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Mehrere Ströme und Vorab-Standard

06.03.2013 | 10:26 Uhr | David Wolski

5.) Mehrere Ströme in einem Fluss
802.11ac kommt mit den weiten Funkkanälen pro Datenstrom auf eine Transferrate von maximal 433 MBit/s. Das ist noch ein ganzes Stück entfernt von dem versprochenen Gigabit-WLAN. Um Datenraten jenseits der Gigabit-Grenze zu erreichen, kombiniert 802.11ac über MIMO-Antennen (Multiple Input, Multiple Output) bis zu acht räumlich voneinander getrennte Datenströme für die simultane Übertragung. Auch MIMO ist keine Neuentwicklung, sondern im Standard 802.11n enthalten, jedoch optional. Immerhin bis zu vier Ströme kann dieser Standard nutzen. Traditionell haben die Chiphersteller allerdings aufgrund der damit verbundenen Komplexität stets zwei Jahre benötigt, um einen weiteren Stream hinzuzufügen – Geräte für 802.11n sind deshalb derzeit erst bei drei von vier möglichen Streams angelangt.

Mehr Tempo fürs Heimnetz

Mit drei Strömen wird auch 802.11ac an den Start gehen, es unterstützt aber laut Spezifikation sogar bis zu acht Datenströme. Zudem kann 802.11ac eine effektivere Modulation verwenden: Das Verfahren OFDM nutzt 256-QAM als Modulationsschema, während 802.11n lediglich 64-QAM unterstützt. Damit ergibt sich pro Datenstrom eine Transferrate von 433 MBit/s, während 11n nur auf 150 MBit/s kommt. Bei drei gleichzeitigen Datenströmen, das heißt mit drei Sende- und Empfangsantennen, kommt ein 11ac-Router auf 1300 MBit/s und knackt damit das Gigabit. Mehrantennen-Technik ist aber nicht bei allen Netzwerk-Clients möglich. Bei kleinen WLAN-Modulen für den USB-Anschluss gibt es aus Platzgründen nur eine Antenne, Notebooks und Tablets werden sich mit zwei Antennen begnügen müssen.

Was es schon jetzt gibt: Der Asus RT-AC66U, Buffalo Airstation 1750 und der Netgear R6300 bieten 802.11ac in der Vorabversion Draft 2.0 und nutzen einen Chipsatz von Broadcom (BCM4360).
Vergrößern Was es schon jetzt gibt: Der Asus RT-AC66U, Buffalo Airstation 1750 und der Netgear R6300 bieten 802.11ac in der Vorabversion Draft 2.0 und nutzen einen Chipsatz von Broadcom (BCM4360).
© Asus, Netgear, Buffalo

6.) Vorab-Standard: Lohnt sich der Einstieg?
Die Hersteller sind zuversichtlich, dass sich 802.11ac schneller durchsetzt als der Vorgänger 802.11n. Der neue Standard ist bereits komplett, nur noch nicht endgültig verabschiedet – das soll bis Ende 2013 passieren. Mit der bereits erfolgten Vorstellung von WLAN-Routern ist absehbar, dass die Hersteller wieder unterschiedliche Vorabversionen auf den Markt bringen. Bei 802.11n führte dies zu Inkompatibilitäten zwischen den Geräten verschiedener Hersteller. Eine schnellere Einführung soll das Chaos vermeiden, das beim Übergang von 11g zu 11n einsetzte. 802.11ac wird ebenso wie der Vorgänger vorzeitig in den Markt gesetzt und dort weiterentwickelt.

Sämtliche bisher verfügbaren Geräte sind auf dem Status „Draft 2.0“ (Stand Anfang 2012), und es ist nicht zu erwarten, dass sie mit dem endgültigen Standard voll kompatibel sein werden oder sich einfach durch ein Firmware-Update auf den neuen Stand bringen lassen. Wer sein WLAN mit dem soliden, verabschiedeten Standard betreiben will, muss sich noch bis zum Jahresende gedulden. Auch herrscht für das neue WLAN noch ein Mangel an Clients: Bisher liefert nur der Chiphersteller Broadcom über-haupt Chips aus. Intel hat sich noch nicht dazu geäußert, wann mit 802.11ac für Centrino-Notebooks zu rechnen ist.

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