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The Last of Us wird zur HBO-Serie - Alle Details

29.03.2021 | 13:01 Uhr |

The Last of Us goes HBO: Eine Spielereihe, die virtuelle Kunst revolutionierte, wird in eine TV-Serie gegossen von Neil Druckmann, Chefautor von Naughty Dog und Craig Mazin, dem kreativen Gehirn hinter HBOs herzzerreißender Serie Chernobyl, die eine etwas andere Sicht auf die größte zivile Katastrophe der Nachkriegswelt bietet. Die Hauptrollen spielt der Mandalorian und die heimliche Königin von Game of Thrones.

Trauer, Wut, Hass – das sind die Elemente, die The Last of Us Part II antreiben und dieses Spiel auf eine neue Ebene heben. Moralisch, atmosphärisch, von der Art, wie dieses Meisterwerk seine Figuren entwickelt. Wie wir zu Ellie stehen – wie wir zwischen Sympathie, Antipathie und regelrechtem Ekel hin- und herschwanken. Denn wir sind hier nicht nur Opfer, sondern vor allem Täter. Naughty Dog stellt keine Schwarz-Weiß-Fragen, für Chefautor Neil Druckmann gibt es nicht das Gute und das Böse. Und genau so funktioniert Game of Thrones – jeder hier ist ein Arschloch, niemand unschuldig, niemand wirklich altruistisch. Jeder denkt nur an sich. Jeder Charakter ist ein Opfer dieser Welt.

„Doch nur Game of Thrones ist wirklich Game of Thrones. Unvergleichlich. Unwiederholbar. Aber beide Serien sind von HBO. Beide beruhen auf sehr erfolgreichen Vorlagen.  Beide sind unfassbar gut.“ 

- Marco Risch, Film-Kritiker Nerdkultur 

Niemand in der Serienwelt hat je versucht, Game of Thrones zu adaptieren. Niemand in der Gaming-Welt traut sich an The Last of Us ran, weil kaum ein Studio auf diesem Storytelling-Niveau arbeitet. Jetzt arbeitet HBO an einer Serie zu The Last of Us. Das beste Produktionshaus der Welt, die Macher hinter Game of Thrones, Billions, Westworld, True Detective, Boardwalk Empire, The Sopranos, The Pacific, Band of Brothers. Es gibt fast keine Serie, die nicht bei HBO entstanden sind. Game of Thrones und The Last of Us sind also von HBO. Beide beruhen auf einer berühmten Vorlage. Beide haben ihr Genre revolutioniert. Und beide sind polarisierend, beide sind unfassbar brutal, sodass es manchmal schwerfällt, überhaupt hinzuschauen.

Ein Spiel, wie eine eine HBO-Serie. Spannend an der Kooperation ist sicherlich, dass Naughty Dog ursprünglich angetreten ist, um die Qualität der großen HBO-Serien in die Spielewelt zu bringen.
Vergrößern Ein Spiel, wie eine eine HBO-Serie. Spannend an der Kooperation ist sicherlich, dass Naughty Dog ursprünglich angetreten ist, um die Qualität der großen HBO-Serien in die Spielewelt zu bringen.
© Naughty Dog

Etwa bei der Bluthochzeit in GoT. Oder jedes Mal, wenn Ellie einem Menschen die Kehle durchschneidet, der uns entsetzt in die Augen schaut, röchelt, um Luft und sein Leben ringt. Wir fiebern mit, wir leiden mit, denn diese Figuren bedeuten uns etwas. Weil sie unfassbar gutgeschrieben sind. Wie viele Serien haben versucht, den Tod einer wichtigen Figur als Stilmittel zu kopieren, aber nur bei wenigen funktioniert es: Weil wir nur etwas fühlen, wenn uns diese Personen wirklich ans Herz gewachsen sind. Wenn wir mit ihnen durch Dick und Dünn gegangen sind – in The Last of Us und Game of Thrones sprichwörtlich durch die Hölle.

The Last of Us und Game of Thrones teilen sich ihren Cast

Pedro Pascal ist aktuell einer der größten Serien-Stars: Er war gut in Game of Thrones, brillant in Narcos und rettete Star Wars als The Mandalorian.
Vergrößern Pedro Pascal ist aktuell einer der größten Serien-Stars: Er war gut in Game of Thrones, brillant in Narcos und rettete Star Wars als The Mandalorian.
© HBO

Was wir so noch nie hatten: The Last of Us und Game of Thrones teilen sich ihren Cast, zumindest einen Teil davon. Pedro Pascal, der eigentlich erst durch The Mandalorian zum Superstar reifte, spielte schon in GoT mit Oberynn Martell eine Schlüsselfigur. Seine wirkliche Brillanz, diese raue Art, wie er schauspielert, zeigte er aber zuerst in seiner ersten großen Serien-Hauptrolle, als Javier Peña in Narcos. Als ein DEA-Agent, der zerrissen ist zwischen der Pflicht für sein Vaterland und der Liebe für Bolivien, das zwar unter Pablo Escabor leidet. Aber auch unter der CIA, die den Drogenkrieg immer wieder ganz bewusst anheizt. Jetzt spielt er mit Joel die wohl größte Figur der jüngeren Spielegeschichte – einen Mann mit Vergangenheit, der nie ein Held sein wollte.

Als er Ellie begegnet, ist sie für ihn anfangs wenig mehr als eine Last. Durch die gemeinsame Reise übernimmt er jedoch immer mehr die Rolle eines Vaters. Er lehrt Sie, in einer Welt zu überleben, in der ein Leben nicht mehr viel wert ist. Jeder hier tötet für ein bisschen Essen. Oder Nahrung. Oder eine halbwegs befestigte Bleibe, die vor den Zombies schützt. Die weibliche Hauptrolle in The Last of Us spielt Bella Ramsey, die wir alle als Lyanna Mormont kennen. Genau wie Ellie muss sie als Kind die Rolle eines Erwachsenen annehmen. Sie führt Soldaten in die Schlacht, denen sie kaum bis zu den Bauchmuskeln reicht. „Meine Mutter war keine schöne Frau. Sie war eine Kriegerin. Sie starb, mit dem Schwert in der Hand. Dieses Königreich verteidigend“. Wohl deshalb hat sich Chefautor Neil Druckmann für sie entschieden.

HBO hat einen enorm guten Namen: Von Band of Brothers über The Pacific, Sopranos, Veep bis zu den neueren Serien The Leftovers und Silicon Valley sind einige der besten Serien aller Zeiten aus dem Produktionshaus.
Vergrößern HBO hat einen enorm guten Namen: Von Band of Brothers über The Pacific, Sopranos, Veep bis zu den neueren Serien The Leftovers und Silicon Valley sind einige der besten Serien aller Zeiten aus dem Produktionshaus.
© HBO

Die echte Ellie-Darstellerin Ashley Johnson ist vielleicht sogar die bessere Schauspielerin, aber zu alt für die Rolle, denn die HBO-Serie The Last of Us dreht sich in erster Linie um den ersten Teil, wo Ellie noch ein Kind beziehungsweise Teenager war. Auch wollte man wohl eine Darstellerin, die sich wie die Videogame-Ellie stylen lässt. Ashley sieht Ellie deutlich weniger ähnlich. Die höchste Ähnlichkeit hätte wohl Ellen Page gehabt, die allerdings in letzter Zeit nicht gerade mit schauspielerischer Qualität glänzte. Zudem wird es spannend zu sehen, ob und wie Bella Ramsey wandelfähig ist – in Game of Thrones spielt sie immer die gleiche Charakterrolle: ein Kind, was sich gegenüber seinen Generälen behaupten muss und dadurch zu schroffem Ton und Härte gegenüber ihren Soldaten neigt.

Der Co-Autor: Craig Mazin, das brillante Gehirn hinter HBOs Chernobyl

Chernobyl ist eine besondere Serie, weil sie erstaunlich unaufgeregt inszeniert ist. Wir wissen viel mehr als die Protagonisten, wir wissen das all diese Wissenschaftler und Feuerwehrleute verstrahlt werden und sterben werden.
Vergrößern Chernobyl ist eine besondere Serie, weil sie erstaunlich unaufgeregt inszeniert ist. Wir wissen viel mehr als die Protagonisten, wir wissen das all diese Wissenschaftler und Feuerwehrleute verstrahlt werden und sterben werden.
© HBO

Für HBO ist The Last of Us die Chance, Millionen von Gamern für sich zu begeistern, schließlich hat man unlängst in den USA HBO Max gelauncht, seinen eigenen Streaming-Service. Und verdient in Europa viel Geld mit Exklusiv-Lizenzen, HBO-Produktionen laufen in Deutschland etwa exklusiv bei Sky. Wohl auch deshalb verpflichtete man mit Craig Mazin einen der brillantesten Köpfe, die HBO auffahren kann. Ein Mann, der sehr viel sagen kann, indem er es zeigt. Und nicht darüber spricht. Das ist die Magie von Chernobyl – Mazin lässt den Reaktor explodieren und einen Helikopter in Flammen aufgehen. Und er lässt diese Sekunden auf den Zuschauer wirken. Ein kleiner Geniestreich, denn zu viele Autoren neigen dazu, zu viel zu erklären und zerstören so die Stimmung. Mazin versteht es auch meisterlich, mit diesem Gefühl zu spielen, dass wir sehr viel mehr wissen als seine Protagonisten – wir alle kennen die dramatische, traurige Geschichte Chernoblys: Die Protagonisten der HBO-Serie hingegen sind völlig überfordert. Und das ist ja letztlich auch in The Last of Us so – wir wissen, wo die Reise hingeht. Ellie und Joel in der jeweiligen Situation nicht.

Mazin ist auch enorm gut darin, fair zu seinen Protagonisten zu sein. Sein Anspruch der HBO-Serie war es, eine Serie zu schreiben, die in erster Linie auf Aussagen von Überlebenden und Menschen basiert, die dabei waren. Das ist durchaus ein Novum, auf skurrile Art. Denn zwar gibt es viele Hollywood-Produktionen zu Chernobyl, diese gingen jedoch in erster Linie davon aus, dass die sowjetische Regierung aus Gründen des Machterhalts gehandelt habe. Mazin hingegen beleuchtet, wie überfordert alle waren – Politiker, Generäle, Wissenschaftler. Er zeigt, dass die Russen nicht – wie es gerne von US-Regisseuren inszeniert wurde, beliebig ihre Soldaten und Feuerwehrmänner opferten, weil diese ihnen egal waren. 

Berühmt wurde ja jene Szene aus Enemy at the Gates, in der die Russen ihre eigenen Soldaten erschießen ließen, sollten sich diese zurückziehen – was historisch belegt ist: Es gab diesen Schießbefehl Stalins tatsächlich. Weil die Russen nur bedingt eine Wahl hatten – die Infanterie musste Stalingrad so lange halten, bis die Panzerbrigaden eintrafen. Und auch im Fall Chernoblys wissen wir heute, dass die Regierung kaum eine Wahl hatte. Es gab keine Strahlenanzüge, übrigens weltweit nicht. Es gab keine ABC-Einheiten. Man wusste schlicht nicht, wie extrem sich Strahlen auf unsere Haut und Organe auswirkt. Die Behörden schickten ihre Männer nicht in die Hölle, um sie zu opfern. Sondern weil sie keine Alternative hatten – wir sollten bei der Analyse dieses Ereignisses nicht vergessen, dass Russland zu dem Zeitpunkt eine der technisch fortschrittlichsten Nationen der Welt war.

Es gibt viele Parallelen zwischen The Last of Us und Chernobyl: In beiden Serien wissen die Protagonisten nicht, was gerade geschieht - Joel und Ellie versuchen von Tag und Tag zu überleben, es dauert lange bis sie verstehen, was es eigentlich mit dem Virus auf sich hat.
Vergrößern Es gibt viele Parallelen zwischen The Last of Us und Chernobyl: In beiden Serien wissen die Protagonisten nicht, was gerade geschieht - Joel und Ellie versuchen von Tag und Tag zu überleben, es dauert lange bis sie verstehen, was es eigentlich mit dem Virus auf sich hat.
© Naughty Dog

Genau deswegen ist Mazin der richtige Mann, um zusammen mit Naughty Dogs Maestro Neil Druckmann, sicherlich einer der besten, wenn nicht der beste Autor der Gamesbranche, diese Serie zu schreiben. Denn auch Joel und Ellie machen Dinge, die brutal sind. The Last of Us ist gerade deshalb so ein revolutionäres Spiel, weil es den Kampf auf Leben und Tod so zeigt, wie er in Wirklichkeit ablaufen würde. Wer jemandem einen Ziegelstein an den Kopf rammt, der führt ihm schwerste Verletzungen zu. Und auch ein Pfeil in der Brust ist nur in seltenen Fällen sofort tödlich, weil der Körper bis zum Ende versucht, gegen das Blut anzukämpfen, was sich seinen Weg in die Lunge bahnt und versucht den Ausfall von verwundeten Organen zu kompensieren. Kurzum: Töten wir in Naughty Dogs Werk jemanden, ist das grausam. Menschen fallen nicht einfach um, wie in Call of Duty. Sie verenden wimmernd und vor Schmerz schreiend vor uns, was sicherlich Mazin auch in der Serie so behandeln wird – in Chernobyl zeigt er ungeschönt, wie verstrahlte Feuerwehrleute vereenden und die Ärzte nicht wissen, was sie tun sollen.

Es ist wichtig, dass Naughty Dogs Handschrift sich in der Serie wiederfindet

Naughty Dog gilt als das beste Storytelling-Studio der Welt und ist enorm wertvoll für Sony Playstation: Uncharted 4 verkaufte 15 Millionen Spiele, The Last of Us gar über 20 Millionen.
Vergrößern Naughty Dog gilt als das beste Storytelling-Studio der Welt und ist enorm wertvoll für Sony Playstation: Uncharted 4 verkaufte 15 Millionen Spiele, The Last of Us gar über 20 Millionen.
© Naughty Dog

Was viele nicht wissen: Selbst für Game of Thrones nahm George R. R. Martin eher eine beratende Rolle ein. Auch wenn er eigene Drehbücher beisteuerte. Er gab sein Baby aus den Händen, um es von jemand anderem interpretieren zu lassen. Im Guten – in den früheren Staffeln. Wie im Umstrittenen, in der letzten Staffel, die eher hingepfuscht wurde. Der Grund liegt auf der Hand: HBO brauchte neue Staffeln im Jahrestakt, George R.R. Martin hingegen ist der entspannteste Autor der Welt. Er lässt sich nicht antreiben, sich keine Deadlines setzen. Er schreibt, wenn er sich danach fühlt. Das kann er sich nach dem Welterfolg seiner Bücher leisten. Das ist sicherlich einer der großen Unterschiede zwischen einem Bestseller-Autor und dem Creative Director einer großen Spielereihe – Druckmann hat sicherlich gut verdient, aber keine 120 Millionen US-Dollar. Während Martin eigentlich keine große Lust mehr hat, ist Druckmann noch hungrig, er will sich beweisen: Nie zuvor durfte ein Spiele-Regisseur eine HBO-Serie schreiben.

Für Neil Druckmann ist die HBO-Serie die Chance sein Baby - The Last of Us - hunderten von Millionen neuer Fans zugänglich zu machen. Aber auch eine Herausforderung.
Vergrößern Für Neil Druckmann ist die HBO-Serie die Chance sein Baby - The Last of Us - hunderten von Millionen neuer Fans zugänglich zu machen. Aber auch eine Herausforderung.
© Naughty Dog

„Es ist der Wahnsinn. Jeden Tag lerne ich unglaublich viel, schließlich reden wir hier über eine andere Kunstgattung. Aktuell bin ich enorm häufig in Calls mit Craig Mazin, mein Co-Autor sowie Showrunner und wir reden unglaublich viel darüber, was die philosophische Herangehensweise für die erste Staffel ist. Für uns geht es vielmehr darum herauszufinden, wer unsere Figuren sind und den Kern ihrer Geschichte, als in welche Kampfszene sie geworfen werden und welches Outfit sie dabei tragen. Es ist interessant, dass sich stellenweise meine Original-Dialoge in diesen HBO-Skripten wiederfinden, was sich immer noch surreal anfühlt. Aber einige meiner absoluten Lieblings-Episoden bewegen sich auch weit weg von der Original-Geschichte, und ich kann es kaum abwarten, dass ihr sie alle sehen könnt.“

- Neil Druckmann, Show-Runner & Chefautor von HBOs The Last of Us im Gespräch mit den Kollegen von IGN

HBOs The Last of Us dürfe frühestens 2022 erscheinen, denn aktuell scheint es so, als hätte man bisher zwar den Prolog gedreht, das Drehbuch für die komplette Staffel befindet sich aber noch in Produktion.

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