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Xubuntu mit XFCE: Linux-Desktop - nicht nur für schwächere Hardware geeignet

02.10.2017 | 13:30 Uhr |

XFCE ist ein Klassiker unter den schlanken Linux-Desktops. Die Oberfläche wird allen Nutzern gefallen, die gerne mit einem Startmenü und Desktop im Stil von Windows XP oder 7 arbeiten.

Das XFCE-System Xubuntu kommt mit 512 MB Hauptspeicher aus und belegt frisch installiert auf der Festplatte etwa vier GB. Wie bei allen Systemen, die auf Ubuntu basieren, muss die CPU PAE unterstützen. Zur Zeit ist die Version 17.04 aktuell (Support bis Januar 2018). Wer länger Ruhe vor Upgrades haben möchte, verwendet die LTS-Version 16.04.2, die noch bis April 2019 mit Updates versorgt wird. Die Installation verläuft so wie bei den anderen Ubuntu-Varianten.

Die Xubuntu-Desktopumgebung

Überzeugen kann XFCE vor allem durch Geschwindigkeit und geringen Ressourcenverbrauch. Auch auf einem mehrere Jahre alten Notebook mit einfacher Ausstattung macht der Desktop nicht nur eine gute Figur, sondern ist richtig schnell. Das Arbeiten mit mehreren Fenstern oder das Dateimanagement belasten das System nicht spürbar. Daher ist XFCE die richtige Wahl für nicht mehr taufrische Hardware oder begrenzten Speicher. Netbooks mit einem GB RAM sind für Xubuntu eine völlig ausreichende Hardwarebasis.

XFCE bietet verhältnismäßig wenige Anwendungen und Tools, die gezielt für die Desktopumgebung geschrieben wurden. Viele bekannte Apps, die sich seit Jahren bei den Linux-Anwendern bewährt haben, wurden für andere Umgebungen geschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Fotoverwaltung Digikam, die bei der Installation eine ganze Reihe von KDE-Systembibliotheken mitbringt. Das kostet dann natürlich wieder Speicherplatz und bläht das im Prinzip schlanke System auf.

Die Xubuntu-Entwickler haben jedoch für die Standardinstallation einen gangbaren Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Komfort beziehungsweise gewohnten Anwendungen gefunden. So sind beispielsweise die Schwergewichte Firefox und Libre Office vorinstalliert, als Texteditor kommt jedoch statt Gedit das schlanke Mousepad zum Einsatz.

Wem Xubuntu zu wenig Anwendungen bietet, findet die grafische Softwarezentrale (gnome-software) reichlich Nachschub.
Vergrößern Wem Xubuntu zu wenig Anwendungen bietet, findet die grafische Softwarezentrale (gnome-software) reichlich Nachschub.

Weitere Programme installieren Sie über das Anwendungsmenü und „Alle -> Software“. Damit starten Sie das Tool gnome-software. Sie können nach Programmen suchen, sich durch die Empfehlungen inspirieren lassen oder in den Kategorien stöbern. Die Registerkarte „Aktualisierungen“ informiert Sie außerdem über anstehende Updates.

Hinweis: Direkt nach der Installation erscheinen einige Programme in englischer Sprache. Um das zu ändern, klicken Sie links oben auf das Icon des Startmenüs und dann im unteren Bereich auf das dritte Icon von rechts („Alle Einstellungen“). Klicken Sie auf „Sprachen“. Xubuntu prüft die Sprachunterstützung und es erscheint ein Fenster, in dem Sie auf „Installieren“ klicken. Tippen Sie das Kennwort ein, das Sie bei der Installation festgelegt haben, und klicken Sie auf „Legitimieren“.

Lesetipp Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

XFCE-Panel nutzen und konfigurieren

Der Desktop von XFCE ist klassisch aufgebaut. Standardmäßig gibt es am oberen Bildschirmrand eine Leiste (xfce4-panel), die auch Schaltflächen für die laufenden Anwendungen zeigt und damit als Taskleiste dient. Im rechten Bereich der Leiste sehen Sie Icons etwa für die Netzwerkverbindung und Lautstärke sowie Datum und Uhrzeit. Nach einem Klick auf das Netzwerkicon können Sie über das Menü WLAN-Verbindungen herstellen oder die Verbindungen bearbeiten.

Am linken Rand der Leiste ist das Startmenü untergebracht, über das Sie Programme suchen und öffnen. Es handelt sich um das Leistenapplet Whisker-Menü, das die installierten Anwendungen übersichtlich in Gruppen wie „Büro“ oder „Grafik“ anordnet. In der Liste im linken Bereich des Fensters sehen Sie die vordefinierten Favoriten. Was Sie nicht benötigen, löschen Sie über den Kontextmenüpunkt „Aus Favoriten entfernen“. Häufig genutzte Anwendungen nehmen Sie über das Kontextmenü „Zu Favoriten hinzufügen“ in die Liste auf.

Das Menü enthält ein Suchfeld, das wie ein Filter arbeitet. Tippen Sie einfach einen Begriff wie „Taschenrechner“ ein. Schon nach den ersten Buchstaben erhalten Sie ein Ergebnis. Das Suchfeld kann aber noch mehr. Stellen Sie dem Suchbegriff ein „#“ voran, beispielsweise

#grep

Es öffnet sich ein Terminalfenster mit der Hilfe zum Tool grep. Verwenden Sie „!w“, um einen Begriff über den Browser in der Wikipedia zu suchen, und „!“, um einen Befehl im Terminalfenster zu starten.

Programme starten: Starterelemente können auf Leisten oder auf dem Desktop liegen.
Vergrößern Programme starten: Starterelemente können auf Leisten oder auf dem Desktop liegen.

Außerdem sollte das Suchfeld eine URL im Browser öffnen, wenn Sie „http://“ voranstellen. Das funktioniert bei Xubuntu zur Zeit jedoch nur mit relativ kurzen Adressen, weil das Eingabefeld nicht mehr als 15 Zeichen verarbeitet.

Die Kurzbefehle zum Suchfeld lassen sich konfigurieren. Dazu klicken Sie das Icon des Startmenüs mit der rechten Maustaste an, gehen auf „Eigenschaften“ und dann auf die Registerkarte „Suchbefehle“. Ändern Sie für den Eintrag „Wikipedia“ die Webadresse hinter „Befehl“ auf

https://de.wikipedia.org/wiki/%u

Die Suche erfolgt dann in der deutschsprachigen statt der englischsprachigen Wikipedia. Über die „+“-Schaltfläche fügen Sie neue Einträge hinzu, etwa um eine Suche über Google durchzuführen. Verwenden Sie das Muster „!g“ und als Befehl

exo-open --launch WebBrowser https://www.google.de/search?q=%u

Neue Leisten und Applets: Über das Kontextmenü der Leiste gehen Sie auf „Leiste -> Leisteneinstellungen“. Hier können Sie über die „+“-Schaltfläche weitere Leisten anlegen, die sich über die Einstellung hinter „Modus“ horizontal oder vertikal anordnen lassen. Mit der Maus ziehen Sie eine Leiste an die gewünschte Position auf dem Bildschirm. Es gibt ein reiches Angebot an Applets, darunter das generische „Starter“-Applet, um die Leiste funktional auszubauen. Gehen Sie auf die Registerkarte „Objekte“, klicken Sie auf „+“, wählen das gewünschte Element aus und klicken auf „Hinzufügen“. Die meisten Applets bieten gesonderte Einstellungen, die Sie über die Schaltfläche mit dem Zahnradsymbol aufrufen.

Ein schneller Weg, Applets in Leisten einzubauen, führt über den Kontextmenüpunkt „Leiste -> Neue Elemente hinzufügen“. Klicken Sie das gewünschte Element an und dann auf „Hinzufügen“. Die Applets werden standardmäßig rechts angefügt, bei vertikalen Leisten unten. Das Verschieben an den gewünschten Ort ist nach Rechtsklick und „Verschieben“ möglich – übrigens auch von einer Leiste zur anderen.

Wenn Sie ein „Starter“-Element hinzugefügt haben, konfigurieren Sie es über den Kontextmenüpunkt „Eigenschaften“. Klicken Sie auf das Icon „Neues Objekt hinzufügen“ und tragen Sie die erforderlichen Werte in den Dialog ein. In der Regel genügt es, hinter „Name“ die Bezeichnung eines Programms einzutragen, beispielsweise „firefox“. Während Sie tippen, erscheint der Vorschlag „Starter für Firefox Web Browser erstellen“. Klicken Sie diesen an, damit der Rest der Eingabefelder automatisch ausgefüllt wird. Klicken Sie auf „Erstellen“ und dann auf „Schließen“.

Einstellungen sichern: Wer Leisten und Applets individuell konfiguriert hat, sollte nach Abschluss der Arbeiten eine Sicherungskopie anlegen. Dazu gehen Sie im Menü auf „Einstellungen -> XFCE Leistenschalter“. Wählen Sie „Aktuelle Konfiguration“, klicken Sie auf das Icon „Konfiguration speichern“ (zweites von links), vergeben Sie eine Bezeichnung für die Sicherung und klicken Sie auf „Konfiguration speichern“. In der Liste sehen Sie auch einige Dateien, die Xubuntu mitliefert. „Xubuntu Modern“ enthält die Standardkonfiguration. Per Klick auf das Icon „Konfiguration anwenden“ (erstes von links) lesen Sie die in der Liste gewählte Datei ein.

Virtuelle Desktops erleichtern die Arbeit mit Xubuntu vor allem bei kleinen Monitoren.
Vergrößern Virtuelle Desktops erleichtern die Arbeit mit Xubuntu vor allem bei kleinen Monitoren.

Den XFCE-Desktop verwenden

Anders als bei Ubuntu, lässt sich unter Xubuntu der Desktop („Schreibtisch“) produktiv nutzen. Über das Kontextmenü erstellen Sie Ordner, Textdokumente sowie Verknüpfungen zu Internetadressen. Per Klick auf „Starter erstellen“ legen Sie einen Programmstarter an wie im vorherigen Punkt für Leisten beschrieben. Allerdings will Xubuntu Sie vor sich selber schützen. Nach einem Doppelklick auf den neu erstellten Starter erscheint das Fenster „Nicht vertrauenswürdiger Anwendungsstarter“, in dem Sie auf „Als ausführbar markieren“ klicken. Erst dann wird das Programm gestartet und weitere Nachfragen unterbleiben.

Starter lassen sich auch über das Anwendungsmenü erstellen. Wählen Sie im Kontextmenü des gewünschten Programms „Zum Schreibtisch hinzufügen“. Ein auf diesem Weg angelegter Starter ist standardmäßig „vertrauenswürdig“. Sie können außerdem einen Programmeintrag bei gedrückter linker Maustaste vom Menü auf dem Desktop ziehen, um einen Starter zu erzeugen.

Das Aussehen und einige Funktionen des Desktops legen Sie über den Kontextmenüpunkt „Schreibtischeinstellungen“ fest. Auf der Registerkarte „Hintergrund“ geben Sie ein Hintergrundbild an oder stellen eine Farbe ein. Alle Änderungen werden sofort wirksam. „Speichern“-Schaltflächen gibt es in den XFCE-Einstellungen in der Regel nicht.

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Mehrere Arbeitsflächen nutzen

Um einen raschen Wechsel mit der Maus zwischen den Arbeitsflächen zu ermöglichen, bauen Sie per Rechtsklick auf eine Leiste über „Leiste -> Neue Elemente hinzufügen“ einen Arbeitsflächenumschalter ein. In dessen „Eigenschaften“ klicken Sie auf „Arbeitsflächeneinstellungen“. Stellen Sie die gewünschte Menge der Arbeitsflächen ein. Zwischen den Arbeitsflächen wechseln Sie dann entweder per Mausklick über den Arbeitsflächenumschalter oder Sie nutzen die Tastenkombination Strg-Alt-Cursor-rechts/links, um zwischen den Desktops zu wechseln. Möchten Sie ein Programmfenster von einem Desktop auf einen anderen verschieben, klicken die Miniaturabbildung des Programms im Arbeitsflächenumschalter an und ziehen es einfach in eine andere Fläche.

Bei einem aktiven Fenster öffnet die Tastenkombination Alt-Leertaste das Aktionsmenü. Darüber lässt sich ein Programmfenster eine andere Arbeitsfläche verschieben.

Weitere XFCE-Einstellungen anpassen

Für Einsteiger empfiehlt es sich, einen Blick auf „Einstellungen“ im Startmenü zu werfen. Hier tauchen die wichtigsten Einstellungen in einer Liste auf. Der Einstellungsmanager ist jedoch übersichtlicher. Sie starten ihn über das Menü und das dritte Icon von rechts am unteren Rand. Um eine Einstellung zu öffnen, genügt ein einfacher Mausklick. Meist erfolgt die Darstellung innerhalb des Einstellungsmanagers. Über die Schaltfläche „Alle Einstellungen“ gelangen Sie zurück zur Übersichtsseite. Manchmal öffnet sich auch ein neues Fenster und der Einstellungsmanager bleibt im Hintergrund sichtbar.

Tastatur statt Maus: XFCE lässt sich auch gut über die Tastatur bedienen. Das Anwendungsmenü beispielsweise öffnen Sie mit der Tastenkombination Strg-Esc. Innerhalb des Menüs navigieren Sie mit den Cursortasten und der Tab-Taste. Über die Enter-Taste öffnen Sie ein Menü oder starten ein Programm.

In Xubuntu sind bereits einige Tastenkürzel für den Start von Programmen voreingestellt.
Vergrößern In Xubuntu sind bereits einige Tastenkürzel für den Start von Programmen voreingestellt.

Welche Tastenkombinationen es gibt, erfahren Sie im Einstellungsmanager nach einem Klick auf „Tastatur“. Gehen Sie auf die Registerkarte „Tastenkürzel für Anwendungen“. Hier sehen Sie, dass sich der Dateimanager über „Super+F“ öffnen lässt. Mit „Super“ ist die Windows-Taste gemeint. Um eine Zuweisung zu ändern, klicken Sie doppelt auf einen Eintrag in der Spalte „Tastenkürzel“. Drücken Sie dann die gewünschte Tastenkombination. Die Befehlszeile des jeweils zugehörigen Starters ändern Sie per Klick auf „Bearbeiten“. Über „Hinzufügen“ definieren Sie weitere Anwendungen und Tastenkürzel.

Es gibt außerdem einen Satz von Tastenkombinationen für die Fenstersteuerung. Die Konfiguration finden Sie im Einstellungsmanager nach einem Klick auf „Fensterverwaltung“ auf der Registerkarte „Tastatur“.

Den wichtigsten Aktionen sind bereits Tastenkürzel zugewiesen, die den üblichen Standards entsprechen. Beispielsweise „Alt+Tabulator“ für „Fenster durchwechseln“ und „Alt+F4“ für „Fenster schließen“.

Es kann nützlich sein, auch für „Fenstergröße ändern“ eine Tastenkombination festzulegen, beispielsweise Alt-F10. Darüber lässt sich dann die Fenstergröße ändern, indem sie einfach die Maus bewegen. Ein Mausklick beendet den Modus.

Was Sie wollen: Das Anwendungsmenü lässt sich frei konfigurieren.
Vergrößern Was Sie wollen: Das Anwendungsmenü lässt sich frei konfigurieren.

Anwendungsmenü bearbeiten: Wenn Sie eigene Einträge zum Anwendungsmenü hinzufügen, das Menü anders gruppieren oder Einträge ausblenden wollen, klicken Sie im Einstellungsmanager auf „Menübearbeitung“. Über die „+“-Schaltfläche bauen Sie neue Starter ein oder erstellen über „Verzeichnis hinzufügen“ weitere Programmgruppen. Die Beschriftung des gerade ausgewählten Menüs oder Starters ändern Sie im rechten Bereich des Fensters per Klick auf den vorgegebenen Namen. Selbst hinzugefügte Einträge können Sie über die Schaltfläche „Löschen“ wieder entfernen. Bei Standardeinträgen gibt es jeweils die Einstellung „Im Menü verstecken“.

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Empfohlene Alternativen mit XFCE-Desktop

Debian mit XFCE (siehe www.debian.org/CD/live/ ) leistet wenig Vorarbeit bei der Einrichtung des Desktops. Nach der Installation erscheint die Oberfläche relativ schmucklos bis unattraktiv und muss vom Anwender erst angepasst werden. Im Gegenzug ist Debian XFCE aber noch ein Stück ressourcensparender als Xubuntu mit XFCE. Die Alltagsbedienung unterscheidet sich nicht wesentlich.

Antix MX 16 oder 14.4 ( http://antix.mepis.org ) mit XFCE als Standarddesktop ist auf Altrechner-Recycling spezialisiert. Es bietet sogar noch eine Non-PAE-Variante, allerdings nur von der älteren Version 14.4 ( https://sourceforge.net/projects/antix-linux/files/ ). Theoretisch reichen dem System eine Pentium-II-CPU und 512 MB RAM. Das Nachinstallieren von Software mit dem „MX-Paket-Installer“ erfordert etwas Einarbeitung.

Xubuntu

Systembasis:

Ubuntu

Einsatzzweck:

Desktopsystem (nicht nur) für ältere PCs und Notebooks

Zielgruppe:

alle, auch Einsteiger

Hardwareansprüche:

gering

Projektseite:

https://xubuntu.org

Merkmale:

schnelle, funktionale, ausgereifte Oberfläche auf solider Ubuntu-Basis für Freunde des klassischen Desktops mit Startmenü und produktiv nutzbarem Desktop

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