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So stört das Nachbar-WLAN nicht mehr

28.07.2021 | 17:45 Uhr |

Das eigene Funknetz könnte sehr schnell sein – wenn nicht die nervigen WLANs in der Nachbarschaft wären. Mit diesen Tipps holen Sie trotzdem das optimale Tempo heraus.

Die meisten Probleme im WLAN entstehen durch die 2,4-GHz-Frequenz: Dort funken unter anderem alle aktuellen Router, ältere Modelle sogar ausschließlich. Sie bietet 13 Kanäle, die in Abständen von je 5 MHz unterteilt sind. Das Problem: Jede 2,4-GHz-Verbindung benötigt mindestens 20 MHz Bandbreite, das gesamte Frequenzband umfasst aber nur 80 MHz. Deshalb überschneiden sich in dicht besiedelten Regionen die Funkbereiche von benachbarten Routern, was die Übertragungsrate verringert.

Um das schmale 2,4-GHz-Band am besten auszunutzen, sollten die Funknetze von benachbarten WLAN-Routern auf die überlappungsfreien Kanäle 1, 6 und 11 verteilt sein. Wenn Router A auf Kanal 1, Router B auf Kanal 6 und Router C auf Kanal 11 sendet, stören sich deren Funksignale nicht. Auf diese Weise können drei benachbarte WLANs problemlos auf 2,4 GHz arbeiten.

Diese Verteilung lässt sich über die Autokanalfunktion erreichen. Dabei scannt der WLAN-Router alle Kanäle in der Umgebung und wählt für das eigene Funknetz den Kanal aus, auf dem er am wenigsten Störsignale beobachtet. Sind beispielsweise die Kanäle 1 und 11 bereits von benachbarten Routern besetzt, sollte Ihr Router per Autokanalfunktion automatisch Kanal 6 wählen.

Bei den meisten Heimnetzroutern, wie einer Fritzbox, ist die Autokanalfunktion standardmäßig aktiviert. Arbeitet diese Funktion verlässlich, müssen Sie nicht per Routereinstellung nachhelfen. Wie sich das eigene und die Nachbar-WLANs über die 2,4-GHz-Frequenz verteilen, prüfen Sie mit einem WLAN-Scanner nach, etwa den kostenlosen Tools Inssider und Acrylic Wi-Fi Home .

WLAN-Check: Hat jedes Gerät die beste Verbindung?

Zu viele Nachbar-WLANs: Das ist der am wenigsten schlechte Kanal

Der Router mit der SSID „Torreznos“ hat über seine Autokanalfunktion den zuvor freien Kanal 6 belegt. So können die drei angezeigten WLANs störungsfrei nebeneinander arbeiten wie Acrylic Wi-Fi Home zeigt.
Vergrößern Der Router mit der SSID „Torreznos“ hat über seine Autokanalfunktion den zuvor freien Kanal 6 belegt. So können die drei angezeigten WLANs störungsfrei nebeneinander arbeiten wie Acrylic Wi-Fi Home zeigt.

In Wohngebieten und besonders in Mehrfamilienhäusern hat es Ihr Router meist mit mehr als nur zwei Funknachbarn zu tun – ein störungsfreier Nebeneinanderfunk über die Kanäle 1, 6 und 11 ist dann auf der 2,4-GHz-Frequenz nicht möglich. Wenn diese Kanäle schon belegt sind, sollten Sie sich auf keinen Fall dazu verleiten lassen, Ihren WLAN-Router manuell auf einen der freien Zwischenkanäle zu setzen, also auf Kanal 2, 3, 4 oder 5 beziehungsweise 7, 8, 9 oder 10. Denn in jeden dieser Zwischenkanäle ragt bereits der Funkbereich von mindestens zwei anderen WLAN-Routern hinein, die mit je 20 MHz Bandbreite auf den Kanälen 1, 6 und 11 funken.

Arbeitet die Autokanalfunktion Ihres Routers vernünftig, sollte sie das WLAN trotzdem auf einen der drei Kanäle 1, 6 oder 9 setzen. Denn wenn Router auf demselben Kanal funken, können sie sich vor der Übertragung absprechen, wer wann senden darf. Diese Abstimmung reduziert zwar die Übertragungsrate. Schlimmer wirkt sich jedoch meistens eine Tempobremse aufgrund von Funkstörungen aus. Diese treten auf, wenn zwei Router benachbarte Kanäle für den Datentransfer nutzen: In diesem Fall findet keine Absprache statt, beide Geräte senden einfach drauflos und stören sich gegenseitig. Weil sich im Folgenden allerdings die Signalqualität verschlechtert, steigen die Übertragungsfehler an und die Router müssen Datenpakete erneut senden: Die Netto-Datenrate ist in diesem Fall unter dem Strich oftmals geringer, als wenn beide Router in Absprache und mit minimalen Wartezeiten auf demselben Kanal senden.

Acrylic Wi-Fi Home weist Sie zudem darauf hin, dass der auf Kanal 3 funkende Router von den zwei Netzwerken gestört wird, die auf Kanal 1 und Kanal 6 (Torreznos) arbeiten. Denn deren Funkbereich überlappt seinen direkt.
Vergrößern Acrylic Wi-Fi Home weist Sie zudem darauf hin, dass der auf Kanal 3 funkende Router von den zwei Netzwerken gestört wird, die auf Kanal 1 und Kanal 6 (Torreznos) arbeiten. Denn deren Funkbereich überlappt seinen direkt.

Gegenseitige Rücksicht: Funken mit reduzierter Kanalbreite

Was viele WLAN-Nutzer gar nicht wissen: Eigentlich darf jeder Router über 2,4 GHz mit einer Kanalbandbreite von 40 MHz statt 20 MHz senden – die doppelte Bandbreite würde dann für eine verdoppelte Transferrate sorgen. Das macht nur Sinn, wenn es höchstens einen weiteren Router in Ihrer Nachbarschaft gibt. Aber wenn auch der Nachbarrouter mit 40 MHz sendet, kann es bereits zu störenden Überlappungen kommen. In dichter besiedelten Wohngebieten macht es daher grundsätzlich keinen Sinn, mit 40 MHz zu funken: Das würde durch massive Störungen zu einer niedrigen Netto-Datenrate mit vielen Aussetzern führen und die Verbindungsqualität verschlechtern. Bestehen Sie aber dennoch auf einem 40-MHz-Kanal, beeinträchtigen Sie auf jeden Fall die WLANs Ihrer Nachbarn massiv.

Im Sinn guter Nachbarschaft sollten Sie Ihren Router daher so einstellen, dass er im 2,4-GHz-Band automatisch auf 20 MHz Kanalbreite schaltet. Bei einer Fritzbox finden Sie diese Einstellung unter „WLAN, Funkkanal“ vorkonfiguriert, wenn Sie dort die Option „Funkkanal- Einstellungen anpassen“ aktivieren und auf den Link „Weitere Einstellungen“ klicken. Ein Häkchen vor „WLAN-Koexistenz aktiv“ besagt, dass die Kanalbandbreite bei hoher WLAN-Dichte automatisch auf 20 MHz begrenzt wird.

Den besten WLAN-Kanal finden: Diese Gratis-Tools helfen

In der Ansicht „Channel“ zeigt Inssider 5.4 an, wie stark WLAN-Kanäle in der näheren Umgebung aktuell genutzt werden.
Vergrößern In der Ansicht „Channel“ zeigt Inssider 5.4 an, wie stark WLAN-Kanäle in der näheren Umgebung aktuell genutzt werden.

Die beiden kostenlosen WLAN-Scanner Inssider und Acrylic Wi-Fi Home zeigen alle WLAN-Router der näheren Umgebung an. Zudem sehen Sie damit, auf welchen Funkkanälen sie senden, welche Bandbreite sie nutzen und wie hoch die Signalstärke liegt. Acrylic bietet den Vorteil, dass es die Umgebung in kurzen Zeitabständen alle zwei Sekunden scannt und somit schnell auf Veränderungen reagiert – etwa wenn ein Funknetz den Kanal wechselt oder deaktiviert wird. Praktisch ist auch die Stop-Taste rechts oben in der Kopfleiste des Tools, mit der sich die aktuelle WLAN-Anzeige vorübergehend einfrieren lässt.

Bei inSSIDer müssen Sie sich kostenlos registrieren: Danach starten Sie das Tool mit den zuvor gewählten Zugangsdaten. Mit einem zweiminütigen Scanabstand ist Inssider etwas langsamer als Acrylic. Dafür fasst es unter dem Menüpunkt „Networks“ WLAN-Module/- Router mit derselben SSID (Stichwort: Mesh) übersichtlich zusammen und liefert eine Reihe interessanter Zusatzinformationen, wie zum Beispiel die Kanalbandbreite und die Anzahl der Spatial Streams (MIMO-Streams) eines WLAN-Moduls. Außerdem bietet Inssider eine Anzeige der Clients im lokalen Netzwerk und zeigt unter „Channels“ an, in welchen WLAN-Kanälen gerade starker Datenverkehr („Wifi Utilization“) herrscht. Wer die WLAN-Kanäle im Router nicht per Autokanalwahl, sondern manuell anpassen möchte, erhält hier eine gute Hilfestellung. Im „Dashboard“ gibt Inssider zudem Einstellungsratschläge für das eigene WLAN, was zum Beispiel die aktuelle Kanalbelegung oder die Sicherheit betrifft.

Im „Networks“-Menü zeigt Inssider Infos zur Kanalbandbreite („Configuration, Channel“) und zur Zahl der MIMO-Streams („Capabilities, Spatial Streams“).
Vergrößern Im „Networks“-Menü zeigt Inssider Infos zur Kanalbandbreite („Configuration, Channel“) und zur Zahl der MIMO-Streams („Capabilities, Spatial Streams“).

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