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USB-C in der Praxis: So schnell ist USB 3.2 Gen2

10.11.2020 | 08:02 Uhr | Ines Walke-Chomjakov

Auch bei externen SSDs müssen Sie die Unterschiede des Standards kennen. Wir haben aktuelle Laufwerke mit USB 3.2 Gen2 getestet und zeigen, wie schnell sie tatsächlich sind und warum.

Selbst, wenn Sie vor der scheinbar einfachen Entscheidung stehen, wie etwa dem Kauf einer externen Festplatte mit USB-C-Anschluss, erfordert die Schnittstelle genaues Hinsehen und detailliertes technisches Hintergrundwissen. Der Grund: Der momentan populärste USB-C-Anschluss mit der Spezifizierung USB 3.2 existiert in drei Fassungen, die sich in den Spezifikationen deutlich voneinander unterscheiden. Hier finden Sie alles, was Sie zu USB 3.2 Gen 1 und Gen 2 im Zusammenspiel mit externen SSDs wissen müssen.

Wie sich der Typ-C mit USB 3.2 Gen 2x2 bei externen SSDs auswirkt, lesen Sie im Beitrag „ Schnell, aber selten: USB 3.2 Gen2x2 im Praxistest “.

Externe SSDs gibt es auch mit Thunderbol-3-Spezifikation. Wie sich diese NVMe-SSDs in der Praxis schlagen, lesen Sie im Beitrag „ USB-C: So schnell sind externe SSDs mit Thunderbolt 3 “.

Als das USB Implementers Forum (USB-IF) Anfang 2019 die Umbenennung von USB 3.1 Gen1 bekanntgab, ergab sich mit USB 3.2 Gen1 die Einstiegsvariante für USB-C. Die Bezeichnung erscheint in etwa genauso unglücklich gewählt wie die vorangegangene Umbenennung der lange vertrauten USB-3.0-Schnittstelle in USB 3.1 Gen1.

USB 3.2 Gen1: Der Einstieg in USB-C

Technisch gesehen ist USB 3.2 Gen1 aber logisch: Denn der Anschluss hat nur die Form von USB-C und ist damit verdrehsicher konstruiert, bietet jedoch keinen Tempovorteil gegenüber USB-3.0-Ports. Das maximale Übertragungstempo liegt bei 5 GBit pro Sekunde. Ist der Port an Ihrem Notebook oder PC vorhanden, erkennen Sie ihn in der Regel an einer fehlenden Beschriftung oder an einer hochgestellten „5“ am USB-Symbol mit dem Zusatz der beiden „S“, die für „Superspeed“ stehen. Auch auf dem offiziellen Logo – etwa auf der Gerätepackung der externen Festplatte – finden Sie den Marketingbegriff „Superspeed“. Neben Typ C gibt es 3.2-Gen1-Schnittstellen auch im klassischen Typ-A-Format.

Eine externe NVMe-SSD wird an dieser USB-C-Schnittstelle heruntergebremst. Im Idealfall sind Transferraten bis 625 MByte pro Sekunde möglich. Sie werden in der Praxis jedoch nicht mehr als 450 MByte pro Sekunde herausholen. Deshalb empfehlen sich diese Typ-C-Schnittstellen für externe SSDs, in denen SATA-Platten sitzen, oder für andere USB-C-Geräte wie etwa Sticks, bei denen es eher auf Konnektivität als auf maxi­males Datentransfertempo ankommt.

Wie die externen SATA-Festplatten im Test abschneiden, verrät Ihnen der Beitrag „ Test: Externe 2,5-Zoll-Festplatten im Vergleich “.

USB 3.2 Gen2 – die zweite Tempostufe von Typ-C

Die nächste Geschwindigkeitsstufe von USB-C begegnet Ihnen in der Bezeichnung USB 3.2 Gen2. Damit werden alle Vorgängernamen wie USB 3.1 Gen2 oder USB 3.1 ohne Zusatz abgelöst. 

USB-Anschlüsse mit der Beschriftung „USB 3.1“ entsprechen nicht mehr der offiziellen Spezifikation. Sie lautet vielmehr USB 3.2 Gen2.
Vergrößern USB-Anschlüsse mit der Beschriftung „USB 3.1“ entsprechen nicht mehr der offiziellen Spezifikation. Sie lautet vielmehr USB 3.2 Gen2.

Obwohl diese Bezeichnungen somit nicht mehr korrekt sind, finden sie sich immer noch – selbst auf aktuellen Rechnergehäusen und Peripheriegeräten. Eine hochgestellte Ziffer „10“ am Port verdeutlicht, dass darüber Datentransfers von bis zu 10 GBit pro Sekunde möglich sind. Auf dem Logo nennt sich diese USB-Tempo-Klasse „Superspeed Plus“. Neben USB-C ist hier auch die Bauweise Typ-A erlaubt.

Siehe auch:  FAQ - 10 Fragen und Antworten zu USB-C

Gen2: Typischer USB-C bei externen NVMe-SSDs und PCs

Die meisten derzeit erhältlichen externen NVMe-SSDs mit USB-C-Anschluss nutzen die USB-3.2-Gen2-Spezifikation. Hier erreichen die externen Laufwerke theoretisch Datenraten von bis zu 1250 MByte pro Sekunde. 

Wie schnell die Daten in der Praxis tatsächlich übertragen werden, zeigt der Test mit sieben aktuellen Ein-Terabyte-Laufwerken – genauer mit Adata SE760 External SSD und Adata SE800 External SSD sowie den Testkandidaten Crucial X8 Portable SSD, Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD, Samsung Portable SSD T7 Touch, Sandisk Extreme Pro Portable SSD und Transcend Portable SSD ESD350C. Diese Gruppe ist gerade in der Kapazität von einem Terabyte inzwischen erschwinglich: Die mittleren Straßenpreise liegen zwischen 140 und etwa 250 Euro.

Um zu überprüfen, ob die USB-Anschlüsse Ihres Rechners aktiviert sind, lohnt sich ein Blick ins Bios. Neben allen USB-Schnittstellen sollte die Einstellung „Enabled“ stehen.
Vergrößern Um zu überprüfen, ob die USB-Anschlüsse Ihres Rechners aktiviert sind, lohnt sich ein Blick ins Bios. Neben allen USB-Schnittstellen sollte die Einstellung „Enabled“ stehen.

Besondere Voraussetzungen bei der Hardware erfordert dieser USB-C-Typ nicht. Jedes aktuell erhältliche Desktop- oder Notebook-Modell bringt Typ-C 3.2 Gen2 zumindest über einen Port mit. Um sicherzustellen, dass alle USB-Ports am Rechner tatsächlich aktiviert sind, hilft Ihnen ein Blick ins Rechner-Bios. Die Einstellungen für USB finden Sie beispielsweise unter „Advanced –› USB Configuration“. Entweder lassen sich die Anschlüsse insgesamt oder einzeln aktivieren. Grundsätzlich sollten alle Einstellungen, die die Ports betreffen, auf „Enabled“ stehen.

USB-C-Gen2-Geschwindigkeit: Benchmark und Praxis

Die Tests zeigen, dass externe NVMe-SSDs mit USB-C-Schnittstelle nahe an das theoretisch mögliche Transfertempo von Gen2 herankommen – jedenfalls in den Benchmark-Läufen mit dem kostenlosen Testtool Crystaldiskmark . Hier erreichen die getesteten Modelle besonders im sequenziellen Lesen durchweg Datenraten, die nahe an die 1000 MByte pro Sekunde heranreichen. Besonders gut schneidet die Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD mit gut 983 MB pro Sekunde ab.

Die Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD reizt im Benchmark-Test besonders im sequentiellen Lesen die Gen2-Schnittstelle von USB-C nahezu komplett aus.
Vergrößern Die Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD reizt im Benchmark-Test besonders im sequentiellen Lesen die Gen2-Schnittstelle von USB-C nahezu komplett aus.
© Patriot

Im sequenziellen Schreiben ergeben die Benchmark-Tests schon deutlichere Unterschiede: Eine Datenrate von fast 988 MB pro Sekunde, wie sie die Sandisk Extreme Pro Portable SSD vorlegt, gehört eher zur Ausnahme. Gängige Schreibraten liegen zwischen 900 und 950 MB pro Sekunde. Das zeigt, dass die Controller-Einheiten der externen SSDs beim Schreibvorgang wesentlich stärker gefordert sind.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Benchmark-Ergebnisse in der Praxis nicht erreichen lassen. Trotzdem spielen externe Laufwerke mit M.2-Flashspeichern ihren Geschwindigkeitsvorteil im Alltag deutlich aus. Im Vergleich zu einer externen SSD, in der ein SATA-Laufwerk steckt, ist der Leistungssprung zu M.2 und PCI Express im Zusammenspiel mit Typ-C enorm.
Besonders deutlich wird die Performance bei Einsatzszenarien, die dem sequenziellen Lesen und Schreiben vergleichbar sind. In unserem Test lässt sich das etwa beim Kopieren eines DVD-Films nachvollziehen: Hier erreichen die meisten Testkandidaten Datenraten von über 600 MB pro Sekunde im Lesen und gut 400 MB pro Sekunde im Schreiben. Mit über 706 MB pro Sekunde setzt die Transcend Portable SSD ESD350C beim Lesen die Top-Marke. Mehr als die 440 MB pro Sekunde im Schreiben der Samsung Portable SSD T7 Touch  kann derzeit kein Testkandidat für sich verbuchen. Für Sie heißt das: Die Kopie eines DVD-Films mit einem Datenumfang von 4,17 Gigabyte ist in gut zehn Sekunden erledigt.

Eine schnelle externe SSD wie die Transcend Portable SSD ESD350C verkürzt Kopierprozesse auch dann merklich, wenn sie nicht mit dem flottesten Typ-C-Port verbunden ist.
Vergrößern Eine schnelle externe SSD wie die Transcend Portable SSD ESD350C verkürzt Kopierprozesse auch dann merklich, wenn sie nicht mit dem flottesten Typ-C-Port verbunden ist.
© Transcend

Auch bei vielen kleinen Dateien, wie sie typischerweise bei einem Backup vorkommen, spielen die externen SSDs mit USB-3.2-Gen2-Schnittstelle ihre Stärke aus. Hier sind Schreibraten von über 300 MB pro Sekunde die Regel, wie unsere Tests anhand von 1000 MP3-Musikdateien zeigen. Im Lesen erhöht sich die Datenrate auf über 400 MB pro Sekunde. Ein besonders schnelles externes Laufwerk wie die Crucial X8 Portable SSD schafft sogar fast 450 MB pro Sekunde im Lesen und über 330 MB pro Sekunde im Schreiben. Alle ermittelten Datenraten finden Sie in der Tabelle „Im Überblick: Tempo externer NVMe-SSDs am idealen USB-C-Typ“.

Im Überblick: Tempo Externer NVMe-SSDs 

Externe NVMe-SSD mit USB-C-Schnittstelle

USB-Spezifikation

Crystal Disk Mark: sequenzielles Lesen (MB/s)

Crystal Disk Mark: sequenzielles Schreiben (MB/s)

DVD-Film lesen (MB/s)

DVD-Film schreiben (MB/s)

1000 MP3 lesen (MB/s)

1000 MP3 schreiben (MB/s)

Adata SE760 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

983.5

809.2

648,95

419,46

408,14

330,39

Adata SE800 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

975.5

934.1

424,04

372,61

373,24

292,49

Crucial X8 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

972,1

958,3

671,4

404,36

447,5

336,65

Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

984.4

898.7

598,05

418,23

371,36

324,56

Samsung Portable SSD T7 Touch 1 TB

3.2 Gen 2

912.5

918.1

400,95

441,12

349,2

306,96

Sandisk Extreme Pro Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

974.3

987.7

627,03

373,91

407,49

281,61

Transcend Portable SSD ESD350C 960 GB

3.2 Gen 2

974.5

940.7

706,97

424,04

446,34

302,27

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1986.9

1990.4

761,16

373,91

557,44

289,37

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1658

1607,3

824,34

376,55

407,45

247,11

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1996.2

1955.0

816,46

384

459,89

296,7

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1672,8

1533,4

802,65

373,59

456,22

298,77

Freecom mSSD Celeritas Thunderbolt 3 Drive 1TB

Thunderbolt 3

2880.4

1204.9

520,11

408,23

329,12

332,73

Samsung Portable SSD X5 1 TB

Thunderbolt 3

2815.6

2392.8

621,55

419,87

356,2

328,7

Wir haben die RTX 3070 im Test und klären die Frage: Ist sie tatsächlich so schnell wie die 2080 Ti - und das zum halben Preis? Basti hat das gute Stück genau unter die Lupe genommen!

► Zum ausführlichen Test: www.pcwelt.de/2543580

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