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Windows 10 Datenschutz: Spionagefunktionen stoppen

28.06.2017 | 10:45 Uhr |

Windows 10 macht viele Dinge einfacher. Dafür zahlen Sie aber einen Preis: Das Betriebssystem sammelt Daten über Sie und schickt sie zur Auswertung an Microsoft. Mit einigen internen Funktionen und dem Gratis-Tool O&O Shutup10 verhindern Sie das.

Bei der 10er Version von Windows hat Microsoft den Bedienkomfort merklich gesteigert. Funktionen wie die intelligente Assistentin Cortana oder die Handschriftenerkennung sollen nicht nur ein effizientes Arbeiten ermöglichen, sondern sich bis zu einem gewissen Grad auch an Sie und Ihre Gewohnheiten anpassen können. Zudem möchte Microsoft von Ihnen sowie den anderen Windows-Anwendern lernen und durch Auswertungen Ihrer Aktionen die Benutzerfreundlichkeit in künftigen Versionen weiter steigern. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass die Firma Ihren Umgang mit dem PC beobachtet und speichert.

Windows 10 Creator's Update: Alle Funktionen im Überblick

Nach teilweise herber Kritik von Datenschützern und Anwendern hat Microsoft im Creators Update vom Frühjahr 2017 die entsprechenden Windows-Funktionen und ihre Datenweitergabe deutlich präsenter gemacht. Während der Aktualisierung zeigt das Betriebssystem einen Bildschirm mit dem Titel „Wählen Sie die Datenschutzeinstellungen für Ihr Gerät aus“, auf dem die wichtigsten Optionen zusammengefasst sind. Zuvor bot Windows 10 an dieser Stelle die Express-Einstellungen an, die zahlreiche Datenübermittlungen an Microsoft und andere Firmen erlaubten. Über das neue Auswahlfenster können Sie über mehrere Schalter ein passendes Profil auswählen:

Mit dem Schalter „ Position “ schalten Sie den Positionsdienst ein und aus. Damit können Windows und Anwendungen auf die Daten eines GPS-Sensors zugreifen (falls vorhanden) sowie WLAN- und IP-Daten auswerten, um Ihren Standort zu bestimmen und beispielsweise Wettermeldungen anzuzeigen. Sie finden diesen Schalter später in den Windows-Einstellungen unter „Datenschutz -> Position“.

Mit „ Spracherkennung “ steuern Sie die eingebaute Spracherkennung von Windows, die vor allem von der Assistentin Cortana genutzt wird. Auf diese Weise können Sie Fragen einfach per Sprachkommando stellen. Um die Qualität der Erkennung zu verbessern, speichert Windows Ihre Anfragen in einem Benutzerwörterbuch, das beim Deaktivieren des Dienstes gelöscht wird. Die Einstellung steht unter „Einstellungen -> Datenschutz -> Spracherkennung, Freihand und Eingabe“.

Die Einstellung „ Diagnose “ bietet die Auswahl zwischen „Einfach“ und „Vollständig“. Hier geht es um die Daten zu Ihrem Windows-System, die an Microsoft übermittelt werden. Damit will die Firma die Stabilität des Betriebssystems verbessern und Informationen über die Art der Nutzung erhalten. Welche Daten dabei genau erhoben werden, erklären zwei englischsprachige Beiträge in der Technet-Datenbank. Unter diesem Link wird die Einstellung „Einfach“ besprochen, unter diesem Link geht es um die Option „Vollständig“. Sie erreichen diese Auswahl unter „Einstellungen -> Datenschutz -> Feedback und Diagnose“.

Die Option „ Individuelle Benutzererfahrung mit Diagnosedaten “ beschäftigt sich dann mit der Frage, was mit den Diagnosedaten geschehen darf. Falls der Schalter auf „Ein“ steht, erlauben Sie, dass die Daten personalisiert werden, so dass sich Windows und die installierten Anwendungen an Ihre Gewohnheiten anpassen können. Auch diesen Schalter finden Sie später wieder unter „Feedback und Diagnose“. Der Schalter „Relevante Werbung“ schließlich aktiviert eine Werbe-ID, die ähnlich wie ein Cookie dazu dient, Sie beispielsweise im Windows Store identifizierbar zu machen und gemäß Ihrer App-Auswahl zielgerichtet mit Werbung zu versorgen. Diese Einstellung können Sie auch in den Einstellungen unter „Datenschutz -> Allgemein“ vornehmen.

Nach dem Aufruf zeigt Ihnen Shutup10 den aktuellen Status Ihrer Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen an.
Vergrößern Nach dem Aufruf zeigt Ihnen Shutup10 den aktuellen Status Ihrer Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen an.

Keiner dieser Schalter ist neu im Creators Update, neu ist lediglich die Zusammenfassung in einem eigenen Fenster. Leider ist diese Übersicht im fertig installierten Creators Update nicht mehr erreichbar und Sie müssen sich die Einstellungen wie schon in der Vorgängerversion einzeln zusammensuchen. Neu hinzugekommen im Creators Update ist jedoch eine andere zentrale Übersicht: Das Windows Defender Security Center erreichen Sie über das Startmenü oder das Suchfeld in der Taskleiste. Es versammelt in fünf Kategorien Anzeigen und Funktionen zum integrierten Virenschutz von Windows, zur Aktualität von Windows und Treibern sowie zur Speicherkapazität, zur Firewall und zum Schutz Ihres Netzwerks, zum SmartScreen-Filter, der Sie vor Phishing- und Malware-Sites schützen soll, sowie zu den Jugendschutz-Optionen. Hier geht es also nicht um die Datenübermittlung an Microsoft, sondern um Sicherheitseinstellungen. Sie können die Vorgaben unbesorgt übernehmen.

Mit dem Creators Update fügt Microsoft Windows 10 jede Menge neue Funktionen hinzu. Unter anderem den Game Mode, der die Spiele-Performance verbessern soll, die rudimentäre 3D-Software Paint 3D, Verbesserungen im Edge-Browser und vieles mehr. Wir haben die wichtigsten Neuerungen der Build 15019 in diesem Video zusammengefasst.

Zentraler Datenschutz mit O&O Shutup 10

Eine Alternative zu der Konfiguration des Datenschutzes über die Funktionen von Windows 10 bietet das Tool O&O Shutup 10 , das diese und andere Einstellungen unter einer Oberfläche zusammenfasst und zudem kostenlos ist. Die Software greift auf die Registry zu, überprüft die aktuelle Konfiguration und zeigt sie in einer langen Liste an. Dort können Sie die Optionen einfach per Schalter aktivieren und deaktivieren. Damit Sie wissen, was Sie tun, liefert Ihnen das Programm jeweils Erläuterungen dazu. Ist der Schalter rot, ist die Voreinstellung von Windows aktiv, grün signalisiert, dass Ihre Privatsphäre geschützt ist. Zudem können Sie anhand von grünen, gelben und roten Symbolen erkennen, welche Einstellungen besonders wichtig sind (grün), welche lediglich empfohlen beziehungsweise eingeschränkt empfohlen sind (gelb) und welche Sie besser nicht anrühren sollten (rot). Über den Button „Aktionen“ können Sie alle Schalter einer der drei Gruppen mit einem Mausklick umlegen. Außerdem finden Sie dort eine Möglichkeit, um einen Systemwiederherstellungspunkt anzulegen, was bei Änderungen an der Registrierdatenbank immer eine gute Idee ist.

Windows 10: Die neuen Sicherheitsfeatures im Creators Update

Ortungsdienste deaktivieren

Falls Sie nicht wollen, dass Windows ständig versucht herauszufinden, wo Sie sich gerade aufhalten, können Sie ihm das über O&O Shutup10 verbieten. Zum einen sollten Sie die Nutzung dieser Informationen für Cortana abschalten. Der entsprechende Schalter heißt „Cortana und der Suche die Nutzung von Positionsdaten verbieten“, und Sie finden ihn im Abschnitt „Cortana (Persönliche Assistentin)“. Um die Positionsbestimmung selbst zu deaktivieren, sollten Sie zusätzlich sämtliche Schalter im Bereich „Ortungsdienste“ auf grün stellen. Schließlich können Sie auch noch den unkontrollierten Zugriff von Apps auf Ihre WLAN-Verbindung untersagen. Der zugehörige Schalter heißt „App-Zugriff auf drahtlose Verbindungen deaktivieren“ und findet sich unter „Sicherheit“. Was Sie beim Surfen zunächst nicht verhindern können, ist die Lokalisierung Ihres PCs über Ihre IP-Adresse. Das klappt leider oft erstaunlich gut. Schutz gegen diese Form der Ortung bietet nur ein VPN-Tool. Empfehlenswert ist etwa die Software PC-WELT Anonym Surfen VPN .

Privatsphäre schützen

Windows sammelt aber auch ganz allgemein Daten zu Ihrer Person und Ihrem Nutzungsverhalten. Vor allem das bereits erwähnte Cortana ist ein großer Datensammler. Sie sollten daher in dem betreffenden Abschnitt in Shutup10 die Schalter „Cortana deaktivieren und zurücksetzen“ sowie die vier Optionen „Eingabepersonalisierung / Kennenlernen des Nutzers deaktivieren“ umlegen. Ebenfalls wichtig sind die Optionen „App-Zugriff auf Nutzerkonten-Informationen“ bei „Privatsphäre“ und die vier Schalter, die den Zugriff von Apps auf Kalender, Kamera, Mikrofon und Nachrichten regeln. Hier sollten Sie einen Riegel vorschieben.

Werbe-ID nicht weitergeben

Jedes Gerät mit Windows 10 erhält eine Werbe-ID, über die Microsoft, aber auch die Apps von anderen Anbietern Sie dauerhaft und eindeutig identifizieren können. Neben den bereits beschriebenen Positionsdaten sammelt Windows auch Daten zu Ihren Suchanfragen, den im Internet angesehenen Webseiten, demografische Daten sowie private Interessen und Nutzungsdaten. Verknüpft mit der Werbe-ID, ergibt sich daraus mit der Zeit ein recht genaues Bild Ihrer Person. Um das zu verhindern, sollten Sie die Weitergabe dieser ID abschalten und sie generell wieder auf die Voreinstellung von Windows zurücksetzen. Shutup10 bietet zu diesem Zweck im Abschnitt „Privatsphäre“ zwei Schalter mit der Bezeichnung „Werbe-ID zurücksetzen und deaktivieren“.

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Feedbackdaten deaktivieren

Bereits in früheren Versionen hat Microsoft das Verhalten von Windows und seiner Benutzer überwacht und etwa Daten von Absturzberichten ausgewertet, um das Betriebssystem zu verbessern. Mit Windows 10 sind noch einmal etliche weitere Sensoren hinzugekommen, die beispielsweise in Edge den Suchverlauf und die Browser-Historie überwachen oder handschriftliche Eingaben auf Geräten mit Touchdisplay überwachen. Die Auswertung dieser Daten erfolgt anonym, allerdings räumt der Konzern ein, dass etwa bei einer Speicheranalyse unbeabsichtigt auch Auszüge aus aktuell geöffneten Dokumenten übertragen werden.
Um diese Möglichkeit auszuschließen, können Sie die Datenübermittlung an Microsoft mit Shutup10 verhindern. Schalten Sie zunächst die drei Optionen „Telemetrie deaktivieren“ unter „Sicherheit“ ab. Damit deaktivieren Sie unter anderem die Fehlerberichterstattung des Betriebssystems.

So schützen Sie Windows 10 gegen Web-Gefahren

Weiter geht es unter „Privatsphäre“ mit den Optionen „Handschriftendatenweitergabe deaktivieren“, „Fehlerberichte bei der Handschrifteneingabe deaktivieren“ und „Übermittlung von Schreibinformationen deaktivieren“. Außerdem sollten Sie unter „Nutzerverhalten“ alle drei Schalter „Anwendungs-Telemetrie deaktivieren“ auf grün setzen. Zum Schluss empfiehlt es sich noch, unter „Sonstiges“ die beiden Optionen „Feedback-Aufforderungen deaktivieren“ einzuschalten.

Auch Defender , der eingebaute Virenscanner von Windows, sendet bei einer möglichen Bedrohung durch Schadsoftware Datenproben an Microsoft. Das können Sie unterbinden: Die entsprechenden Schalter finden Sie unter „Windows Defender und Microsoft SpyNet“. In diesem Punkt überwiegt allerdings der Nutzen gegenüber eventuellen Gefährdungen der Privatsphäre – ein Trojaner-Virus etwa übermittelt weit mehr und brisantere Daten als die Sicherheitsprogramme. Sie sollten diese Schalter daher lieber nicht anrühren.

So funktioniert die Geolokation

Die Positionsbestimmung von Windows 10 ist nichts Neues, sie existierte bereits in Windows 8.x. Auf Geräten mit einem GPS-Sensor wie Tablets kann die Funktion den aktuellen Standort sehr genau bestimmen. Alternativ oder zusätzlich wertet Windows die WLANs in der Umgebung aus. Über ihre Namen und die jeweilige Signalstärke lässt sich der aktuelle Standort bis auf wenige Meter genau feststellen. Das funktioniert allerdings nur, wenn in der Umgebung gleich mehrere Funknetze aktiv sind, was vor allem in den Großstädten der Fall ist. Außerdem müssen die Netze in einer Datenbank verzeichnet sein. Die meisten dieser Datenbanken sind kommerziell und für private Anwender nicht zugänglich. Eine Ausnahme ist Openwlanmap . Die WLAN-Daten werden kombiniert mit den Standortinformationen, die sich über die öffentliche IP-Adresse ermitteln lassen. Das klappt allerdings nicht immer genau. Wo ein Desktop-PC ohne WLAN steht, lässt sich daher nur grob bestimmen. Ausprobieren können Sie das mit Diensten wie Utrace oder IP-info.org .

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