1633014

Ubuntu 12.10 unterstützt UEFI Secure Boot

15.11.2012 | 11:14 Uhr |

Als erste große Linux-Distribution unterstützt Ubuntu 12.10 UEFI Secure Boot. Dabei handelt es sich um eine vor allem durch Microsoft betriebene Erweiterung der EFI-Funktionen: Wenn Secure Boot aktiv ist, kann nur ein Betriebssystem gestartet werden, das mit dem auf dem Mainboard hinterlegten Schlüssel signiert ist. Auf diese Weise ist ausgeschlossen, dass Viren oder andere Schadsoftware bereits in den Bootvorgang eingreifen (was in der Praxis schon bisher nur äußerst selten der Fall war).

Secure Boot wird naturgemäß als Sicherheitsgewinn für Windows-Anwender vermarktet. Aus Linux-Sicht stellt sich UEFI Secure Boot hingegen eher als zusätzliche Hürde dar, um Linux zu installieren. Umso erfreulicher ist es, dass dies in Ubuntu 12.10 (und in Kürze auch mit Fedora 18) gewissermaßen out of the box funktionieren soll.

Wie gut die Installation von Ubuntu 12.10 auf Notebooks und PCs mit vorinstalliertem Windows 8 tatsächlich gelingt, müssen aber erst die nächsten Monate zeigen: Momentan sind Rechner mit UEFI Secure Boot noch Mangelware, so dass ein Test dieser neuen Funktion schwierig ist. Optimistisch stimmt in diesem Zusammenhang der Umstand, dass schon die EFI-Unterstützung durch Ubuntu bisher überdurchschnittlich gut war (also für EFI-Mainboards ohne Secure Boot).

Virtueller Ärger mit Ubuntu Unity

In Ubuntu 12.10 funktioniert Unity nun auch ohne 3D-Treiber. Diese an sich erfreuliche Entwicklung verdankt Ubuntu dem llvm2pipe-Treiber, der auch unter Fedora 17 und openSUSE 12.2 zum Einsatz kommt und dort den Betrieb von Gnome 3 ohne 3D-Treiber ermöglicht. Profitieren sollen von diesem Treiber in erster Linie alle, die Ubuntu in virtuellen Maschinen ausführen, wo es in der Regel keine 3D-Grafikunterstützung gibt.

Rechte Begeisterung stellt sich bei der Verwendung von Ubuntu in VirtualBox oder KVM aber nicht ein: Die Animationseffekte des Unity-Desktops erscheinen selbst bei sehr schnellen Host-Systemen spürbar schleppend (deutlich langsamer als bei Gnome 3), die CPU-Belastung ist erheblich. Ärgerlich ist zudem ein Fehler im Grafiksystem xorg, der in virtuellen Maschinen ein ständiges Springen des Maus-Cursors verursacht (Launchpad-Bug #1041063); immerhin ist ein Bugfix in Arbeit und wird wohl demnächst in Form eines Updates ausgeliefert.

In Ubuntu 12.04 konnten Virtualisierungsanwender auf Unity-2D ausweichen. Dieser Unity-Clone wies zwar einige kleine Einschränkungen auf, war dafür aber sehr performant. In Ubuntu 12.10 stehen die Unity-2D-Pakete nicht mehr zur Verfügung.

Ubuntu Linux und der Kommerz

Bisher war es ja ein Markenzeichen von Windows-PCs, dass diese beim Kauf mit mehreren GByte unerwünschter Software gleichsam „zugemüllt“ wurden: Das Angebot reicht üblicherweise von Microsoft-Office-Demoversionen über diverse Virenschutzprogramme, die nach einem kostenlosen Probemonat ununterbrochen auf das kostenpflichte Update hinweisen, bis hin zu diversen ebenso überflüssigen wie schlecht funktionierenden herstellerspezifischen Hilfsprogrammen, die bereits vorhandene Betriebssystemfunktionen duplizieren (Backups, Bildverwaltung etc.) Für jedes dieser vorinstallierten Programme erhält der PC-Hersteller ein paar Cent.

In den Suchergebnissen des Startmenüs wird Werbung für den Ubuntu One Music Store und in manchen Ländern auch für Amazon angezeigt.
Vergrößern In den Suchergebnissen des Startmenüs wird Werbung für den Ubuntu One Music Store und in manchen Ländern auch für Amazon angezeigt.
© Kofler

Auf diesen Zug möchte man nun anscheinend auch bei Canonical aufspringen. Den Anfang machen dabei Amazon und der Ubuntu One Music Store: Einerseits führen unübersehbar im Dock platzierte Icons direkt auf die entsprechenden Websites, andererseits werden in den Suchergebnissen des Startmenüs neben installierten Programmen und lokalen Dateien auch gleich (mehr oder weniger) passende Artikel oder Musikstücke präsentiert. Die Angebote sind noch nicht gut für den deutschen Markt optimiert, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden: Mark Shuttleworth macht auf seinem Blog unmissverständlich klar, dass Amazon nur der erste Schritt sei. In zukünftigen Ubuntu-Versionen sollen auch die Suchergebnisse anderer Anbieter präsentiert werden.

Im Modul »Privatsphäre« der Systemeinstellungen kann die Online-Suche und damit auch die Werbung im Startmenü einfach unterbunden werden.
Vergrößern Im Modul »Privatsphäre« der Systemeinstellungen kann die Online-Suche und damit auch die Werbung im Startmenü einfach unterbunden werden.
© Kofler

Immerhin ist es unter Ubuntu einfacher als unter Windows, dem Spuk ein Ende zu bereiten: Im Modul Privatsphäre der Systemeinstellungen gibt es die neue Option Online-Suchergebnisse präsentieren. Wird diese deaktiviert, verschwinden die Werbeeinblendungen im Startmenü. Die nun noch verbleibenden Amazon- und Ubuntu-One-Store-Icons können mit wenigen Mausklicks aus dem Dock entfernt werden.

Aber auch sonst ist unübersehbar, das Canonical nach neuen Einnahmequellen sucht: Das Angebot kommerzieller Programme im Ubuntu Software Center wächst (was ja durchaus positiv zu sehen ist!), und in die Download-Seite von ubuntu.com ist nun ein Spendenaufruf integriert: der geneigte Ubuntu-Unterstützer darf gleich mitbestimmen, welche Komponenten von Ubuntu mit seiner Spende vorrangig weiterentwickelt werden sollen.

Es scheint allerdings zweifelhaft, dass die so erzielten Beträge eine ernsthafte Einnahmequelle darstellen können. Viel größer ist die Gefahr, mit diesen Maßnahmen langjährige Ubuntu-Fans zu verprellen.

PC-WELT Marktplatz

1633014