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Überflüssige Daten löschen: Festplatte freiräumen

22.07.2019 | 14:01 Uhr | Roland Freist

Das Betriebssystem schleppt oft viel Ballast mit sich herum, der dauerhaft Speicherplatz blockiert. Vieles davon können Sie gefahrlos löschen, manches müssen Sie auf jeden Fall behalten. Der Artikel vermittelt das nötige Know-how.

Auch in den Zeiten der Terabyte-Platten gibt es gute Gründe, sparsam mit dem Speicherplatz umzugehen. Denn zum einen stecken in vielen preiswerten Notebooks lediglich SSDs mit Kapazitäten zwischen 64 und 128 GByte, auch bei den teureren Modellen sind meist nur 256 GByte Standard. Zum anderen unterschätzen viele Anwender den Platzbedarf moderner Programme und Windows-Versionen und greifen aus dieser Überlegung – und aus Gründen der Sparsamkeit – ebenfalls zu Platten rund um die 200-GByte-Marke.

Wer bei der Installation von Anwendungen Disziplin walten lässt und seine Fotos und Videos regelmäßig zu einem Clouddienst oder auf ein externes Medium verschiebt, kann natürlich auch mit kleineren Kapazitäten glücklich werden. Dazu gehört aber auch, dass man den Plattenfüllstand regelmäßig überprüft und bei Windows auch darauf achtet, dass das Betriebssystem keinen unnötigen Ballast mitschleppt. Microsoft hat Windows zwar bereits von Haus aus mit einigen automatisch arbeitenden Löschfunktionen für nicht mehr benötigte Dateien ausgestattet. Es gibt jedoch noch wesentlich mehr Ordner, deren Inhalte Sie gefahrlos entsorgen können.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wo Sie beim Aufräumen von Windows ansetzen können. Denn beim Löschen von Systemdateien sollten Sie äußerst vorsichtig vorgehen, um das System nicht dauerhaft zu beschädigen. Zudem lassen sich viele nicht mehr benötigte Files nur über die Kommandozeile und mit speziellen Befehlen entfernen.

Kaufberatung Festplatten: Wie viel Speicher braucht man?

Altes Windows löschen

In den „Einstellungen“ von Windows 10 finden Sie eine Option, um die beim Update zurückgelassenen Systemdateien auf einfachem Weg zu entfernen.
Vergrößern In den „Einstellungen“ von Windows 10 finden Sie eine Option, um die beim Update zurückgelassenen Systemdateien auf einfachem Weg zu entfernen.

Nach dem Update auf eine neue Version von Windows 10 fällt der Ordner „C:\Windows.old“ ins Auge. Offensichtlich handelt es sich um die vorherige Installation des Betriebssystems, die für den Fall, dass etwas nicht funktioniert, noch eine Weile aufgehoben wird. Ärgerlich ist jedoch, dass dieser Ordner meist mehrere Dutzend Gigabyte umfasst und damit eine Menge Platz wegnimmt.

Normalerweise löscht Windows die Vorgängerversion nach zehn Tagen automatisch, Sie brauchen sich also nicht darum zu kümmern. Falls das einmal nicht funktionieren sollte, können Sie auch selbst eingreifen. Das einfache, manuelle Löschen über den Explorer funktioniert allerdings nicht, Windows meldet beim Versuch fehlende Berechtigungen.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, das Problem zu lösen: Der elegante Weg führt über die „Einstellungen“ von Windows im Startmenü. Klicken Sie dort auf „System –› Speicher –› Dieser PC –› Temporäre Dateien“ und setzen Sie ein Häkchen vor „Temporäre Windows-Installationsdateien“. Klicken Sie anschließend oben auf „Dateien entfernen“.

Zum zweiten können Sie auch Windows im abgesicherten Modus neu starten. Anschließend lässt sich „\Windows.old“ einfach über den Explorer löschen. Um den abgesicherten Modus zu erreichen, gehen Sie ebenfalls in die „Einstellungen“ und wählen „Update und Sicherheit –› Wiederherstellung“ und klicken Sie im Abschnitt „Erweiterter Start“ auf „Jetzt neu starten“. Sobald Windows wieder hochfährt, erscheint der Bildschirm „Option auswählen“. Klicken Sie dort auf „Problembehandlung –› Erweiterte Optionen –› Starteinstellungen –› Neu starten“. Sie gelangen nun zu einer Liste mit Startoptionen. Drücken Sie die Taste 4 beziehungsweise F4, um den Computer erneut zu booten, diesmal jedoch in den abgesicherten Modus.

Der Windows 10-Update-Assistent kommt mit den Funktions-Updates von Windows.
Vergrößern Der Windows 10-Update-Assistent kommt mit den Funktions-Updates von Windows.

Nach der Aktualisierung von Windows 10 taucht zudem ein neuer Ordner mit der Bezeichnung „\Windows10Upgrade“ auf Laufwerk C: auf. Genau wie bei „\Windows.old“ handelt es sich dabei um eine Art Sicherungskopie für den Fall, dass beim Upgrade etwas schiefgeht. Der etwa 20 MByte große Ordner wird nach zehn Tagen automatisch entfernt; Sie können ihn aber auch selbst löschen. Dazu müssen Sie lediglich in der Systemsteuerung über „Programme und Features“ das Tool „Windows 10-Update-Assistent“ deinstallieren. Anschließend ist auch der Ordner verschwunden.

Mehr Platz, aber nicht mehr Tempo

Beim Abspecken von Windows und dem Aufräumen unter Ihren Anwendungen und Daten geht es ausschließlich um das Vergrößern des verfügbaren Speicherplatzes. Ein Geschwindigkeitsgewinn springt dabei nicht für Sie heraus. Systembremsen wie fragmentierte Dateien gibt es bei SSDs nicht mehr, auch bei mechanischen Festplatten spielt dieser Punkt keine Rolle mehr. Allerdings werden einige SSD-Typen langsamer, wenn sie randvoll sind. Lediglich einige Funktionen wie die Systemwiederherstellung oder das Auslagern des Speichers auf den Datenträger werden durch den Platzmangel beeinträchtigt. Windows macht Sie in diesem Fall allerdings auf entsprechende Probleme aufmerksam.

Auch das Aufräumen in der Registry führt nicht zu mehr Tempo. Moderne Computer arbeiten diese Datenbank so schnell ab, dass es auf ein paar ins Leere laufende Links mehr oder weniger nicht ankommt. Zudem lässt sich auch der Platzgewinn durch das Löschen nicht benötigter Einträge vernachlässigen.

Datenträgerbereinigung einsetzen

Ein praktisches Werkzeug zum Aufräumen in Windows ist die Datenträgerbereinigung. Für den Aufruf des Programms markieren Sie im Explorer das Laufwerk, das Sie entschlacken wollen, mit der rechten Maustaste und gehen auf „Eigenschaften“. Nach einem Klick auf „Bereinigen“ erscheint die Datenträgerbereinigung. Sie können das Tool aber auch durch Eingabe von Datenträgerbereinigung oder cleanmgr im Suchfeld des Startmenüs und einen anschließenden Klick auf den Programmnamen oder über die Systemsteuerung aufrufen. Gehen Sie dort in der Symbolansicht auf „Verwaltung –› Datenträgerbereinigung“.

Das Gute an diesem Tool ist, dass sich damit keine systemrelevanten Files löschen lassen. Sie können also bedenkenlos Häkchen vor den verschiedenen Optionen setzen, ohne befürchten zu müssen, dass Windows nach dem Löschvorgang nicht mehr funktioniert. Das gilt auch dann, wenn Sie auf den Button „Systemdateien bereinigen“ klicken, der Sie zu einer erweiterten Liste führt. Dafür benötigen Sie allerdings Administratorrechte.

Die Datenträgerbereinigung sollte immer der erste Anlaufpunkt sein, wenn es um die Entlastung der Festplatte geht. Markieren Sie nacheinander die einzelnen Optionen des Programms. Dabei wird jeweils eine Erläuterung eingeblendet, und über den Button „Dateien anzeigen“ können Sie teilweise auch die löschbaren Files einsehen. Setzen Sie jeweils ein Häkchen vor die Option und bestätigen Sie den Löschvorgang schließlich mit „OK“.

Tipp: So prüfen Sie, ob Ihre Festplatte defekt ist

Datenbereinigung für Profis

Die Datenbereinigung enthält ein verstecktes Formular mit weiteren Löschoptionen, das Sie allerdings lediglich über die Eingabeaufforderung erreichen. So gehen Sie vor: Tippen Sie Eingabeaufforderung in das Suchfeld der Taskleiste und klicken Sie rechts neben dem Treffer auf „Als Administrator ausführen“. Tippen Sie anschließend in das neue Fenster den Befehl 

cleanmgr /sageset:65535 /sagerun:65535 

und bestätigen Sie mit der Eingabetaste. Es erscheint nun das Fenster der Datenträgerbereinigung mit einigen neuen, aber auch einigen bereits bekannten Optionen. Auch in diesem Fall gilt, dass Sie mit dem Tool nichts kaputt machen können. Setzen Sie also Häkchen vor die Dateikategorien, die Sie entfernen möchten, und bestätigen Sie mit „OK“.

Temporäre Dateien löschen

Die Datenträgerbereinigung löscht die temporären Dateien in Ihrem persönlichen Ordner unter C:\Benutzer\[Benutzername]\AppData\Local\Temp, nicht jedoch die Files im globalen Windows-Verzeichnis unter C:\Windows\Temp. Für den Zugriff auf diesen Ordner brauchen Sie Administratorberechtigungen. Entsprechend ausgestattet, können Sie die Dateien in diesem Verzeichnis per Hand entfernen. Das funktioniert so auch beim Temp-Ordner in Ihrem Benutzer-Ordner. Das hat den Vorteil, dass die Inhalte anschließend noch im Papierkorb von Windows verfügbar sind. Die Datenträgerbereinigung hingegen entfernt die Files sofort aus dem System.

Wie alle großen Browser bietet auch Mozilla Firefox in seinen Einstellungen an, die gespeicherten Cookies und Websitedaten auf einen Schlag zu löschen.
Vergrößern Wie alle großen Browser bietet auch Mozilla Firefox in seinen Einstellungen an, die gespeicherten Cookies und Websitedaten auf einen Schlag zu löschen.

Ähnlich sieht es aus bei den temporären Internetdateien. Die Datenträgerbereinigung berücksichtigt lediglich die entsprechenden Ordner der beiden integrierten Browser Microsoft Edge und Internet Explorer. Benutzer von Google Chrome finden die entsprechende Funktion in den Einstellungen ihres Browsers unter „Weitere Tools –› Browserdaten löschen“, bei Firefox stehen diese Befehle im Menü unter „Einstellungen –› Datenschutz & Sicherheit“ im Abschnitt „Cookies und Website-Daten“.

Windows aufräumen

Windows besteht aus einer Vielzahl an Ordnern, von denen einige mit der Zeit immer größer werden. Bei einigen davon können Sie den Inhalt löschen, andere wiederum sollten Sie tunlichst nicht anrühren. Dazu gehört unter anderem der Ordner „\Windows\WinSxS“. Windows speichert an dieser Stelle sämtliche Dateien, die es eventuell einmal benötigen könnte, beispielsweise wenn Sie bislang nicht genutzte Funktionen aktivieren oder das Betriebssystem beschädigte Systemdateien reparieren muss. Außerdem hält Windows in WinSxS nach dem Update seiner Komponenten die alten Dateiversionen in petto. Aus diesem Grund nimmt der Umfang dieses Ordners mit der Zeit immer weiter zu.

Dennoch dürfen Sie ihn auf keinen Fall löschen, denn anschließend wäre Windows nicht mehr funktionsfähig. Seit Windows 8 gibt es immerhin die Aufgabe „StartComponentCleanup“, die in Ruhepausen, wenn das System also längere Zeit keine Tastatureingaben oder Mausbewegungen mehr registriert hat, nicht mehr benötigte Dateien aus WinSxS löscht. Dabei spart sie allerdings alle Files aus, die jünger als 30 Tage sind oder durch die Funktion Windows Update auf die Platte kamen. Sie können diese Aufgabe auch selbst starten, und zwar mit dem Befehl 

schtasks.exe /Run /TN „\Microsoft\Windows\Servicing\StartComponentCleanup“

, den Sie als Administrator in die Eingabeaufforderung eingeben.

Alternativ dazu können Sie in Windows 10 in der Eingabeaufforderung den Befehl 

Dism.exe /online /Cleanup-Image /StartComponentCleanup 

ausführen. Er macht im Prinzip das Gleiche wie die zuvor genannte Aufgabe, bezieht jedoch auch Dateien, die jünger sind als 30 Tage, in die Aktion mit ein. Schließlich gibt es noch den Befehl 

Dism.exe /online /Cleanup-Image /StartComponentCleanup /ResetBase

, der sämtliche ersetzten Dateiversionen aus WinSxS entfernt, inklusive der Files aus dem Windows Update. Achtung: Die Ausführung dieser Befehle kann je nach System durchaus eine Stunde oder länger dauern.

Auch im Ordner „\Windows\SoftwareDistribution\Download“ sammelt sich im Laufe der Zeit viel überflüssiger Datenmüll an. Dabei handelt es sich größtenteils um Überbleibsel von Updates, die das Windows Update heruntergeladen und anschließend nicht komplett gelöscht hat. Sie können diese Daten bedenkenlos in den Papierkorb werfen, müssen aber zunächst sicherstellen, dass aktuell keine weiteren Updates anstehen. Starten Sie Windows dazu neu und rufen Sie dann die „Einstellungen“ auf. Öffnen Sie „Update und Sicherheit“ und klicken Sie auf „Nach Updates suchen“. Falls Windows nun eine Aktualisierung findet, warten Sie die Installation ab, starten noch einmal neu und vergewissern Sie sich, dass keine weiteren Updates vorhanden sind.

Anschließend rufen Sie die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten auf und tippen den Befehl 

net stop wuauserv 

ein, um das Windows Update zu beenden. Gehen Sie dann im Explorer zu „\Windows\SoftwareDistribution\Download“ und löschen Sie den Inhalt dieses Ordners – aber nicht den Ordner selbst! Danach setzen Sie das Windows Update mit 

net start wuauserv 

wieder in Gang.

PC schneller machen: Windows, Speicher und Festplatten aufräumen

Treiber aufräumen

Die Treiberpakete einiger Hardwarehersteller hinterlassen bei der Installation Ordner auf dem Laufwerk C:, die dann beispielsweise „\Intel“ oder „\Nvidia“ heißen. Vorsichtshalber sollten Sie von diesen Verzeichnissen ein Backup auf einem anderen Laufwerk speichern, danach können Sie sie getrost löschen.

Anders sieht es aus bei den Treibern im Ordner „C:\Windows\system32\driverstore“. Hier packt Windows zum einen seine eigenen Treiber hinein, zum anderen liegen hier auch die Dateien der aktuell installierten Treiber von Fremdherstellern. Viele dieser Dateien werden in der Regel nicht benötigt. Seien Sie dennoch vorsichtig und kopieren Sie den Inhalt des Ordners auf ein anderes Laufwerk. Legen Sie dort einen neuen Ordner an, den Sie beispielsweise „\treiberbackup“ nennen. Anschließend öffnen Sie die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und tippen den Befehl 

pnputil /export-driver * z:\treiberbackup 

ein, wobei z:\ hier für Ihr Backup-Laufwerk steht.

Dann können Sie beginnen: Geben Sie 

pnputil /e 

ein und drücken Sie die Eingabe-Taste. Sie bekommen nun eine Liste der vorhandenen Treiber angezeigt. Jeder von ihnen besitzt eine Datei mit der Bezeichnung oem[Nummer].inf, also beispielsweise oem1.inf. Tippen Sie nun den Befehl 

pnputil /d oem1.inf 

ein, um diesen Treiber zu löschen. Keine Angst: Falls er von Windows benötigt wird, verweigert das Betriebssystem den Zugriff. Arbeiten Sie die Liste auf diese Weise Eintrag für Eintrag ab – leider lässt sich immer nur ein Treiber auf einmal löschen. Falls es später dennoch einmal zu Problemen wegen eines fehlenden Treibers kommen sollte, können Sie mit dem Befehl 

pnputil /a z:\treiberbackup\*.inf 

die zuvor gesicherten Dateien wiederherstellen.

Nützliche Tools fürs Aufräumen von Dateien

Windirstat:  Für die Suche nach besonders großen Dateien und das Löschen überflüssiger Windows-Files können Sie sich Hilfe bei speziellen Tools holen. Platzfressende Dateien wie etwa Images oder Videos, die in tief vergrabenen Ordnern überlebt haben, finden Sie am besten mit der Freeware Windirstat . Sie zeigt Ihnen die Belegung der Festplatte sowohl als Liste wie auch in grafischer Form an.

Clean Master for PC: Beim Entlasten der Festplatte von nicht mehr benötigten Files unterstützt Sie Clean Master for PC (kostenlos). Wie immer bei solchen Tuning-Tools sollten Sie jedoch Vorsicht walten lassen, da die Software teilweise recht rigoros vorgeht. Idealerweise fertigen Sie zunächst ein Image der Partition an, bevor Sie den Programmen die Lizenz zum Löschen erteilen. Auf jeden Fall sollten Sie die Liste der Dateien kontrollieren, die die Tools entfernen wollen, und im Zweifelsfall lieber einige Files weniger zum Löschen freigeben.

Duplicate Cleaner:  Diese Freeware  findet doppelte Dateien und löscht sie. Wählen Sie einen Ordner aus, und lassen Sie ihn nach doppelten Dateien durchsuchen. Duplicate Finder listet alle doppelten Dateien auf und überlässt Ihnen die Wahl, welche Dateien gelöscht werden sollen.

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