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Wie diese Hollywood-Diva WLAN erfand - und warum

08.01.2022 | 09:22 Uhr |

Wer war die glamouröse Frau, die in Hollywood für Furore sorgte und der wir heute möglicherweise unser WLAN verdanken?

Sie spielte den ersten weiblichen Leinwandorgasmus in der Kinogeschichte, galt 1940 als schönste Frau der Welt und entwickelte eine Funkfernsteuerung für Torpedos, um die US Navy im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen: die Rede ist von Hedy Lamarr, oder bürgerlich Hedwig Eva Maria Kiesler. Am 9. November 2021 wäre die österreichische Pionierin 107 Jahre alt geworden.

Die Anfänge einer Filmikone

Hedwig „Hedy“ Lamarr ist die Tochter eines jüdischen Bankdirektors und einer Konzertpianistin. Sie wird 1914 in Wien geboren, besucht eine Privatschule und bekommt Klavier-, Ballett- und Sprachunterricht. Ihr erstes Filmdebüt feiert sie mit 16 Jahren in Geld auf der Straße von Georg Jacoby – im Übrigen der erste damalige Tonfilm in Österreich. Nur drei Jahre und wenige Filmprojekte später gelingt ihr der internationale Durchbruch mit dem tschechoslowakischen Spielfilm Ekstase (in Deutschland: Symphonie der Liebe ), der genauso freizügig ist, wie er klingt.

Zensiert und verboten: Lamarrs Szenen in „Ekstase“

Für damalige Verhältnisse und insbesondere Nazi-Deutschland waren Lamarrs Szenen in dem Streifen ein Skandal: Erst badet sie splitterfasernackt in einem See, dann läuft sie unverhüllt durch den Wald. Besondere Aufmerksamkeit erregt allerdings – buchstäblich – eine Liebesszene, in der das Teleobjektiv des Kameramanns auf ihr Gesicht zoomt, während sie einen Orgasmus spielt. Was heute nicht einmal mehr ein Schulterzucken verursachen würde, war damals ein Fall für die Zensurbehörden. Es dauerte geschlagene zwei Jahre, bis eine gekürzte Fassung des Films in einigen deutschen Kinos ausgestrahlt werden durfte.

Lamarr lässt sich davon nicht beirren. Ihre Hauptrolle in Ekstase öffnet ihr die Tore nach Hollywood und verändert ihr weiteres Leben von Grund auf.

Hedwig Kiesler wird zu Hedy Lamarr

1933 heiratet sie den Industriellen Fritz Mandl, der ihr fortan die Schauspielerei untersagt. Erst vier Jahre später gelingt ihr eine fluchtartige Trennung von dem faschistisch eingestellten Rüstungsfabrikanten – sie flieht nach Paris, dann nach London. Dort nimmt sie der Filmproduzent Louis B. Mayer für MGM unter Vertrag und gibt ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr – „Hedy“ nach ihrem Vornamen, „Lamarr“ in Anlehnung an den Stummfilmstar Barbara La Marr. 1938 reist sie mit ihm in die USA und beginnt als „schönste Frau der Welt“ ihre Hollywood-Karriere.

Obwohl sie sich selbst als „schwierig“ bezeichnet, erobert sie die Herzen ihrer Fans im Flug und wird ab den 40er-Jahren zur Film- und Stilikone. Rund 25 US-Produktionen umfassen ihre gesamte Schauspielkarriere, und dabei habe sie, nach eigener Behauptung, viele gute Rollen abgelehnt. Ihren letzten Film dreht sie 1958.

„Ein Star zu sein, heißt, die Welt mit all ihren Menschen zu besitzen. Es reicht ein Hauch von Ruhm, damit sich alles andere wie Armut anfühlt.“ - Hedy Lamarr

„Lady Bluetooth“ – Lamarr als Wegbereiterin des WLAN

Bei allem künstlerischen Talent, das Lamarr zu einem Weltstar ohnegleichen machte, darf man nicht vergessen, dass sie auch eine herausragende Erfinderin ihrer Zeit war. Ihr scharfer Verstand war mit der Oberflächlichkeit, die Hollywood beherrschte, schlicht unterfordert.

Der Sprung zwischen Klaviermechanik und Waffentechnologie

Aus ihrer Begegnung mit dem Komponisten George Antheil im Jahr 1940, der für seine avantgardistischen Klavierwerke bekannt war, erwuchs in Lamarr eine Idee, die man heute als Grundlage für die WLAN- und Bluetooth-Technologie betrachtet. Hintergrund war die Art und Weise, wie Antheil mehrere Klaviere gleichzeitig spielen konnte – er steuerte die Instrumente durch Lochstreifen bzw. Frequenzwechsel.

Lamarr überlegte sich, inwiefern sich dieser Mechanismus dazu nutzen ließe, um die US Navy im Krieg gegen Deutschland zu unterstützen. Ihre Idee: eine störsichere Funksteuerung von Torpedos, welche über zufällig wechselnde Funkfrequenzen erzeugt wird. Ein Jahr später ließen Lamarr und Antheil ihre Idee patentieren, obwohl das „frequence hopping“ selbst nicht unbedingt neu war. Doch die Navy lehnte Lamarrs Erfindung ab – unter anderem deshalb, weil viele Punkte ihres Patents nicht ausgereift genug waren und sich auch nur schwer bis gar nicht auf Torpedos übertragen ließen.

Ob und inwieweit Lamarrs Frequenzsprungverfahren daher von besonderem Wert war, darüber scheiden sich die Geister. Unzweifelhaft bleibt aber die Tatsache, dass die Technik Jahrzehnte später in der Informatik aufgegriffen und als wichtige Basis für heutige Funkstandards wie WLAN und Bluetooth verwendet wurde. Für ihre Erfindung bekam Lamarr 1997 den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award . Drei Jahre später, am 19. Januar 2000, starb sie in Florida.

Weitere Fakten zu Hedy Lamarr:

  • Ihr Gesicht diente als Vorlage für Disneys „Schneewittchen“.

  • Sie wurde 1960 mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt.

  • Ihr zu Ehren wird der Tag der Erfinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz an ihrem Geburtstag am 9. November gefeiert.

  • Eines ihrer bekanntesten Zitate lautet: „Jedes Mädchen kann glamourös sein. Es muss nur stillstehen und dumm gucken.“

  • Ihr Sohn Anthony Loder schrieb ein Buch über sie, das 2014 anlässlich ihres 100. Geburtstags publiziert wurde.

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