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Tag zwölf

23.09.2009 | 09:44 Uhr |

Letzter Blick über die Stadt, dann ist Abschlussprüfung
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Morgen geht es um alles: Nehmen wir am Ende mit dem Bestehen der Prüfung 70-647 „Unternehmensadministration“ den MCITP: Enterprise Administrator mit nach Hause? Es sind jedenfalls noch alle im Rennen, und durch die freiwillige Prüfung 70-646 heute sind wir zumindest schon MCITP: Server Administrator. Damit sich die zwei Wochen Stress wirklich gelohnt haben, wollen wir nun aber das Treppchen, auf dem wir schon den Fuß haben, nun aber auch ganz hinauf. Dazu haben wir heute Abend noch einmal gepaukt, gepaukt und gepaukt – einfach ist die 70-647 nicht. Hier gilt es, die Inhalte aller bisherigen Prüfungen auf hypothetische Situationen anzuwenden. Das heißt die Aufgabentexte sind tendenziell lang, weil sie manchmal Unternehmen mit mehreren Active-Directory-Strukturen beschreiben. Ein typisches Beispiel etwa wäre, dass zwei solcher Unternehmen fusionieren und deshalb bestimmten Abteilungen aus Unternehmen A Zugriff auf Ressourcen von B gewährt werden muss. Zu viele Rechte darf man allerdings nicht vergeben, und oft hängen Nebenbedingungen wie etwa Minimierung des Datenverkehrs, der Lizenzkosten oder der Software-Installationen an der Aufgabe.

Bei knapp 50 Aufgaben wird der Kopf qualmen, da mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad der Prüfungen immer mehr Vorschläge so formuliert sind, dass sie plausibel klingen. Hier kommt es auf genauestes Lesen an, etwa ob nach den Maßnahmen gefragt wird, die überhaupt sinnvoll sind oder nach denen, die man zuerst ergreifen sollte. Bei mehreren richtigen Antworten muss man sich klar machen, ob jede für sich eine eigene oder alle Teile einer Gesamtlösung sind. Selbst wer das Fachwissen hat, aber zu oberflächlich liest, kann hier eine Menge falsch machen – also heißt es Vorsicht und höchste Konzentration.

Tag dreizehn

Wo steht eigentlich geschrieben, dass die Dreizehn eine Unglückszahl ist? Wir haben es geschafft, alle haben bestanden. Wieder zu Hause, erschöpft und glücklich schließe ich diesen Erfahrungsbericht und kann raten: Wer es sich technisch zutraut, sollte über einen Zertifizierungskurs unbedingt einmal nachdenken. Zu unterschätzen ist die Anstrengung allerdings nicht: Als kleines Indiz möchte ich anführen, dass meine TV-Fernbedienung am letzten Tag noch genauso da lag wie am ersten. Und dass wir ein Hundert-Prozent-Kurs waren, hat uns sowie den Trainer zwar über alle Maßen erfreut, aber die Regel ist es nicht: Ohne oder mit zu wenig Vorkenntnissen über Server-Technologie und Netze ist ein solcher Kurs nicht zu bestehen. Diese müssen nicht unbedingt aus der Microsoft-Welt stammen: Subnetz-, DNS- und DHCP-Kenntnisse können durchaus etwa unter Linux erworben worden sein, sie lassen sich relativ leicht auf Windows-Verhältnisse übertragen. Konkrete praktische Arbeit mit Windows-Servern ist allerdings ebenfalls Voraussetzung: Der Funktionsumfang von Server 2008 ist schlicht zu groß, um ihn sich während des Kurses erst von Grund auf beizubringen, wenigstens mit den Vorversionen sollten man gearbeitet haben.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Gesundheit: Gegen Ende merkt man, dass der Kurs an den körperlichen Kräften zehrt, auch wenn man topfit angetreten ist. Erkältungen, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen oder ähnliche Beeinträchtigungen könnten die Chancen senken, ihn erfolgreich abzuschließen.

Eine Woche Urlaub nach dem Kurs ist übrigens keine schlechte Idee. Das Gehirn braucht etwas Zeit, vom hochtourigen Modus wieder auf Normalumdrehung zu schalten. Wieder richtig erholt ist man, wenn der Gedanke aufkommt: „So, das war ja nicht von schlechten Eltern. Und welchen Kurs mache ich jetzt?“

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