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Vier Messenger-Apps im direkten Vergleich

23.06.2016 | 08:25 Uhr |

Erst kürzlich hat Whatsapp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Geräte eingeführt. AndroidWelt hat den Messenger genauer unter die Lupe genommen und stellt zudem Alternativen vor.

Spätestens nach der Auseinandersetzung zwischen dem FBI und Apple in den vergangenen Monaten ist das Thema Verschlüsselung wieder topaktuell. Wir haben vier Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung genauer unter die Lupe genommen und zeigt Vor-und Nachteile auf. Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werden die Nachrichten auf dem Gerät des Senders codiert und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt. Die Daten sind somit über alle Übertragungsstationen auf dem gesamten Weg chiffriert.

Whatsapp

Hier handelt es sich um den wohl beliebtesten Messenger überhaupt . Allerdings machte Whatsapp in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen wegen diverser Sicherheitslücken. Nun versucht das Unternehmen einen Kurswechsel und hat Anfang des Jahres die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Geräte eingeführt. Whatsapp nutzt ein Protokoll von Open Whisper Systems, dem Macher des Krypto-Messenger Signal. Dieses gilt als sicher. Voraussetzung für die Nutzung ist, dass alle Gesprächsteilnehmer über die neueste Version des Messengers verfügen. Ist dies der Fall, erscheint eine Meldung im Chatfenster, dass ab sofort alle Nachrichten und Anrufe Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind.

Authentifizieren Sie Ihren Gesprächspartner, indem Sie gegenseitig den QR-Code Ihres Whatsapp-Accounts einscannen.
Vergrößern Authentifizieren Sie Ihren Gesprächspartner, indem Sie gegenseitig den QR-Code Ihres Whatsapp-Accounts einscannen.

Das spricht dafür: Hauptargument für die Nutzung von Whatsapp ist die große Nutzergemeinde. Außerdem sollte die neu implementierte Funktion der Gesprächspartner-Authentifizierung positive hervorgehoben werden. Öffnen Sie hierfür den Chat mit dem jeweiligen Gesprächspartner, tippen Sie dann auf die Kontaktinfo und anschließend auf den Punkt „Verschlüsselung“. Nun scannt Ihr Gesprächspartner den QR-Code auf Ihrem Bildschirm ein – und umgekehrt. So sind Sie jederzeit sicher, dass Sie es mit der richtigen Person zu tun haben. Whatsapp bietet Ihnen alternativ einen 60-stelligen-Zahlencode, der sich abgleichen lässt.

Siehe auch: Die besten Tipps für Whatsapp-Nutzer

Das spricht dagegen: Obwohl Whatsapp mittlerweile deutlich sicherer ist, gibt es noch Mankos. So sind die Daten zwar auf dem Weg zwischen den Gesprächspartnern verschlüsselt, auf dem Smartphone liegen sie jedoch frei zugänglich. Auch Backups vom Chatverlauf, die Sie in der Cloud speichern, sind wenig sicher. Ein weiterer Nachteil: Der Messengerdienst kann zwar nicht den Inhalt Ihrer Nachrichten mitlesen; in den AGB behält sich Whatsapp aber das Recht vor, auf die Metadaten der Unterhaltung zuzugreifen. Hierunter sind alle Informationen zu verstehen, die neben der Textnachricht übermittelt werden, also etwa, wer mit wem wann kommuniziert. Anhand dieser Daten lässt sich das Kommunikationsverhalten der Nutzer analysieren. Auch bleiben Sie bei Whatsapp keinesfalls anonym: Sie müssen zur Authentifizierung bei der Anmeldung Ihre Telefonnummer angeben! Whatsapp ist im Gegensatz zu Signal auch nicht quelloffen. Nutzer müssen also darauf vertrauen, dass der Anbieter die Nachrichten wirklich verschlüsselt.

Telegram

Der Verschlüsselungsmessenger Telegram der russischen Brüder Nikolai und Pawel Durow hat als einziger seinen Firmensitz in Deutschland.

Das spricht dafür: Genau wie die anderen Messenger verschlüsselt Telegram den Chat Ende-zu-Ende. Der Gesprächsverlauf wird dabei nicht auf dem Server gespeichert, allerdings nur, wenn Sie die Option „Sicherer Chat“ gewählt haben. Hier löscht das Programm den Chatverlauf automatisch von beiden Geräten nach einem von Ihnen festgelegten Verfallsdatum.

Für den Zugang zur App „Telegram“ lässt sich ein PIN-Code wie auch ein Passwortschutz festlegen.
Vergrößern Für den Zugang zur App „Telegram“ lässt sich ein PIN-Code wie auch ein Passwortschutz festlegen.

Der Zugang zur App ist über einen vierstelligen PIN-Code zum Entsperren der Chats und andererseits per Passwort geschützt. Für Telegram spricht außerdem, dass der Quellcode öffentlich zugänglich und damit die Sicherheit der Verschlüsselung jederzeit von Experten überprüfbar ist.

Das spricht dagegen: Standardmäßig ist die Kommunikation bei Telegram lediglich auf dem Weg vom Absender zum Server verschüsselt. Dort sind Nachrichten als Klartext von Dienstanbietern für Werbezwecke nutzbar. Auch staatliche Behörden könnten zugreifen. Anschließend übermittelt Telegram die Nachrichten wieder verschlüsselt an den Empfänger. Das Chatprogramm speichert die unverschlüsselten Chatverläufe in der Cloud, was zwar nicht sicher ist, aber den Vorteil hat, dass Sie stets auf den aktuellen Stand Ihrer Unterhaltungen zugreifen können. Ein Manko: Für die Registrierung bei Telegram ist Ihre Telefonnummer notwendig. Allerdings müssen Sie hierfür nicht zwingend die Nummer der SIM-Karte verwenden, die sich in Ihrem Smartphone befindet. Trotzdem fehlt es hier, ähnlich wie bei Whatsapp, an Anonymität.

Kurios: Verstecktes Fußball-Spiel im Facebook-Messenger

Signal

Signal wird von Whistleblower Edward Snowden empfohlen. Der Anbieter Open Whisper Systems hat darin seine zwei Apps „Textsecure“ und „Redphone“ vereint und ermöglicht Ende-zu-Ende verschlüsselte Chats sowie VoIP-Telefonate.

Auch beim Messenger Signal können Sie einen Passwortschutz einrichten, damit Unbefugte keinen Zugriff auf Ihre privaten Nachrichten haben.
Vergrößern Auch beim Messenger Signal können Sie einen Passwortschutz einrichten, damit Unbefugte keinen Zugriff auf Ihre privaten Nachrichten haben.

Das spricht dafür: Die Anwendung wurde unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, so können Experten die Zuverlässigkeit der Verschlüsselung leicht überprüfen. Ein weiterer Pluspunkt: Der Zugang zur App lässt sich per Passwort schützen. Damit Ihr Chatverlauf privat bleibt, sind bei Signal keine Screenshots ab Werk möglich. Und die Nachrichten lassen sich automatisch löschen.

Das spricht dagegen: Für die Registrierung bei Signal ist zwar kein Benutzername, dafür aber Ihre Telefonnummer erforderlich. Ein weiterer Nachteil: Für die Kommunikation greift Open Whisper Systems auf die Datenverbindung Google Cloud Messaging zurück. Das führt zu einem ähnlichen Problem wie bei Whatsapp: Zwar kann niemand den Chatinhalt mitlesen, ein Zugriff auf die Metadaten ist allerdings möglich.

Threema

Der verschlüsselte Messenger eines Schweizer Anbieters verfügt über die meisten Sicherheitsfeatures und überzeugt mit Benutzerfreundlichkeit.

Für die Authentifizierung bei Threema können Sie entweder einen QR-Code einscannen, Ihre Kontakte synchronisieren oder nach dem Pseudonym Ihres Gesprächspartner suchen.
Vergrößern Für die Authentifizierung bei Threema können Sie entweder einen QR-Code einscannen, Ihre Kontakte synchronisieren oder nach dem Pseudonym Ihres Gesprächspartner suchen.

Das spricht dafür: Für die Anmeldung bei Threema erstellen Sie mittels Wischen über ein Zahlenfeld zuerst ein Schlüsselpaar und Ihre Threema-ID. Des Weiteren können Sie Ihre Mailadresse und Telefonnummer angeben, damit sie für Ihre Freunde bei Threema sichtbar sind. Dies ist allerdings optional! Der öffentliche Schlüssel wird als QR-Code auf Ihrem Smartphone hinterlegt.

Für die Kontaktaufnahme mit anderen Nutzern bieten sich drei Möglichkeiten mit unterschiedlicher Sicherheitsstufe. Die sicherste Variante ist das persönliche Treffen: Sie scannen mit dem Programm „Barcode Scanner“ den öffentlichen Schlüssel des Gegenübers ein. Mittlere Sicherheit erreichen Sie über die Synchronisierung Ihrer Kontakte. Am unsichersten ist die Suche nach der Nutzer-ID oder dem Pseudonym Ihres Partners. Im Gegensatz zu Whatsapp ist Threema ohne einen Adressbuchabgleich vollständig nutzbar. Auch werden Kontakte und Gruppen direkt auf Ihrem Gerät verwaltet. So entstehen laut Anbieter so gut wie keine Metadaten. Für ein Maximum an Sicherheit lässt sich der Zugang zur Anwendung zusätzlich mit einem Passwort schützen.

Das spricht dagegen: Im Gegensatz zu den anderen Messengern ist Threema nicht kostenlos im Play Store verfügbar. Das Programm schlägt einmalig mit 2,49 Euro zu Buche. Außerdem ist der Quellcode von Threema nicht offengelegt.

Whatsapp hat eine native Desktop-App für Windows und Mac OS herausgebracht. Bisher mussten sich PC- und Mac-Nutzer mit der Web-App begnügen. Allerdings muss wie bei der Web-App das Smartphone per QR-Code gekoppelt werden. Wir haben die Whatsapp-Desktop-App ausprobiert.

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