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Was Sie über Smart Meter wissen müssen

01.03.2019 | 15:00 Uhr | Stefan Wehrhahn

Im November 2015 wurde im Rahmen des sogenannten Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen, eine Smart-Meter-Pflicht einzuführen. Da diese Geräte einen unverzichtbaren Bestandteil der Energiewende darstellen, will die deutsche Regierung bis 2032 alle Haushalte mit Smart Metern ausrüsten.

Dabei gilt es zu beachten, dass es zwei verschiedene Arten von Smart Metern gibt: Stromkunden mit einem Verbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden pro Jahr erhalten eine sogenannte moderne Messeinrichtung. Eine Kommunikationseinheit ist hier nicht integriert, kann jedoch später nachgerüstet werden.

Stromkunden mit einem Stromverbrauch von über 10.000 Kilowattstunden sowie Betreiber von stromerzeugenden Anlagen - etwa Photovoltaikanlagen - mit einer Nennleistung von mehr als sieben Kilowatt erhalten bereits seit 2017 ein intelligentes Messsystem. Dieses verfügt auch über eine eingebaute Kommunikationseinheit.

Ab 2020 werden auch Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Der Sinn der Kommunikationseinheit liegt darin, Online-Funktionen und ein Ablesen aus der Ferne zu ermöglichen.

In diesem Beitrag liegt der Fokus auf intelligenten Stromzählern, also Messsystemen mit integrierter Kommunikationseinheit.

Wie genau funktionieren Smart Meter?

Um den Nutzen von Smart Meter n zu verstehen, muss man kurz auf sogenannte Smart Grids – intelligente Stromnetze – eingehen. Smart Grids sind Energienetze, die Energieflüsse automatisch überwachen und sich an Veränderungen von Angebot und Nachfrage anpassen können. Zusammen mit den Smart-Meter-Systemen liefern sie in Echtzeit Informationen über den Gas- und Stromverbrauch.

Verbraucher erhalten somit einen Überblick über ihren Stromverbrauch und können diesen an unterschiedliche Strompreise zu unterschiedlichen Tageszeiten anpassen. Indem sie etwa mehr Strom in niedrigeren Preisperioden verbrauchen, können sie bei der Stromrechnung bares Geld sparen. Zudem gehören durch das automatische Ablesen des Strom- oder Gasverbrauchs manuelles Ablesen und geschätzte Rechnungen der Vergangenheit an.

Smart Grids können auch dazu beitragen, Leistungsschwankungen im Stromnetz auszugleichen, die insbesondere durch erneuerbare Energien hervorgerufen werden. Netzbetreiber können durch Informationen über den Energiebedarf und aktuelle Wettervorhersagen die Integration erneuerbarer Energien in das Netz besser steuern - schließlich gibt es Zeiten, in denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht. Auch Verbraucher, die selbst Energie produzieren, erhalten die Möglichkeit, auf unterschiedliche Preise zu reagieren und Überschüsse an das Netz zu verkaufen.

Welche Risiken bergen Smart Meter?

Selbstverständlich ist der Kommunikationskanal zwischen dem Smart Meter und dem jeweiligen Versorgungsunternehmen gut verschlüsselt. Jedoch ist der Code zum Entschlüsseln der Daten, die jeder Zähler sendet und empfängt, für alle Smart Meter gleich. Wenn also ein Hacker in der Lage ist, diesen Code zu knacken, kann er theoretisch die Kontrolle über jeden Smart Meter erlangen und einen Zusammenbruch des Stromnetzes verursachen.

Darüber hinaus können Smart Meter über eingebaute Schwachstellen verfügen, die zu einem späteren Zeitpunkt ausgenutzt werden können. Auch befürchten Stromversorger, dass durch gefälschte Empfänger, die zwischen dem Smart Meter und dem eigentlichen Empfänger beim Versorger platziert werden, Daten abgefangen werden könnten. Man spricht hier von sogenannten Man-in-the-Middle-Angriffen.

Wie sicher sind meine Daten?

Laut dem britischen Branchenverband Energy GB sind personenbezogene Daten wie Name, Adresse und Bankverbindung bei einer möglichen Hacker-Attacke nicht gefährdet. Dennoch können Smart Meter theoretisch auch als Überwachungsinstrument eingesetzt werden. Ein intelligenter Zähler kann erkennen, wie oft Verbraucher duschen, wann sie kochen und wann sie im beziehungsweise aus dem Haus sind.

Diese auf den ersten Blick unwichtig erscheinenden Informationen haben einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Wert. Ein britisches Datenanalyse-Unternehmen beispielsweise wirbt damit, auf Basis von Energieverbrauchsdaten, die mit Hilfe von intelligenten Zählern und Sensoren gewonnen wurden, personalisierte Kundenprofile erstellen zu können und diese Drittorganisationen zur Verfügung zu stellen.

Das bedeutet im Klartext, dass Nutzungsdaten an Unternehmen verkauft werden, die Sie dann mit individualisierter Werbung überhäufen. Versorgungsunternehmen hingegen beteuern, dass keinerlei Daten vom Smart Meter für Vertriebs- und Marketingzwecke verwendet werden, es sei denn, der Kunde gibt die ausdrückliche Erlaubnis dazu.

Sind Smart Meter wirklich smart?

Politik und Wirtschaft haben große Hoffnung in das Einsparpotenzial durch smarte Zähler, auch wenn es aktuell noch keine Belege für die tatsächlich substanziellen Einsparungen gibt. Momentane Schätzungen gehen davon aus, dass sich pro Haushalt jährlich etwa 30 Euro sparen lassen.

Unklar ist auch, ob intelligente Zähler wirklich zu transparenteren und billigeren Tarifen führen werden. Es besteht die Befürchtung, dass Versorgungsunternehmen auf Grundlage der Daten, die sie von intelligenten Zählern erhalten, die Preise sogar erhöhen könnten.

Trotz Herausforderungen und Risiken sind neue digitale Lösungen für die Energiewende unabdingbar. Neue Zertifizierungsregeln und -prozesse könnten möglicherweise dabei helfen, den Rollout intelligenter Mess-Systeme wieder voranzutreiben.

Was die Sicherheit betrifft: 100 Prozent Sicherheit kann niemand garantieren. Verbraucher können jedoch ihr Bewusstsein für Technologien, Fortschritt und damit verbundene Risiken schärfen.

Der Beitrag wurde am 28. Februar 2019 aktualisiert.

Mehr smarte Themen finden Sie in unserer Rubrik Smart Home .

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Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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