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Technikexperten und Hybrid-IT: Aufgaben ändern sich, neue Fähigkeiten sind gefragt

11.08.2020 | 14:27 Uhr | Patrick Hubbard

Die Zeit der hybriden IT ist längst da: Schon seit mehreren Jahren können On-Premises-, Cloud- und SaaS-Infrastrukturen harmonisch nebeneinander existieren – zumindest, wenn es den für diese Umgebungen verantwortlichen Technikexperten gelingt, sich anzupassen und sie erfolgreich zu verwalten.

Die neuen Zeiten haben klassische Abteilungsstrukturen aufgelöst (was längst überfällig war), zur Konvergenz verschiedener IT-Rollen geführt und die Grenzen der Verantwortlichkeiten im IT-Bereich verschwimmen lassen: Änderungen, die aus einer Notwendigkeit heraus entstanden sind, aber auch mehr Komplexität schaffen. Technikexperten stehen noch stärker als zuvor unter Druck, eine optimierte, sichere Performance für neue Remote-Arbeitskräfte zu gewährleisten, während sie gleichzeitig mit drohenden Budgetkürzungen und Unsicherheit umgehen müssen.

Solarwinds veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse des IT Trends Report 2020: The Universal Language of IT , der diese neue Realität analysiert und versucht, die universelle Sprache der IT zu definieren.

Die Umfragedaten wurden zwar erhoben, bevor Technikexperten im Zuge der Covid-19-Pandemie für systemrelevant erklärt wurden. Die Ergebnisse erhalten jedoch ein besonderes Gewicht in diesen schwierigen Zeiten, in denen globale Unternehmen auf Hochtouren arbeiten und mit neuer Remote-Arbeit und stark ausgelasteten IT-Umgebungen umgehen müssen.

Die Studie zeigt die veränderte Realität von Technikexperten auf: Rollen nähern sich einander stark an, doch die Budgets sind weniger auf neue Technologien als vielmehr auf Hybrid-IT ausgerichtet. Dadurch erweitert sich das Aufgabenfeld der Technikexperten vom IT-Betrieb auf die Optimierung.

Für den jährlichen Report wurden Technikexperten aus den unterschiedlichsten Bereichen befragt, um herauszufinden, wie die Realität ihrer Tätigkeiten momentan aussieht. Dabei ging es unter anderem um zentrale Triebkräfte für Veränderungen, benötigte Fähigkeiten und die Wahrnehmung ihrer Rolle im Unternehmen und in der Technologiebranche. Es wurden On-Premises- und Cloud-Umgebungen sowie Anwendungsverwaltung, Sicherheit und Funktionen für Managed Service Provider (MSP) betrachtet, um einen umfassenden Überblick über die Auswirkungen der modernen Komplexität zu erhalten.

Die Ergebnisse für Deutschland beruhen auf einer im Dezember 2019 durchgeführten Umfrage, an der 150 Technikexperten, Manager und Führungskräfte aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen des öffentlichen und privaten Sektors teilgenommen haben. Neben vielen weiteren wichtigen Erkenntnissen offenbarte die diesjährige Umfrage Folgendes:

Technikexperten konzentrieren sich weniger auf neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Edge, sondern vielmehr auf Hybrid-IT und Sicherheit.

Die drei wichtigsten Technologien, die den Personalbedarf von Unternehmen beeinflussen, sind (nach Gewichtung):

  1. Cloud Computing (d. h. SaaS, IaaS, PaaS) (41 %)

  2. Sicherheit und Compliance (52 %)

  3. Hybrid-IT (31 %)

Nur insgesamt 28 % der Befragten nennen neue Technologien wie KI, Edge, Microservices und Container als den größten Einflussfaktor auf den Personalbedarf.

Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Unternehmen ihr Budget nicht für neue Technologien aufwenden – insbesondere in diesem Jahr, in dem Budgets angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen neu überdacht werden müssen. Fast drei Viertel der Befragten (74 %) geben an, dass in den Technologiebudgets ihrer Unternehmen weniger als 25 % für neue Technologien vorgesehen sind.

Nichts wirkt einem Hype stärker entgegen als praktische Erfahrung, und der Report von 2020 deutet darauf hin, dass IT-Teams zunehmend Rückstände bei der Evaluierung aufarbeiten.

Unternehmen haben in Ingenieurteams investiert, die Prototypen entwickeln und auswerten, um viele der in den letzten drei Jahren gehypten Technologien zu beurteilen. Die Unternehmen stellen fest, dass viele dieser Technologien wie Bitcoin, Künstliche Intelligenz (KI) oder Maschinelles Lernen (Machine Learning) ihnen keinen Mehrwert bieten oder nicht nennenswert zur Modernisierung oder Transformation des Unternehmens beitragen.

Während Unternehmen ihre Prioritäten im Schatten einer bevorstehenden Rezession neu bewerten, sollten Technikexperten das Management regelmäßig auffordern, die technikbezogenen Kernkompetenzen des Unternehmens zu definieren, damit sie darauf achten können, ob es Lücken zwischen den Prioritäten und den vorhandenen Fertigkeiten gibt.

Die heutige Realität der Hybrid-IT hat eine „universelle Sprache der IT“ geschaffen, in der sich die Rollen und Silos der Technikexperten einander stark annähern und die Komplexität durch knappe und schrumpfende Budgets sowie einen Mangel an qualifiziertem Personal noch erhöht wird.

Dadurch, dass sich Technologien und Aufgaben einander stark annähern, haben sich die Rollen der Technikexperten in den letzten drei bis fünf Jahren in erster Linie im Hinblick auf die folgenden drei Aspekte verändert:

  • Notwendigkeit zur Neuqualifizierung des vorhandenen Personals (40 %)

  • Mehr IT-Personal aufgrund neuer Technologien (33 %)

  • Zunahme der Wochenarbeitsstunden (45 %)

Gleichzeitig stoßen Technikexperten etwa auf folgende Hindernisse, wenn sie ihre Unternehmen erfolgreich unterstützen möchten:

  • Mangelndes Budget/mangelnde Ressourcen (33 %)

  • Unklare oder sich ändernde Prioritäten (23 %)

  • Schlechtes Management oder Orientierungslosigkeit (11 %)

Darüber hinaus ist fast die Hälfte (43 %) der Befragten der Ansicht, dass die heute ins Berufsleben eintretenden Technikexperten nicht über das notwendige Know-how verfügen, um moderne, verteilte IT-Umgebungen zu verwalten. Das sind fast doppelt so viele wie diejenigen, die überzeugt sind, dass Berufsanfänger diese Fähigkeiten besitzen (23 %).

Wie schon in den vergangenen Jahren steht auch 2020 die Entwicklung neuer Fähigkeiten für Technikexperten in allen IT-Bereichen zunehmend im Fokus. Kritisch bleibt dabei, mehr Transparenz innerhalb und außerhalb der Firewall zu gewinnen und die Anwendungsleistung im Blick zu behalten.

Auch die praktische Sicherheit und Compliance haben 2020 weiterhin eine hohe – und wachsende – Priorität. Technologische Lösungen, die eine umfassende funktionsübergreifende Transparenz bieten, können Unternehmen helfen, diese Lücke zu schließen, während sie ihr aktuelles Personal weiterbilden oder Spezialisten für diese Aufgaben einstellen.

Viele der Probleme im Zusammenhang mit Personalbedarf und Know-how hängen mit expandierenden Bereichen wie APM, Sicherheit und Compliance zusammen.

56 % der befragten Technikexperten/Teams/IT-Abteilungen verwenden mehr Zeit auf die Verwaltung von Anwendungen und Services als auf Infrastruktur und Hardware. Dies stellt eine massive Verschiebung der strategischen Bedeutung von Anwendungen für moderne Unternehmen dar.

Bei 56 % der Technikexperten macht das IT-Sicherheitsmanagement 10 % ihres täglichen Arbeitsvolumens aus. Gleichzeitig sind die drei wichtigsten Sicherheitskompetenzen von Technikexperten, deren Ausbau Unternehmen priorisieren, folgende (nach Gewichtung):

  • Netzwerksicherheit (59 %)

  • Security Information and Event Management (SIEM) (23 %)

  • Sicherung und Wiederherstellung (28 %)

Ähnlich, wie sich die „universelle Sprache der IT“ auf IT-Abteilungen auswirkt, haben Compliance-Richtlinien bei 43 % der Technikexperten zur Einstellung zusätzlicher IT-Mitarbeiter geführt.

Zu den Compliance-Richtlinien, welche die größten Auswirkungen auf IT-Abteilungen haben, zählen

  • DSGVO (69 %)

  • PCI DSS (26 %)

  • RMF (21 %)

Durch die verstärkte Nutzung der Cloud werden Fähigkeiten und Lösungen für Anwendungsleistungsmanagement (APM) und Sicherheitsmanagement noch stärker gebraucht als zuvor. Im nächsten Jahr muss die Sicherheit zu den Kernkompetenzen aller Technikexperten gehören. Viele Unternehmen reagieren darauf, indem sie sich auf die interne oder selbstbestimmte Weiterbildung konzentrieren, während andere sich für das Outsourcing an MSP- oder MSSP-Teams entscheiden.

Technikexperten müssen immer stärker in der Lage sein, ihre IT-Umgebungen komplett zu überblicken, um mögliche verborgene Risiken aufzudecken. 2020 fällt ihnen außerdem mehr als je zuvor die Verantwortung zu, der Geschäftsführung wichtige Aspekte zu erläutern. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass Technikexperten beginnen, APM-Fertigkeiten und Produkte auszuwerten und zu beurteilen, ob sie den Anforderungen ihrer aktuellen Umgebungen entsprechen. Die Anwendungen und Infrastruktur in hybriden Umgebungen erfordern oft neue Monitoring-Methoden und Technologien, und IT-Teams überlegen, wie sie dies der Führungsebene kommunizieren.

Technikexperten müssen ihr Know-how in nicht-technischen Bereichen schärfen, um die „universelle Sprache der IT“ zu meistern, die eine funktionsübergreifende und geschäftliche Kommunikation erfordert.

Das nicht-technische Know-how, das nach Einschätzung der Technikexperten am wichtigsten ist, um die heutigen modernen IT-Umgebungen erfolgreich zu verwalten, bezieht sich auf folgende Bereiche:

  • Projektmanagement (59 %)

  • Zwischenmenschliche Kommunikation (58 %)

  • Personalmanagement (50 %)

Laut dem LinkedIn 2020 Emerging Jobs Report wird die Nachfrage nach sozialen Kompetenzen wie Kommunikation, Zusammenarbeit und Kreativität in der gesamten SaaS-Branche weiter zunehmen.

Trotz der von Technikexperten beklagten mangelnden Budgets und Fähigkeiten haben 85 % der Befragten eigenen Angaben zufolge keine Probleme damit, mit der Geschäftsleitung darüber zu sprechen, beispielsweise neue Technologien zu erwerben oder Zeit und Geld in Teamschulungen zu investieren.

Viele Technikexperten entwickeln neue Fähigkeiten vor allem in ihren aktuellen Fachgebieten. Der IT Trends Report 2020 macht jedoch deutlich, dass es bei guten Leistungen im IT-Bereich um mehr geht als nur IT-bezogenes Können. Zwischenmenschliche Fähigkeiten werden oft als „Soft Skills“ bezeichnet, was ihnen nicht ganz gerecht wird, denn sie spielen eine enorm wichtige Rolle. Soft Skills sind nicht optional. Dies sind menschliche Fähigkeiten und jeder benötigt sie, um mit anderen Menschen in Verbindung zu treten und sie in einer Weise anzusprechen, die sie verstehen. Oft findet sich im eigenen Team ein Mentor, der einem etwas beibringen kann. Es lohnt sich, die eigenen Kommunikationsfähigkeiten zu trainieren und sich in neuen Fachgebieten zu versuchen, beispielsweise im Projektmanagement.

Fazit

Die Jahreszahl 2020 klang lange nach Science-Fiction und schien wie ein Leuchtfeuer der Zukunft. Jetzt ist das besagte Jahr gekommen, jedoch ohne fliegende Autos. Die letzten zwei Jahrzehnte haben IT-Abteilungen tiefgreifend verändert, von der Virtualisierung über Mobilität und Cloud Computing bis hin zur digitalen Transformation. So wie es aussieht, werden sich diese Entwicklungen noch lange nicht verlangsamen.

Gleichzeitig müssen IT-Abteilungen weltweit gerade mit enormen Herausforderungen wie der Remote-Arbeit umgehen und stehen häufig kurz vor ihrer Kapazitätsgrenze. Die Studie The Universal Language of IT befasst sich mit der veränderten und zunehmend kritischen Rolle der Technologie in Unternehmen und mit den Technikexperten, die für die Sicherstellung der allgemeinen Betriebszeit, der Verfügbarkeit und der Leistung verantwortlich sind. Außerdem wird die stärkere Zusammenarbeit mit der Unternehmensführung beschrieben, um den Geschäftserfolg zu fördern.

Technikexperten und Geschäftsleitungen müssen schnell zu einer engen Zusammenarbeit finden, um Hypes hinter sich zu lassen. Die Zeit, Ressourcen und Mühen der IT-Abteilung sollten frei investiert werden können, um Fertigkeiten für die Technologien zu entwickeln, die den größten Geschäftserfolg versprechen.

Mittlerweile ist es absolut unverzichtbar, sich in zentralen Bereichen weiterzubilden. Sowohl technische Fertigkeiten (Anwendungsmanagement, Sicherheit und Compliance ) als auch zwischenmenschliche Kompetenzen für die Zusammenarbeit und das Projekt- und Personalmanagement werden im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen, um den Herausforderungen zu begegnen, die durch konvergente IT-Rollen und steigende Komplexität entstehen.

Das Jahr 2020 bietet Technikexperten mehr als je zuvor die Möglichkeit, die wichtige Nahtstelle zwischen der Entwicklung neuer Fähigkeiten, der Kommunikation mit der Führungsebene und dem Geschäftserfolg profitabel nutzbar zu machen.

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