standardmäßig ohne Probleme installieren lässt, das Setup aber scheitert, wenn man versucht, eine benutzerdefinierte Auswahl der Komponenten zu treffen.

Der Play-On-Linux-Assistent in Wine fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.
Vergrößern Der Play-On-Linux-Assistent in Wine fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.

In den meisten Fällen benötigen Sie ein reguläres Installationsmedium (also CD/DVD oder auch eine ISO-Datei), das Sie am besten schon vorher mithilfe von „Öffnen mit -> Einhängen von Laufwerksabbildern“ gemountet haben. Bei Open-Source-Software fragt Play On Linux nach keinem Installationsmedium, sondern lädt die Dateien aus dem Internet und installiert automatisch. Das bei der Installation neu entstehende Wine-Prefix sowie das zugehörige Verzeichnis unter „~/.PlayOnLinux/wineprefix“ erhält jeweils den Namen der Software.

Die manuelle Setup-Variante: Wenn die gewünschte Software in den Vorgaben unter „Datei -> Installieren“ nicht enthalten ist, können Sie den folgenden Weg versuchen: Im Installationsdialog klicken Sie ganz unten auf „Installiere ein Programm, das nicht aufgelistet ist“. Damit startet die manuelle Installation, bei der Sie die Option „Installiere ein Programm in einem neuen virtuellen Laufwerk“ anklicken und für die neue Umgebung einen Namen vergeben. Den nächsten Dialog überspringen Sie mit „Weiter“, sofern Sie mit den dortigen Optionen nichts anfangen können. Wenn die Aufforderung „Bitte wähle die Installationsdatei…“ erscheint, navigieren Sie mit „Durchsuchen“ zur gewünschten Setup-Datei. Ob die Installation funktioniert und danach auch die Software, muss der Versuch zeigen.

Manuelle Kopie portabler Software: Portable Windows-Programme benötigen bekanntlich keine Installation. Mit solcher Software lässt es sich besonders einfach experimentieren: Kopieren Sie in eine bereits existierende Laufzeitumgebung unter „~/.PlayOnLinux/ wineprefix/[Name]/drive_c/Program Files“ beliebige portable Programme einfach mit dem Dateimanager. Daraufhin gehen Sie im Hauptdialog von Play On Linux auf „Konfigurieren“ und markieren den Namen der betreffenden Laufzeitumgebung. Als Nächstes erscheint die Schaltfläche „Lege eine neue Verknüpfung dieses virtuellen Laufwerks an“, die eine Suche nach ausführbaren Windows-Executables (*.exe) startet. Hier klicken Sie nun auf die gewünschte Programmdatei und auf „Weiter“. Dadurch entsteht ein neuer Programmeintrag im Hauptdialog von Play On Linux sowie zusätzlich noch eine Desktop-Verknüpfung.

Ob das portable Programm dann auch tatsächlich läuft, erweist sich nach einem Klick auf „Ausführen“ im Hauptdialog. Der Erfolg ist ungewiss, aber Sie können in einem einzigen Wine-Prefix durch schlichtes Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner Dutzende von Anwendungen ausprobieren. Bei kleineren Tools und einfachen Spielen stehen die Chancen generell gut.

Ergebnis aller Installationsvarianten: Für jede Software ist immer eine bestimmte Wine-Version zuständig. Bei den Programmen, die der Installationsdialog anbietet, holt Play On Linux automatisch die passende Wine-Version mit an Bord. Bei manuellen Installationen arbeitet normalerweise die Default-Version des Betriebssystems. Einmal installierte Programme erscheinen im Hauptdialog von Play On Linux und lassen sich dort „Ausführen“, „Debuggen“, „Deinstallieren“ und genauer „Konfigurieren“. Eine komplette Prefix-Umgebung können Sie unter „Konfigurieren -> Entfernen“ wieder löschen. Falls dies nicht klappt, löschen Sie einfach den betreffenden Ordner unter „~/.PlayOnLinux/wineprefix“.

Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.
Vergrößern Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.

4. Debugging, Experimente und manuelles Nachbessern in Wine

Wine bietet eine erstaunlich zuverlässige Basis der Windows-API, kann aber natürlich nicht die zahllosen Spezialitäten berücksichtigen, wie sie Tausende von Windows-Programmen voraussetzen. Das beginnt bei harmlosen Registry-Einträgen und geht bis zu speziellen DLL-Versionen, .Net-oder DirectX-Versionen. Bei besonders prominenter Software ist der Ehrgeiz der Community groß, diesen Spezialitäten mit genau recherchierten Installations-Scripts Rechnung zu tragen.

Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.
Vergrößern Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.

Bei weniger prominenter Software ist Wine die solide Basis, die aber oft erst durch eigenes Experimentieren zum Erfolg führt: Wenn ein Windows-Programm nach der Installation nicht läuft, bedeutet das nicht, dass es prinzipiell nicht funktioniert. Wer die Struktur von Play On Linux verstanden hat und darüber hinaus einige Windows-Kenntnisse mitbringt, der hat durchaus gute Chancen, eine störrische Software durch Experimentieren zur Arbeit zu bewegen:

Jedes installierte Programm lässt sich im Play-On-Linux-Hauptdialog markieren und daraufhin auf der rechten Seite mit dem Link „Ausführen“ starten. Wenn dies nicht funktioniert, starten Sie das Programm an gleicher Stelle mit dem Link „Debug“, um das Debug-Logfile anzuzeigen. Das Logfile nennt die Probleme deutlich beim Namen – etwa „Library XYZ.DLL not found…“. Allgemeine Windows-Komponenten wie DirectX und .Net lassen sich über den Link „Konfigurieren“ unter der Registerkarte „Installiere Komponenten“ genau für dieses Programm nachrüsten. Wenn aber – wie im obigen Beispiel – ganz spezielle, fehlende DLL-Dateien genannt werden, hilft nur eines: Kopieren Sie die fehlenden Dateien von einer parallelen Windows-Installation manuell nach Linux. Zielordner ist entweder „~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/windows/system32“ oder direkt das Programmverzeichnis „~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/Program Files/[Programm]“.

Der Hersteller Canonical plant, seine beliebte Linux-Distribution Ubuntu auch für mobile Geräte herauszubringen. Sie soll nicht nur auf neuen Geräten erscheinen - erfahrene Anwender und Entwickler werden sich das System auch auf bereits verfügbaren Android-Geräten installieren können. Wir haben uns auf dem MWC am Stand von Canonical umgesehen und uns Ubuntu für Mobilgeräte vorführen lassen. Das Interview dazu haben wir auf Englisch geführt.

Wenn Sie die DLL-Dateien unter System32 ablegen, dann starten Sie in Play On Linux über „Konfigurieren -> Wine -> Wine konfigurieren“ das Tool Winecfg, um dort unter „Bibliotheken -> Neue Überschreibung für“ die gewünschte Bibliothek auszuwählen. Mittels „Festlegen“ erstellen Sie eine neue Regel, die Sie mit „Bearbeiten“ ändern. Mithilfe der Einstellung „Native“ nutzt Wine die manuell kopierte, originale Windows-DLL im virtuellen System32-Ordner statt der eingebauten Wine-Bibliothek (Builtin).

Wenn Programme laut Debug-Meldung originale Windows-DLLs fordern, kopieren Sie diese und teilen das Winecfg mit.
Vergrößern Wenn Programme laut Debug-Meldung originale Windows-DLLs fordern, kopieren Sie diese und teilen das Winecfg mit.

Was für fehlende Komponenten gilt, gilt ähnlich auch für fehlende Informationen in der Windows-Registry. Diese liegt in Form der beiden Dateien system.reg und user.reg im Basisverzeichnis des jeweiligen Wine-Prefix – also unter „~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]“. Theoretisch können Sie diese Dateien manuell bearbeiten, was für eine Handvoll Zeilen sicher noch praktikabel ist. Es gibt aber einen wesentlich komfortableren Weg: Auch hier benötigen Sie wieder ein Windows-Referenzsystem, auf dem die betreffende Software fehlerlos läuft. Dort benutzen Sie den Registry-Editor Regedit und suchen den Hauptschlüssel der Software – meistens [Hkey_Current_User\Software\[Programmname]. Nach Rechtsklick und „Exportieren“ wählen Sie als Ausgabeformat „Win9x-/NT-Registrierungsdateien“ und einen sprechenden Dateinamen.

Diese Exportdatei lässt sich bequem in die Registry auf dem Linux-System importieren. Dazu markieren Sie im Hauptdialog von Play On Linux das maßgebliche Programm und klicken in der rechten Spalte auf den Link „Konfigurieren“ und danach auf die Registerkarte „Wine“. Hier finden Sie die Schaltfläche „Registrierungseditor“. Dieser entspricht exakt jenem unter Windows, und mit „Registry -> Registry importieren“ holen Sie die vorher erstellte Reg-Datei in die Registry Ihres Wine-Prefixes.

Das Einrichten fordert drei Schritte – hier der Zwischenschritt mit der Umleitung zu Play On Linux.
Vergrößern Das Einrichten fordert drei Schritte – hier der Zwischenschritt mit der Umleitung zu Play On Linux.

Dateizuordnungen festlegen

Wie der Hauptdialog von Play On Linux unter „Einstellungen -> Dateizuordnungen“ verspricht, lassen sich Dateitypen anhand ihrer Extension mit einem Wine-Windows-Programm verknüpfen. Ziel ist es, mit einem Doppelklick im Linux-Dateimanager direkt die passende Windows-Software zu laden.

Legen Sie unter „Dateizuordnungen“ mit der Schaltfläche „Neu“ einen neuen Eintrag an. Ein Beispiel wäre etwa die Extension „.xlsx“, falls Sie diese mit Microsoft Excel verknüpfen wollen. Danach klappen Sie neben „Zugewiesenes Programm“ die Drop-down-Liste der möglichen Wine-Programme auf, wählen das gewünschte Excel und klicken auf „Anwenden“. Damit haben Sie Play On Linux darüber informiert, dass es für die Extension „.xlsx“ eine Standardanwendung gibt, der Linux-Dateimanager weiß davon allerdings noch nichts.

Wie der Dateimanager am besten zu informieren ist, darüber finden Sie im Web einige halbrichtige Anleitungen. Nach unserer Erfahrung (mit Nautilus unter Ubuntu und Nemo unter Mint) ist der sicherste Weg folgender: Sie gehen im Terminal mit „cd“ zu einem Verzeichnis, das eine Datei mit der gewünschten Extension enthält. Dort geben Sie nach „mimeopen –d“ den Dateinamen an:

mimeopen –d [Dateiname.ext]

Geben Sie im folgenden Schritt die Ziffer ein, die vor „Other“ steht. Damit weisen Sie dem Dateityp unabhängig von bisherigen Vorgaben ein neues Standardprogramm zu. Neben „use command:“ geben Sie jetzt einfach den Befehl „playonlinux“ ein. Damit gibt der Dateimanager die Verantwortung für diesen Typ an Play On Linux weiter und dieses weiß wiederum aufgrund der vorher getätigten Dateizuordnung, was es starten soll.

Im letzten Schritt klicken Sie jetzt im Dateimanager eine beliebige Datei dieses Typs rechts an und wählen „Eigenschaften -> Öffnen mit“. Dort sollte jetzt unter anderem auch der Eintrag „playonlinux“ auftauchen, den Sie mit Klick auf die gleichnamige Schaltfläche „Als Vorgabe festlegen“.

Virtualbox: So läuft ein komplettes Windows unter Linux

Sollten Sie typische Windows-Software unbedingt benötigen und mit Wine und Playonlinux nichts erreichen, gibt es immer noch den Weg über eine virtuelle Maschine. Systemvirtualisierung klingt anspruchsvoll und ist es technisch auch, aber Vmware , Virtualbox und Co. legen die Hürde für Desktop-Anwender mittlerweile wirklich niedrig. Für den Alltagsgebrauch genügt ein prinzipielles Verständnis für virtuelle Festplatten und ISO-Images. Als Hardware empfiehlt sich allerdings ein Rechner mit wenigstens Quadcore-CPU und 4 GB RAM.

Mit der Virtualbox-Einstellung „Netzwerkbrücke“ erhält die Windows-VM Zugriff auf die lokalen Netzfreigaben. So lassen sich Dateien einfach zwischen Windows und Linux austauschen.
Vergrößern Mit der Virtualbox-Einstellung „Netzwerkbrücke“ erhält die Windows-VM Zugriff auf die lokalen Netzfreigaben. So lassen sich Dateien einfach zwischen Windows und Linux austauschen.

Wir beschränken unsere Kurzanleitung auf die freie Virtualisierungssoftware Virtualbox von Oracle. Sie beziehen diese unter Linux Mint am einfachsten in der „Anwendungsverwaltung“, indem Sie nach „Virtualbox“ suchen. Für den Betrieb sind mindestens die Pakete „Virtualbox (base)“ sowie „Virtualbox“ (Oberfläche) erforderlich. Für eine bessere Grafikleistung und eine gemeinsame Zwischenablage gibt es optionale Gasterweiterungen für Windows-und Linux-Systeme.

Ein neues virtuelles Windows erstellen Sie über die blaue Schaltfläche „Neu“. Tippen Sie hinter „Name:“ eine aussagekräftige Bezeichnung wie etwa Windows 7 ein. Wählen Sie hinter „Typ:“ den Eintrag „Microsoft Windows“ und darunter die Version des Systems. Im nächsten Schritt des Assistenten wählen Sie „Festplatte erzeugen“ und übernehmen daraufhin in den weiteren Dialogen die Standardeinstellungen.

Nach Abschluss des Assistenten sind für Windows-Gastsysteme folgende Anpassungen zu empfehlen: Unter „Anzeige“ sollten als „Grafikspeicher“ mindestens 64 MB eingestellt sein, die Optionen „3D-Beschleunigung“ sowie „2D-Video-Beschleunigung“ sollten aktiviert sein. Jetzt starten Sie das System mit dem grünen Pfeil „Starten“. Da Sie bisher kein Startmedium angegeben haben, fragt Virtualbox danach.

Navigieren Sie anschließend zum ISO-Image der gewünschten Windows-Version oder verwenden Sie das physische DVD-Laufwerk mit eingelegter Windows-Setup-DVD. Dann erledigen Sie die Windows-Installation wie gewohnt.

Um das virtuelle Windows mit der benötig-ten Software auszustatten, gibt es verschiedene Wege. Am einfachsten ist es, ISO-Images der jeweiligen Software einzubinden und die-se von dort aus zu installieren. Mithilfe von „Ändern -> Massenspeicher“ sowie dem Plus-Symbol binden Sie ein Image als Laufwerk in die Windows-Maschine ein. Dieses finden Sie beim nächsten Start der VM im Windows-Explorer, wonach Sie die Software installieren.

Ein weiterer einfacher Weg bietet sich an, wenn die Software als EXE-oder MSI-Installer vorliegt. Benutzen Sie nach „Ändern -> Netzwerk“ den Netzwerkadapter von „NAT“ (Standard) auf „Netzwerkbrücke“. Damit sieht die Windows-VM das gesamte lokale Netz und kann sodann von jeder Freigabe installieren. Die Einstellung ist relativ ressourcenintensiv, kann allerdings nach erfolgten Installationen auch wieder auf „NAT“ gesetzt werden.

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