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Wann eine Festplatte wirklich schnell ist

Anforderung

Zeitaufwand

Sie wollen eine schnelle Festplatte. Doch jeder Händler empfiehlt ein anderes Modell.Die Frage, wann eine Festplatte schnell ist, läßt sich nicht allgemein beantworten. Jedes Testprogramm liefert andere Werte, jedes Betriebssystem und jede Anwendung fordert die Platte unterschiedlich. Von den Herstellern erhalten Sie lediglich Angaben über die maximale Schnittstellengeschwindigkeit -die sie oft als Datentransferrate verkaufen -, die mittlere Zugriffszeit und mit viel Glück die Umdrehungsrate. Die maximale Schnittstellengeschwindigkeit ist für die Praxis unerheblich -heute erhältliche Platten erreichen sie nicht. Auch die mittlere Zugriffszeit allein sagt nicht viel aus, da es durchaus langsame Platten mit einer Zugriffszeit von wenigen Millisekunden gibt. Ferner ist eine hohe Umdrehungsgeschwindigkeit von 7200 U/ min an sich noch kein Qualitätsmerkmal. Die hohe Drehzahl verkürzt nur die Latenzzeit, also die Zeit, die verstreicht, bis der gewünschte Sektor unter dem Schreib-/ Lesekopf erscheint. Nachdem moderne Platten mit eigener Laufwerkselektronik und Cache ausgestattet sind und auch aufgrund der verschiedenen Aufzeichnungsverfahren mit variabler Sektoranzahl pro Spur ist es praktisch unmöglich, Rückschlüsse auf die tatsächliche Umdrehungsgeschwindigkeit zu ziehen.

Die höchste Datenübertragungsrate erreicht eine Festplatte, wenn sie die angeforderten Daten aus dem internen Cache liefern kann -das kommt dank sinnvoller Zugriffs-Algorithmen und Cache-Größen zwischen 512 und 2048 KB bei guten Festplatten recht häufig vor. Stehen die Daten nicht im Cache, müssen sie erst eingelesen werden. Die inneren Werte, auf die es dann ankommt, verschweigen die Hersteller zum Teil. Da ist zunächst die maximale interne Datenübertragungsrate der Festplatte. Sie sagt aus, wie viele Daten zwischen Schreib-/ Lesekopf und Scheibe transferiert werden können. Dieser Wert hängt von der Umdrehungsgeschwindigkeit der Platte und der Anzahl der Sektoren pro Spur ab. Bei einer 3,5-Zoll-Festplatte mit 7200 U/ min und 104 Sektoren in den äußeren Spuren kommen pro Sekunde maximal 6240 gespeicherte KB (120 U/ s x 104 Sektoren x 512 Bytes pro Sektor) unter dem Kopf vorbei. Mehr geht nicht. Im Gegenteil: Zur Plattenmitte hin verringert sich die Anzahl der Sektoren pro Spur und damit auch die interne Datentransferrate. Die mittlere Zugriffszeit entscheidet ebenfalls über die Geschwindigkeit einer Festplatte, da die gewünschten Daten selten auf nur einer Spur untergebracht sind. Ist der Zugriffswert gering, kann die Festplatte früher mit dem Lesen der Daten auf der neuen Spur beginnen. Ideal wäre also eine Platte mit hoher Drehzahl, mit vielen Sektoren pro Spur, einer sehr kleiner Zugriffszeit und großem Cache, der immer die passenden Daten bereithält.

Die Drehzahl läßt sich aus mehreren Gründen nicht beliebig erhöhen: Die Festplattenmechanik würde zu teuer, die Platte könnte überhitzen, und unangenehme Laufgeräusche würden den Benutzer nerven. Die Anzahl der Sektoren pro Spur ist durch die Größe der Scheibe und Speicherdichte begrenzt. Ein großer Cache wiederum erfordert einen hohen Verwaltungsaufwand, der Zeit kostet. Die Hersteller müssen also Kompromisse eingehen.TIP: Erkundigen Sie sich vor dem Neukauf bei Bekannten, welche Erfahrungen sie mit bestimmten Modellen haben. Bewerten Sie Ergebnisse von Benchmark-Progammen nicht zu hoch. Eventuell gehen deren Tests an Ihren Anforderungen weit vorbei. Die PC-WELT etwa testet Festplatten möglichst praxisnah mit Standard-Büroanwendungen. Setzen Sie dagegen andere Programme ein, sollten Sie Ihren Händler fragen, ob die Festplatte dafür geeignet ist. Vereinbaren Sie nach Möglichkeit ein Rückgaberecht.

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