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Virtuelle Realität noch nicht real

29.04.2019 | 14:00 Uhr | Mario Brandenburg

Virtuelle Realität (Virtual Reality – VR) und Erweiterte Realität (Augmented Reality – AR) gelten als zukunftsweisende Technologien. Wie weit sind wir damit in Deutschland? Ein Kommentar.

Virtuelle Realität (Virtual Reality – VR) und Erweiterte Realität (Augmented Reality – AR) gelten als zukunftsweisende Technologien. AR funktioniert als Erweiterung der physischen Realität in eine Art Spektrum, was soweit führen kann, dass diese komplett ersetzt und somit zu einer weiteren Realität, also VR, wird.

In der Antwort auf die kleine Anfrage der FDP-Fraktion „VR/AR-Technologie in Anwendung“ stimmt die Bundesregierung einerseits zu, dass in den Technologien VR und AR großes Zukunftspotenzial steckt und die Anwendungsgebiete in der Wirtschaft in den kommenden Jahren zunehmen werden.

Andererseits bleibt offen, wie dieser Überbegriff, der bereits zu einer neuen Erfahrungsstufe geworden ist, aus Sicht der Bundesregierung zu einem festen Alltagsbestandteil der Bürger werden soll, obwohl feststeht, dass nachfolgende Generationen einen erheblichen Teil ihrer Zeit in virtuellen Welten verbringen werden.

Der Einzug in die ersten Arbeitsbereiche hat mit der VR-Brille bereits stattgefunden. Dennoch gilt langfristig gesehen AR als Entwickler-Favorit. Und das, obwohl es für AR-Brillen nicht einmal einen Markt gibt!

Eine politische Leitlinie oder eine langfristige Strategie werden also dringend verlangt, um Deutschland in den bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen der Zukunft auf den richtigen Weg zu führen. Und das am besten für VR und AR getrennt. Die Bundesregierung hat mit ihrer Antwort auf die kleine Anfrage nachgewiesen, dass sie etliche Anstrengungen in Forschung und Entwicklung unternimmt. Aber es bleibt unklar, wie genau Anwendungsbereiche, beispielsweise unternehmensweites Lernen und Schulungen, praktisch durch VR, besonders aber AR unterstützt werden sollen.

Alleingang oder internationale Kooperation

Die Bundesregierung erklärt, dass mit der Hightech-Strategie die Potenziale von VR/AR-Technologien angeschoben werden, die grundsätzlich neue Lösungen ermöglichen. Doch welche Kooperationen strebt die Bundesregierung für welche Lösungen an? Zu anderen führenden Nationen oder Unternehmen aus dem Bereich der VR/AR-Technologien liegen der Bundesregierung „keine gesicherten Angaben vor“. Diese Unklarheit ist es, die im internationalen Gefüge eine ungeschickte Stellungnahme ausstrahlt. Obwohl Deutschland ja eigentlich viel mehr kann und auf unternehmerischer Seite durch einzelne Kooperationen auch widerlegt wird. Doch noch immer wird der routinierte Bewertungsmaßstab angewendet und nicht erkannt, dass wir mit Anwendungen der VR/AR-Technologien eine enorme Effizienzsteigerung kreieren können.

Neue Identität der Bereiche Bildung und Arbeitsmarkt

Was also könnten konkrete Pläne für den Arbeitsmarkt der Zukunft, für das Bildungswesen der Zukunft sein? Und wie sollten diese Ideen in der gesamtgesellschaftlichen Dimension realisiert werden?

Es besteht die Möglichkeit, realistische Bedingungen verschiedener betrieblicher Ausbildungen mit reduziertem Kostenaufwand zu reproduzieren. VR und AR bieten die Möglichkeit, anspruchsvollere Ausbildungssituationen zu gestalten, speziell solche, die in der Realität riskant oder unmöglich sind.

Vor allem im medizinischen Bereich hat AR in der Ausbildung und Forschung bereits enormes Potenzial. Komplexe Eingriffe lassen sich zum Üben für Studenten realitätsnah simulieren. Später im OP unterstützen AR-Anwendungen beispielsweise die Chirurgen. Informationen werden auf Datenbrillen projiziert und schaffen den Ärzten einen enormen Vorteil: Sie müssen ihren Blick nicht mehr zum Monitor wenden.

Dieser Blick auf digitale Innovationen in der Medizin zeigt, dass Räume wie Laborbereiche oder generelle Arbeitsbereiche mit dem Umgang dieser Tools eine neue Identität bekommen können. Die Gesamtproduktivität und der Wettbewerbsvorteil ganzer Branchen könnte verbessert werden. Problembereiche oder Inkompatibilitäten in der Herstellung von Produkten oder Vorgängen können virtuell aufgezeigt werden. Somit können nicht nur finanzielle Einsparungen vorgenommen werden, auch der Lösungszeitraum würde enorm minimiert. In einer sicheren Umgebung, ohne Risiko.

Jede Chance bringt natürlich auch Veränderungen mit sich. Die Bundesregierung behauptet in ihren Antworten, die Erschließung der Anwendungsmöglichkeiten sei im vollen Gange. Durch die Förderung innovativer Forschungsvorhaben, vor allem auf EU-Ebene, sollen Ergebnisse dann in die praktische Umsetzung fließen. Bleibt zu hoffen, dass dies auch tatsächlich bald erfolgt.

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