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VirtualBox: PC als Surf- oder Testrechner nutzen

07.09.2021 | 08:01 Uhr |

Beim Surfen hinterlassen Sie online einen Fingerabdruck. Bei Verwendung einer virtuellen Maschine lassen sich die eigenen Surfspuren teilweise verwischen. So wird es schwerer, Nutzungs- und Bewegungsprofile anzulegen oder Ihre Identität zu ermitteln.

Beim Surfen hinterlassen Sie vielerlei Spuren: So speichern etwa Server und Webdienste Informationen über Sie in Cookies und Super-Cookies. Je häufiger Sie den Dienst eines Anbieters verwenden, desto exakter wird sein Bild von Ihnen. Und je besser die Anbieter untereinander vernetzt sind, desto mehr Infos stehen ihnen für die Erstellung von Surfprofilen zur Verfügung. 

Beispiel Amazon: Der Webriese schlägt Ihnen Artikel vor – basierend auf vorherigen Suchen. Ihr Kaufverhalten oder auch Ihre Produktrecherche wird stets mitgeschnitten und analysiert. So erhalten Sie Kaufvorschläge in Form von Werbebannern für Produkte, die Sie auf einer anderen Seite zuvor gesucht haben. 

Auch beim Dynamic Pricing kann die Datensammelwut der Webdienste nachteilig für Sie sein. So passt sich der Produktpreis der Nachfrage an. Dies kann dazu führen, dass Sie am Ende einen höheren Preis bezahlen.

Datenschleuder IP-Adresse

Kommerzielle VPN-Anbieter Cyberghost gestatten nicht nur die Nutzung einer verschlüsselten VPN-Verbindung, sondern mit einem Abonnement ermöglichen sie auch das Umgehen von Geo-IP-Sperren.
Vergrößern Kommerzielle VPN-Anbieter Cyberghost gestatten nicht nur die Nutzung einer verschlüsselten VPN-Verbindung, sondern mit einem Abonnement ermöglichen sie auch das Umgehen von Geo-IP-Sperren.

Die größten Verräter sind Ihr Browser und Ihre IP-Adresse. Sie wird automatisch beim Surfen genannt, damit der Server mit der Webseite weiß, wohin er seine Daten schicken soll. Das ist notwendig, aber über die IP-Adresse kann jeder zumindest Ihren ungefähren Standort herausfinden. Wir stellen Ihnen deshalb verschiedenen Möglichkeiten vor, wie Sie sich möglichst anonym im Netz bewegen können.

Die Auswertung Ihrer IP-Adresse ist zwar nur eines von mehreren Kennzeichen, über das Sie im Internet nachverfolgbar sind. Allerdings ist Ihre IP die wichtigste Gemeinsamkeit, auf die Seitenbetreiber und Werbeanbieter zugreifen können. Deshalb bedarf der Schutz der IP-Adresse bei der Verbesserung Ihrer Privatsphäre besonderer Aufmerksamkeit. Dabei ist eine virtuelle Maschine besonders nützlich.

Die VM hilft Ihnen, einfach per Tarnkappe im Netz zu surfen, wann immer Sie möglichst unerkannt unterwegs sein wollen – etwa beim Online-Shopping, der Infosuche oder beim Aufruf privater Inhalte. Für alltägliche Seitenaufrufe wie den Besuch von Nachrichtenseiten, das Streamen von Musik und Filmen sowie für die Nutzung von Webmailern benötigen Sie das Schutzschild meist nicht. Diese Aktivitäten erledigen Sie ohne die VM auf Ihren Host-PC.

Online-Datenverkehr der VM mit einem VPN tarnen

Geht es um die Online-Anonymität beim Surfen, ist das Tor-Netzwerk nach wie vor eine gute Wahl. Nicht umsonst ist die Nutzung in Ländern wie Ägypten, China und der Türkei eingeschränkt oder gar verboten.
Vergrößern Geht es um die Online-Anonymität beim Surfen, ist das Tor-Netzwerk nach wie vor eine gute Wahl. Nicht umsonst ist die Nutzung in Ländern wie Ägypten, China und der Türkei eingeschränkt oder gar verboten.

Ein probates Mittel, um halbwegs unerkannt im Internet unterwegs zu sein, führt über einen VPN-Tunnel (Virtual Private Network). Hierbei werden die Datenpakete nicht direkt von Ihrer virtuellen Maschine an den Zielserver gesendet, sondern über einen VPN-Server geleitet. Der Vorteil ist, dass in den Logdateien der besuchten Server nicht Ihre IP-Adresse, sondern die des VPN-Servers gespeichert wird. Darüber hinaus werden die über einen VPN-Tunnel gesendeten Daten auch verschlüsselt, was es Dritten erschwert, sie abzuhören. Um mit Tarnkappe ins Internet zu gehen, müssen Sie in der VM lediglich die vom Anbieter zur Verfügung gestellte Software installieren. Empfehlenswert sind unter anderem die VPN-Services von Hidemyass , Cyberghost  und Vyprvpn .

Kommerzielle VPN-Anbieter ermöglichen meist nicht nur die Verschleierung der IP, sondern auch das Umgehen von Geo-IP-Sperren. Solche Maßnahmen sollen verhindern, dass Nutzer aus bestimmten Ländern Angebote – meist Video-Streaming – nutzen, die in ihren Ländern entweder nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Gehen Sie jedoch mit Ihrer IP-Adresse, die Sie als Nutzer aus Deutschland ausweist, über einen VPN-Server mit US-amerikanischer IP-Adresse online, gelten Sie für den Zielserver als Amerikaner.

Nachteil: Die Nutzung eines guten VPN-Service kostet Geld. Zudem müssen Sie sich darauf verlassen, dass der Anbieter des Diensts Ihr Vertrauen nicht missbraucht und eventuell doch Daten weitergibt.

Mehr Privatsphäre beim Surfen

Mit Mozilla VPN ist das virtuelle private Netzwerk der Entwickler von Firefox. Es soll die Privatsphäre beim Surfen, Arbeiten, Streamen und Zocken schützen. Es kostet ab 4,99 Euro pro Monat im Jahresabonnement.
Vergrößern Mit Mozilla VPN ist das virtuelle private Netzwerk der Entwickler von Firefox. Es soll die Privatsphäre beim Surfen, Arbeiten, Streamen und Zocken schützen. Es kostet ab 4,99 Euro pro Monat im Jahresabonnement.

Wird die IP-Adresse des PCs gewechselt und verschleiert, schlagen Sie nicht nur der Werbeindustrie ein Schnippchen. Statt eines Besuchers, der zehn Seiten aufruft, erscheinen Sie in den Logdateien des Servers als zehn Besucher, die jeweils eine Seite aufgerufen haben. Das Tor-Netzwerk verschleiert die tatsächliche IP-Adresse durch zwischengeschaltete Proxy-Server. Die Pakete nehmen nicht mehr den kürzesten Weg von Ihnen zum Ziel, sondern gehen über Zwischenstationen. Der Tor-Knoten, mit dem Sie verbunden werden, kennt Ihre IP-Adresse, der zweite und dritte nicht mehr – und erst recht nicht der Ziel-Server. Das Tor-Netz ist so aufgebaut, dass jede Zwischenstation nur die IP-Adresse seines Vorgängers kennt. Das erschwert die Rückverfolgung zum Absender eines Pakets.

Tor hat auch Nachteile: Je nach Auslastung wird die Surfgeschwindigkeit deutlich langsamer. Schon eine überlastete Zwischenstation kann bremsen. Und wie bei allen Netzwerken gilt auch hier, dass es nur so sicher sein kann, solange es nicht kompromittiert wird. Immerhin: Gelingt es Überwachungsstellen, einen Tor-Knoten zu überwachen, ist es nicht möglich, einen Nutzer zu de-anonymisieren.

IP-Adresse verschleiern

Einen technisch vergleichbaren Ansatz zum Tor-Netzwerk wählt Jondo , das in Deutschland entwickelt wurde. Die Datenpakete werden hier ebenfalls über eine Kaskade von Knoten weitergeleitet, wobei auch die IP-Adresse des Empfängers verschlüsselt wird. Um das Netzwerk vor dem Risiko, durch unseriöse Teilnehmer ausspioniert zu werden zu schützen, setzt Jondo auf zertifizierte Teilnehmer im eigenen Netzwerk. Den Jondo-Browser können Sie gratis nutzen, müssen dann aber mit einem eingeschränkten Tempo von 100 bis 200 KBit/s leben. Wer mehr Geschwindigkeit wünscht, benötigt das kostenpflichtige Premiumpaket. Das günstigste Flat-Angebot für 8,33 Euro pro Monat ist auf zwei GB Datenvolumen limitiert.'

Siehe auchEchter Privatmodus für den Browser - so geht's

Tipps zum Online-Banking mit VirtualBox

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