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"Windows Ink": Windows 10 mit einem Stift bedienen

22.06.2019 | 09:09 Uhr |

Da auch immer mehr Windows-10-Geräte per Digitalstift bedient werden können, hat Microsoft seinem Betriebssystem den neuen Arbeitsbereich „Windows Ink“ spendiert. Wir zeigen Ihnen, was Sie erwartet.

Windows-PCs werden schon lange nicht mehr ausschließlich per Maus und Tastatur bedient. Geräte, die mit einem Touch-Display ausgestattet sind, lassen sich ebenso einfach durch Wisch- und Tippgesten steuern – im Desktop- sowie im Tablet-Modus. Und seit der Integration von Cortana lassen sich immer mehr Funktionen und Apps auch mittels Spracheingabe aktivieren. Die vierte Möglichkeit stellt die Stifteingabe dar. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei der Stifteingabe, die Microsoft als Windows Ink bezeichnet, um eine Art erweiterte Berührungssteuerung. Einziger Unterschied ist, dass die Spitze des Digitalstifts mit dem Display „kommuniziert“, was unter anderem unterschiedliche Schriftstärken ermöglicht. Der von Microsoft entwickelte Surface-Stift der zweiten Generation unterstützt beispielsweise 4.096 Druckempfindlichkeitsstufen – weit mehr als jeder „analoge“ Stift. Zudem lässt sich die Spitze neigen, etwa um großflächige Bereiche zu schraffieren.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen nicht nur, welche Windows-Funktionen für die Stiftnutzung optimiert wurden, sondern stellen Ihnen auch die Neuerungen vor, die das Windows 10 April 2018 Update gebracht hat. Darüber hinaus informieren wir Sie über die wichtigsten Stifteingabefunktionen in den Office-Anwendungen.

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Die Stifteingabe von Windows 10 kann in der Praxis überzeugen

Nicht nur Microsoft bringt mit seiner Surface-Serie Windows-10-Geräte auf den Markt, die für die Stifteingabe optimiert sind. Auch andere namhafte Hersteller, darunter Asus, HP und Lenovo bieten solche Produkte an – in den meisten Fällen als 2-in-1-Modelle, also als Geräte, die sich sowohl als Notebook als auch als Tablet einsetzen lassen. Die große Gemeinsamkeit dieser Geräte ist, dass meist ein Digitalstift zum Lieferumfang gehört, sodass die Kopplung mit dem Windows-10-Gerät bereits während der Einrichtung des Betriebssystems erfolgt.

Ein Anlernen, so wie das früher der Fall war, ist nicht zwingend erforderlich. Allerdings ist es ratsam, ein wenig mit dem Stift zu üben, um die Erkennungsrate zu verbessern. Wechseln Sie zu den „Windows-Einstellungen“ und wählen Sie erst „Geräte“, dann „Stift & Windows Ink“. Linkshänder können in diesem Dialog die „Linke Hand“ als „Schreibhand auswählen“. Blättern Sie nach unten zum Bereich „Handschrift“, können Sie seit dem Redstone-4-Update die Schriftart auswählen, die bei der handschriftlichen Eingabe verwendet werden soll. Ein Klick auf den Button „Erkennung verbessern“ öffnet den Dialog „Handschrifterkennungsanpassung“, in dem Sie den Link „Die Handschrifterkennung auf die eigene Handschrift trainieren“ anklicken, „Sätze“ wählen und den Anweisungen des Assistenten folgen. Alles in allem müssen Sie 50 vorgegebene Sätze schreiben. Per Klick auf „Vorübergehend speichern“ werden Ihre Fortschritte gesichert, sodass Sie den Vorgang abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen können. Ob Sie – wie abschließend angeboten – eine Handschriftenprobe an Microsoft senden, bleibt Ihnen überlassen.

Mit der pfiffigen Gratis-App Microsoft Font Maker designen Sie Ihre eigene Schriftart.
Vergrößern Mit der pfiffigen Gratis-App Microsoft Font Maker designen Sie Ihre eigene Schriftart.

Schließen Sie den Assistenten mit „Aktualisieren und beenden“. Sobald Windows die neuen Informationen verarbeitet hat, werden Sie per Bildschirmhinweis darauf aufmerksam gemacht. Die besten Ergebnisse erzielen Sie übrigens, wenn Sie das Gerät flach auf den Schreibtisch legen und zum Tabletmodus wechseln.

Was kaum ein Nutzer weiß: Microsoft bietet die englischsprachige App Microsoft Font Maker gratis im hauseigenen App-Store an. Damit können Sie Ihre ganz persönliche Schriftart designen. Die Vorgehensweise ist einfach: Im ersten Schritt schreiben Sie das Alphabet, die einstelligen Zahlen und einige Sonderzeichen in die entsprechenden Kästen, anschließend stehen drei Beispielsätze auf dem Programm. Zum Abschluss passen Sie die Textgröße und den Abstand zwischen den Buchstaben und Wörtern an. Nach einem Klick auf „Create“ können Sie Ihre Schriftart als True Type Font (TTF) speichern. Klicken Sie diese Datei anschließend an und wählen Sie „Installieren“, steht die neue Schriftart systemweit zur Verfügung. Nicht gut ist, dass die App keine Umlaute unterstützt.

Der Windows Ink-Arbeitsbereich hat sich kaum verändert

Speziell für Anwender, die Windows 10 auf einem Gerät nutzen, das mit einem Touch-Display ausgestattet ist und zudem die Stifteingabe unterstützt, ist der mit dem Windows 10 Anniversary Update eingeführte Windows Ink-Arbeitsbereich konzipiert. Der Zugriff auf die Funktionen „Kurznotizen“, „Skizzenblock“ und „Bildschirmskizze“ erfolgt wie gewohnt per Klick auf das gleichnamige Systray-Icon – ein Startmenüeintrag ist nicht vorhanden.

Sollte das Systray-Icon auf Ihrem Rechner nicht zu sehen sein, müssen Sie es manuell aktivieren. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf eine freie Fläche der Taskleiste und wählen Sie im Kontextmenü den Befehl „Windows Ink-Arbeitsbereich anzeigen (Schaltfläche)“ aus. Dass es sich hierbei tatsächlich um einen eigenen Arbeitsbereich handelt, erkennen Sie daran, dass der Desktop nach der Auswahl einer Funktion abgedunkelt wird und die Standard-Bedienelemente deaktiviert sind.

Um diesen Modus wieder zu verlassen, schließen Sie den geöffneten Arbeitsbereich per Klick auf das oben rechts platzierte „X“-Symbol.

Neu ist, dass die Stifteingabe nun auch von allen Texteingabefeldern unterstützt wird: Sobald Sie mit der Stiftspitze ein solches Feld berühren, wird der Eingabebereich vergrößert und Sie können losschreiben.

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Aktuelle Office-Anwendungen unterstützen die Stifteingabe

Wie Windows ist auch Office ein Produkt, das Microsoft permanent verbessert und um neue Funktionen erweitert. Dies gilt aber nur für die beiden unter der Bezeichnung Office 365 vertriebenen Aboversionen Office 365 Personal und Office 365 Home. PC-Nutzer, die sich für den Kauf einer Office-2016-Edition entschieden haben, zum Beispiel Office 2016 Professional, erhalten lediglich Stabilitäts- und Sicherheitsupdates – neue Funktionen gibt es hingegen keine. Und dass, obwohl beide Office-Pakete die gleichen Anwendungen enthalten.

In Onenote können Sie mithilfe der Funktion „Mathematik“ handschriftliche Gleichungen lösen.
Vergrößern In Onenote können Sie mithilfe der Funktion „Mathematik“ handschriftliche Gleichungen lösen.

Neu hinzugekommen sind in den letzten Wochen und Monaten viele Funktionen, darunter „Recherche“ in Word und „Schnellstart“ in Powerpoint. Im Zusammenhang mit der Stifteingabe von höchstem Interesse sind hingegen die neuen Funktionen „Freihand-Editor“ und „Wiedergabe in Freihand“, die im Register „Zeichnen“ untergebracht sind. Aktivieren Sie die erstgenannte Funktion, können Sie Word-Dokumente und Powerpoint-Folien mittels Digitalstift bearbeiten. Soll etwa ein Wort, ein ganzer Satz oder ein kompletter Abschnitt gelöscht werden, streichen Sie den jeweiligen Text einfach durch. Prima: Der Textfluss passt sich automatisch an. Darüber hinaus lassen sich Texte formatieren, indem Sie den gewünschten Bereich mit dem Stift einkreisen und im daraufhin angezeigten Dialog die Formatierungsoptionen auswählen. Das Markieren mit dem Leuchtstift ist ebenfalls möglich.

Hilfreich für Nutzer, die oft Dokumente redigieren oder von anderen Personen überarbeitete Word- und Powerpoint-Dateien erhalten, ist „Wiedergabe in Freihand“. Denn die ein wenig unglücklich übersetzte Funktion zeigt Ihnen auf animierte Art und Weise an, in welcher Reihenfolge die handschriftlichen Anmerkungen und Überarbeitungen eingefügt wurden.

Sie können die Wiedergabe jederzeit stoppen sowie zurück- und vorspulen. Schon seit längerem in den Aboversionen von Word, Excel, Powerpint und Onenote vorhanden sind die Stifteingabefunktionen „Freihand in Form“, „Freihand in Gleichung“ und „Mathematik“.

Windows 10 bietet jede Menge neue Funktionen. Einige davon hat Microsoft allerdings ziemlich gut versteckt. Zum Beispiel bietet Windows 10 nun ein Tool zum Aufzeichnen des Bildschirms, man kann ganz einfach Offline-Karten herunterladen und auch die Eingabeaufforderung hat Microsoft aufpoliert. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Video.

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