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Windows-Explorer: Mehr Funktionen und Komfort

30.07.2022 | 08:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Irgendwie kommt man mit dem Windows-Explorer schon klar, allerdings mehr schlecht als recht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie fehlende Funktionen nachrüsten, den Bedienkomfort deutlich erhöhen und den Microsoft-Dateimanager zu Ihrem Super-Explorer aufbohren.

Im Frühjahr hatte Microsoft angekündigt, den Windows-Explorer endlich mit Tabs ausstatten und damit das Dateimanagement am Computer komfortabler zu machen. Wann genau die Tabs freigeschaltet werden und ob es sie nur in Windows 11 oder auch in der Vorgängerversion geben wird, blieb allerdings offen.

Deutlich aber macht die Ankündigung eines: Der im Betriebssystem integrierte Dateimanager weist auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen der ersten Version erhebliche Schwächen auf. Doch die Explorer-Schwächen lassen sich beheben, indem Sie versteckte Einstellungen aktivieren, Erweiterungen und Zusatztools installieren oder gleich ganz auf einen anderen Dateimanager umsteigen. Alternativen gibt es genug, auch wenn der legendäre Norton Commander für 64-Bit-Systeme nicht mehr zur Verfügung steht und damit praktisch Geschichte ist.

Windows-Explorer: Die Unterschiede von Windows 10 und 11

Zusatztools wie hier Start All Back stellen unter Windows 11 die klassische Explorer-Ansicht von Windows 10 wieder her. Ähnliches gilt für Startmenü, Taskleiste und mehr.
Vergrößern Zusatztools wie hier Start All Back stellen unter Windows 11 die klassische Explorer-Ansicht von Windows 10 wieder her. Ähnliches gilt für Startmenü, Taskleiste und mehr.

Änderungen am Explorer gab es schon immer. Wer nochmals einen Blick auf den Dateimanager von Windows 7 wirft, stellt fest, dass er ziemlich altbacken wirkt – so sehr hat man sich über die Jahre an Design und Funktion des Tools unter Windows 10 gewöhnt.

Umso größer war die Überraschung im vergangenen Herbst, als Microsoft bei Windows 11 beim Explorer plötzlich mit einer ganz anderen Bedienung aufwartete. Statt des bisherigen Menübands bietet die aktuelle Version eine Toolbar. Die sieht zwar moderner aus, erlaubt aber mit Kopieren, Einfügen und Ausschneiden deutlich weniger Funktionen im direkten Zugriff. Abhängig vom Ordnerinhalt kommen weitere Optionen hinzu, bei Fotos beispielsweise „Als Hintergrund festlegen“, „Nach links drehen“ und „Nach rechts drehen“.

F5 & Co.: Viele Anwender bedienten den Norton Commander über die Funktionstasten. Der Dateimanager ist legendär, läuft aber nicht mehr auf Windows-PCs mit 64-Bit-Architektur.
Vergrößern F5 & Co.: Viele Anwender bedienten den Norton Commander über die Funktionstasten. Der Dateimanager ist legendär, läuft aber nicht mehr auf Windows-PCs mit 64-Bit-Architektur.

Wenn Sie unter Windows 11 die klassische, vom Vorgänger gewohnte Explorer-Ansicht wiederherstellen möchten, helfen zwei Tools: In Winaero Tweaker klicken Sie auf „Windows 11 –› Enable Ribbon“, aktivieren die Option „Enable the Ribbon UI in File Explorer“ und ändern über „Restart Explorer“ Aussehen und Bedienung des Explorer. Alternativ nutzen Sie Start All Back , hier ändern Sie das Layout über „Explorer –› Win10 Ribbon UI“. 

Ebenfalls deutlich reduziert hat Microsoft in Windows 11 Einträge und Funktionen des Kontextmenüs, sowohl im Explorer als auch auf dem Desktop. Unmittelbar erreichbar ist nur noch das Allerwichtigste, die übrigen Funktionen sehen Sie erst mit einem zusätzlichen Klick auf „Weitere Optionen anzeigen“. Im Einzelfall holen Sie das komplette Kontextmenü mit allen Einträgen über die Tastenkombination Shift- F10 zurück. Um das Kontextmenü von Windows 10 dauerhaft wiederherzustellen, nutzen Sie ebenfalls Winaero Tweaker („Windows 11 –› Classic Full Context Menus –› Enable classic full context menus –› Restart Explorer“) oder Windows 11 Classic Context Menu : Mit diesem praktischen Ein-Klick-Tool stellen Sie das Layout schnell um. Mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Einarbeitung erfordert Explorer Patcher .

Windows 11 Classic Context Menu heißt das Ein-Klick-Tool, mit dem Sie Bedienung und Design des Windows-Explorers unter Windows 11 schnell zwischen „alt“ und „neu“ wechseln.
Vergrößern Windows 11 Classic Context Menu heißt das Ein-Klick-Tool, mit dem Sie Bedienung und Design des Windows-Explorers unter Windows 11 schnell zwischen „alt“ und „neu“ wechseln.

QTTabBar: Tab-Erweiterung für den Windows Explorer

Während bei Microsoft immer noch nicht klar zu sein scheint, wann man den Explorer mit Tabs ausstattet, steht die Funktion mit Qttabbar  schon seit mehr als zehn Jahren zur Verfügung.

So geht’s: Entscheidend für das weitere Vorgehen ist, ob auf Ihrem PC Windows 8.1 beziehungsweise 10 ober bereits Windows 11 läuft. Während für Windows 8.1 und 10 Qttabbar in Version 1043 die richtige Wahl ist, benötigen Sie für das neue Betriebssystem Version 2048 Beta 2. Installieren Sie die für Ihr System passende Qttabbar-Version. Bei Windows 10 melden Sie sich danach kurz ab und wieder an (oder starten den PC neu), öffnen den Windows-Explorer, klicken oben auf den Reiter „Ansicht“ und anschließend rechts unter dem „Optionen“-Symbol auf den Pfeil nach unten. Im Drop-down-Menü aktivieren Sie den Eintrag „Qttabbar“, daraufhin erscheint im Windows-Explorer über dem Datenbereich die neue Tab-Leiste. Unter Windows 11 genügt es, Qttabbar 2048 Beta 2 zu installieren. Die Tabs-Steuerung ist automatisch in den Explorer integriert.

Die Erweiterung Qttabbar stattet den Windows-Explorer nicht nur mit Tabs aus (rot markiert), sondern bietet auch zahlreiche Zusatzfunktionen und lässt sich vielfältig konfigurieren.
Vergrößern Die Erweiterung Qttabbar stattet den Windows-Explorer nicht nur mit Tabs aus (rot markiert), sondern bietet auch zahlreiche Zusatzfunktionen und lässt sich vielfältig konfigurieren.

Das Arbeiten mit den Tabs ist einfach: Über das Plus-Zeichen erstellen Sie neue Tabs für individuelle Pfade, beispielsweise zu Ihren Dokumenten, Ihrer Bilderbibliothek oder anderem. USB-Sticks und andere Wechseldatenträger erscheinen automatisch als Tabs. Ihr Hauptnutzen besteht darin, dass Sie Daten zwischen den Tabs per Drag and Drop mit der Maus verschieben und kopieren können – so wie in einem Dateimanager mit zwei Fenstern.

Tipp: Zur Konfiguration des Explorer-Addons inklusive deutscher Sprachführung klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Plus-Zeichen rechts neben den Tabs und wählen im Kontextmenü „Qttabbar“.

Unterschiedliche Daten und Programme zusammen gruppieren

Was Microsoft als Windows Sets geplant hatte, lässt sich mit Tools wie Groupy oder Tidy Tabs (im Bild) umsetzen: Damit können Sie verschiedene Programm- und Dateiarten zusammen gruppieren.
Vergrößern Was Microsoft als Windows Sets geplant hatte, lässt sich mit Tools wie Groupy oder Tidy Tabs (im Bild) umsetzen: Damit können Sie verschiedene Programm- und Dateiarten zusammen gruppieren.

Die Tools Groupy und Tidy Tabs  erzeugen ebenfalls Tabs. Sie beschränken sich jedoch nicht auf ein einzelnes Programm wie den Explorer oder den Browser, sondern fassen ganz unterschiedliche Applikationen und Dateien zusammen. Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Sie arbeiten an einer Präsentation, in die Sie Bilder, Text aus Word-Dateien und Webinhalte einfügen möchten. Mit Groupy und Tidy Tabs lassen sich diese verschiedenartigen Teile über Tabs so in einem Fenster gruppieren, dass Sie komfortabel und schnell auf alles zugreifen können.

Praktisch sind die beiden Tools vor allem, um mit verschiedenen Dateien und Programmen eines Projektes arbeiten zu können – eine Funktion, die Microsoft als „Windows Sets“ vor Jahren selbst geplant hatte, bislang aber nicht umgesetzt hat. Wenn Sie die Gruppierung ausprobieren möchten, installieren Sie Groupy (30-Tage-Testversion) oder Tidy Tabs Personal (auf drei Tabs beschränkt). Die Vollversionen kosten jeweils gut zehn Euro.

Explorer-Ansicht konfigurieren und Dateimanager mit zwei Fenstern

Microsoft hat im Betriebssystem eine funktionsreduzierte, aber touchoptimierte Explorer- Variante mit größeren Schaltflächen integriert. Sie läuft auch parallel zum Windows Explorer.
Vergrößern Microsoft hat im Betriebssystem eine funktionsreduzierte, aber touchoptimierte Explorer- Variante mit größeren Schaltflächen integriert. Sie läuft auch parallel zum Windows Explorer.

Dass sich die Darstellung der Explorer-Inhalte in Microsofts Dateimanager auf vielfältige Weise darstellen, sortieren, filtern sowie ein- und ausblenden lassen, wissen langjährige Windows-Nutzer. Einstellen können Sie all das in der klassischen Windows- 10-Ansicht über den Reiter „Ansicht“, in der Toolbar-Variante von Windows 11 über „Anzeigen“. Welche Dar- und Einstellung man wählt, hängt sowohl konkret von den Ordnerinhalten als auch von der persönlichen Gewohnheit ab. Gehen Sie deshalb die verschiedenen Möglichkeiten durch und probieren unterschiedliche Ansichten aus.

Ausprobieren können Sie auch die in Windows 10 und 11 versteckte Explorer-Variante, die sich mit ihren größeren Schaltflächen vor allem für die Touchbedienung eignet. Wie Sie den versteckten Dateimanager aktivieren, steht in unserem Tipp .

Tipp: Deutlich einfacher als über die Explorer-Sortierung erfassen Sie mit Treesize Free  auf einen Blick die Ordner und Dateien, die auf dem Datenträger den meisten Platz belegen.

Unverständlich und ärgerlich ist, dass der Explorer unter Windows 11 sämtliche Ordner als gleiche, gelbe Standardsymbole darstellt und im Gegensatz zu Windows 10 keine Thumbnail-Vorschau erlaubt: Das verhindert das schnelle, visuell-intuitive Anklicken. Mit der neuen Windows-Version 22H2 („Herbst-Update“) will Microsoft die Funktion wieder reaktivieren, mit Windows Thumbnail Generator  bekommen Sie die Vorschau jedoch sofort. Nach Installation und Start des Tools wählen Sie über „Browse“ den Ordner aus, den Sie mit einem Vorschausymbol versehen möchten. Anschließend aktivieren Sie die beiden Optionen „Clear Icon Cache“ sowie „Use Shorter Cover“, stellen bei „Max Thumbnails“ 1 oder 2 ein und generieren mit „Start“ die Minivorschau.

Apropos Vorschau: Die App  Quicklook aus dem Microsoft Store stellt Fotos durch Drücken der Leertaste in voller Fenstergröße dar, ohne dass Sie den Explorer verlassen müssen. Ein erneutes Drücken der Leertaste zeigt wieder die Bedienoberfläche des Dateimanagers.

Wer häufig und viele Daten managen muss, kann als Alternative zum Anpassen des Windows-Explorers über einen Dateimanager mit zwei Fenstern nachdenken. Die Auswahl an solchen Programme ist groß, mit Double Commander , Free Commander XE , Multi Commander und Q-Dir finden Sie vier gute Alternativen.

Ebenfalls empfehlenswert ist das Tool Files App aus dem Microsoft Store. Die Explorer-App bietet Tabs, läuft unter Windows 10 und 11 und lässt sich über „Einstellungen –› Multitasking“ auch mit zwei Fenstern einrichten.

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