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Wie funktioniert professionelle Datenrettung?

30.06.2013 | 14:40 Uhr |

"Zunächst wird eine physikalische Kopie des Original-Datenträgers erstellt", sagt Martin Eschenberg von Kuert. "Um diese Kopie zu erstellen, muss natürlich der zu rettende Datenträger zum Auslesen gebracht werden. Sofern dies erfolgt ist, beginnen die notwendigen Rettungsmaßnahmen an der Kopie."

Im ersten Schritt erfolgt eine Analyse und Diagnose des Schadens: Was für ein Problem hat den Datenverlust verursacht? Gibt es eine Möglichkeit der Wiederherstellung der Daten? Wenn ja, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit der Datenrettung und die daraus resultierenden Kosten?

Eine Standard-Analyse ist bei Labors wie Kuert und CBL Datenrettung kostenlos. Will der Kunde die Ergebnisse der Analyse schon nach ein bis zwei Arbeitstagen haben, kostet dies zum Beispiel bei Kuert 200 Euro netto, so Martin Eschenberg.

Aufbohren im Labor

Nach der Analyse muss der Kunde zunächst die Genehmigung zum weiteren Vorgehen erteilen. Je nach Schaden werden dann vom Labor defekte Hardware-Komponenten ausgetauscht, Daten rekonstruiert, in ihr Ursprungsformat konvertiert und schließlich zurück an den Kunden zurückgesandt, erklärt Gerlinde Wolf von CBL Datenrettung.

Nur im Labor ist es zum Beispiel möglich, eine Festplatte "aufzubohren" und mit speziellen Endoskopen hinein zu schauen oder gar den Stapel Magnetscheiben, auf denen die Daten gespeichert sind, auseinander zu nehmen.

Professionelle Datenretter im Internet

Die Kosten für die Rettung von Daten variieren je nach Aufwand. Bei CBL Datenrettung liegt der Kostenrahmen für eine Festplatte je nach Fehlermenge, nicht nach Datenmenge, etwa zwischen 800 und 3000 Euro, sagt Gerlinde Wolf.

Die Firma Kuert rettet die Daten einer Festplatte bei Privatkunden für 399 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer) und bei Firmenkunden für 1199 Euro (zzgl. Mwst.), so Martin Eschenberg. Die speziellen Labors retten übrigens nicht nur Festplatten, sondern auch USB-Sticks, Flash-Karten und DVDs.

Zu Staub zerfallen ...

Auch die Zeit, die das Labor zur Rettung der Daten braucht, hängt von der Art des Schadens ab und variiert in den meisten Fällen zwischen einem und zehn Tagen. Die Datenrettung kann aber auch innerhalb weniger Stunden möglich sein.

Es gibt leider auch Fälle, bei denen selbst ein spezielles Datenrettungslabor passen muss: "Wenn die Festplatte einen sogenannten Headcrash aufweist, d.h. wenn die Scheiben, auf denen die Daten gespeichert wurden, durch die Schreib/Leseköpfe (stark) zerkratzt wurden, dann sind die Daten im wahrsten Sinne des Wortes "zu Staub zerfallen", sagt Gerlinde Wolf von CBL. Aber auch durch bewusstes Überschreiben oder Entmagnetisieren (Degaussing) von Festplatten können die Daten auf einer Festplatte unwiderruflich beseitigt sein, sagt Edmund Hilt von Kroll Ontrack. Erhitzung über 700 Grad Celsius zerstört ebenfalls die Daten. Nach dem oben beschriebenen Bürobrand besteht also wenig Hoffung auf Rettung der Daten auf den Festplatten.

Fazit

Professionelle Datenrettungslabors können mittlerweile viel möglich machen. Bei einem Schaden am Speichermedium besteht also nicht sofort Grund zur totalen Panik. Und die Rettung relevanter Daten ist ihren Preis alle mal wert, besonders bei Firmendaten. Aber die Datenrettung hat natürlich ihren Preis und dauert ihre Zeit. An erster Stelle sollten deshalb ein sorgsamer Umgang mit den Speichermedien und ein gut funktionierendes Backup-System stehen.

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