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Google+ Hangouts: Stabil und Sparsam

28.10.2014 | 10:29 Uhr |

Der Datendurchsatz bei einem Hangouts-Video-Meeting aus einem Google+ Account heraus war extrem stabil: Die grüne Kurve symbolisiert den Upload beim Senden des eigenen Bewegtbildes , die Gelbe den Download beim Empfangen des Videobildes.
Vergrößern Der Datendurchsatz bei einem Hangouts-Video-Meeting aus einem Google+ Account heraus war extrem stabil: Die grüne Kurve symbolisiert den Upload beim Senden des eigenen Bewegtbildes , die Gelbe den Download beim Empfangen des Videobildes.
© Harald Karcher/Screenshot

Im Gegensatz zu Skype verbrauchte Google+ Hangouts in unseren Stichproben vom Mai 2014 nur 1,9 MBit/s beim Audio-Video-Senden und 1,1 MBit/s beim Empfangen.

Zudem wirkte der Video-Stream bei Google stabiler als bei Skype. Vermutlich nutzt Google sehr effiziente Video-Codecs und sehr stabile Server für den UCC-Cloud-Service. Da Hangouts genau wie Skype nichts kostet, kann man sich wahrlich nicht beklagen.

Auch Installation und Bedienung der Hangouts sind kaum schwieriger als bei Skype, nur anders: Der User kann Video-Telefonate mit bis zu zehn Freunden aus einem Google-Mail- oder aus einem Google+ Account heraus starten.

Im Gegensatz zu den drei anderen Meeting-Diensten fanden wir bei Google Hangouts keine Möglichkeit, die raffinierten Extras der Logitech HD WebCam C930e wie Zoomen, Autofokus, Schwenkung oder Neigung zu aktivieren und zu steuern. Auf unsere Nachfrage, ob das klappt, hat weder Logitech noch Google geantwortet. Das ist auch eine Antwort.

Cisco WebEx: Flexible Bandbreiten

Das kostenpflichtige Cisco WebEx hat in unseren Stichproben weitaus weniger Bandbreite verbraten als das kostenlose Skype von Microsoft: Im Schnitt waren es rund 2,2 MBit/s beim Senden und ebenfalls 2,2 MBit/s beim Empfangen der Audio-Video-Ströme. Auch die Peaks waren mit 2,6 bzw. 2,8 MBit/s kaum höher als der Schnitt. Die Bandbreite wird von WebEx offenbar sehr kontrolliert und ausgewogen gemanagt.

Zoomt man das Video-Fenster bei WebEx ganz klein, dann geht der Bandbreiten-Verbrauch extrem flexibel herunter. In unseren Stichproben waren es dann nur noch 0,25 Megabit pro Sekunde. Hört der Tester vorsätzlich auf zu Sprechen und ständig vor der WebCam mit der Hand zu winken, dann geht die Bandbreite nochmals deutlich auf 0,1 bis 0,15 Megabit herunter. WebEx verbrät offenbar in keiner Situation mehr Bandbreite, als unbedingt nötig, und das, obwohl Cisco eigentlich von der Datenexplosion im Internet gut lebt: "Intelligentes Bandbreitenmanagement, das sich automatisch an die verfügbare Bandbreite adaptiert", nennt Anton Döschl, Leiter Collaboration bei Cisco in Deutschland, diesen Vorteil von WebEx.

Im linken Teil der Grafik hat der Tester vor beiden WebCams fast nonstop gesprochen und mit der Hand herum gefuchtelt. Passiert weniger, geht der Bandbreitenbedarf stark zurück.
Vergrößern Im linken Teil der Grafik hat der Tester vor beiden WebCams fast nonstop gesprochen und mit der Hand herum gefuchtelt. Passiert weniger, geht der Bandbreitenbedarf stark zurück.
© Harald Karcher/Screenshot

Tatsächlich "bietet WebEx die Möglichkeit, die Video-Übertragung sehr granular zu konfigurieren, um auch bei geringer Bandbreite ein gutes Nutzer-Erlebnis zu garantieren", betont UCC-Manager Döschl. In einem Cisco-Whitepaper aus dem Jahre 2013 sind die vier möglichen WebEx-Video-Auflösungen genau definiert: 720p mit 120x720 Pixeln, 360p mit 640 x 360, 180p mit 320 x 180 und 90p mit 160 x 90 Pixeln. Je geringer die Video-Auflösung, desto kleiner die benötigte Bandbreite, siehe Tabelle.

Mit vier verschiedenen Videoauflösungen kann sich Cisco WebEx recht gut an die verfügbaren Bandbreiten anpassen. Die Bitraten gelten aber nur für die Video-Peaks: Die benötigten Bandbreiten für Audio-Streams und Desktop-Sharing muss man noch dazu addieren
Vergrößern Mit vier verschiedenen Videoauflösungen kann sich Cisco WebEx recht gut an die verfügbaren Bandbreiten anpassen. Die Bitraten gelten aber nur für die Video-Peaks: Die benötigten Bandbreiten für Audio-Streams und Desktop-Sharing muss man noch dazu addieren
© Harald Karcher/Screenshot

Statistiktool bestätigt HDTV-720p

Im Gegensatz zu den drei anderen UCC-Clients fanden wir bei Cisco WebEx ein detailliertes Statistiktool für die Audio- und Video-Connections. Eine der Momentaufnahmen dieses Cisco-Tools bestätigte eine verbrauchte Bandbreite von 1928 KBit/s beim Senden und 2029 KBit/s beim Empfangen. Also dürften unsere Messungen von 2,2 MBit/s am 11n-WLAN-Port im Schnitt nicht ganz daneben liegen.

Laut WebEx-Statistik-Fenster wird der Videostream in H.264 codiert, der Audio-Codec wird nicht genannt. Die Video-Auflösung lag im Test bei 720p und 30 Frames per Second beim Senden, sowie bei 720p und 28 Bildern pro Sekunde beim Empfangen. Unter 720p versteht die TV-Branche eine Auflösung von 1280×720 Pixeln. Das ist die "einfache" HD-Norm. ARD und ZDF senden HDTV just in dieser 720p-Auflösung, allerdings mit 50 Bildern pro Sekunde und nicht wie WebEx mit 30 Frames per Second. So gesehen lag WebEx in unseren Stichproben leicht unterhalb der HDTV-Qualität der Öffentlich-Rechtlichen. Full HD (1920 x 1080 Bildpunkte) konnte WebEx im Mai 2014 offenbar noch nicht.

Cisco WebEx hat ein sehr schönes Audio-Video-Statistik-Tool. So etwas würde man sich bei den anderen UCC-Testlingen ebenfalls wünschen
Vergrößern Cisco WebEx hat ein sehr schönes Audio-Video-Statistik-Tool. So etwas würde man sich bei den anderen UCC-Testlingen ebenfalls wünschen
© Harald Karcher/Screenshot

Natürlich haben Audioqualität, Videoauflösung, Frames per Second, die Effizienz der Audio-Video-Codecs und alle weiteren Angaben im Statistik-Tool von WebEx erhebliche Auswirkungen auf die benötigte Bandbreite. Auch wenn man sich noch viel mehr netzwerk-relevante Angaben wünschen würde: Ein derart schönes Tool wie bei Cisco fanden wir bei den anderen Video-Meeting-Clients nicht einmal ansatzweise. Es wäre aber dringend nötig, damit man den Bandbreiten-Verbrauch der vier Test-Kandidaten besser in Bezug zu deren Audio-Video-Qualität setzen kann.

Der in unseren WebEx-Stichproben etwas höhere Bandbreitenverbrauch als bei Google-Hangouts wird eventuell durch den enormen Funktionsumfang verursacht, aber durch den erhöhten Nutzwert sicher bestens kompensiert. Außerdem verschweigen die anderen Video-Meeting-Clients genaue Angaben zur aktuellen Auflösung und zu den Frames per Second beim Senden und beim Empfangen. Das macht direkte Bandbreiten-Vergleiche extrem schwierig, zumal die vier UCC-Testkandidaten ja keine identische Audio-Video-Qualität zustande bringen und den Admin über die genauen Datenraten und exakte Auflösungen weitgehend im Unklaren lassen.

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