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USB-C: So schnell sind externe SSDs mit Thunderbolt 3

12.11.2020 | 08:03 Uhr | Ines Walke-Chomjakov

Externe NVMe-SSDs mit Thunderbolt-3-Typ-C-Anschluss sind hochpreisig. Aber können die Laufwerke mit dem Blitz-Symbol die Investition auch im Tempo rechtfertigen? Unser Ratgeber klärt auf.

 Die Mehrheit der externen NVMe-SSDs nutzt über Typ-C den Standard USB 3.2 Gen2. Wie gut, zeigt der Beitrag „ USB-C in der Praxis: So schnell ist USB 3.2 Gen2.

Wie sich der Typ-C mit USB 3.2 Gen 2x2 bei externen SSDs auswirkt, lesen Sie im Beitrag „ Schnell, aber selten: USB 3.2 Gen2x2 im Praxistest “.

Der Blitz für Thunderbolt steht für USB-C in einer besonders flexiblen und schnellen Form. In der Version 3 überträgt die Schnittstelle bis zu 40 GBit pro Sekunde, wenn aktive Kabel zum Einsatz kommen. Bei passiven Verbindern sinkt die Datenrate auf die Hälfte. 

Auch wenn der Typ-C-Anschluss vorgeschrieben ist, gibt es einen grundlegenden Unterschied zu anderer Hardware mit Typ-C-Steckern: Geräte mit Thunderbolt-3-Schnittstelle setzen zwingend den USB-C-Anschluss mit der Blitz-Kennzeichnung voraus. Fehlt sie, funktionieren sie schlicht nicht. Umgekehrt lässt sich Peripherie mit USB-3.2-Spezifierung auch an Thunderbolt-Typ-C-Anschlüssen betreiben – allerdings nur bis zu einer Geschwindigkeit von 10 GBit pro Sekunde.

Externe TB3-SSDs nicht unbedingt mit Tempovorteil

Im Idealfall liegt die Brutto-Datenübertragungsrate von Thunderbolt 3 bei 5000 MByte pro Sekunde. Realistisch sollten sich Daten mit rund 3000 MB pro Sekunde über die Leitungen schaufeln lassen. 

Um das bei externen SSDs zu überprüfen, testen wir die Exemplare Freecom mSSD Celeritas Thunderbolt 3 Drive und Samsung Portable SSD X5 mit jeweils einem Terabyte Kapazität. Sie stehen stellvertretend für eine recht umfassende Auswahl an externen Laufwerken mit NVMe-SSDs im Gehäuse und Thunderbolt-3-Typ-C-Anschluss. 

Externe SSDs mit Thunderbolt-3-Anschluss wie das Freecom-Modell mSSD Celeritas sind meist teurer als andere Typ-C-Laufwerke. Schneller sind sie in der Praxis jedoch nicht unbedingt.
Vergrößern Externe SSDs mit Thunderbolt-3-Anschluss wie das Freecom-Modell mSSD Celeritas sind meist teurer als andere Typ-C-Laufwerke. Schneller sind sie in der Praxis jedoch nicht unbedingt.
© Freecom

Den beiden gemeinsam ist ein vergleichsweise hoher Anschaffungspreis: So ruft Samsung für die X5 in der genannten Kapazität satte 375 Euro auf. Und obwohl die Freecom mSSD Celeritas Thunderbolt 3 bereits eine Weile auf dem Markt ist, kostet sie zum Recherchezeitpunkt noch mindestens 310 Euro.

Um gleichbleibend hohes Tempo zu gewährleisten, baut Samsung zur internen NVMe-SSD einen Kühlkörper ein. Das schlägt sich im Preis nieder.
Vergrößern Um gleichbleibend hohes Tempo zu gewährleisten, baut Samsung zur internen NVMe-SSD einen Kühlkörper ein. Das schlägt sich im Preis nieder.
© Samsung

Der Benchmark-Test mit Crystaldiskmark  ergibt gerade im Lesen ausgesprochen hohe Datenraten von über 2800 MByte pro Sekunde bei beiden externen Laufwerken. Damit erfüllen sie die Erwartungen von Thunderbolt 3. Die Schreibraten zeigen jedoch ein anderes Bild: Sie sinken beim Freecom-Modell auf gut 1200 MB pro Sekunde – das ist weit weniger als der Hersteller mit 2000 MB pro Sekunde verspricht. In diese Regionen kommt hingegen Samsungs X5 locker. Im Test erreicht sie fast 2400 MB pro Sekunde. 

Das gilt jedoch nur für die Benchmark-Läufe, unsere Praxistests ergeben weit niedrigere Transferraten: Die Kopiervorgänge des DVD-Films zeigen, dass bestenfalls gut 620 MB pro Sekunde im Lesen und etwa 420 MB pro Sekunde im Schreiben möglich sind. Gleichzeitig sinken die Datenraten weiter, wenn kleine Dateien transferiert werden: Beim Hin- und Herschaufeln unserer 1000 MP3-Musikdateien schaffen die Laufwerke bestenfalls Datenraten von gut 350 MB pro Sekunde im Lesen und etwa 330 MB pro Sekunde im Schreiben. 

Das sind keine schlechten Ergebnisse, sie liegen jedoch weit unter den Erwartungen an die Thunderbolt-3-Schnittstelle. Mehr noch: Das Transfertempo liefern sowohl externe SSDs mit USB-3.2-Gen2- als auch mit Gen-2x2-Schnittstellen. So gesehen, lässt sich der Aufpreis für Thunderbolt-3-SSDs nicht rechtfertigen.

Die ermittelten Werte zu den einzelnen SSDs sehen Sie im Überblick in der Tabelle am Ende des Beitrags. Um den Vergleich zu erleichtern, finden Sie Ergebnisse von externen NVMe-SSDs mit USB 3.2 Gen2 und Gen2x2.

Ausblick für Typ-C: USB 4 und Thunderbolt 4

Dass die USB-Typ-C-Schnittstelle weiter Perspektive hat, zeigen die nächsten Stufen der Spezifikationen für USB 4 und Thunderbolt 4. In beiden Fällen bleibt der verdrehsichere Stecker der Anschluss der Wahl. Peripheriegeräte wie etwa externe SSDs werden jedoch noch eine ganze Weile auf sich warten lassen.

Aus den Logos von USB 4 sollen sich die jeweiligen Geschwindigkeitsstufen direkt herauslesen lassen. Mit 20 und 40 Gigabit pro Sekunde sind zwei Varianten vorgesehen, auch wenn Thunderbolt 3 als Basis fungiert.
Vergrößern Aus den Logos von USB 4 sollen sich die jeweiligen Geschwindigkeitsstufen direkt herauslesen lassen. Mit 20 und 40 Gigabit pro Sekunde sind zwei Varianten vorgesehen, auch wenn Thunderbolt 3 als Basis fungiert.
© Intel

USB 4 basiert auf Thunderbolt 3, allerdings mit Abwandlung

Das kommende USB 4 nimmt zwar Thunderbolt 3 als Grundlage, wandelt den Standard jedoch gleichzeitig ab. Denn es gelten zwei Tempovarianten: Den Einstieg markieren die 20 GBit pro Sekunde, die von USB 3.2 Gen2x2 bereits bekannt sind. Nur in der zweiten Ausbaustufe muss das Thunderbolt-3-Tempo von 40 GBit pro Sekunde erreicht werden, das wiederum auch unter der Bezeichnung Gen3x2 geführt wird und spezielle Kabel voraussetzt. 

Welche Spezifikation vorliegt, soll anhand einer „20“ oder „40“ auf dem Logo und am Typ-C-Anschluss unterhalb eines Bogens erkennbar sein. 

Mit der Verwirrung rund um USB-C räumt USB 4 nicht komplett auf, denn der Standard ist zwar mit Thunderbolt kompatibel, muss das Protokoll aber nicht zwingend unterstützen. Vielmehr bleibt es den Herstellern überlassen, ob ihre USB-4-Hardware auch die Thunderbolt-Spezifikation einschließt. Bezogen auf externe SSDs mit Thunderbolt-3-Anschluss heißt das, dass sie nicht in jedem Fall am USB-4-Typ-C-Anschluss funktionieren müssen. Immerhin ist garantiert, dass sich vorhandene USB-Geräte betreiben lassen, denn USB 4 ist abwärtskompatibel bis zur Version 2.0.

Thunderbolt 4: Der ultimative Typ-C-Anschluss

Die Lösung soll Thunderbolt 4 bringen, da dieser Standard alle USB-C-Vorgänger einschließt.
Vergrößern Die Lösung soll Thunderbolt 4 bringen, da dieser Standard alle USB-C-Vorgänger einschließt.
© Intel

Statt auf eine höhere Tempostufe setzt Thunderbolt 4 auf größtmögliche Kompatibilität. So bleibt es bei den 40 GBit pro Sekunde des Vorgängers. Dafür sind alle Funktionen von USB 4 verpflichtend, die dort nur als Optionen eingeschlossen sein können. Ein USB-C-Anschluss nach Thunderbolt 4 unterstützt sowohl das Weiterleiten von Displayportsignalen als auch die Stromversorgung bis 100 Watt und kann PCI-Express-Verbindungen durchschleusen. Im Gegensatz zum Vorgänger erkennt diese Version auch die Tempostufe von 20 GBit pro Sekunde von USB 3.2 Gen2x2. 

Als eines der ersten Notebooks mit Thunderbolt-4-Schnittstelle soll das Acer Swift (2020) im vierten Quartal zu haben sein. Es verdankt den Anschluss der Tiger-Lake-CPU von Intel.
Vergrößern Als eines der ersten Notebooks mit Thunderbolt-4-Schnittstelle soll das Acer Swift (2020) im vierten Quartal zu haben sein. Es verdankt den Anschluss der Tiger-Lake-CPU von Intel.
© Acer

Die Hoffnung ist groß, dass sich Thunderbolt 4 schnell verbreitet, um das Wirrwarr um Typ-C endlich zu entflechten. Einen Anfang macht Intel selbst mit den Tiger-Lake-Prozessoren, in die Thunderbolt 4 integriert ist. Die CPUs für Notebooks und Ultrabooks gehören zur elften Core-i-Generation und finden sich bereits in den ersten Produkten wie etwa dem Update des Acer Swift 5, das noch im vierten Quartal 2020 ab einem Endkundenpreis von rund 1100 Euro erhältlich sein soll.

Im Überblick: Tempo Externer NVMe-SSDs

Externe NVMe-SSD mit USB-C-Schnittstelle

USB-Spezifikation

Crystal Disk Mark: sequenzielles Lesen (MB/s)

Crystal Disk Mark: sequenzielles Schreiben (MB/s)

DVD-Film lesen (MB/s)

DVD-Film schreiben (MB/s)

1000 MP3 lesen (MB/s)

1000 MP3 schreiben (MB/s)

Adata SE760 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

983.5

809.2

648,95

419,46

408,14

330,39

Adata SE800 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

975.5

934.1

424,04

372,61

373,24

292,49

Crucial X8 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

972,1

958,3

671,40

404,36

447,5

336,65

Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

984.4

898.7

598,05

418,23

371,36

324,56

Samsung Portable SSD T7 Touch 1 TB

3.2 Gen 2

912.5

918.1

400,95

441,12

349,2

306,96

Sandisk Extreme Pro Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

974.3

987.7

627,03

373,91

407,49

281,61

Transcend Portable SSD ESD350C 960 GB

3.2 Gen 2

974.5

940.7

706,97

424,04

446,34

302,27

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1986.9

1990.4

761,16

373,91

557,44

289,37

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1658

1607,3

824,34

376,55

407,45

247,11

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1996.2

1955.0

816,46

384,00

459,89

296,70

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1672,8

1533,4

802,65

373,59

456,22

298,77

Freecom mSSD Celeritas Thunderbolt 3 Drive 1TB

Thunderbolt 3

2880.4

1204.9

520,11

408,23

329,12

332,73

Samsung Portable SSD X5 1 TB

Thunderbolt 3

2815.6

2392.8

621,55

419,87

356,2

328,70

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► Zum GEWINNSPIEL-Formular: www.pcwelt.de/news/HMX3-Gewinnspiel-Hoellenmaschine-2020-Gaming-Spiele-PC-10885721.html

► Unser Testvideo zur NVIDIA RTX 3090: www.youtube.com/watch?v=MnIJqGZE1jQ

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