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Microsoft Store: Lohnen sich die Windows 10 Apps?

24.05.2021 | 08:01 Uhr | Roland Freist

Viele Anwender glauben, dass es im Store von Windows 10 nur Belanglosigkeiten wie Candy Crush gibt. Dabei haben die Apps aus dem Microsoft Store viele Vorteile gegenüber traditionellen Desktop-Programmen − und für Windows 10 S bilden sie die Basis.

Der Microsoft Store führt auf vielen PCs eine Art Dornröschenschlaf. Für die meisten Anwender gibt es kaum einen Grund, den Store zu besuchen: Sie holen sich ihre Programme direkt beim Hersteller oder aus Software-Verzeichnissen .

Notebooks mit Windows 10 S auf dem Vormarsch

In letzter Zeit tauchen vermehrt Rechner mit vorinstalliertem Windows 10 S auf. Für Käufer dieser Geräte spielt der Microsoft Store eine zentrale Rolle, denn es ist zunächst die einzige Softwarequelle auf dem System. Geräte mit Windows 10 S wurden vor allem als Konkurrenz für die in den USA erfolgreichen Chromebooks entwickelt. Chromebooks sind Notebooks, auf denen im Wesentlichen das Open-Source-Betriebssystem Google Chromium und der Browser Chrome installiert sind. Alle benötigten Anwendungen werden über den Internetbrowser geladen, also etwa die Office-Anwendungen von Google Drive. In Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind Chromebooks sehr beliebt.

Bei Windows 10 S sieht das Konzept ein wenig anders aus. Die Hardware-Basis fällt nicht so minimalistisch aus wie bei den Chromebooks, entspricht aber andererseits auch nicht den Spezifikationen moderner Windows-Rechner. Dafür sind die Computer allerdings deutlich günstiger. Die Unterschiede liegen vor allem beim Betriebssystem: Auf Windows 10 S lassen sich wie erwähnt ausschließlich Apps aus dem Windows Store installieren. Das umfasst auch den Windows Store für Unternehmen .

Diese Beschränkung können Sie übrigens auch im normalen Windows 10 einstellen: Öffnen Sie dazu in den „Einstellungen“ den Bereich „Apps“ und wählen Sie im Dropdown-Menü unter „Quellen für Abrufen von Apps auswählen“ die Option „Nur Microsoft Store (empfohlen)“ aus.

Darüber hinaus hat Microsoft sein Betriebssystem in der S-Version an einigen Stellen zusätzlich abgesichert. So lassen sich beispielsweise Powershell, Eingabeaufforderung und Registry-Editor nicht mehr starten. Doch mit Windows Terminal existiert im Microsoft Store ein Ersatz, der Eingabeaufforderung, Powershell und Azure Cloud Shell in sich vereint. Keine Alternative gibt es jedoch bei den Treibern: Windows 10 S akzeptiert lediglich von Microsoft zertifizierte Treiber. Das soll dazu beitragen, Windows manipulationssicher zu machen, kann allerdings etwa bei älteren Geräten, für die lediglich Treiber für Windows 7 erhältlich sind, zu Problemen führen. 

Interessant: Windows 10 erhält neue Windows-Store-App

Microsoft-Konto ist Pflicht für vollen Zugriff im Store

Der Microsoft Store präsentiert auf seiner Startseite in erster Linie mehr oder minder belanglose Spiele. Auf diese Weise werden die teilweise sehr guten Office- und Systemanwendungen häufig übersehen.
Vergrößern Der Microsoft Store präsentiert auf seiner Startseite in erster Linie mehr oder minder belanglose Spiele. Auf diese Weise werden die teilweise sehr guten Office- und Systemanwendungen häufig übersehen.

Der Microsoft Store erscheint in Windows als eine App. Nach der Installation des Betriebssystems taucht sie als Kachel im Startmenü auf, aus dem Sie sie jedoch entfernen können. Alternativ dazu rufen Sie den Store über die Programmliste im Startmenü auf oder durch die Eingabe von Store im Suchfeld der Taskleiste.

Um den Store in vollem Umfang nutzen zu können, müssen Sie bei Windows mit einem Microsoft-Konto eingeloggt sein. Falls nicht, haben Sie lediglich Zugriff auf die kostenlosen Apps. Kostenpflichtige und mit einer Altersfreigabe (etwa ab 16 oder 18 Jahren) eingeschränkte Programme bekommen Sie lediglich mit einer Konto-Anmeldung. Das Microsoft-Konto benötigt der Store darüber hinaus für die Synchronisierung der Apps über alle Ihre Computer hinweg: Alle Programme, die Sie aus dem Store laden, stehen dann auch auf Ihren anderen Rechnern zur Verfügung. Dafür müssen Sie sich dort allerdings ebenfalls mit Ihrem Microsoft-Konto anmelden. Und: Wenn Sie Windows später neu installieren, werden auch die mit Ihrem Konto verknüpften Apps automatisch wieder eingerichtet.

Das bietet der Microsoft Store im aktuellen Windows

Die Beschränkung von Windows 10 S, das ausschließlich Store-Apps akzeptiert, können Sie auch in den „Einstellungen“ eines normalen Windows 10 im Bereich „Apps“ konfigurieren.
Vergrößern Die Beschränkung von Windows 10 S, das ausschließlich Store-Apps akzeptiert, können Sie auch in den „Einstellungen“ eines normalen Windows 10 im Bereich „Apps“ konfigurieren.

Wie viele Apps der Microsoft Store insgesamt anbietet, ist unbekannt. Die letzte offizielle Zahl stammt aus dem Jahr 2015, damals waren es laut Microsoft 669.000 Programme. Dazu zählten jedoch jedoch auch viele Apps für das frühere Smartphone-Betriebssystem Windows Phone.

Schätzungen zufolge umfasst der Store aktuell eine fünfstellige Zahl von Windows-Apps, dazu kommen Spiele für die Xbox und eine Videothek mit zumeist kostenpflichtigen Filmen. Früher bot Microsoft über den Store auch E-Books und Musik an, stellte diese Angebote jedoch wieder ein. Lassen Sie sich nicht verwirren, dass im Windows Store auch Office 365 mit Word, Excel, Outlook & Co. auftaucht. Dabei handelt es sich nicht um UWP-Apps (Universal Windows Platform), die Software läuft vielmehr wie gewöhnliche Windows-Software.

Pluspunkt Sicherheit: Besserer Schutz bei Store-Apps

Den Microsoft Store können Sie auch in einer Onlineversion über jeden Browser aufrufen. Sie bietet dieselben Programme wie die in Windows 10 integrierte App.
Vergrößern Den Microsoft Store können Sie auch in einer Onlineversion über jeden Browser aufrufen. Sie bietet dieselben Programme wie die in Windows 10 integrierte App.

Alle Apps im Windows Store sowie ihre Updates werden von Microsoft getestet und zertifiziert. Auf diese Weise will der Konzern sicherstellen, dass die Programme einwandfrei funktionieren und keine Schadsoftware mitbringen. Die Programme im Store bekommen darüber hinaus aber noch weitere Vorzugsbehandlungen. So werden die Updates unabhängig vom monatlichen Patchday automatisch im Hintergrund heruntergeladen und installiert. Bei der Deinstallation einer App sorgt Windows dafür, dass sie rückstandslos aus dem System gelöscht wird. Bei Desktop-Programmen ist dafür die Deinstallationsroutine des Herstellers zuständig.

Leider lädt Windows darüber hinaus auch ungefragt komplette Apps auf Ihren Rechner, beispielsweise Spiele wie Candy Crush Saga. Sie lassen sich zwar nach einem Rechtsklick über den Befehl „Deinstallieren“ einfach entfernen, beim nächsten Versionsupdate von Windows 10 werden sie jedoch wieder eingespielt.

Verhindern lässt sich das nur über eine Änderung an der Registrierungsdatenbank. Da der Registry-Editor in Windows 10 S jedoch nicht erreichbar ist, können Sie die folgenden Schritte nur in den Standard-Versionen von Windows ausführen: Geben Sie im Suchfeld der Taskleiste regedit ein und öffnen Sie den „Registrierungs-Editor“. Gehen Sie in den Ordner „HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\ContentDeliveryManager“. Dort finden Sie den Schlüssel „Silent InstalledAppsEnabled“. Klicken Sie ihn doppelt an, ändern Sie seinen Wert von „1“ auf „0“ und bestätigen Sie mit „OK“. Wenn Sie nun die unerwünschten Apps deinstallieren, tauchen sie auch nach dem nächsten Windows-Update nicht mehr auf.

Auch der Datenschutz ist besser als bei Desktop-Tools

Die Optionen unter „Einstellungen –› Datenschutz“ beziehen sich ausschließlich auf Apps aus dem Microsoft Store, nicht auf normale Desktop-Apps.
Vergrößern Die Optionen unter „Einstellungen –› Datenschutz“ beziehen sich ausschließlich auf Apps aus dem Microsoft Store, nicht auf normale Desktop-Apps.

Neben der Zertifizierung bietet Windows für die Store-Apps auch einen speziellen Datenschutz an. Sie finden die zugehörigen Optionen in den „Einstellungen“ unter „Datenschutz“. Die dortigen Optionen beziehen sich ausschließlich auf die Store-Apps, nicht jedoch auf Ihre installierten Desktop-Programme. Über die Schalter können Sie verhindern, dass die Programme auf eine Werbe-ID zugreifen, Websites auf Ihre Spracheinstellungen zugreifen, Windows den Start von Apps nachvollzieht und in den „Einstellungen“ vorgeschlagene Inhalte erscheinen. Den dritten Schalter von oben können Sie im Interesse einer höheren Performance aktivieren, alle anderen sollten Sie auf „Aus“ schieben.

Im Bereich „Datenschutz“ stehen darüber hinaus auch die Einstellungen für die Berechtigungen der Apps. Ähnlich wie Sie es von Ihrem Smartphone kennen, lassen sich auch in Windows Berechtigungen für den Zugriff auf bestimmte Funktionen definieren. Auch das ist nur bei den Apps des Microsoft Stores möglich. Klicken Sie in der linken Leiste des Fensters unter „App-Berechtigungen“ nacheinander auf „Position“, „Kamera“, „Mikrofon“ und dergleichen, und scrollen Sie auf der rechten Seite nach unten zu der Schalterleiste, mit der die Berechtigungen gesteuert werden.

Dort sollten Sie die Berechtigungen für alle Apps deaktivieren, die Sie nicht benutzen. Verwenden Sie aber beispielsweise Skype, sollte dem Programm der Zugriff auf Kamera und Mikrofon nach wie vor gestattet werden. Unter „Mikrofon“ gibt es eine Besonderheit: Dort tauchen auch einige Desktop-Apps auf, die auf das Gerät zugreifen wollen. Diese Liste ist allerdings längst nicht vollständig, da das Berechtigungssystem für die meisten Desktop-Apps ungültig ist.

Das sollten Sie wissen: Die Nachteile des Microsoft Store 

Das Grafikprogramm Paint.net kostet im Microsoft Store 6,99 Euro. Als Desktop-Version ist es Freeware und unterstützt außerdem noch mehr Plug-ins.
Vergrößern Das Grafikprogramm Paint.net kostet im Microsoft Store 6,99 Euro. Als Desktop-Version ist es Freeware und unterstützt außerdem noch mehr Plug-ins.

Der Microsoft Store wirkt beim ersten Eindruck wie eine bequeme und sichere Möglichkeit für den Bezug von Apps aller Art. Der gesamte Installationsvorgang läuft im Hintergrund, auch die Suche und das Einrichten von Updates ist automatisiert. Doch es gibt einige Nachteile gegenüber Software aus anderen Quellen.

So handelt es sich bei den Store-Versionen der Programme häufig um abgespeckte Varianten der Original-Software. Die Store-Version des beliebten VLC-Mediaplayers zum Beispiel kann im Unterschied zur Software auf der Hersteller-Website www.videolan.org weder DVDs noch Blu-ray-Discs abspielen. Ein weiteres Beispiel ist Microsoft Onenote: Die mit Windows 10 installierte UWP-Version des Programms speichert Notizbücher ausschließlich in der Cloud. Lediglich die Variante aus Office 2019 unterstützt auch das lokale Speichern.

Es gibt sogar Beispiele, dass eine Software im Microsoft Store kostenpflichtig ist, während sie auf der Herstellerseite gratis angeboten wird. Das gilt etwa für das Grafikprogramm Paint.net, das im Web als Freeware angeboten wird und im Store aktuell 6,99 Euro kostet.

Zudem müssen die Anwender der kostenpflichtigen Version mit der Einschränkung leben, dass einige Plug-ins von Drittherstellern in der Store-Variante nicht funktionieren. Als Grund für die Unterschiede gibt einer der Entwickler an, dass Microsoft bei den Store-Programmen keine Spenden erlaubt, wovon die Entwicklung der Software bislang jedoch finanziert worden sei.

Auch Microsoft Office 365 ist im Store erhältlich, obwohl es sich um die normale Desktop- Version handelt. Die Entwicklung einer speziellen UWP-Variante wurde eingestellt.
Vergrößern Auch Microsoft Office 365 ist im Store erhältlich, obwohl es sich um die normale Desktop- Version handelt. Die Entwicklung einer speziellen UWP-Variante wurde eingestellt.

Ein weiterer Nachteil des Microsoft Stores ist, dass er nicht anzeigt, wann eine App das letzte Mal ein Update erhalten hat. So ist nicht ersichtlich, ob eine Software vom Entwickler noch gepflegt wird oder nicht. Wenn Sie auf der Store-Seite des Programms unter „Beschreibung“ ganz nach unten scrollen, finden Sie dort den Abschnitt „Zusätzliche Informationen“. Dort steht unter „Verfügbar ab“ das Datum der Erstveröffentlichung, zu eventuellen Updates schweigt sich die Beschreibung aus. Einen Ausweg bietet das Webtool eines unabhängigen Entwicklers: 

Gehen Sie zunächst im Browser unter www.microsoft.com/de-de/store/apps/windows  zur Onlineversion des Microsoft Stores und rufen Sie dort die Seite der App auf, zu der Sie das Updatedatum wissen wollen. In der Adresszeile des Browsers erscheint nun eine Adresse in folgender Form „ https:// www.microsoft.com/de-de/p/[Name]/ [ID]?activetab=… “. Markieren und kopieren Sie diese Adresse. Wechseln Sie nun zur Website https://wpsnitch.appspot.com. Fügen Sie dort die kopierte Adresse in das Eingabefeld ein und ersetzen Sie den Abschnitt „de-de“ durch „en-us/store“. Nach einem Klick auf „Senden“ zeigt Ihnen Wpsnitch nach wenigen Sekunden das Erstellungs- und Updatedatum der App an.

Schließlich lassen sich Apps aus dem Microsoft Store im Unterschied zu vielen Desktop-Programmen auch ohne Administratorrechte installieren. Aufgrund der Verknüpfung mit dem Microsoft-Konto müssen sie allerdings von jedem Benutzer eines PCs separat eingerichtet werden. 

Lesetipp: Top-Windows-Funktionen, die Sie nicht kennen

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