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Von Fenstern und Mäusen Der schwere Start von Windows

Windows gab es 1983 nur in Form einer Ankündigung. Die Fachwelt wartete gespannt, während Microsoft den Auslieferungstermin immer wieder verschob. Vergleichbare DOS-basierte Fenstermanager wie das vielversprechende GEM oder Vision konnten nicht durchstarten, da jeder den großen Wurf von Microsoft abwarten wollte.

Nach zwei Jahren lag Windows 1.0 endlich vor. Als "Feine Fenster" lobten PCWELT-Redakteure im Mai 1986 in einem ersten Artikel Windows 1.0 - aus heutiger Sicht ein erstaunliches Wohlwollen, da Windows 1.0 dem Vergleich mit konkurrierenden grafischen Benutzerführungen nicht standhielt. Es konnte seine Programmfenster noch nicht überlappend darstellen. Erst Windows 2.03 behob Ende 1987 dieses Manko, verlangte aber 512 Kilobyte RAM, doppelt so viel wie der Vorgänger.

Übrigens dürfte der Quellcode des ersten Windows kaum noch Code von Bill Gates enthalten. In einem Interview mit der Seattle Times offenbarte er, seit 1983 keine Zeile Code mehr für ein marktreifes Produkt geschrieben zu haben. Dennoch gelang es Microsoft nicht zuletzt durch geschickte Marketing-Strategie, alle konkurrierenden Fenstermanager auszustechen. GEM & Co. sind völlig von der Bildfläche verschwunden, IBMs OS/2 setzte sich trotz eingeschworener Fan-Gemeinde nicht durch. So meinen die meisten Heimanwender heute Windows, wenn sie vom PC sprechen. Eine dauerhafte Monokultur? Vor zwölf Jahren kündigte ein finnischer Student in der Newsgroup comp.os.minix die erste stabile Version eines freien, Unix-ähnlichen Betriebssystems für den PC an: Linux 0.0.2.

Als Server-System hat Linux den Großvater Unix heute überholt. Aber auch der normale PC profitiert vom freien Betriebssystem. Die regelmäßig beigelegte PC-WELT-Notfall-CD etwa basiert auf der Linux-Variante Knoppix. Die Linux-Gemeinde ist sich sicher: Wenn es jemandem gelingt, die Windows-Vorherrschaft zu knacken, dann ist es der Pinguin. Als Gates das Programmieren an den Nagel hängte, legte die PC-WELT erst los. Die nächste Folge unserer Rückschau zeigt, mit welcher Hardware sich Mensch und Maschine damals (miss-)verstanden.

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