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Gnome, KDE, Budgie & Co.: Die wichtigsten Einstellungen für Ubuntu-Oberflächen

27.04.2015 | 12:24 Uhr | Hermann Apfelböck

Ubuntu-Varianten liefern ihre Desktops stets sinnvoll vorkonfiguriert aus. Wer sich zu Hause fühlen will, kommt trotzdem um individuelle Anpassungen nicht herum. Das ist eher Spaß denn Arbeit, wenn man weiß, wo und wie es geht.

Alle Ubuntu-Flavours haben ihre eigenen Vorzüge – sei es durch Optik, Umfang, Bedienung oder Anspruchslosigkeit. Der folgende knappe Durchgang zur Desktopoptimierung macht Folgendes deutlich: Gnome ist eigen und errichtet manche Hürden für Desktopbastler. Mit KDE (Kubuntu) geht eigentlich immer alles, die Fragen nach dem „Wo“ und „Wie“ sind aber nicht immer offensichtlich. Mate, LXQT (Lubuntu) und XFCE (Xubuntu) sind ohne Grübelei für alle Anpassungen aufgeschlossen, XFCE am logischsten und einfachsten. Das schicke Budgie ist eigenwillig wie Gnome und lässt dabei noch manchen Desktopstandard vermissen.

Leistenapplets und Miniprogramme

Die Systemleisten aller Ubuntu-Desktops liefern diverse vorgegebene Elemente mit wie Hauptmenü, Taskübersicht, Sitzungsmenü („Aktionsknöpfe“) oder Zeitanzeige. Die Leisten sind aber modular ausbaufähig (den Sonderfall Gnome siehe unten). Die meisten Desktops bieten direkt nach Rechtsklick auf die Leiste ein Kontextangebot wie „Leiste –› Neue Elemente hinzufügen“. Verbindliche Regel ist das nicht: Der Budgie-Desktop kann die Systemleiste nur über „Systemwerkzeuge –› Budgie Desktop Einstellungen –› Obere Leiste“ bestücken.

Zu empfehlenswerten Applets gehört etwa der „Arbeitsflächenumschalter“. Weitere interessante Applets sind „Aktionsknöpfe“ mit Beenden- und Abmeldefunktionen oder das kleine Applet „Orte“ (auch „Places“) für den schnellen Zugriff auf Laufwerke. Beachten Sie, dass viele Leistenapplets nach Rechtsklick und „Eigenschaften“ weitere Detailoptionen anbieten. Das Verschieben an eine andere Stelle ist entweder nach Rechtsklick und „Verschieben“ möglich oder in einem speziellen Konfigurationstool für die Leiste (Budgie, auch XFCE – aber hier nicht zwingend nötig).

Am KDE-Desktop nennen sich die Applets „Miniprogramme“. Nach Rechtsklick auf die Leiste und „Miniprogramme hinzufügen“ kann das gewünschte in einem Auswahl- und Vorschaufenster per Doppelklick übernommen werden. Neben den vorinstallierten Miniprogrammen gibt es zahllose weitere im Web. Entfernen lassen sich Elemente aus der Kontrollleiste nur, wenn Sie mit dem Symbol ganz rechts (oder ganz unten) den Leistenbearbeitungsmodus aktivieren. Auf diesem Weg sind dann auch Leisteneinstellungen wie Größe, Position und Abblendverhalten möglich.

Dockapplet (oben) versus Plank (rechts): Wie hier in Mate ist Plank fast überall das einfachere, elegantere und schneller eingerichtete Favoritendock gegenüber einem Leistenapplet.
Vergrößern Dockapplet (oben) versus Plank (rechts): Wie hier in Mate ist Plank fast überall das einfachere, elegantere und schneller eingerichtete Favoritendock gegenüber einem Leistenapplet.

Favoritendock: Immer mit Plank?

Jedes Ubuntu bietet einen Favoritenstarter für die wichtigste Software (Dock) und investiert dafür einige Mühe. Die Hauptversion hat Gnome mit dem funktionsreichen „Dash to Dock“ ausgestattet, das über „Systemeinstellungen –› Dock“ im Wesentlichen, über den Dconf-Editor (im Pfad „org.gnome.shell.extensions.dash-to-dock“) im Detail zu optimieren ist. Die Mate-Version hat ein Dockapplet und LXQT einen „Schnellstarter“, die beide mit Drag & Drop über das Hauptmenü zu bestücken sind. Eine ähnlich einfache Dockalternative bietet Xubuntu, das seinen Starter ebenfalls via Hauptmenü mit dem Kontext „Zur Leiste hinzufügen“ füllen lässt. Vergleichbar, aber mit größeren optischen Möglichkeiten arbeitet das Miniprogramm „Schnellstarter“ unter KDE, das mit „Starter hinzufügen“ einen Dialog zur Programmauswahl anbietet.

Vielleicht abgesehen vom Dock in Gnome sind aber alle Lösungen relativ fummelig – beim Bestücken des Docks wie beim Verschieben von Symbolen. Aus unserer Sicht macht Ubuntu Budgie in diesem Punkt das einzig Richtige: Es verzichtet auf eine eigene Lösung und liefert einfach standardmäßig das bewährte Plank-Dock mit. Das mit

sudo apt install plank

überall im Handumdrehen nachinstallierbare Tool zeigt die Symbole aller gestarteten Programme, die sich nach Rechtsklick und „Im Dock behalten“ dauerhaft anheften lassen. Positionsverschiebungen sind per Drag & Drop intuitiv und einen überflüssigen Favoriten gefziehen Sie einfach vom Dock auf den Desktop. Damit das Dock dauerhaft läuft, muss es unter „Systemeinstellungen –› Startprogramme“ mit dem schlichten Befehl „plank“ eingerichtet werden. Die Konfiguration des Docks erreichen Sie durch Drücken der Taste Strg und Rechtsklick auf ein beliebiges Dock-Icon. Plank wäre unterm Strich wohl auch besser als Canonicals „Dash to Dock“, jedoch gibt es keine sanfte Möglichkeit, das Dock aus der Ubuntu-Hauptedition zu entfernen.

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Gnome und die „Erweiterungen“

Die Ubuntu-Hauptedition bietet keinen direkten Weg, die Systemleiste zu erweitern. Möglich ist dies dennoch reichhaltig über die Installation von Erweiterungen („Gnome-Extensions“ von https://extensions.gnome.org/ ). Der einfachste Weg – es gibt auch eine Browserschnittstelle – führt über das Softwarecenter (gnome-software) unter „Erweiterungen –› Shell-Erweiterungen“. Die Auswahl ist opulent, aber auch äußerst unübersichtlich. Immerhin können Sie bei Kenntnis der gewünschten Erweiterung eine Namenssuche starten, indem Sie einfach zu tippen beginnen. Nicht alle Erweiterungen laufen unter neuestem Ubuntu 19.04. Hier hilft nur Ausprobieren und notfalls wieder Deinstallieren. Alle installierten Erweiterungen finden Sie im Softwarecenter unter „Installiert“ ganz unten am Dialogende. Für bessere Übersicht und schnelles Aktivieren, Deaktivieren und Konfigurieren der installierten Erweiterungen empfiehlt sich das auch sonst unentbehrliche Tool gnome-tweaks („Optimierungen“ mit seinem Unterpunkt „Erweiterungen“).

Erweiterter Gnome: Hier ist der Desktop durch eine Reihe von Erweiterungen ergänzt – am auffälligsten das konventionelle Menü „Anwendungen“ und die Taskleiste unten.
Vergrößern Erweiterter Gnome: Hier ist der Desktop durch eine Reihe von Erweiterungen ergänzt – am auffälligsten das konventionelle Menü „Anwendungen“ und die Taskleiste unten.

Einige empfehlenswerte Erweiterungen: Das Frippery Applications Menu ist ein ganz einfaches Hauptmenü mit ausklappbaren Kategorien. Diese Erweiterung schaltet die Gnome-„Aktivitäten“ ab und führt zu einem sehr minimalistischen Desktop. Das Frippery-Menü ist aber gut kombinierbar mit folgenden Erweiterungen:

Das Frippery Bottom Panel bietet am unteren Bildschirmrand eine Taskliste und einen Desktopwechsler – beides sehr einfache, aber funktionale Elemente.

Window List entspricht funktional dem Frippery Bottom Panel und erscheint mit Taskliste und Desktopumschalter ebenfalls als eigene Leiste am unteren Bildschirmrand.

Der Clipboard Indicator ist ein gut konfigurierbares Tool für Textteile aller Art und zeigt sich nach der Einrichtung in der Systemleiste mit einem Zettelsymbol.

Virtuelle Desktops

Mehrere Arbeitsflächen (virtuelle Desktops) schaffen mehr Platz auf dem Bildschirm. Der Wechsel zwischen den Desktops erfolgt meistens mit Strg-Alt-Cursor-rechts/links (auch Cursor-oben/unten), oft auch mit Windows-Taste und Bild-oben/unten. Drückt man zur Tastenkombination die Umschalt-Taste hinzu, lässt sich auf einigen Desktops das gerade aktive Fenster auf den nächsten Desktop verschieben. KDE (Kubuntu) tanzt aus der Reihe und nutzt als Desktopumschalter Strg-F1, Strg-F2 und so fort. Ein Verschieben von Fenstern mit Hotkeys ist unter KDE nicht vorgesehen, aber über das Kontextmenü der Fenstertitelleiste hier wie auf jedem anderen Desktop jederzeit möglich.

Trotz voreingestellter Hotkeys ist für das Hantieren mit virtuellen Desktops ein Applet für die Systemleiste zu empfehlen. Auf deutschem System heißt das Applet „Arbeitsflächenumschalter“ oder ähnlich. Der erlaubt nicht nur den Desktopwechsel per Mausklick, sondern im Kontextmenü auch die Konfiguration der Desktops allgemein (Anzahl, Name, Animation beim Wechsel). Außerdem gibt es standardmäßig oder bei einer aktiven Option („Miniaturansicht“) eine symbolische Fensterdarstellung in dem kleinen Applet, das ein Verschieben von Fenstern mit der Maus beherrscht: Einfach das winzige symbolisierte Fenster von einem Desktopkästchen in das nächste ziehen. Solche Miniaturansicht und Drag & Drop kann aber nicht jeder „Arbeitsflächenumschalter“, wie sich am Budgie-Desktop zeigt.

„Arbeitsflächenumschalter“: Das Leistenapplet lohnt sich auf allen Desktops, die eine Miniaturansicht der Fenster und das Verschieben derselben anbieten.
Vergrößern „Arbeitsflächenumschalter“: Das Leistenapplet lohnt sich auf allen Desktops, die eine Miniaturansicht der Fenster und das Verschieben derselben anbieten.

Desktops mit KDE-Aktivitäten

Diese KDE-Spezialität erweitert das Angebot der virtuellen Desktops. „Aktivitäten“ können Arbeitssituationen inklusive Anwendungssoftware, Miniprogramme, Desktopanpassungen und Hintergrundbilder einrichten und per Hotkey wechseln. Mit den üblichen virtuellen Desktops ist das nicht zu vergleichen, weil KDE diese Aktivitäten dauerhaft speichert. Sie gelten auch nach Neuanmeldung oder Neustart weiter. Ausgangspunkt ist das kleine Symbol „Werkzeugkasten“ in der rechten oberen Ecke und der Punkt „Aktivitäten“.

Alternativ führt der Hotkey Super-Q direkt zu dieser Funktion. Nach „Aktivität erstellen“ richten Sie den Desktop nach Wunsch ein. Zwischen den Desktops wechseln Sie dann mit dem Hotkey Super-Tab oder mit Super-Q und anschließender Auswahl per Mausklick.

Sonderfall virtueller Desktop: Mit KDE-Aktivitäten können Sie sich eigenständige Arbeitsumgebungen mit unterschiedlicher Desktopkonfiguration einrichten.
Vergrößern Sonderfall virtueller Desktop: Mit KDE-Aktivitäten können Sie sich eigenständige Arbeitsumgebungen mit unterschiedlicher Desktopkonfiguration einrichten.

Tastenkombinationen aufräumen und erstellen

Einen Überblick zu voreingestellten Hotkeys erhalten Sie unter „Systemeinstellungen –› (Geräte) –› Tastatur“. Hier werden Sie unter „Tastenkombinationen“ oder „Tastenkürzel“ (KDE unter „Kurzbefehle“) viele aktivierte Standardhotkeys antreffen, die Sie kaum nutzen. Die Windows-Taste nennen die meisten Desktops „Super“, KDE hingegen „Meta“. Hotkeys, die Sie definitiv nicht interessieren, können Sie abschalten. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn Sie Kollisionen mit eigenen Hotkeys vermeiden wollen. Um einen Hotkey zu deaktivieren, müssen Sie im Dialog „Tastenkombination festlegen“ die Rücktaste drücken (nicht die Taste „Entf“, wie es der Hilfetext mit seiner Bezeichnung „Löschtaste“ nahelegt). Unter KDE gelingt das Deaktivieren durch die Option „Benutzerdefiniert“, die Sie dann unbelegt lassen. Sie können aber auch jeden Standardhotkey auf die beschriebene Weise umbelegen, indem Sie die gewünschte Tastenkombination drücken.

Für eigene Hotkey-Aktionen gibt es entweder eine eigene Rubrik (KDE) oder eine Schaltfläche „Hinzufügen“ im Hauptdialog. Diskret bis zur Unauffindbarkeit bietet Ubuntu Gnome am unteren Ende des Fensters „Tastatur“ ein Schaltfläche mit „+“-Zeichen, die solche benutzerdefinierte Hotkeys anlegt. Die Vorgehensweise ist dann überall ähnlich: Sie geben „Name“ (unwichtig) und „Befehl“ (wichtig) ein. Der Befehl könnte etwa „gnome-control-center“ lauten. Mit „Tastenkombination festlegen“ (oder ähnlich) drücken Sie dann den Hotkey Ihrer Wahl. Kandidaten für schnelle Hotkeys sind nicht nur Programme, sondern auch Tools wie xkill.

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DPI-Wert für Schriftgrößen

Wie schon im vorangehenden Beitrag angesprochen, kann Gnome via Gnome-Tweaks über die Schriftgröße das Monitorbild optimieren. Bei KDE lässt sich der gewünschte DPI-Wert ebenfalls erzwingen und in Ubuntu Budgie bietet das Systemwerkzeug „Budgie Desktop Einstellungen“ die Skalierung unter „Schriftarten“.

Auch XFCE kann Schriften skalieren: Den Weg zu dieser Option sollte man kennen, da er bei üblicher Durchsicht der Einstellungen gewiss nicht ins Auge fällt.
Vergrößern Auch XFCE kann Schriften skalieren: Den Weg zu dieser Option sollte man kennen, da er bei üblicher Durchsicht der Einstellungen gewiss nicht ins Auge fällt.

Auf anderen Desktops ist diese Funktion ebenfalls erreichbar, aber weniger offensichtlich: Lubuntu (LXQT) zeigt den Punkt noch relativ prominent unter „Erscheinungsbild –› Schriften“. Unter Ubuntu Mate gehen Sie in den Systemeinstellungen auf „Erscheinungsbild –› Schriften“ und dann auf „Details“. Ganz oben lässt sich der DPI-Wert exakt einstellen, sofern Sie vorher die automatische Erkennung abschalten.

Unter Xubuntu (XFCE) geht es noch etwas tiefer: Die Systemeinstellungen bieten den Punkt „Einstellungsbearbeitung“. Hier geht es ganz nach unten zur Kategorie „xsettings“. Im Wertefenster finden Sie dann erneut ganz unten den Eintrag „Xft“ mit dem Unterpunkt „DPI“. Den aktuellen Wert (vermutlich „96“) können Sie einfach anklicken und durch einen eigenen ersetzen. DPI-Änderungen wirken auf allen Desktops sofort.

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